WINNETOU III

Wie schon im zweiten Band, verwendet Karl May auch hier zwei frühere Erzählungen ("Deadly dust", "Im Wilden Westen Nordamerikas") und schreibt einen Schlußteil dazu. Die Kapitel um Helldorf-Settlement und Hancock-Berg gehören zu Karl Mays ganz großen Würfen. Das Paradies in der Wildnis, das dann zerstört wird. Eine Vision.

Es geht ein gewisser Bruch durch das Buch: 1880, als Karl May "Deadly dust" schrieb, ging es ihm erkennbar besser als 1882/83, der Entstehungszeit der zweiten Geschichte. Und das fließt deutlich in die Atmosphäre der Erzählungen ein (vergleichbar Durch die Wüste / Von Bagdad nach Stambul, zwei atmosphärisch ganz unterschiedliche Bücher).

Die Todesahnungen Winnetous über mehrere Seiten hat Karl May für die Buchausgabe dazugeschrieben, sie waren in der früheren Fassung noch nicht vorhanden. - Über solche Dinge informiert der ganz vortreffliche, kommentierte, preiswerte Reprint "Winnetous Tod" aus dem Karl May Verlag.

 

Erstes Kapitel - An der großen Westbahn

Diesmal gibt es, im Gegensatz zu Winnetou II, keinerlei Übergang; Winnetou oder Santer werden mit keinem Wort erwähnt, der Erzähler befindet sich allein in der Prärie, und eine ganz neue Geschichte hebt bezugslos an. „Seit fünf Tagen, wo unsere Gesellschaft durch einen zahlreichen Trupp Ogellallahs zersprengt worden war“ ...

Begegnung mit Sans-ear, „welchen noch kein Mensch in der Gesellschaft eines Andern gesehen hatte, weil er keinen für würdig hielt, sich ihm anzuschließen.“ Ob würdig oder nicht das 'bleibt sich gleich', allein schon die Tatsache des Bevorzugens des Alleinseins verdient Beachtung ...

Des öfteren werden vergangene Abenteuer erwähnt, die der Leser nicht kennt, z.B. das famose Bären-Abenteuer, das im grünen Band nicht erwähnt wird:

"'Old Shatterhand hat einmal unter einem Grizzlybären gelegen, der ihn im Schlafe überraschte und ihm das ganze Fleisch von der Schulter bis über die Rippe hinunterzog; er hat sich den Streifen Rumpsteak zwar glücklich wieder aufgeleimt, aber die Narbe muß doch zum Beispiel noch recht gut zu sehen sein!'

Ich öffnete meinen Büffelrock und das darunter befindliche weiße, hirschlederne Jagdhemd.

'Schaut her!'

'Potz alle Wetter, hat Euch der Kerl zugerichtet! Da müssen ja alle achtundsechzig Rippen blank zu Tage gelegen haben?'

'So war es beinahe auch. Es geschah unten am Redriver, und ich lag mit dieser fürchterlichen Wunde zwei Wochen lang neben dem Bären am Flusse, nur auf mich selbst angewiesen, bis mich Winnetou, der Apachenhäuptling, fand'“

Geld bedeutet Sans-ear nichts, „Ich kenne da droben in den Felsenbergen Adern, aus denen ich das Gold scheffelweise herausnehmen könnte“ ...

Der Erzähler ist „tief gerührt über die Kindlichkeit des Gemütes“ seines Gegenübers ... (er selber hatte sie auch, diese Kindlichkeit, trotz 'alledem' ...)

„Aus dem jungen, munteren Farmer ist ein grauer Wald- und Prairieläufer geworden“ äußert Sans-ear, so kann’s zugehen im Leben ... (auch innerlich)

Er und sein Tier „werden auch tapfer miteinander aushalten, bis ein Pfeil schwirrt, eine Kugel pfeift oder ein Tomahawk hernieder saust, um dem Einen von ihnen ein Ende zu bereiten; der Andere - sei es nun das Pferd oder ich selber - stirbt dann vor Gram und Sehnsucht nach.“ Eine optimistische, lebensfrohe Haltung klingt anders, auch wenn hier Ironie unterlegt ist.

Mehrmals die Erwähnung von Sam Hawkens, an den Sans-Ear erinnert; für die Buchausgabe hinzugeschrieben.

„Ein eigentümliches Gefühl erfaßte mich, dunkel zwar, doch auch verständlich. Auf meinem jetzigen Halte trat ich seit langer Zeit wieder in Beziehung zu der Zivilisation. Ich brauchte beim Nahen eines Zuges nur ein Zeichen zu geben, um einsteigen und nach West oder Ost davondampfen zu können.“ Solche Stellen sind immer auch zusätzlich auf einer anderen Leseebene zu lesen. Reflektionspunkte auf dem Lebensweg. Weichenstellung auch innerlicher Art.

„Der Prairiejäger zieht aus den unbedeutendsten Dingen, die für den Uneingeweihten gar nicht im Zusammenhange stehen, Schlüsse, über welche ein Anderer oftmals lachen würde, die sich aber in der Regel als richtig erweisen.“ Nicht nur der Prairiejäger ...

Die Thematik Einsamkeit begegnet uns interessanterweise in verschiedener Form, lasen wir seitens des Erzählers anfangs

„hatte ich weder ein nennenswertes Tier noch die Spur eines Menschen bemerkt und begann nun endlich mich nach irgend einem vernünftigen Wesen zu sehnen, an welchem ich erproben konnte, ob mir nicht vielleicht infolge des lange anhaltenden Schweigens die Sprache verloren gegangen sei“,

läßt sein Kumpel Sam, durchaus nachvollziehbar, recht unmissverständlich durchblicken, daß er mit den Menschen im Großen und Ganzen nichts mehr zu tun haben mag. Er hat ja sein unvergleichliches Tier („Ich lasse sie stets frei grasen, und sobald sie eine Gefahr wittert, kommt sie herbei und stößt mich mit dem Maul“).

Man raucht selbstgefertigte Zigarren, es ist „Ein wenig wilder Hanf dabei“.

„Bei den Fallenstellern war ein weißer Mann, den sie für närrisch hielten, weil er Pflanzen und Käfer suchte und bloß gekommen war, um sich die Savanne anzusehen“, auch diese Geschichte (es geht um Old Shatterhand !) kannten wir noch nicht. Das Los teilt er indes mit einigen, für närrisch gehalten zu werden. „Aber in seinem Kopfe wohnte die Weisheit“ ...

Der Erzähler hört von seiner bewegten Vergangenheit erzählen, „Er wurde gefangen genommen und nach den Dörfern der Ogellallah geführt. Sie töteten ihn nicht, denn er war ein mutiger Krieger, und manches Mädchen des roten Volkes wollte als Squaw mit ihm in seine Hütte gehen.“

„Ich hatte an einigen Lagerfeuern gelegentlich erwähnt, daß ich nach der Sahara gehen wolle. Das war auch geschehen, und nun erfuhr ich bei meinem jetzigen Streifzug durch die Prairie zu meinem Erstaunen, daß die Kunde davon sogar schon zu den Indianern gedrungen war.“ Und: „Es schien mir hier mit dem Bowiekneif besser gelungen zu sein, ein bekannter Mann zu werden, als drüben in der Heimat mit der Feder.“ Ja, so ist das ... Sport- & Showdummbaddel kennt jeder, aber wer kennt Hölderlin oder Rimbaud ...

Noch eine unbekannte Geschichte, „Old Shatterhand, der vor drei Monaten droben in Montana von mehr als hundert Sioux gejagt wurde und mit Schneeschuhen die ganze Strecke des Yellow-Stone vom Schneeberge an bis Fort Union in drei Tagen zurücklegte“ ...

Für die Buchausgabe hinzugeschriebener Bezug zum zweiten Winnetou-Band: „Habt Ihr nicht bereits vor einiger Zeit einen Zug gerettet, den Parranoh, der weiße Häuptling der Sioux, vernichten wollte?“

„Einen nächtlichen Angriff gegen eine Indianertruppe zu leiten, dazu gehörte mehr, als ich einem Bahnbeamten zutrauen durfte, selbst wenn dieser ein ganz wackerer und mutiger Mann genannt werden mußte.“ Es ist halt schlecht Verlaß ... „Solche Leute konnten mir freilich nicht viel nützen; es war besser, sie blieben zurück“.

„Wirklich erklärten sich acht bereit, den Zug mit ihrem Leben zu verteidigen.“ Das ist [im Kontext] natürlich Ironie, wenn auch für einige vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar ... solche Subtexte verstecken sich indes des öfteren bei Karl May. Die Kommunikation mit Ignoranten erweist sich in diesem Zusammenhang oft als zäh, unerfreulich und am besten zu vermeiden.

Mit den Eisenbahnern kriegt er typischerweise Krach, das begegnet uns des öfteren, daß er mit den Menschen nicht zurechtkommt, bzw.: diese nicht mit ihm. Er ist halt „weiter“, oder, ganz wert[ungs]frei, „woanders“, und das verträgt sich dann halt manchmal schlecht ...

Es „könnte Old Shatterhand sehr leicht Lust bekommen, mit seiner Faust auf Eurem Schädel zu beweisen, daß er seinen Namen mit Ehren trägt.“ Unser Erzähler ist nicht immer wirklich freundlich ... die lieben Mitmenschen geben halt auch nicht immer Anlaß dazu ... „im nächsten Augenblick flog der Eisenbahn-Stratege hinter den Wetterschirm, und ich galoppierte davon.“

Wie der Bushheader hieß, der damals das Hide-spot von Old Firehand überfiel und auch jetzt wieder mit von der Partie ist, weiß der Erzähler nicht, „ist auch nicht von Interesse, da diese Sorte von Menschen sich täglich anders nennt.“ Das gilt auch noch in einem anderen Sinne: das „Böse“ (und auch alles andere) kommt immer wieder, in anderen Erscheinungen und unter anderen Namen ... Selbiges gilt, nebenbei bemerkt, in ähnlicher Weise übrigens auch für Personen aus Mays Leben, wie sie nun alle hießen und von wann bis wann sie gelebt haben, muß nicht wirklich interessieren ... hier gehen die Ansichten indes bekanntlich auseinander ...

„Wer die Prairie nicht kennt, ahnt nichts von der Glut der Erbitterung, mit welcher sich zwei Rassen bekämpfen, deren Angehörige von Schritt zu Schritt im Blute ihrer Gegner schreiten.“ Wir werden es ggf. im nächsten Krieg oder Bürgerkrieg auch hierzulande wieder erleben.

Die folgenden Action-Szenen (Brand, Stampede, Kampf) können wieder übergangen werden.

Old Shatterhand erwähnt, daß er Gegner „mit dem Tomahawk nur betäubt“ hat.

Ansonsten ist er nicht gerade zimperlich; er lässt den Eisenbahnzug zurück rollen, obwohl er weiß, daß Indianer darunter liegen … es ist dann lapidar von Schmerzensschreien die Rede, und damit hat es sich.

„Es berührt das Herz ungemein wohltuend, wenn die Mächtigen der Erde eine schöne Neigung zu Gnade und Barmherzigkeit verspüren lassen“, hübsche Ironie.

Diamantenfund, der den Erzähler für einen Moment erhitzt, „Sam, ich halte einen außerordentlichen Reichtum in den Händen!“, was aber bald wieder relativiert wird, „Kohlenstoff, Sam, nichts als Kohlenstoff!“, deadly dust ...

Überleitung zum nächsten Kapitel mit der nächsten Episode.

Man mag so etwas wie Erleichterung spüren, wenn die Repräsentanten der Zivilisation oder auch der Gesellschaft wieder verschwunden sind,

„ein kurzer Abschied, und der Zug dampfte davon. Einige Zeit lang noch vernahmen wir das immer schwächer werdende Rollen; dann waren wir wieder allein in der weiten, stillen Savanne.“

Sans-ear wird nicht an unethisch-geschmacklosem Tun gehindert, „Während ich abstieg und mich auf den Damm ausstreckte, begann er sein Werk, an dem ich mich nicht zu beteiligen vermochte, und bald lagen die toten Indsmen nebeneinander, die abgeschnittenen Ohren in den Händen.“

 

Zweites Kapitel - Die Stakemen

"Zwischen Texas, Arizona, Neu-Mexiko und dem Indianer-Territorium" ... Wieder beginnt eigentlich eine neue Geschichte, wie wir es z.B. schon aus „Durch die Wüste“ kennen: relativ für sich stehende Einzelgeschichten sind locker motivisch miteinander verknüpft.

Es geht in den Llano. Der steht, das sollte klar sein, immer auch [zusätzlich zur Grund-Leseebene] für eine innere Befindlichkeit, ist ein Bild dafür. (Leere, Orientierungslosigkeit, u.a.) Was nun keineswegs heißen soll daß Karl May hier von einer Krise schreibt ... ("ich hatte den Gedanken nicht von mir weisen können, wie praktisch die Ueberführung von numidischen Kamelen in diese Wüste sein würde" z.B. klingt nicht allzu düster ...) Nein, es gibt ganz unterschiedliche Befindlichkeiten, innerhalb derer man vom 'Llano' schreiben kann ... man muß nicht aktuell in einer Krise stecken um über sie schreiben zu können ... Ein Text Mays von 1890 oder -95 über den Llano wird anders herüberkommen als einer von 1880 ...

Immer noch kein Wort über Winnetou oder Santer.

"Das also sollte der Abschluß meines Lebens, das Ziel meiner Wanderungen sein! Ich wollte denken an die Eltern, an die Geschwister daheim im fernen Deutschland, wollte meine Gedanken zum Gebete sammeln - es ging nicht" ...

Dinge wie das fast Verschmachten und Rettung in letzter Minute durch ungewöhnliche Maßnahmen stehen immer auch für existentielle Erfahrungen, sind grundsätzlich mehr als nur reine Abenteuergeschichten.

Die Stakemen des Llano sind "auf eine Idee gekommen, welche grausamer und infamer nicht gedacht werden kann", so ging und geht es zu in der Welt, und May schaut ganz genau hin.

Das Trinken von Wolfsblut rettet.

Die Episode erinnert stark an eine ganz ähnliche Passage in „Ein Dichter“, auch in Orientgeschichten u.a. pflegte May ja in ähnlicher Weise frühere Motive neu auszuarbeiten.

Immer wieder werden vergangene Ereignisse erwähnt (z.B. Old Shatterhands Aufenthalt beim Juwelier u.a.), die der Leser nicht kennt; die Handlungszeit der Winnetou-Trilogie zieht sich über Jahre.

„Das Du der Westläufersprache“, warum nicht, andere mögen sich wie der sprichwörtliche Bolle amüsieren, es geht dem Autor darum, deutlich zu machen, daß das Verhältnis zwischen Hawerfield und ihm mittlerweile ein angenäherteres ist als noch im ersten Kapitel, die beiden sind ein wenig mehr miteinander „warm geworden“, und das drückt sich halt auch in der Sprache aus. Wie nun genau sich das in Englisch oder Prärie-Englisch gestaltet oder anhören mag, das ist ganz nebensächlich, wir wissen ja daß es eine Phantasiegeschichte ist, warum also so kleinlich sein. Ein bißchen Kreativität und Phantasie im Denken kann hier nicht schaden.

Charly betätigt sich, vor Hermann Hesse und Wilhelm Reich, die beide ebenfalls sich damit beschäftigten, als Regenmacher, "wer einigermaßen mit den Gesetzen, Kräften und Erscheinungen der Natur vertraut ist, kann sich den Vorgang ganz gewiß erklären, ohne eine wissenschaftliche Erörterung zu verlangen".

"Nimm es mir nicht übel, Charley, aber ich glaube, du bist zum Zeitvertreibe ein wenig übergeschnappt!" - "Weißt du nicht, daß bei manchen Wilden die Uebergeschnappten für sehr gescheite Leute gelten?"

Unser Erzähler hört sich, ohne es jeweils zu kommentieren, von Bob den Spruch „Massa Charley sein, der totschlagen bloß Indsmen und Spitzbub, aber laß leben Gentleman und Nigger!“ sowie seitens Williams die Bezeichnung „Schlabbermaul“ an.

Es wird wieder einmal fleißig geschauspielert, "Ich nahm eine Miene an, als fühle ich mich außerordentlich beherrscht von ihm, und schwieg in möglichst wohlgespielter Verlegenheit. Der kleine Sam blinzelte nicht mich - denn das hätte ihn verraten können - sondern seine Tony mit ein Paar Augen an, als ob er mit ihr im höchsten Grade einverstanden sei" ...

"Wenn zwei Jäger einige Wochen lang beisammen gewesen sind, so lesen sie sich die Gedanken an den Augen ab." Das gilt also nicht nur für die Blutsbrüder. 

An einer Stelle wird einigermaßen missverständlich räsonniert „grad unsere Namen mochten den Gedanken in ihm erwecken, daß er eine Vergewaltigung bei uns nicht zu erwarten habe“.

Bernard zweifelt in Sachen Wettermachen, da "erklärte ich ihm den höchst einfachen Vorgang" ...

Der Erzähler muß bei Bernards Geschichte "wieder einmal eine jener höheren Fügungen bewundern, welche der Zweifler Zufall zu nennen pflegt."

„ich bin ein rauher Gesell aber wohl dem Menschen, der sich aus der glücklichen Jugendzeit seinen Kinderglauben hinüber in die Zeit des ernsten Mannesalters gerettet hat“ ...

Lob der Intuition, "Du bist ein Mensch, dem alles glückt. Wenn ein Anderer jahrelang vergeblich nach etwas ringt und jagt, so greifst du im Traume in die Luft und hast es."

Beim Belauschen der Stakemen kann der Erzähler feststellen, welchen großartigen Ruf Old Shatterhand mittlerweile hat ...

Merkwürdige Erwähnung von Florimont alias Bärenherz.

"Ich habe erzählen hören, daß dieser Old Shatterhand ein Gewehr hat, mit dem er eine ganze Woche lang schießen kann, ohne daß er es zu laden braucht; der Teufel hat es ihm gemacht, und er hat ihm dafür seine Seele verschrieben."

"Die Kaufleute sind ausgelöscht!" erscheint unklar, denn das sind sie an der Stelle doch noch gar nicht ... Es kann allenfalls so etwas bedeuten sollen wie "Ihr Schicksal ist besiegelt" ...

Manchmal geht’s wie’s Bretzelbacken, wenn eine Geschichte zu ihrem Abschluß kommen soll, hopplahopp und ratzdifatz:

"'Tod und Hölle! Lebendig sollt ihr mich nicht nochmals fangen!'

Mit diesen Worten stieß sich der Pfahlmann sein eigenes Bowiemesser ins Herz und brach zusammen.

'Gott sei seiner Seele gnädig!' sagte ich."

Und daß wir es im Grunde mit Einzelgeschichten zu tun haben, zeigt auch das Schlussbild mit drei Gedankenstrichen anschließend.

"Das Feuer verzehrte das ganze zusammengeraubte Gut der Stakemen. - - -". Dieser letzte Satz wurde übrigens für die Buchausgabe hinzugeschrieben.

 

Drittes Kapitel - Unter den Comanchen

Terrainwechsel. Wieder fängt scheinbar eine neue Geschichte an. Die Landschaftsbeschreibung klingt zwischenzeitlich manchmal ein wenig pathetisch. (Oder poetisch ... ggf. je nach Tagesform oder Befindlichkeit des Lesers.)

In Sachen Eleganz des Schreibens ist unser Autor nicht immer durchgängig auf der Höhe,

„'Eine Hacke!' rief Sam.

'Richtig!' antwortete ich überrascht, 'hier hat eine Hacke gelegen.'

Unter dem Moose zeigte der lockere, moderige Bottomgrund ganz genau den Abdruck einer Hacke, welche hier gelegen hatte.“

(Jetzt wissen wir’s alle: eine Hacke. Hat dort gelegen.)

"Der Indianer ist überhaupt kein Freund der hellen Farben beim Pferde, und kann er schon auf der Jagd keinen Schimmel gebrauchen, weil das Weiß das Wild verscheucht, so bei einem Kriegszuge erst recht nicht. Nur im Winter, wo die Farbe dem Schnee gegenüber als Maske dient, kann es einmal bei einem einzelnen Unternehmen vorkommen, daß man auf einen Schimmel steigt, und dann nimmt auch der Reiter einen weißen Kattun über. Ich selbst habe dies einmal droben am Nord-Park versucht, und zwar mit gutem Erfolge." Der Waldkönig in Amerika ... (die ca. zweieinhalb Maykenner unter den Lesern dieser Internetseite wissen was gemeint ist. Für die anderen hätte hier mindestens Buschgespenst statt Waldkönig stehen müssen.)

Kalauerei besonderer Art ist auch wieder vertreten, „Was meinst du, alte Tony, wenn uns die Roten heut abgestutzt hätten, mir die Ohren und dir den Schwanz? Ja so, das ist ja schon früher geschehen!“

Im Laufe der Winnetou-Trilogie war der Erzähler zwischenzeitlich in der Heimat und im Orient, "Ich habe das Wigwam des Vaters gesehen und bin in der Sahara gewesen; aber der Geist der Savanne hat mich gerufen im Lichte des Tages und im Traume der Nacht; ich bin seiner Stimme gefolgt", das ist hübsch gesagt, auch wenn er diesen Geist der Savanne nur im heimischen Sachsen geschaut hat.

Winnetou exekutiert einen Verbrecher, die Stelle pflegt missverstanden zu werden, auch im Karl-May-Handbuch, im grünen Band ist sie gar seitens Dritter umgeschrieben. Die Leute gucken nicht weit oder klar genug, es geht nicht um Von-hinten-erschießen, es geht sozusagen um einen gnädigen Akt, Winnetou sagt es doch ausdrücklich, „Der Geist der Savanne ist gerecht und barmherzig; er gibt nicht Gnade, die in das Verderben führt. Der weiße Mörder wäre getötet worden von den Comanchen, von den Stakemen und aufgefressen von den Coyoten!“ Und bevor der tödliche Schuß fällt, hat der Verurteilte noch einmal Hoffnung, den Zweig, „das Zeichen des Friedens und der Gnade“ zu erreichen, „Er erreichte ihn und streckte seine Hand danach aus“, das ist wie bei Steinbeck (Lennys Schluß-Vision in "Von Mäusen und Menschen") oder in einer sehr beeindruckenden Kurzgeschichte von André Maurois, in der man Todgeweihten in einer Art Sterbehilfehospiz noch einmal große Illusionen macht, gnädige Täuschung vorm Sterbenlassen. [...] Höhere Gerechtigkeit (oder wie immer man das nennen mag) funktioniert nun einmal nicht nach Art und Weise „ordentlicher Gerichte“ ...

Keine Reaktion übrigens seitens der Mitanwesenden. "Schweigend und in ernster Stimmung folgten wir."

Erst später gibt es eine Irritation zwischen Winnetou und Old Shatterhand, "Es tat mir eigentlich leid, ihm entgegentreten zu müssen; aber es war heute bereits das Blut eines Menschen geflossen, und es widerstrebte meinen innersten Gefühlen, selbst gegen Mörder die Waffe zu richten, wenn dies nicht von erlaubter Notwehr geboten war."

Ausgiebig hat man es mit Comanchen zu tun in diesem Kapitel. Von denen wurden, im Beisein des Erzählers, gerade einige hundert getötet in Winnetou II. Und so flicht der Erzähler [später im Kapitel] an einer Stelle vorsichtshalber den Satz „Glücklicherweise war dieser Comanchenstamm nicht derjenige, mit welchem Winnetou damals bei der Mapimi gekämpft hatte“ beiläufig ein.

Wieder einmal eine dieser bekannten Merkwürdigkeiten, "er hatte mich diese Sprünge gelehrt, bei denen man, nicht laufend, sondern sich in weiten Sätzen durch die Luft werfend, den Schwerpunkt immer nur auf das eine Bein legt, welches gleichsam als Spannfeder dient, und dann, wenn dieses müde wird und zu zittern beginnt, auf das andere überwechselt."

Action im Wasser.

„Winnetou hat heut zweimal gehandelt wie ein Knabe, der keine Gedanken hat; aber er fürchtet sich nicht, und seine weißen Brüder werden ihm verzeihen!“ ... „Das war ein Eingeständnis, welches der stolze Apache sicher keinem Anderen als nur mir allein gemacht hätte.“

„Im Vorübergehen erblickte ich den fraglichen Gegenstand in der Hand des Häuptlings. Es war ein wollener Faden, der beim Zerschneiden der Decken von einem der Unsrigen achtlos zur Erde geworfen worden war; es hing also hier ganz wörtlich unser aller Leben nur an einem Faden“, manchmal nimmt unser Autor offenbar sich selbst und die eigene Schreiberei nicht recht ernst.

"Der Rote war nackt, drum konnte man nicht erkennen, zu welchem Stamme er gehört" erfahren wir, als Old Shatterhand Feinde belauscht, es geht um [den schwimmenden] Winnetou.

Überwältigung eines Bären. Darauf Weltanschauliches, "Die Indianer glauben nämlich, daß in jedem grauen Bären die Seele eines berühmten Jägers wohne, die hier eine Läuterung, eine Art Fegfeuer zu erleiden habe." Man kann darüber nachdenken, ob es uns nicht allen ganz ähnlich geht. Das Leben ein Läuterungsprozess, eine Art Fegefeuer.

Hoblyn wird freigelassen. Vergleichgares geschieht immer wieder im Gesamtwerk. Zu Moral u.ä. siehe auch oben.

Gerichtsbarkeit in der Neuen Welt, "Er mag werfen die Stakemen in das Wasser, denn keine Waffe soll berühren ihren Körper, sondern sie mögen im Wasser ertrinken."

"Bob band ihn los, und während wir ihn vor den Läufen unserer Büchsen behielten, vollbrachte er den ihm gewordenen Befehl mit einer Bereitwilligkeit, wie sie nur der wirklich hartgesottene Sünder zeigen kann. Er sah sich verloren, und es war ihm ganz sichtlich eine Genugtuung, vorher an seinen früheren Gefährten den Henkerdienst zu verrichten." Was der ['gemeine'] Freilichtbühnenfreund sicher nicht ahnt: bei Karl May geht es immer wieder um menschliche Abgründe, Extreme. Nichts ist ihm fremd.

Sam will auf persönliche Rache nicht verzichten, "Ich bin ihnen gefolgt seit vielen Jahren; das, was sie mir getan haben, ist ihr ältestes Verbrechen; sie sind mein, und ich lasse sie keinem Andern. Ihr Leben gehört mir, und ihre Kerben kommen auf meine Büchse. Dann ist Sans-ear zufrieden, und er und seine alte Tony mögen Ruhe finden in irgend einer Kluft des Gebirges oder draußen in der Prairie, wo die Gebeine von tausend Jägern bleichen!"

"Sam, [...] beflecke dich nicht mit dem Blute der Mörder, indem du sie als Wehrlose kaltblütig niederschießest. Solche Rache entehrt einen Christenmenschen und ist Sünde. Ueberlaß sie dem Neger!" Ethik der merkwürdigen Art ... (Sicher eine der Stellen die Petzel u.ä. bearbeitet sehen möchten ... Sollen wir heute nicht mehr wissen, daß zu anderen Zeiten anders empfunden und geschrieben wurde ? ...)

Überfall; "Es war mir ein höchst wohltuendes Gefühl, wenigstens Einen außer mir noch verschont zu wissen, wenn dieser Eine auch grad der Neger war."

„das Gold ist deadly dust, tödlicher Staub; es bringt unter hundert, die ihm in den Diggins und dem wilden Westen nachjagen, neunzig in den Tod. Der Glanz und Klang des verführerischen Metalls weckt finstere Dämonen, und nur unter dem Gesetze bewährt es seine segensreiche Macht“, dieses „Deadly dust“ gab dem ersten Teil von Winnetou III ja seinerzeit [in der Zeitschriftenfassung] den Titel und wird auch mehrmals namentlich angesprochen.

To-kei-Chun heißt „Der gehörnte Stier“, ob da irgendein sächsischer Ehemann den Namenspaten gab ? Seine Tochter, der der Erzähler offenbar gefällt, heißt Hi-lah-di, die reine Quelle.

"Er begleitete diesen heroischen Entschluß mit einem Grinsen, welches den Indianern sicher allen Appetit, ihn zu verspeisen, benommen hätte, und nahm dann ein Stück Dürrfleisch vor, um vor seinem Martertode wenigstens noch in etwas des Lebens Reize zu genießen." Die ganze Passage bei den Comanchen gerät recht launig.

"Die Indianer bildeten eine Gasse, welche wir durchschritten, und dabei bemerkte ich manches alte und junge Frauengesicht, das heimlich aus dem oder jenem Zelte lugte, um den Weißen anzusehen, der es gewagt hatte, die Höhle der Löwen zu betreten."

Im Zelt; "Auch konnte ich mir sehr leicht denken, daß ich mich hier, sozusagen, auf einer Beobachtungsstation befand und daß, ungesehen von mir, wohl verschiedene Augen durch irgend welche Löcher oder Lücken auf mir ruhten." Wie z.B. auch in der "Liebe des Ulanen": Überwachung gab es natürlich auch schon im 19. Jahrhundert.

"Ich [...] will gestehen, daß ich dem großen Stücke Büffellende, welches ich vorfand, ganz gehörig zusprach und schließlich auch die Fleischbrühe nicht verschmähte, obgleich die Reinlichkeit des Gefäßes alles zu wünschen übrig ließ" ...

„Nach beendigter Mahlzeit streckte ich mich wieder aus, legte mir meine Decke unter den Kopf und gab mich gewissen Betrachtungen hin, die sehr geeignet waren, mich wach zu erhalten“, leider verrät er nicht, was er da so vorm geistigen Auge gesehen hat.

"Ich stand - oder richtiger - ich lag jedenfalls am Vorabend wichtiger Ereignisse" ...

"Gerade meiner Hütte gegenüber lag eine bedeutend größere, vor deren Tür drei Schilde angelehnt waren. Auf den Ruf der Wächter wurden die Vorhänge zurückgeschlagen, und ein dunkler Mädchenkopf erschien, um nach der Ursache des Lärmes auszuschauen; zwei schwarze, feurige Augen ruhten auf mir" ...

Eindruckschinden mit Fernrohr sowie "zwanzig Kugeln, eine jede einen halben Zoll unter der vorherigen".

"Warum setzt sich der weiße Mann, da doch Gericht über ihn gehalten werden soll?" [...] - "Warum setzen sich die roten Männer, da doch Old Shatterhand über sie Gericht halten wird?"

Bemerkenswerte Worte To-kei-chuns über die Weißen, "sie brachten mit die Feuerwaffen und das Feuerwasser; sie brachten mit andere Götter und andere Priester; sie brachten mit den Verrat, viele Krankheiten und den Tod. Es kamen immer mehr von ihnen über das große Wasser; ihre Zungen waren falsch und ihre Messer spitz; die roten Männer glaubten ihnen und wurden betrogen. Sie mußten das Land hergeben, wo die Gräber ihrer Väter lagen; sie wurden aus ihren Wigwams und ihren Jagdgebieten verdrängt, und wenn sie sich wehrten, so tötete man sie. Um sie zu besiegen, säten die Bleichgesichter Zwietracht unter die Stämme der roten Männer, die nun getötet werden und sterben müssen, wie Coyoten in der Wüste. Fluch ihnen, so viel Sterne am Himmel sind und Blätter auf den Bäumen des Waldes" ...

Bluff mit Zeichnen auf Papier ("Der weiße Mann zaubert die Seelen der Comanchen auf dieses weiße Fell") und Taschenspielertrick mit Knöpfen.

"Meine roten Brüder glauben an einen großen Geist, und sie haben recht, denn ihr Manitou ist auch mein Manitou; er ist der Herr des Himmels und der Erde, der Vater aller Völker" ... So ist das.

"Old Shatterhand gehört zu dem mächtigen und weisen Stamme der Germani; hat dieser Stamm den roten Männern jemals ein Leid getan? Die großen Häuptlinge der Germani zürnen den Häuptlingen der drei bösen Stämme, also sind die Krieger der Germani Freunde und Brüder der roten Männer." Aha ... so einfach [macht er es sich] ...

Handstreich. „Wer mit den Gebräuchen der Wilden nicht vertraut ist, wird in meinem Verhalten eine fürchterliche Waghalsigkeit suchen, doch mit Unrecht. Der Indianer ist keineswegs der 'Wilde', für den er ausgegeben wird. Er hat seine unumstößlichen Gesetze und Gebräuche. Wer sich dieselben nutzbar zu machen versteht, läuft wenig Gefahr.“ Übertragbar. (Da spricht der erfahrene Hochstapler und Menschenmanipulator, und die Geschichte spielt, wie immer, eigentlich in Deutschland.)

Old Shatterhand ist "ein großer Krieger und listiger Schakal", erkennen die Abgesandten der Comanchen, "die Sinne der Häuptlinge der Comanchen sind verdunkelt gewesen, daß sie mit ihm geraucht haben das Calumet des Friedens. Howgh!"

Kurze Begegnung mit bereits erwähnter Hi-lah-di, "Dein Auge ist hell, und deine Stirn ist rein; möge auch dein Leben so licht und ungetrübt bleiben!". Und das war's mit den beiden.

"Die Häuptlinge rührten sich nicht, so lange wir uns noch im Zelte befanden. Wir stiegen auf; fort ging es! Die Zeltstraße war leer; kein Indianer war zu sehen; jedenfalls aber wurde unser Abzug von Allen beobachtet. Nur beim Zelt To-kei-chuns war es mir, als ob vier Augen durch die Ritze des Vorhanges lugten. Hundert Herzen klopften in der Erwartung, uns einzuholen; hier aber gab es sicherlich zwei, welche wünschten, daß wir entkommen möchten. - - -"

Der ganze seltsame Besuch bei den Comantschen, bei dem es ja immerhin um Leben und Tod geht, wirkt zu großen Teilen wie eine Clownerie, eine groteske Kasperei, das Gefühl wirklicher Gefahr stellt sich kaum ein; May habe vor Gericht so gewirkt, als nähme er alles einschließlich sich selbst nicht recht ernst, steht (u.a.) irgendwo im großen Bildband, genau dieses Gefühl vermittelt sich hier. Wobei man geteilter Ansicht sein kann, ob das nun mangelnde Reife oder tiefere Einsicht oder eine individuelle Mischung aus beidem ist.

 

Viertes Kapitel - In Californien

Erstes Kapitel: Eisenbahnüberfall; zweites: Llano / Stakemen, drittes: bei den Comanchen. Im vierten wieder neue Geschichten, seltsamer Besuch auf einer Ranch, merkwürdiges Etablissement in San Francisco; es ist ähnlich wie etwa in „In den Schluchten des Balkan“, verschiedene eigentlich eigenständige Geschichten werden aneinandergehängt, durch die Jagd auf bestimmte Übeltäter nur lose verknüpft.

"Von dem Gebiete der Comanchen bis hierher ist es ein wenig weit." Launige Stimmung.

"Hier bewährte sich mein Rapphengst auf das glänzendste. Er flog mit einer Leichtigkeit dahin, als ob ich ein ausgetrockneter Jockey von 0,10 spezifischem Gewicht sei" ...

"Mit dem Lasso üben sich schon die Kinder, und endlich scheint es, als ob er mit dem Menschen vollkommen verwachsen wäre; er gehorcht nicht bloß der Hand; man möchte sagen, er gehorcht dem Gedanken, denn die tödliche Schlinge fliegt dahin, wohin der Mensch sie haben will" ... Hübsch gesehen und formuliert.

Exkurs über Mexikanisches über mehrere Seiten.

Begegnung der merkwürdigen Art mit zwei Damen.

"Mit diesem langgedehnten Seufzer der Erleichterung öffnete sie ihre kleinen Basiliskenaugen und gab ihrem gelben Gesichte einen Ausdruck, welcher schmachtend sein sollte, aber mehr angstvoll und verlegen war." ... "flötete sie mit einer Stimme, welche genau so klang, als ob ihre Stimmritze zwischen zwei Scheuerbürsten angebracht sei." ... "Sennorita Alma sprang fort - fast möchte ich sagen, daß der Schmutz an ihren Füßen platzte -" ... "Sie hatten Gesicht und Hände gewaschen; die Füße staken in Strümpfen und Schuhen. Wenn ich sie nicht vorher in ihrem Haus- oder vielmehr Ranchokleide gesehen hätte, würde wenigstens die jüngere einen recht befriedigenden Eindruck hervorgebracht haben." ... "Auffallend war, daß sie unausgesetzt von 'Sennor Allano' sprachen, und es stellte sich infolgedessen bei mir der Verdacht ein, daß die kleine Sennorita Alma auf den schmucken Juwelier ein wenig Jagd gemacht habe" ...

"Mir war der Mund so gepfeffert, der Schlund so gezwiebelt und der Magen so geknoblaucht" ...

"Sennorita Alma kam nicht von der Seite meines guten Bernard fort, und ich unglückseliger Westmann hatte meine wohlberechnete Höflichkeit mit der unzertrennlichen Gesellschaft der Sennora Eulalia zu büßen. So sehr sich diese bei ihrem ersten Auftreten - gut bayerisch gesprochen - als eine echte 'Zuwiderwurzen' gezeigt hatte, so viele Liebenswürdigkeit träufelte jetzt aus jedem ihrer Worte."

Bob "lag mit seinem Bauche auf der Erde, machte mit Händen und Füßen allerlei mir unverständliche Bewegungen und stieß dabei so fabelhafte Töne aus, daß es mir schien, als studiere er auf einem javanesischen Anklony (Ein aus 24 Bambusstücken bestehendes, wohl 50 Pfund schweres Musikinstrument) die Richard Wagnersche Zukunftsmusik."

Stelldichein; "Sie hätte diese Mitteilung ganz offen bei Tafel machen können, doch konnte ich ihr bei der Wichtigkeit ihrer Mitteilung nicht zürnen, daß sie mir Veranlassung zu dem gegenwärtigen kleinen Spaziergang gegeben hatte. Darum dankte ich ihr verbindlichst, worauf sie wieder dem Tore zuschritt." Versteckt sich da beim verbindlichsten Dank etwas zwischen den Zeilen ?

„Um die Beschaffenheit desselben beurteilen zu können, muß man mit dem Innern eines Rancho bekannt sein. Ein solches Gebäude hat meist nur einen einzigen wirklichen Wohnraum, denjenigen, welchen Sennora Eulalia 'Zimmer' genannt hatte. Hier wohnt und schläft Alles, was zum Hause gehört, nebst den etwaigen Gästen in patriarchalischer Weise beisammen. Unter 'was zum Hause gehört' sind oft auch die milchenden Kühe, zugerittenen Pferde, Schafe, Schweine, Hühner, Hunde und Katzen gemeint. Der Boden besteht aus steinfest geschlagenem Lehm, und auf demselben ist etwas Gras oder Moos ausgebreitet, welches ein permanenter Aufenthaltsort von Skorpionen, Spinnen, Tausendfüßen und anderem Gewürm ist und des Nachts als Unterbett gebraucht wird. Der Poncho dient dabei als Decke.

So war es auch in unserem Rancho. Don Fernando de Venango, Sennora Eulalia, Sennorita Alma, die alte Negerin, sämtliche Vaqueros und endlich auch wir lagen dicht nebeneinander wie in einer deutschen Herberge, in welcher man für drei Pfennige das Recht erhält, auf der Streu zu schlafen und sich der Lehne eines umgelegten Stuhles als Kopfkissen zu bedienen.“ Wie etwa ganz ähnlich in „Saiwa tjalem“.

San Francisco. Vgl. Old Surehand II u.a. „Hier geht der stolze, malerisch gekleidete Mexikaner neben dem schlichten Schwaben, der langweilige Engländer neben dem beweglichen Franzosen; der indische Kuli im weißen Baumwollenkleide begegnet dem schmutzigen polnischen Juden, der elegante Dandy dem rauhen Hinterwäldler, der handelnde Tiroler dem Goldsucher“ ... Chinesen "bilden den hervorragendsten fremdländischen Typus der hiesigen Bevölkerung. Sie scheinen alle samt und sonders über einen Kamm geschoren und über einen Leisten geschlagen zu sein. Bei allen ist die Nase kurz und gestülpt; bei allen ragt der Unterkiefer über den Oberkiefer hervor; alle haben die häßlich aufgeworfenen Lippen, die eckig hervorstehenden Backenknochen, die schief geschlitzten Augen, die nämliche Gesichtsfarbe, bräunlich grün ohne alle Schattierung, ohne eine Spur von dunklerer Färbung der Wangen, hellerer Farbe der Stirne; überall sieht man in den häßlichen, nichtssagenden Zügen den Ausdruck, den man mit dem Worte leer bezeichnen möchte und der infolgedessen nicht einmal ein Ausdruck wäre, wenn nicht aus den zugeblinzten Augen ein Etwas blickte, welches sie alle kennzeichnet: die List."

"Jeder bemüht sich so viel wie möglich, dem Andern aus dem Wege zu gehen, um für sich selbst freie Bahn zu haben." Daran hat sich nichts geändert.

In San Franciso im Hotel, „ganz ähnlich den Eintags-Trinkbuden, welche man auf unseren Schützenfesten findet“, läuft plötzlich die Nachbarin aus Sachsen über den Weg, Ebersbachs Gustel, „Herr Nachbar, ist's möglich?“ Eigentlich eher nicht, aber bei Karl May ist alles möglich. "Das war wieder eines jener wunderbaren Zusammentreffen, deren ich so viele zu verzeichnen habe." Bald darauf verschwindet sie wieder aus der Erzählung, so plötzlich, wie sie aufgetaucht ist.

Die unverkennbare einigermaßen chaotisch anmutende Gutgelauntheit des Erzählers in dieser Phase findet sich auch in Formulierungsideen wie z.B. „Entweder sollte diese Zeichnung einen Pottwal in homöopathischer Verdünnung oder einen Bandwurm in hydrooxigengas-mikroskopischer Verdickung darstellen“, auf die man wirklich erst einmal kommen muß.

Begegnung mit Donna Elvira ...

"Ja, wir Damen haben uns endlich emanzipiert, und unser größter Triumph ist es, in die Tiefen der Wissenschaft einzudringen und es auch in den schönen Künsten den Männern zuvorzutun."

Zwar karikiert er hier, aber wenn die Frau erkennt "wenn der Geist des Forschers Räume mißt, in die er niemals eindringen kann, so ist es auch dem Auge des Künstlers gegeben, Gestalten zu erfassen, die er noch nicht erblicken konnte" so hat sie damit durchaus Recht und erklärt damit nebenbei ein wenig auch Karl May ... Karikieren und Wahrheit mitteilen schließen sich eben nicht aus. Auch wenn der eine oder andere damit überfordert sein mag.

"Danke, Donna Elvira! [...] Ich pflege die Erfahrungen, welche ich mir auf meinen Reisen sammle, im Drucke der Oeffentlichkeit zu übergeben und werde nicht unterlassen, Hotel Valladolid sehr warm zu empfehlen."

Sam verzichtet auf Stadterkundung, "Laufen kann ich; das brauche ich hier zum Beispiel nicht erst zu üben, und Häuser und Menschen habe ich bereits genug gesehen."

"Der gute Sam befand sich erst einige Viertelstunden hier und empfand doch bereits Sehnsucht nach der freien Prairie. Wie muß es den 'Wilden' zu Mute sein, wenn sie, um 'gebessert' zu werden, in die enge einsame Zelle einer Philädelphischen oder Auburnschen Zwingburg gesteckt werden, weil sie sich wehren, hinausgeworfen zu werden aus den Gründen, die ihre Heimat sind, ihnen Nahrung geben und die Grabhügel ihrer Väter und Brüder bergen!"

Der Erzähler lässt, sympathisch ungeniert und einmal mehr, einen Blick des Lesers in seine finanziellen Verhältnisse zu, „Ich habe niemals zu denjenigen unglücklichen Leuten gehört, welche überall, wo sie hingreifen, einen Hundertmarkschein zwischen die Finger bekommen und überall, wo sie hingehen, über einen Sack mit Sovereigns stolpern; sondern ich gehöre zu jenen beneidenswerten Menschen, welche das süße Bewußtsein haben, heut zu verdienen, was sie morgen brauchen“, und gibt darüber hinaus, als Bernard für ihn bezahlt, Einblick in differenzierte Vorgänge hinter seiner Stirne bzw. variierende Befindlichkeiten, „Ich wäre ihm gern ein wenig bös darüber geworden, brachte dies aber, offen gestanden, nicht recht fertig.“

In Old Surehand II war es ein Kentuckymann, hier ist der Wortführer im Lokal "ein Ohiomann, und das soll heißen, daß ich etwas erfahren habe, auf dem Strome und in der Savanne, zu Wasser und zu Lande" ... "Ich habe die Flußpiraten des Mississippi und die Buschklepper der Woodlands kennen gelernt und gar manchen Strauß mit ihnen ausgefochten; ich halte manchen Streich für möglich, den ein Anderer grün und weiß bezweifeln würde" ...

"Ich sage Euch, es wird mancher Brief hinauf und herunter geschickt und kommt nie in die Hand, die ihn öffnen soll. Ihr kommt dort oben in eine Taverne, und der Wirt gehört zu den Hounds; Ihr geht in einen Store, und der Krämer ist ein Hound; Ihr spielt mit drei Männern Monte, und einer, vielleicht auch zwei oder gar alle drei sind Hounds; Ihr arbeitet mit Einem gemeinschaftlich an Eurem Plazer, und er ist ein Hound, der Euch entweder abnimmt, was Ihr ausbeutet, oder wenn Ihr ihm zu stark und wachsam seid, Euch an die Bravos verraten wird, um wenigstens einen Teil Eures Eigentums zu erhalten; bei der Platzdeputation sind Hounds, überall sind Hounds; warum sollten nicht auch bei der Post Hounds sein, denen daran liegt, Verschiedenes nicht an die Adresse gelangen zu lassen!"

"Das war nun allerdings keine reizende Auseinandersetzung für die an den Minen herrschenden Verhältnisse."

Goldsucher-Thematik, "Es ist so viel über diese Arbeit geschrieben und gesprochen worden, daß ich mich einer Bemerkung über sie enthalte; aber ich muß gestehen, das Goldfieber ergreift auch den nüchternsten Mann, sobald er jene Gegend betritt" ...

Wir erleben eine spontane Messerstecherei, in die Winnetou verwickelt ist und bei der es einen Toten gibt, worüber indes kaum Worte verloren werden, "Wie oft mochten sich ähnliche Auftritte in den Minen wiederholen!", eine Nasenspitze wird kurz darauf auch noch abgehauen, als Strafmaßnahme seitens der „Guten“, über Geschmack lässt sich streiten oder auch nicht.

Dann geht es nach all den launigen Episoden noch einmal recht feierlich zu,

"ritten wir in einem riesigen Dome, dessen Decke aus dichtem Laubgewinde bestand"

[...]

'Du hast die Säulen dir aufgebaut
Und deine Tempel gegründet;
Wohin mein gläubiges Auge schaut,
Es dich, Herr und Vater, nur findet!'

So hallt, webt und weht es einem aus allen Richtungen entgegen; das Herz wird weit und groß; der Glaube schlägt seine Wurzeln tiefer und fester, und der Sohn des Staubes dünkt sich so klein wie der Wurm, der sich dort vergeblich bemüht, an der Rinde der gigantischen Eiche emporzuklimmen. Ehe er die Spitzen derselben erreicht, ist er längst tot; so auch der Mensch, der sich Herr der Schöpfung dünkt und doch nur von der Gnade Gottes den obersten Platz unter den sterblichen Kreaturen als unverdientes Geschenk erhielt.

So ritten wir langsam und stetig empor“

Und auch das ist vermutlich durchaus 'echt'. Karl May zeigt sich halt von ganz unterschiedlichen Seiten, pendelt zwischen Extremen, und das eine schließt das andere nicht aus.

Eine „harte Schule“ habe Bernard mitgemacht, heißt es, auf der Suche nach seinem Bruder, und er findet ihn nach all den Mühen und Plagen nur noch als Leiche, hier war der Weg das Ziel. Da dürfen auch gereifte Männer schon mal weinen, auch Old Shatterhand.

"Der Häuptling der Shoshonen denke nicht, daß diese Männer Weiber sind. Der Bruder dieses Toten hat gekämpft mit den Pfahlmännern und Comanchen und eine starke Hand gezeigt" ...

"Hurra, hier ist Old Shatterhand!" ruft seltsamerweise dieser selbst bei der Jagd auf die Übeltäter ...

"Das Gold, wegen dessen so viele Menschen hatten sterben müssen, war verloren" ...

Sam hat seine Rache ausgeführt, "und nun mag der Tod kommen" ...

"Sam, wir wollen als Christen hinzufügen: Möge Gott den Verbrechern ein gnädiger Richter sein!" - "Well, Charley; ich hasse sie nicht über das Grab hinaus. Es sei ihnen verziehen!"

„Die Shoshonen hatten von Steinen ein Viereck aufgebaut, in welches die Leiche gelegt wurde. Dann wurde das Viereck zur Pyramide zugespitzt, um welche man so viele Steine häufte, als zu finden waren. Oben auf die Spitze steckte ich ein Kreuz aus Baumästen - das Siegeszeichen der Erlösung. Bernard bat mich, eine kurze Leichenrede zu sprechen und ein Vaterunser vorzubeten. Ich tat es tief ergriffen und sah mit inniger Rührung, daß sämtliche Shoshonen, welche ernst im Kreise standen, unserm Beispiel folgten und ihre Hände falteten.“

Und damit ist der „Deadly dust“-Teil des Bandes, keineswegs aus einem Guß und zwischenzeitlich auch nicht immer so recht auf der Höhe erzählerischer Bestform, dann zu Ende.

 

Fünftes Kapitel - Die Railtroublers

"Der Senat und das Haus der Repräsentanten der Vereinigten Staaten beschließen:" ... Durch einen solchen Kapitelbeginn entsteht eine ganz spezielle Atmosphäre.

"Jenseits der weiten westlichen Prairien, fern noch hinter dem Höhenzuge der Blackhills, ragen die gigantischen Mauern des Felsengebirges zum Himmel empor. Man möchte sagen, hier habe nicht die Hand, sondern die Faust des Schöpfers gewaltet." Projektion martialischen Empfindens ...

Die Geschichte beginnt dann sozusagen in Hamburg; die Jagd auf Santer wurde im Verlauf der Trilogie thematisch mehr und mehr aus den Augen verloren, viele Jahre liegen zwischen Beginn von Band I und Ende von Band III.

Der Westmann, so lesen wir, hat die Überzeugung, "daß er selbst in der tiefsten Einsamkeit von einer Hand geleitet wird, die stärker ist als alle irdische Gewalt".

Walker "erinnerte mich überhaupt fast noch mehr" an Sam Hawkens, "als mich Sans-ear an ihn erinnert hatte".

Über Schriftstellerei hatte er sich seinerzeit auch schon mit Sam Hawkens unterhalten ... "Ja, [...] solche Bücher und Geschichten sind gefährlich, denn sie stecken an."

Hübsch, wie sich Walker mit Old Shatterhand über Old Shatterhand unterhält, das erinnert ein wenig an Cees Nootebooms "Ein Lied von Schein und Sein" (ein Autor taucht innerhalb seiner eigenen Geschichte auf). Er sei "wieder hinüber [...] ins Afrika, in die dumme Gegend, welche man die Wüste Sahara nennt. Dort schlägt er sich wohl mit den Indianern herum, welche den Namen Araber führen." Außerdem fällt auf, daß gesagt wird, der Erzähler sei ein "langer, starker Kerl", aber, bald darauf, seine Hände seien "so zart und weiß wie die Hände einer Lady".

Wie sie da miteinander durch wechselnde Landschaften fahren, das hat schon was, immer wieder mal ist das Sich-Einklinken Karl Mays in das von ihm Erzählte so stark, daß es auf den Leser übergeht, eines der Geheimnisse seines Erfolges, ja, er hat [in gewisser Weise] erlebt, was er erzählt, und der Leser erlebt es mit ihm.

Der Eisenbahnüberfall hat diesmal schon stattgefunden und wird eher nur am Rande gestreift, umso ausführlicher geht es anschließend in Sachen Spurenleseunterricht zur Sache.

Dabei kann Walker teilweise noch folgen, "Wahrhaftig, Ihr habt recht! Sechsundzwanzig sind es gewesen, und achtzehn Pferde waren unbeschlagen", aber dann nicht mehr, "Aber das andere ist Unsinn, reiner Unsinn! Hier haben sie gelagert, und in dieser Richtung sind sie auch wieder davongeritten. Weiter sieht man nichts!" Das erinnert nun recht heftig z.B. an die Reaktion gewisser Mayfreunde, wenn An- oder Einsichten anderer ihren Horizont gelegentlich übersteigen, nachdem sie sich zunächst noch willig zeigten, sozusagen einen Versuch zu unternehmen ... (es mag hochmütig klingen, aber es ist halt so ...)

Schießkunststücke (mit Brille auf der Nase).

Ähnlichkeiten bei Mensch und Tier, "Viktory hatte, wie man sieht, große Aehnlichkeit mit der alten Tony meines guten Sans-ear".

Dann findet eine dieser eigenartigen "zufälligen" Wiederbegegnungen mit Winnetou statt, man müßte einmal nachzählen, wie oft sie sich auf diese beiderseits unvermutete Weise treffen im Gesamtwerk im nun nicht gerade kleinen Nordamerika. Die Begegnung bezeichnet der Erzähler denn am Ende des Kapitels auch als "ein ebenso merkwürdiges wie glückliches Zusammentreffen". Er erkennt Winnetou am Klang seines Gewehrs ("Ein jeder erfahrene Westmann weiß, daß ein jedes Gewehr seine eigene Stimme hat").

""Karl, mein Freund, mein Bruder!" fuhr er, beinahe weinend vor Freude, fort", und auch der Erzähler "war so ergriffen von diesem so ganz und gar unerwarteten Wiedersehen, daß mir das Wasser in die Augen trat. Es konnte mir nichts Glücklicheres geschehen, als ihn hier zu treffen. Er blickte mich immer von Neuem mit liebevollen Augen an; er drückte mich immer von Neuem an seine Brust, bis er sich endlich erinnerte, daß wir nicht allein waren."

"Wie er jetzt vor uns stand, so hatte ich ihn stets gesehen, nett und sauber in seiner ganzen Erscheinung". Als "nett und sauber" hatte übrigens zuvor auch Walker die äußere Erscheinung Old Shatterhands bezeichnet.

Man raucht die "Pfeife des Friedens", "ein kleines Quantum Tabak, welcher mit wilden Hanfblättern vermischt war".

 

Sechstes Kapitel - Helldorf-Settlement

„Mein Bruder Schar-Iih hat noch immer das Auge des Adlers und die Witterung des Fuchses“ ...

Interessant ist, daß Winnetou von Indianern anderer Stämme auch schon mal von "Kröten" u.ä. spricht, was im Laufe der Trilogie schon des öfteren auffiel und irgendwie nicht so recht dazu passen will, daß er im ersten Band noch darüber nachdachte, als Anführer ALLER vereinigter Indianerstämme anzutreten ... (andererseits: man reift, mit der Zeit ...)

„Der Apache griff in die Tasche und zog ein - Fernrohr hervor. Das war gewiß ein seltener Gegenstand in der Hand eines Indianers. Auch Fred Walker war überrascht. Aber Winnetou hatte die Städte des Ostens gesehen und es sich da gekauft.“

Auftritt eines Rollins (der Name ist falsch, wie wir später erfahren).

„Ich hätte wahrhaftig in keinem besseren Augenblick den Lauscher machen können“ äußert der Erzähler, nachdem er mal wieder alles Wesentliche mitbekommen hat, das pflegt eigentlich grundsätzlich so zu sein bei May, und auch Winnetou erkennt "Mein weißer Bruder ist immer glücklich, wenn er den Feind belauscht".

„Da traten die Höhen plötzlich auseinander, und wir befanden uns am Seiteneingange eines größeren Talkessels, dessen Mitte ein kleiner See einnahm. Dieser letztere wurde von einem Flüßchen gespeist, welches von Ost herüberkam und, nachdem es den See verlassen hatte, sich nach Westen hin einen Ausgang aus dem Kessel brach.“

„Bei dem Anblick dieses Talkessels hielten wir überrascht unsere Pferde an. Diese Ueberraschung galt jedoch nicht dem Tale selbst, sondern etwas Anderem. Die uns gegenüberliegende Höhe war nämlich entwaldet und bestand aus Feldern, während im Tale Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen weideten. Am Fuße der Höhe lagen fünf große Blockhäuser mit Nebenhütten, unsern deutschen Bauernhöfen ähnlich, und ganz oben auf der höchsten Spitze stand ein kleines Kapellchen, über welches sich ein mächtiges Kreuz mit dem aus Holz geschnitzten Bilde des Erlösers erhob.“

Ein Bild, eine Vision ...

"Hier, mitten im wilden Westen, im tiefen Urwalde das Bild des Gekreuzigten! Mitten zwischen den Kriegspfaden der Indianer eine Kapelle!"

Es kommt noch mehr ...

„Was war denn das? Das war ja mein eigenes Gedicht, meine eigene Komposition, mein Ave Maria! Wie kam dies hierher in die Wildnisse des Felsengebirges? Ich war zunächst ganz perplex; dann aber, als die einfachen Harmonien wie ein unsichtbarer Himmelsstrom vom Berge herab über das Tal hinströmten, da überlief es mich mit unwiderstehlicher Gewalt; das Herz schien sich mir ins Unendliche ausdehnen zu wollen, und es flossen mir die Tränen in großen Tropfen von den Wangen herab.“

„Als ich die letzten Töne über dem Tal verklingen hörte, riß ich die Büchse von der Schulter, feuerte die beiden Läufe schnell hintereinander ab und gab dem Schwarzschimmel die Sporen. Ich sauste über das Tal hinüber, in das Flüßchen hinein, drüben wieder heraus und dann auf die Blockhütten zu“ ...

Eine der beeindruckendsten Stellen des Gesamtwerkes. ['Wenn Ihr's nicht fühlt, Ihr werdet's nicht erjagen.']

„Es gibt keinen schöneren Anblick im Leben, als ein freundliches Menschenangesicht.“ Die sind indes eher selten ... [und selbst wenn freundlich eher selten schön anzusehen.]

Hiller (in "Weihnacht"), Hillmann ... jeweils Berger oder Bergmann, leicht transponiert ?

„Es war für mich ein Augenblick der Freude, wie man sie nicht sehr oft erlebt.“ Eher in Büchern. Der Autor hat sich hier eine Resonanz erträumt, auf die er gar lange hat warten müssen. - (Sagen wir aber besser: auch die, die dann erfolgte, war nicht die erstrebenswerte ...)

Winnetou verrät den Siedlern für ein Ave Maria, wo Gold zu finden ist ...

„Nach und nach füllte sich der Wohnraum des Blockhauses, und wir feierten einen Abend, wie ich ihn im Westen noch nicht erlebt hatte.“ Ein Vorgeschmack auf Satan und Ischariot II.

„Wir lauschten in stiller, lautloser Andacht. Die Finsternis verhüllte die Sänger und den Ort, an welchem sie standen. Es war, als ob das Lied vom Himmel herab erklänge.“

In Bezug auf die Komposition des Ava Maria [von May] muß man die Einschätzung des Autors ("Aber grad diese Einfachheit, diese Natürlichkeit der Harmoniefolge gab den Tönen das so tief Ergreifende") nicht teilen.

Einleitend zu sehr ernsten Gedanken, die im weiteren Verlauf bald zu Todesgedanken werden, sagt Winnetou, „nach einer sehr langen Pause“, „der große Geist ist gut; ich liebe ihn!“ Er akzeptiert sein Schicksal. Bemerkenswert, die Haltung, die sich hier andeutungsweise vermittelt: Annehmen. Was es auch sei.

Stellenweise merkwürdig anmutendes Religionsgespräch. Erst „Ich bin dem Heilande nachgegangen und habe den Frieden des Herzens gefunden“ vermag zu überzeugen. Zwischendrin schmeckt man zwischen Tiefsinn und Wahrheiten manchmal allzusehr etwas hindurch, das man ungeschminkt als Frömmelei bezeichnen könnte und sicher unter anderem auch Verleger- und Lesererwartungen entsprach.

Hohes Lob seitens Winnetou, „Mein Bruder kennt die Länder der Erde und ihre Bewohner; er kennt alle Bücher der Weißen; er ist verwegen im Kampfe, weise am Beratungsfeuer und mild gegen die Feinde. Er liebt die roten Männer und meint es gut mit ihnen. Er hat seinen Bruder Winnetou niemals getäuscht und wird ihm auch heut die Wahrheit sagen. Das Wort meines Bruders gilt mehr als - das Wort aller Medizinmänner und als die Worte aller weißen Lehrer.“

„Ich erzählte ihm von dem Glauben der Bleichgesichter, ich suchte ihm das Verhalten derselben gegen die Indianer in einem freundlichen Lichte darzustellen“ ... Hm. In den Büchern lesen wir oft etwas anderes.

Daß er seine Mitmenschen einschließlich des Blutsbruders auch schon mal manipuliert, spricht der Erzähler einigermaßen offen aus: "ich redete zu ihm in jenem milden, überzeugungsvollen Tone, welcher zum Herzen dringt, jedes Besserseinwollen vermeidet und den Hörer gefangen nimmt, obgleich er diesen denken läßt, daß er sich aus eigenem Willen und Entschließen ergeben habe."

„Es war ein liebevolles Netzauswerfen nach einer Seele, die wert war, aus den Banden der Finsternis erlöst zu werden.“ Banden der Finsternis ? Winnetou ?

Als am Ende des Kapitels Winnetou auf seinem Pferd das Ava Maria offenbar vor sich hin summt, besteht die Gefahr, daß es nun doch arg kitschig wirkt ... solche Dinge kann man, je nach Tagesform, einmal so und dann wieder anders empfinden ... bei jedem Lesen ... das eine schließt das andere nicht aus ...

 

Siebentes Kapitel - Am Hancockberg

Über lange Strecken kommt die Hauptfigur Winnetou gar nicht vor in den drei nach ihm benannten Bänden, und in diesem Kapitel wird er sich, lange vor Ende des Bandes, verabschieden.

Der Besuch im Eisenbahnercamp gerät zunächst einmal wieder einigermaßen parodistisch, man nimmt die Retter gefangen („Gefangen, aber nicht Isolierhaft!“), Undank ist halt der Welt Lohn, das wirkt zwar in diesem Fall zunächst eher komisch als bedrohlich („Die Exekution wird bald beginnen, [...] Was tun wir bis dahin?“ – „Wir stecken uns eine Zigarre an“ ... „Ich machte die grimmigste Miene, die mir möglich war“ ...), aber „Das gab eine schlechte Perspektive auf die nächsten Tage“, fürwahr, zunächst folgt noch das eine oder andere Launige („meine Anordnungen hatten ihm ungeheure Courage gemacht“ ...), doch bald ändert sich der Ton.

Eindringlich geschilderte Spannung, Überfall, „man konnte die schauerliche Ernte sehen, welche der Tod in so kurzer Zeit gehalten hatte“. nebenbei erfahren wir „Winnetou wird keinen Skalp mehr nehmen, [...] Seit er die Musik vom Berge herab gehört hat, tötet er den Feind, aber läßt ihm die Haarlocke seines Hauptes. Howgh!“

„Vom Uebrigen mochte ich nichts sehen, denn ich war ja ein Mensch und ein - - Christ!“ Hm ...

Shatterhand trifft auch auf sich bewegende Ziele ganz hervorragend, „Es sind acht Railtroublers verwundet worden, und alle acht an derselben Stelle, nämlich am Beckenknochen, so daß sie sofort stürzten und liegen blieben“.

Als von hoch getürmten, übereinandergeschichteten Leichen die Rede ist und davon, daß der Mensch das größte Raubtier sei (nach dem „Wort eines neueren Gelehrten“), spürt man (nach der eher launigen Stimmung des Kapitelanfangs) die Ambivalenz und Gebrochenheit der Mayschen Weltwahrnehmung bzw. ihre Kehrseite.

Der Erzähler erwähnt „den Abend, welchen wir auf Helldorf-Settlement verlebten. Haller lachte höhnisch auf und meinte, daß wir einen solchen Abend dort wohl nicht wieder erleben würden.“ Hier vermittelt sich etwas in der Art wie: es war [zu] schön, es ist nicht rekapitulierbar, man hat es 1 x  erleben können, es kommt nicht wieder. - Und es vermittelt sich noch etwas anderes: Distanz [vom selber Geschaffenen oder Gesehenen] ... nicht Aufhebung. Distanz. Skepsis. Brechung.

Der Eisenbahner kann nicht helfen, „Aber eins kann und will ich von Herzen gern tun: ich gebe Euch die Erlaubnis, mit meinen Leuten zu sprechen. Wer von ihnen aus der Arbeit treten und mit Euch gehen will, den werde ich nicht halten“.

Man erreicht Helldorf-Settlement zu spät, „Die Blockhäuser bildeten nur noch rauchende Trümmerhaufen“.

„Wahrhaftig, auch das Kapellchen war zerstört und verbrannt, und das Kruzifix hatte man von der Höhe herabgestürzt!“

Winnetou hatte „sogleich den Abhang erklettert und kehrte jetzt zurück. Er trug das Glöckchen in der Hand.“ Ein Bild ... Gebäude, Äußerliches, kann man zerstören, 'Ideen' nicht. „Der Häuptling der Apachen hat gefunden die Stimme aus der Höhe“.

Zum Hancockberg; „In dieser Höhle opfern die Sioux ihre Gefangenen dem großen Geiste.“

„Das war also die fürchterliche Prairie des Blutes, von der ich so viel gehört hatte! [...] Hierher wagte sich kein fremder Indianer oder gar Weißer, und wir ritten über diese Ebene des Fluches so unbesorgt, als ob wir uns auf dem friedlichsten Boden befänden.“

„Wir sind hier am Orte des Todes.“

„Die Sonne war verschwunden, und der Westen färbte sich mit hellen Tinten, welche nach und nach in den tiefsten Purpur übergingen, sich dann wieder entfärbten und im Abendgrau erloschen.“

Winnetou sieht seinen Tod konkret voraus, ohne Wenn und Aber, „Für den Hancock-Berg wird morgen ein neuer Tag beginnen, aber nicht für Winnetou. Seine Sonne wird erlöschen, wie diese dort erloschen ist, und nimmer wieder aufgehen. Die nächste Morgenröte wird ihm im Jenseits lachen“, und erklärt seinem weißen Freund recht hübsch, daß die „Roten“ hinsichtlich solcher Fähigkeiten (Dinge vorauszusehen, vorauszufühlen) ihren weißen Brüdern halt immer noch überlegen sind, „Mein Bruder Old Shatterhand kennt mich und weiß, daß ich nach dem Wasser der Erkenntnis, des Wissens gedürstet habe. [...] Der Weiße gleicht dem gelehrigen Haustiere, dessen Instinkt sich verändert hat, der Indianer aber dem Wilde, welches nicht nur seine scharfen Sinne behalten hat, sondern auch mit der Seele hört und riecht“.

„Er war durch den Umgang mit mir in seinem Innern ein Christ geworden“ ...

„Ich gehe heut dahin, wo der Sohn des guten Manitou uns vorausgegangen ist, um uns die Wohnungen im Hause seines Vaters zu bereiten, und wohin mir mein Bruder Old Shatterhand einst nachfolgen wird. Dort werden wir uns wiedersehen, und es wird keinen Unterschied mehr geben zwischen den weißen und den roten Kindern des Vaters, der beide mit derselben unendlichen Liebe umfängt. Es wird dann ewiger Friede sein“ ...

Winnetou verweist auf sein Testament.

„Ich hörte es damals deiner Stimme an, daß du doch vielleicht anders dachtest, als du sagtest, Das Gold hatte großen Wert für dich. Habe ich da recht gedacht?“ – „Du hast dich wenigstens nicht ganz geirrt“ ... Interessantes Eingeständnis. Aber „Das wahre Glück gründet sich nur auf die Schätze, welche man im Herzen sammelt“. Winnetou kann bestätigen „Der gute, weiße Manitou hat dich nicht geschaffen, um weichlich in Reichtümern zu schwelgen; dein starker Körper und deine Seele sind zu Besserem bestimmt.“

„Begrabe mich in den Gros-Ventre-Bergen“ … Daß es der Szene an Eindringlichkeit mangele, kann man wirklich nicht sagen ... „riß ihn mit beiden Armen an mich, indem ich weinend hervorstieß“ ...

Winnetou ist bereit ... „ich hörte, daß seine Stimme leise zitterte“ ...  „Es ist nun vollständig dunkel, und wir wollen aufbrechen. Meine Brüder mögen mir folgen!“

Es geschieht das Unvermeidliche ...

„Ich kannte mich nicht.“ ... „Mich erfaßte ein Schmerz, wie ich ihn in meinem ganzen Leben noch nicht gefühlt hatte.“ ... „Sie alle sind nichts gegen diesen Einen!“

„Ave, ave Maria!“

„Schar-Iih, nicht wahr, nun kommen die Worte vom Sterben?“

„Ich konnte nicht sprechen. Ich nickte weinend, und die dritte Strophe begann“ ...

„Schar-Iih, ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ.“ Über diese Stelle kann man geteilter Meinung sein ...

„Was soll ich weiter erzählen? Die wahre Trauer liebt die Worte nicht!“

„Wir hatten dem bleichen Tode oft von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden; der wilde Westen gebietet, an jedem Augenblicke auf ein plötzliches Ende gefaßt zu sein. Und doch, als der beste, der treueste Freund, den ich je besessen habe, nun als Leiche vor mir lag, wollte mir das Herz brechen; ich befand mich in einem Seelenzustande, welcher sich nicht beschreiben läßt.“

„Er sitzt mit seinen sämtlichen Waffen und seinem vollständigen Kriegsschmucke aufrecht auf seinem deshalb erschossenen Pferd im Innern des Erdhügels, welchen wir um ihn wölbten. Auf diesem Hügel wehen nicht die Skalpe erschlagener Feinde, wie man es auf dem Grabe eines Häuptlings zu sehen gewohnt ist, sondern es sind drei Kreuze darauf errichtet worden.“

„Das Glöckchen, welches Winnetou vergraben hatte, ist nach der neuen Ansiedelung geholt worden, wo die Settlers wieder ein Kapellchen errichtet haben. Wenn nun seine helle Stimme erschallt und die frommen Ansiedler ihr Ave Maria ertönen lassen, so denken sie stets an den Häuptling der Apachen und sind überzeugt, daß ihm erfüllt worden ist, was er sterbend durch ihre Lippen betete" ...

Kitsch ? Nein ... Der vermeintliche Kitsch liegt halt immer auch im Auge des Betrachters.

 

Achtes Kapitel - Das Testament des Apachen

Das letzte Kapitel ist, durchaus ähnlich wie der „Anhang“ in Band 6, eigentlich eine eigenständige kleine Geschichte.

Interessant ist die Befindlichkeit des Erzählers zu Beginn: „Ich sage, ich sah zu, aber eigentlich sah ich nichts. Ich hörte ihre Stimmen, und dennoch hörte ich nichts. Ich war geistesabwesend. Mein Seelenzustand glich demjenigen eines Mannes, der einen Hieb auf den Kopf erhalten hat und, nur halb betäubt, alles wie von weitem hört und alles wie durch eine mattgeschliffene Glasscheibe sieht.“ In „Mein Leben und Strenen“ lesen wir später ähnliches.

Ferner interessant, daß die Begegnung mit To-kei-chun, die später zu Beginn des vierbändigen „Silberlöwen“ erzählt werden wird, hier erwähnt und für später angekündigt wird.

Hübsch formuliert: „Erst hatte ich diese Drei für Landstreicher angesehen; nun, da ich sie beobachten konnte, war ich mehr und mehr geneigt, sie für ehrliche Leute zu halten, das heißt, was man im Westen, wo es einen andern Maßstab gibt, noch so knapp ehrlich nennt“, knapp ehrlich, fein, das hat man häufiger.

Die Haltung der Leute (in Sachen Opfer), die Old Shatterhand da trifft, die im Gespräch mit ihnen recht deutlich wird, gab es also bereits spätestens im 19. Jahrhundert …

„Santer wieder in Sicht!“ schreibt der Erzähler, und das ist in etwa das, was auch der Leser empfindet. Diese Figur taucht immer am Ende der Winnetou-Bände wieder auf.

„Du lebst, und Winnetou, der Dich liebte, ist tot. Doch seine Seele weilt bei Dir; Du hältst sie in Deiner Hand, denn sie steht geschrieben auf diesen Blättern; laß sie auf Deinem Herzen ruhen!“ hat Winnetou für seinen weißen Bruder geschrieben.

Die Dialoge wirken gelegentlich kolportagehaft aufgebläht, und von der Kalauerei mag er auch hier nicht lassen: „Ob ich die Gräber Intschu tschunas und seiner Tochter wiedersehen würde? Hoffentlich! Denn wenn man mich als Leiche zurückbrachte, konnte ich nicht mehr sehen.“ („Hoffentlich“ Und zwar als freier Mann!“ steht im bearbeiteten grünen Band; Ernst und Scherz gleichzeitig, das mögen sie nicht.)

Das allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Schreiben wird auch wieder sozusagen eindrucksvoll, wenn auch nicht immer letztlich nur überzeugend, betrieben: „scharf wie ein Bowiemesser und unversöhnlich wie - wie - nun eben wie Tangua“. Die Begegnung mit eben diesem ist psychologisch interessant, alt ist er geworden, und, wen wundert’s, ein wenig bitter. Andererseits hat sein Sohn einen nicht unguten Einfluß auf ihn ausgeübt, „Ein edles Reis gibt dem alten Stamme neuen Wert und bessere Säfte“, das erscheint denn an dieser Stelle (im Kiowadorf …) doch etwas überraschend.

„Was ist der Mensch doch für ein sonderbares, unbegreifliches Geschöpf!“, so ist es, bzw., so scheint es.

„Ich glaube nicht, daß unter allen Weißen, welche jemals von den Indianern zu Tode gemartert worden sind, sich einer befunden hat, der eines so fürchterlichen und langsamen Todes gestorben ist, wie mir in Aussicht stand. Ich konnte außerordentlich stolz auf diese große Auswahl sein, denn sie war der sicherste Maßstab der Achtung, in welcher ich bei diesen liebenswürdigen Leuten stand.“ Der Autor hat Humor ... (einen aus illusionsloser Einsicht in das Wesen der Dinge gewachsenen. Wie Wilhelm Buschs Vogel.)

„Old Shatterhand, von einer jungen Indianerin wie ein Kind "gefuttert"", welche Erfahrung mag sich hinter der Szene verbergen.

Wie er „Eine Feder“ manipuliert und es dem Leser sozusagen brühwarm demonstriert, auch nicht übel.

Wunderbar der Abschied von diesen drei Typen, die offenbar gerettet sind, aber sozusagen mit dem Ausdruck des Bedauerns konstatieren, daß es Old Shatterhand wohl ans Leben gehen wird … schon vorher am Apachengrab konnte man miterleben, wie unerträglich lästig Mitmenschen sein können; diese Verabschiedung ist so voller Bitterkeit und menschenverachtendem Sarkasmus, daß es für einen entsprechend geeichten Leser eine Lust ist, sie zu lesen …

Old Shatterhand differenziert ziemlich genau von wegen „Freund“ und „Feind“, es ist eben alles relativ … „Old Shatterhand ist noch der sonderbare Krieger, der er stets gewesen ist“ heißt es dann in dem Zusammenhang …

Das Pueblo am Rio Pecos sehen wir auch noch einmal wieder, das vermittelt eine eigenartige Atmosphäre, ohne Intschu-Tschuna, ohne Nscho tschi, ohne Winnetou …

Und ganz am Ende steht (in der Weltbild-Ausgabe) das Nachwort von 1904, zu dieser Trilogie indes nicht recht passend, so schön es auch ist.