WINNETOU II

Für den zweiten Band der Trilogie überarbeitete Karl May die früher geschriebenen Erzählungen "Der Scout" und "Im fernen Westen", schrieb das Schlußkapitel neu hinzu und fügte diese drei Texte, auch mittels Übergängen, zusammen. - Reizvoll der "Scout"-Teil, in dem ihm mit Old Death eine schillernde und differenzierte Figur gelingt. - Im Mittelteil um Old Firehand beeindrucken immer wieder die intensive Atmosphäre sowie die Thematik, existentielle Erfahrungen um Liebe (in der Urfassung), Krieg und Tod, alles sehr eindringlich und überzeugend geschildert. Interessant die Unterschiede zu "Old Firehand" und "Im fernen Westen", den beiden Vorgänger-Varianten.

Gibson, Ohlert, Old Death: alle drei sind Selbstspiegelungen. Nicht eins zu eins, aber von Anteilen. Wie so oft. Wie hätte es werden können wenn, welche Möglichkeiten waren oder sind latent vorhanden. Interessant, wenn z.B. Old Death sich mit dem Erzähler über Dinge wie Studium und Karriere unterhält …

Genauso wie „Im fernen Westen“ ist auch der „Scout“ recht nachlässig überarbeitet, im ersten Fall funktioniert es mit der Änderung von junge Frau auf Knabe nicht wirklich durchgängig, zwischendrin ist immer wieder zu spüren daß da irgendwie etwas „faul“ ist, im letzteren geht die Änderung von Greenhorn auf Greenhorn-Spielen nicht immer wirklich auf bzw. ist nicht konsequent durchgezogen, so greenhornmäßig wie der Erzähler sich in Winnetou II manchmal eigenartigerweise noch anstellt war er schon am Ende von Winnetou I nicht mehr. Aber die Thematik um Schein und Sein, die Karl May ja geradezu zwanghaft begleitete, ist wieder interessant und reizvoll.

(siehe auch die umfangreichen Anmerkungen unter "Der Scout", "Old Firehand" und "Im fernen Westen". Aufgrund der beträchtlichen Überschneidungen fallen die Anmerkungen zu Winnetou II hier weniger umfangreich aus.)

 

Erstes Kapitel – Als Detektive

Zunächst zum Plural der Überschrift: das war ursprünglich keiner. „Als Detective“ hieß das Kapitel seinerzeit, und damit dürfte der Singular des amerikanischen Wortes / Begriffes gemeint gewesen sein.

„Kaum ist der erste Band von Winnetou ausgegeben worden, so gehen von den Lesern desselben schon zahlreiche Fragen nach dem weiteren Verlaufe der Ereignisse bei mir ein. Dieser wurde ein ganz anderer, als ich damals dachte.“

Zunächst einmal geht es nach St. Louis und dort wird natürlich Mr. Henry besucht, „als ob ich erst gestern zum letztenmal bei ihm gewesen sei [...] Er fuhr von seinem Sitze auf, starrte mich eine Weile wie abwesend an und schrie dann vor Freude förmlich auf [...] Dann warf er seine Arme um mich, zog mich an sich und küßte mich wiederholt hüben und drüben auf die Wangen, daß es nur so klatschte.“

„Es wird ja überall von Euch erzählt, Ihr Schwerenöter! Seid ein Westmann geworden, wie er im Buche steht!“

Im Eisenbahnerbüro, „hinter jener Glastür, wo man mich ohne mein Wissen examiniert hatte. [...] Sam gab sich alle Mühe, eine Extragratifikation für mich herauszuschlagen, doch vergeblich; wir bekamen unser Geld sofort, aber keinen einzigen Dollar mehr, und ich gestehe aufrichtig, daß ich die mit solcher Mühe angefertigten und geretteten Zeichnungen und Notizen nicht ohne das Gefühl ärgerlicher Enttäuschung ablieferte. [...]

Sam ließ deshalb eine geharnischte Rede los, erreichte aber dadurch weiter nichts, als daß er ausgelacht und mit Dick und Will zur Türe hinauskomplimentiert wurde. Ich ging natürlich mit und schüttelte den Staub von den Füßen.“ So kann es gehen. Die Formulierung mit dem Staub von den Füßen wird noch ein weiteres Mal auftauchen in diesem Band, als er gekränkt und verletzt aus New-Venango weggeht. Die entsprechende Empfindung hat man halt häufiger... Die Sache mit der Extragratifikation, die immer wieder auftaucht im Gesamtwerk, ist ein später Gruß an Münchmeyer.

„Wir befanden uns, was ich noch gar nicht erwähnt habe, weil es auf die bisher erzählten Ereignisse keinen Einfluß gehabt hatte, mitten im Bürgerkriege.“ Nein, sie sind zeitlich nicht zuzuordnen, die Mayschen Erzählungen, und wer das aufgrund solcher Hinweise versucht, geht fehl. Hier ’braucht’ er den Bürgerkrieg gerade, und eine Erzählung, die danach spielt, muß aus irgendeinem Grunde vielleicht wieder davor spielen ... So ist das.

Schiffspassage, Schiffbruch. „Wo gab es Rettung? Nur durch Schwimmen! Ein neuer Blitz zeigte mir Menschen, welche, auf dem Deck liegend, sich an allen möglichen Gegenständen festhielten, um nicht von den Sturzseen mitgenommen zu werden. Ich hingegen war der Ansicht, daß man grad nur einer solchen See sich anvertrauen müsse.“

„Ich hatte mich an einem eisernen Träger festgehalten, ließ aber jetzt los; Herrgott, hilf, und rette mich! Es war mir, als ob ich von der See turmhoch emporgetragen würde; es drehte mich wie einen Ball im Kreise; es wirbelte mich in die Tiefe hinab und nahm mich wieder nach oben. Ich bewegte kein Glied, denn jetzt hätte mir alle Anstrengung nichts genützt, aber sobald die See das Land erreichte, mußte ich arbeiten, um nicht von ihr wieder zurückgerissen zu werden.

    Ich befand mich jedenfalls kaum eine halbe Minute in der Gewalt der stürzenden See, aber es dünkte mir, stundenlang zu sein. Da wurde ich von der gewaltigen Woge durch die Luft geschleudert. Sie spie mich aus und warf mich zwischen Felsen in ruhiges Wasser. Nur nicht wieder von ihr erfaßt werden! Ich stieß und strich aus Leibeskräften mit Armen und Beinen aus und schwamm mit einer Anstrengung, wie ich noch nie geschwommen hatte. Wenn ich soeben den Ausdruck 'ruhiges Wasser' gebraucht habe, so war dies natürlich nur relativ gemeint.“ Hübsch, und in gewissem Sinn verräterrisch; klar, es sind ja letzten Endes immer Gleichnisse, und die Einzelheiten des Geschilderten entstehen beim Schildern; wenn er da schiffbrüchig um sein Leben schwimmt, ist er vielleicht innerlich bei der Entlassung aus der Haftzeit oder wo auch immer.

„Die See war dunkel und das Land auch; ich konnte in der dichten Finsternis die eine nicht von dem andern unterscheiden, mir also keine zum Landen passende Stelle suchen und trieb mit dem Kopfe in der Weise gegen eine Klippe an, als hätte mir jemand mit einem Beil einen Hieb gegeben. Ich hatte noch die Geistesgegenwart, mich schnell an diesen Felsen emporzuarbeiten, und verlor dann das Bewußtsein.“ Wieder einmal der 'Kolbenhieb' ...

„Wie staunten die Leute, als sie mich erblickten! Sie starrten mich an, als ob sie mich für ein Gespenst hielten. Die See tobte noch so, daß wir brüllen mußten, um uns zu verstehen.“

„Ich war also ein Schiffbrüchiger, und zwar im vollsten Sinne des Wortes, denn ich besaß nichts, gar nichts mehr; das Geld, welches einem so Freude erregenden Zweck hatte dienen sollen, lag auf dem Grunde der See.“

„Ich machte die Bekanntschaft des sehr honorablen Mr. Josh Tailor, Dirigent eines damals berühmten Privatdetektiv-Corps, und bat ihn um Aufnahme in dasselbe.“

Bis hierhin hat Karl May den Text für die Buchausgabe neu verfaßt. Das weitere steht, mit einigen Änderungen, im 'Scout'. (Siehe die entsprechenden Anmerkungen dort.)

Gelegentlich gibt es freilich auch im Folgenden erwähnenswerte Einschübe, die im 'Scout' nicht standen, so als Old Shatterhand auf der Jagd nach Gibson wieder bei Mr. Henry in St. Louis vorbeikommt, „Er war nicht wenig erstaunt, mich als Detektive zu sehen, bedauerte den Verlust, den ich durch den Schiffbruch erlitten hatte, auf das lebhafteste und nahm mir, als wir uns trennten, das Versprechen ab, nach Lösung meiner jetzigen Aufgabe meine Stellung aufzugeben und nach dem wilden Westen zu gehen. Ich sollte dort sein neu erfundenes Repetiergewehr probieren, und den Bärentöter wollte er mir auch aufheben.“

„Mochte man es für literarisch wertlos erklären, es enthielt doch den Entsetzensschrei eines begabten Menschen“ sagt der Erzähler über Ohlerts Gedicht, ein Schlüsselsatz zu Karl May.

Schein und Sein auch wieder bei der Dame, die ihm Auskunft erteilt, egal in welcher Rolle er gerade ist, er manipuliert sie nach Belieben … die Welt will betrogen sein ?

Am Anfang des Bandes gibt es ungewohnt häufige Schauplatzwechsel, man kommt manchmal fast nicht mehr richtig mit, wo er denn nun gerade ist … (Darauf kommt es ja auch nicht an, die Geschichten spielen ja eigentlich eh in Deutschland, bzw., überall [und nirgends] …)

Auseinandersetzungen mit Rowdies. [Für Kampfhund-Freunde unerfreulich ...]

Wie im „Waldröschen“, so hier: Parteinahme für Juarez, noch eindeutiger und klarer als in der Kolportage.

 

Zweites Kapitel - Die Kukluxer

Exkurs über den Ku-Klux-Klan.

„Was waren alle Abenteuer, die er erlebt hatte, alle Anstrengungen und Entbehrungen des Lebens in der Wildnis gegen die Szenen, die sich in seinem Innern abgespielt haben mußten!“ (über Old Death), noch so ein Karl-May-Satz !

Nachdem es in Sachen Kukluxer zwischenzeitig ein wenig fad actionlastig zu werden drohte mit all den Keilereien, schließt sich eine völlig groteske Gerichtsszene unmittelbar an und führt sozusagen zu aus dem Ruder laufenden Auflösungserscheinungen, ein allgemeines Besäufnis ist auch dabei, Batzendorf goes Wildwest.

(zu weiterem Inhaltlichen siehe unter 'Der Scout'. Die Texte stimmen weitgehend überein.)

 

Drittes Kapitel - Ueber die Grenze

Karl May konnte manchmal schon recht rassistisch daherkommen, in heutigen bearbeiteten Ausgaben sind entsprechende Stellen freilich meistens gestrichen oder abgemildert, und der eine oder andere hartgesotten schönrednerische Apologet pflegt vor solchen Dingen (Rassismus u.a.) gern ein wenig die Augen zu verschließen. Aber "Am letzten Tage war er zu uns herübergekommen und hatte uns gefragt, ob wir ihm nicht den Gefallen tun wollten, seinen Neger Sam mitzunehmen. Natürlich waren wir über diese Forderung sehr erstaunt gewesen, ohne es uns anmerken zu lassen. Es ist nicht jedermanns Sache, wochenlang mit einem Schwarzen zu reiten, der einen ganz und gar nichts angeht" spricht schon eine beredte Sprache. Nun, so war es halt damals. (Man lese z.B. mal einige in dieser Hinsicht verblüffende Stellen bei Stefan Zweig ...)

Wirklich sehr auffallend, daß nach der Sache mit dem abgekarteten Spiel mit Kiowas bzw. Apachen in Winnetou I hier schon wieder diese Problematik auftaucht, er geht mit den Komantschen, denen (seitens Old Death) das Blaue vom Himmel herunter gelogen wird, und die schamlos hintergangen und ausgetrickst werden, hält aber zu den Apachen.

Mit dem geschilderten Vorfall im Fort verhält es sich ähnlich, es wird deutlich, daß das Ganze von Anfang an ein inszeniertes Spiel war und schon vorher feststand was passieren würde, das gibt es ja alles in ähnlicher Form bis heute, denken wir zum Beispiel an Bundesratssitzungen oder Diskussionsrunden an Wahlabenden.

Mit der Ohlert-Figur hat er letzten Endes doch eine Chance verpaßt; sich detailliert und realistisch mit der Problematik eines Gemütskranken auseinanderzusetzen, wäre sehr interessant gewesen, leider kommt Ohlert in den Schilderungen doch eher so daher, wie sich vielleicht Klein Fritzchen einen Geisteskranken vorstellt ...

„Die Dame nahm meine Höflichkeit so wohlwollend auf, daß sie mir ihre Wange darreichte, um auf derselben den Beso de cortesta, den Ehrenkuß, zu empfangen, was eine große Auszeichnung für mich war. Ganz dasselbe wiederholte sich bei der Sennorita“, in Zusammenhang mit der Tatsache, dass die anschließende Passage mit dem Hin- und Hertragen des Indianers und Umräumen des Zimmers auch ein wenig an den vielzitierten Mann im Kleiderschrank erinnert, sowie an Reminiszenzen aus Mays Leben, kann diese Stelle schon auffallen ...

So ganz wohl ist dem Erzähler beim falschen Spiel mit den Komantschen ja nicht,

„Ich hatte dabei ein Gefühl der Unsicherheit, denn es war mir immer, als müsse mir ein Pfeil oder eine Lanze in den Rücken fahren“, das hat ihn ja in seinem Leben wohl nie so recht losgelassen („Es soll mich keine Polizeiaufsicht …“ steht nicht in Winnetou II, sondern in "Meine Beichte", aber es hängt natürlich alles zusammen).

„Diese Mapimi ist ein wahrer Mehlwürmertopf, aus welchem zu allen Zeiten die wilden Völkerschaften hervorgebrochen sind, um sich räuberisch auf die angrenzenden Länder zu werfen. […] Ich weiß ganz genau, daß sich mehrere Horden der Apachen dort festgesetzt haben“, das ist wohl etwas unaufmerksam aus dem „Scout“ übernommen und will zum in der Trilogie sonst üblichen idealisierten Apachenbild nicht so recht passen …

„Ueber die Grenze sind wir hinüber; ob und wie wir wieder herüberkommen, das steht in einem Buch gedruckt, welches ich noch nicht gelesen habe“,

da spricht der entlassene Strafgefangene, oder der, der in finsterer Halb- oder Unterwelt irgendwelche Dinge mitmacht und nicht weiß, ob er mit heiler Haut davonkommen wird … die Atmosphäre von Verräterei, Doppelspiel usw. (in Sachen Komantschen / Apachen, heute würde man von V-Männern sprechen) ist in diesem Buch wirklich überdeutlich und eher unangenehm zu spüren.

 

Viertes Kapitel - Durch die Mapimi

"Er aber liebt den Frieden und weiß, daß die Roten trotz allen Sträubens dem Untergange gewidmet sind, und verschließt die fürchterliche Last dieser Ueberzeugung still in seiner Brust" heißt es über Winnetou, das stand bzw. steht ja auch schon in Band I, daß er weiß, daß der Untergang kommen wird; interessant, die Haltung, trotz allem 'das Beste daraus zu machen'.

Winnetou hält eine eindrucksvolle Rede, "Mein Bruder spricht wie ein Christ, welcher stets nur das von uns fordert, dessen gerades Gegenteil er tut!" (das Wort Christ findet sich in der bearbeiteten Fassung hier nicht), "Habt ihr durch euer Verhalten bewiesen, daß ihr Bildung besitzet?", in der er auf die verlogene Moral der Weißen hinweist, an der sich bis heute nichts verändert hat.

"Ferner haben sie uns so viele junge Mädchen auszuliefern, wie sie uns Frauen und Töchter raubten. Frauen der Comanchen mögen wir nicht", die Apachen haben lieber "junges Gemüse", das dies verdeutlichende "Frauen der Comanchen mögen wir nicht" wurde im aktuellen grünen Band vorsichtshalber gestrichen.

Spät geht es durch die Mapimi, und es entsteht der Eindruck, daß die unerquickliche Landschaft einmal mehr dem Innenleben des Autors zur Zeit der Textentstehung entspricht. (Zu Inhaltlichem siehe wieder 'Der Scout'.) Spürte man zu Beginn des "Scout"-Teils noch erfrischende Lebensfreude, Schreiblust, sprühende Phantasie, so hangelt er sich jetzt einigermaßen unordentlich dahin, und es kommt zu der einen oder anderen Kuriosität, "Nichts für ungut, Herr! So ist es hierzulande Sitte!“, das „sagte derjenige, welcher geschossen hatte" unmittelbar nach der Tötung Gibsons, "Ob er zu Sennor Cortesio zurückgekehrt ist, weiß ich nicht" (über Bob), es scheint, er hat keine Lust mehr.

"Unter diesen Umständen durfte ich mich nur auf mich selbst verlassen. [...] Während die Andern unter sich herum fuhren und sprachen" ist auch hübsch formuliert.

Ohlert wird durch einen Zen-Stock besonderer Art geheilt, interessant ist, daß er, wie Arthur Rimbaud in Afrika, "das Wort Dichter nicht mehr hören" will. Der Schluß (des 'Scout'-Teils) kitschelt ein wenig, erinnert darin an den von "Satan und Ischariot" (wenn solche Gewissenserkundungen in epischer Breite wie seitens Old Death kommen, wird es manchmal ein wenig fatal bei May), und "Welche Pläne Gibson eigentlich mit William Ohlert verfolgt hatte, das war nun nicht zu erfahren" an "Deutsche Herzen, Deutsche Helden", wo das Geheimnis "mit ihnen hinüber" geht.

 

Fünftes Kapitel – Old Firehand

„Viel, sehr viel könnte ich von dem erzählen, was ich mit Harton erlebte“, tut er aber nicht, es gilt Anschluß an einen einzuarbeitenden früheren Text herzustellen.

„Unterwegs schloß sich mir der Engländer Emery Bothwell an, ein hochgebildeter, unternehmender und kühner Mann, den ich später, wie meine lieben Leser noch erfahren werden, in der Sahara wieder traf.“ Denn bald darauf wird bei Fehsenfeld „Orangen und Datteln“ erscheinen ...

Bei Mr. Henry. „Seid Ihr ein Kerl! Erlebt in einem Monate mehr Abenteuer als andere in zwanzig Jahren, geht durch alle Gefahren so glücklich hindurch wie eine Pistolenkugel durch ein Stück Löschpapier, nehmt es als junges Greenhorn mit dem erfahrensten Westläufer auf, werft alle die grausamen und blutigen Gesetze des wilden Westens über den Haufen, indem Ihr selbst den ärgsten Todfeind schont, und sperrt dann das Maul vor Erstaunen darüber auf, daß man von Euch redet! Ich sage Euch, Ihr habt in Beziehung auf Berühmtheit in dieser kurzen Zeit sogar den großen Old Firehand ausgestochen, weicher über noch einmal so alt ist, als Ihr seid.“ Womit Anschluß hergestellt ist ...

Old Shatterhand erhält seinen Henrystutzen, „machte ihn aber, wie schon früher, darauf aufmerksam, daß die Verbreitung dieses Schnellfeuergewehres für die Tier- und auch die Menschenwelt des Westens die nachteiligsten Folgen haben werde.“

Weitere Erwähnungen des Orientabenteuers aus Band 10.

Old Shatterhand erhält von Winnetou den Hengst Swallow geschenkt.

Begegnung mit Harry und Begleiter. Hier setzt die 'Old Firehand' – Handlung ein.

„Ich musterte mit einigem Bedenken meinen äußern Adam, welcher allerdings nicht das Geringste von alledem, was ein Gentleman in Gesellschaft an und um sich zu tragen pflegt, aufzuweisen hatte. Die Mokassins waren mit der Zeit höchst offenherzig geworden; die Leggins glänzten, da ich die löbliche Gewohnheit aller Jäger, die Hosenbeine bei Tafel als Serviette und Wischtuch zu gebrauchen, angenommen hatte, von Büffeltalg und Waschbärfett; das sackähnliche, lederne Jagdhemd, welches alle Temperaturen und atmosphärischen Kalamitäten mit anerkennungswerter Aufopferung ertragen hatte, gab mir das Aussehen einer von Wind und Wetter maltraitierten Krautscheuche, und die Bibermütze, welche mein Haupt bedeckte, war mir nicht nur viel zu weit geworden, sondern hatte auch den größten Teil ihrer Haare verloren und schien zu ihrem Nachteile mit den verschiedenen Lagerfeuern in sehr intime Bekanntschaft geraten zu sein.“ Das sollen sich mal die Filmfreunde zu Gemüte führen, die das äußere Erscheinungsbild Lex Barkers für originalgetreu halten ...

Stellenweise ist der Dialog mit dem Knaben schon merkwürdig ... erklärt sich natürlich daraus, daß der Knabe in der früheren Fassung eine junge Frau war und der Text nur nachlässig überarbeitet wurde.

„Er ritt jetzt eine halbe Pferdelänge vor und der Schein der sich dem Horizonte zuneigenden Sonne umflutete ihn mit goldenen Lichtstrahlen. 'Bräunlich und schön', wie die heilige Schrift von dem Knaben David erzählt“ ...

Der Erzähler hat so seine eigenen Ansichten ... „Gebt einem Eurer arroganten Oelprinzen die Pistole, mit welcher Ihr so vortrefflich umzugehen versteht, in die Hand und schickt ihn nach dem Westen, er wird trotz seiner Millionen untergehen. Und fragt im Gegenfalle einen unserer berühmten Westmänner, die wie unbeschränkte Fürsten mit ihren Büchsen die weite Ebene beherrschen, nach dem Monney, welches er besitzt; er wird Euch in das Angesicht lachen. Da, wo der Mensch grad so viel wiegt wie die Gefahr, welche er zu überwinden vermag, leistet zum Beispiel meine 'Patentmütze' bessere Dienste, als der Besitz von einem Viertel- oder halben Dutzend von Oelquellen. Die Prairie schreibt ihre Gesetze und Komplimente nicht durch den Tanzlehrer, sondern mit dem Bowiemesser vor!“

Auseinandersetzung. Der Erzähler geht vorübergehend seines Pferdes verlustig, „Er gab mir einen Stoß vor die Brust, daß ich zurücktaumelte, und schwang sich in den Sattel.“ Harry bezeichnet ihn wegen vermeintlicher Feigheit als „Coyoten“.

„Ich schwieg, denn ich wußte, was ich tat. Swallow war mir nicht verloren, und ließ ich ihn für eine kurze Zeit bei Forster, so war es mir vielleicht möglich, Harry, für den ich mich zu interessieren begann, wieder zu sehen. Aus seinem Munde ließ ich die letzten Worte nicht als Beleidigung gelten.“

Auf das Angebot „Ich brauche einen Boardkeeper, der nicht gleich dreinspringt, wenn er einen derben Tritt bekommt. In unserem Geschäfte ist die Ambition oft ein recht überflüssiges und schädliches Ding, und ich habe ja vorhin gesehen, daß Ihr in dieser Beziehung einen guten Puff vertragt. Schlagt ein; es soll Euer Schade nicht sein!“ schreibt May jetzt „Ich hätte dem Manne eigentlich ins Gesicht schlagen mögen“, eine Spur schärfer als in der früheren Version.

Ölbrand. (Siehe auch unter 'Old Firehand'; hier nun alles mit Harry statt Ellen ... und seitens May nicht wirklich immer aufmerksam durchgesehenen Text.)

„Das Tageslicht milderte die Intensivität der Flammen; als ich jetzt wieder hinunterblickte, sah ich, daß außer einem kleinen Häuschen, weiches ganz oben an der höchsten Stelle des Tales lag, wohin das Feuer nicht hatte kommen können, alles, alles verschwunden war.“

Der zweite Besuch in New Venango ist neu, stand in der früheren Version noch nicht.

„Erst feig und ehrlos zum Erbarmen, und dann steckt er aus Rache das Petroleum in Brand!“ ... „Ich war für den Augenblick nicht eines Wortes fähig; ich ein Mordbrenner!“ (Wir denken für einen Moment an Hohenstein-Ernstthal ...)

„Er schoß nach mir. Die Entrüstung hielt mich an der Stelle fest, wo ich stand; ich machte keine Bewegung, der Kugel zu entgehen, und das war gut, denn er hatte schlecht gezielt; ich wurde nicht getroffen. Meine Finger zuckten, ihm eine sichere Kugel als Antwort zu geben; ich tat dies aber natürlich nicht, drehte mich um und stieg langsam wieder empor, ohne mich ein einziges Mal nach dem Manne umzusehen. Oben angekommen, setzte ich mich auf das Pferd und ritt fort. Wenn man, anstatt als Lebensretter Dank zu erhalten, eines Verbrechens beschuldigt wird, so schüttelt man den Staub von den Füßen.“

Am Bahndamm. „Zwar war die Entfernung selbst für das scharfe Gesicht eines Indianers eine sehr bedeutende; aber ich hatte während meiner Streifereien mehrere Male in den Händen dieser Leute Fernrohre gesehen. Die Kultur schreitet eben unaufhaltsam vorwärts, und indem sie den Wilden immer weiter zurückdrängt, bietet sie ihm doch die Mittel, sich bis zum letzten Manne gegen ihre Gewalt zu verteidigen."

„Damals kam es nicht selten vor, daß weiße oder rote Halunken Züge zum Entgleisen brachten, um sie zu berauben. Ich werde hiervon noch zweimal zu erzählen haben.“ Nämlich in Winnetou III. Und diesen Überfall hier kennen wir auch schon aus „Auf der See gefangen“ ...

Auftritt Old Firehand. Winnetou erwähnt die Blutsbrüderschaft mit Old Shatterhand. „Old Firehand, Old Shatterhand und Winnetou! Welch ein glückliches Zusammentreffen! Die drei berühmtesten Männer des Westens, die drei Unüberwindlichen!“

„Es sind dreißig rote Lumpen,“ sagt Old Firehand, „mit denen wir gar keine Umstände machen werden. Wir schießen sie alle über den Haufen.“ – „Sie sind Menschen, Sir,“ [...] – „Vertierte Menschen, ja, [...] Ich habe genug von Euch gehört, um zu wissen, daß Ihr selbst in der größten Gefahr noch nachsichtig mit diesen Kerlen seid; ich aber bin ganz anderer Meinung.“

„Nichts verriet, daß der auf der weiten Ebene ruhende scheinbare Frieden die Vorbereitung zu einer blutigen Katastrophe in sich berge.“ Das ist auch heutzutage und andernorts noch so.

„Winnetou kannte ich genugsam und ließ ihn also unbeachtet; mit Gewalt dagegen drängte es mich in die Nähe von Old Firehand, dessen Anblick mich an jene alten Recken mahnte, von denen ich als Knabe so oft und mit Begeisterung gelesen hatte.“ (Zu weiterem Inhaltlichen siehe wieder unter „Old Firehand“.)

Die sarkastischen Äußerungen des Erzählers dem Bahnbeamten gegenüber standen in der früheren Version der Geschichte noch nicht. Ebenso die Szene, in der der Erzähler dem verwundeten Old Firehand zu Hilfe kommt und dabei drei Indianer tötet.

 

Sechstes Kapitel – In der ‚Festung’

(Siehe teilweise wieder unter 'Old Firehand'.)

„Es war überhaupt augenfällig, welch beinahe liebevolle Aufmerksamkeit und Ergebenheit die zwei Leute gegen einander zeigten. [...] Winnetou war mit Old Firehand fast noch freundlicher als mit mir, so daß ich hätte eifersüchtig werden mögen, wenn ich die Anlagen und den dazu nötigen Unverstand besessen hätte.“

Auftritt Sam Hawkens. „Bin ganz närrisch vor Entzücken, mein einstiges 'Greenhorn' wiederzusehen, jetzt Old Shatterhand geheißen“ ... In der früheren Version lernten sich die beiden an dieser Stelle erst kennen.

„Er reichte mir beide Hände, drückte mich mit Inbrunst an seinen Jagdrock, daß dieser wie eine leere Holzschachtel prasselte, und spitzte die bärtigen Lippen, um mich zu küssen, welcher Zärtlichkeit ich aber durch eine geistesgegenwärtige Wendung entging. Sein früher dunkler Haar- und Bartwald war jetzt ziemlich grau geworden.“

In der Festung. „Wir trabten der Mitte des Platzes zu und waren bald von den Leuten umringt, welche ihre Freude über die Ankunft Firehands in den kernigsten Ausdrücken kund gaben. Unter ihnen befand sich auch Will Parker, der sich vor Freude über meinen Anblick fast wie närrisch benahm und auch von Winnetou freundlich begrüßt wurde.“

Die Wiederbegegnung mit Harry wirkt schon recht seltsam ... (die 'strindbergsche Schwingung' aus der früheren Version mit der jungen Frau will nicht mehr so recht passen ...) Auch später ist die eine oder andere nun seltsam wirkende Formulierung einfach stehengeblieben.

„Ich verließ das Feuer und schritt in das Dunkel hinaus, über welches sich der Himmel so freundlich, klar und sonnenhell ausbreitete, als strahlten seine Millionen Lichter nicht auf eine Erde hernieder, deren höchstorganisierte Wesen sich mit den Waffen in der Hand einander gegenüber stehen, um sich zu zerfleischen.“

Biber- und Menschenjagd. Der Erzähler „hatte im nächsten Augenblicke den mir am nächsten stehenden der Indianer mit der Linken beim Nacken und stieß ihm mit der Rechten das Messer zwischen die Schultern, daß er sofort lautlos zusammenbrach“. Das stand auch schon in „Old Firehand“. Neu ist: „Ich tat dies freilich nur notgedrungen; da es Ponkas waren, durften sie nicht geschont werden, denn wenn sie die 'Festung' entdeckten, galt es unser Leben.“

Wie der Spruch „Da drüben im 'Gutter' gibt's ein ganzes Nest Pfeilmänner. Könnten ihre Nasen auch zwischen deine Beine stecken wollen“ genau gemeint ist, entzieht sich unserer Kenntnis ...

Kampf mit Parranoh, „Mit den Füßen wie ein angeketteter Stier um sich schlagend, versuchte er, in riesenkräftigen Rucken sich emporzuschnellen; der falsche, langbehaarte Schädel lag neben ihm, und die Augen traten weit mit Blut unterlaufen aus ihren Höhlen; vor dem Munde stand ihm der gärende Schaum der Wut, und die nackte, von dem Skalpmesser Winnetous barbierte Kopfblöße schwoll unter der Anstrengung aller Fasern und Nerven und dem wilden Schlage des zusammengedrückten Pulses mit einer erschreckenden Häßlichkeit auf. Mir war, als hätte ich ein rasendes Tier unter mir, und mit aller Gewalt krampfte ich meine Finger um seine Kehle, so daß er einigemal konvulsivisch zusammenzuckte, den Kopf hintenüber legte und, die Augen verdrehend, unter einem immer leiser werdenden Zittern die Glieder von sich streckte; -er war besiegt.“

[Zu Weiterem siehe wieder „Old Firehand“ (vieles wurde nahezu unverändert übernommen für Winnetou II).]

„Es verging eine geraume Zeit, ehe Winnetou zurückkehrte; aber als er kam, sahen wir einen frischen Skalp in seinem Gürtel.“ Etwas inkompatibel ...

„Old Firehand ist ausgelöscht“, so scheint es, und im Original ist es so, für Winnetou II wird das später 'korrigiert'; „Dick Stone ist ausgelöscht, Will Parker ist ausgelöscht“.

Nebenbei erfahren wir, daß einer der eigenen Leute die Gefährten verraten hat. „Dachte, sich mit dem Geheimnisse loszukaufen, war aber nichts, haben ihm Leben und Haut genommen, gerade so, wie ihr es auch erfahren sollt, nur umgedreht, erst die Haut und dann das Leben.“

Ellen seinerzeit hatte für Parranoh „lange genug den Mann gespielt und wirst für Ribanna die Squaw von Finnetey!“, mit Harry ist anderes geplant, „du [...] wirst an seiner [Winnetous] Seite gebraten.“

Die Flucht mit Harry kann aufgrund andersgearteter Thematik natürlich nicht mehr die Intensität erreichen wie in 'Old Firehand' ...

„Der weinende Harry hielt den Kopf seines Vaters im Schoße, aber „Uff, uff, uff! Er ist noch nicht tot - er lebt!“ Ein entscheidender Unterschied zu den Vorgängerfassungen ...

„Daß mein alter Sam Hawkens über den Tod Dick Stones und Will Parkers tief betrübt war, versteht sich ganz von selbst.“ Bamberger Bearbeiter vermochten auch ihn zu trösten ... (In GW 8 überleben die beiden.)

„Er versicherte wiederholt, jeden Ponka, der ihm begegne, in Zukunft ohne Gnade erschießen zu wollen. Ich aber beurteilte auch diesen Fall anders: Parranoh war ein Weißer; ich stand also vor einer abermaligen Wiederholung meiner alten Erfahrung, daß der Indianer nur durch die Bleichgesichter das geworden ist, was er heute ist.“

 

Siebentes Kapitel – Der Pedlar

Old Firehand hat sich aufgrund seines Gesundheitszustandes infolge seiner Verletzungen entschlossen, „nach dem Osten zu seinem älteren Sohne zu gehen und Harry mitzunehmen“.

Winnetou legitimiert sich vor einem mißtrauischen Settler mittels seiner Silberbüchse. Old Shatterhand hat im Westen bereits einen guten Ruf.

Der Settler „war ein ziemlich alter, kräftiger und starkknochiger Mann, dem man es beim ersten Blick ansah, daß er mit dem Leben gekämpft hatte, ohne sich werfen zu lassen“.

Ein Mr. Rollins taucht auf, „Seine Physiognomie war gar nicht etwa geeignet, bei der ersten Betrachtung irgend ein negatives Urteil hervorzurufen, und dennoch wollte mir der Gesichtsausdruck, mit dem er uns betrachtete, nicht gefallen“.

Indianer kommen, die Pferde werden mit ins Haus genommen, in einer frühen Textvariante der Buchausgabe hieß es putzigerweise „zog Rih in das Innere“, später wurde daraus korrekterweise Swallow. (In der Bamberger Ausgabe ist es Hatatitla.)

Winnetou gibt sich dem Settler gegenüber zurückhaltend, „Weil man nur dann Menschenblut vergießen soll, wenn es durchaus notwendig ist. [...] Mein weißer Bruder nennt die Indianer also rote Hunde? Er mag doch beherzigen, daß ich auch ein Indianer bin. Ich kenne meine roten Brüder besser, als er sie kennt. Wenn sie sich an einem Bleichgesichte vergreifen, so haben sie stets Ursache dazu.“ Unser Autor hat hier wohl nicht berücksichtigt, daß der edle Häuptling in der Episode zuvor noch etwas anders herüberkam ...

Gesundes Selbstbewußtsein, „Was du glaubst, das ist dem Häuptling der Apachen sehr gleichgültig, denn er weiß, daß es ganz gewiß so ist, wie er sagt!“

„Dein Recht geht uns nichts an; wahre du es, wenn du allein bist; jetzt aber sind Old Shatterhand und Winnetou hier, und überall, wo sie sich befinden, sind sie gewohnt, daß man sich nach ihnen richtet.“

„Von wem hast du dieses Settlement gekauft?“ – „Gekauft? Daß ich so dumm wäre, es zu kaufen! Ich habe mich hierher gesetzt, weil es mir hier gefiel, und wenn ich die von dem Gesetze vorgeschriebene Zeit hier bleibe, gehört es mir.“ – „Die Sioux, denen dieses Land gehört, hast du also wohl nicht gefragt?“ – „Ist mir nicht eingefallen!“ – „Und da wunderst du dich, daß sie dich als ihren Feind, als den Dieb und Räuber ihres Landes behandeln? Da nennst du sie rote Hunde? Da willst du sie erschießen? Tu nur einen einzigen Schuß, so jage ich dir eine Kugel durch den Kopf!“

„Da hörte ich den Späher kommen, oder vielmehr, ich hörte ihn nicht, denn es war wohl nicht das Ohr, mit welchem ich seine Annäherung vernahm, sondern jener eigenartige Instinkt, welcher sich bei jedem guten Westmann ausbildet, sagte es mir.“

Es geht dann interessanterweise um das Heimstättengesetz, „Wir kennen die Bleichgesichter nur als Räuber unserer Ländereien; was bei solchen Leuten Gesetz, Recht oder Sitte ist, geht uns nichts an. Wenn du glaubst, hier Land stehlen zu dürfen und dann von eurem Gesetze gegen die Bestrafung geschützt zu werden, so ist das deine Sache.“

Man einigt sich. „Corner bot uns einen guten Morgen, welcher keineswegs freundlich klang. Er war wütend über uns, denn er hegte die Ueberzeugung, daß es unbedingt vorteilhafter für ihn gewesen wäre, wenn wir die Roten alle weggeputzt hätten, wie er sich ausdrückte.“ May macht recht deutlich, was er vom Tun und Treiben jenseits des Atlantik hält: „Was würde man in Illinois oder Vermont sagen, wenn ein Sioux-Indianer käme, sich mit seiner Familie in eine Gegend, die ihm gefiele, setzte und nun behauptete, 'das ist mein!'“

„Mein Bruder Winnetou beschämt mich zuweilen. Er besitzt manchmal weit mehr Zartgefühl als ich.“

Ein geplanter Knieschuß, der nicht zur Ausführung kommt.

Ein Kolbenhieb ... „Es war mir, als ob ich gestorben sei und als ob mein Geist aus der Ewigkeit herüberlausche auf das Gespräch, welches an meiner Leiche geführt wurde.“ Santer ist da. Unsere Helden werden gequält.

Santer sagt, „er habe stets die feste Absicht gehabt, Euch langsam und mit Genuß zu Tode zu schinden“, dafür gibt es aber gar keinen Grund ... er wird hier zu einer Art Monster aufgebauscht, das er ursprünglich gar nicht war ... (ein kleiner Halunke, ein Mörder, ja, aber kein sadistisches Ungeheuer.)

„Um es kurz zu machen, will ich nur sagen, daß ich auch krumm geschlossen wurde. So lag ich drei volle Stunden neben Winnetou, ohne daß wir ein leises Wort miteinander wechselten und unsern Peiniger einen Atemzug hören oder eine schmerzliche Miene sehen ließen.“

„Sie werden Rollins fangen und herbeibringen.“ – „Ganz gewiß. Man erwartet in ihm einen Gegner, und dann wird und muß es sich herausstellen, daß er ein guter Bekannter von Santer ist. Er wird für uns bitten - - -“ – „Und Santer wird uns nach dem notwendigen Zögern freigeben. Das wird genau so gemacht werden, wie in den großen schönen Häusern der Bleichgesichter, in denen man Theater spielt.“ Schein und Sein ... „Sie führten die Spiegelfechterei so gut aus, daß sie uns wohl getäuscht hätten, wenn wir weniger fest überzeugt gewesen wären.“ Immer wieder geht es um solche Dinge bei Karl May ... „Sicherheit ist nirgends“, schrieb Arthur Schnitzler.

Sang- und klanglos geht die Episode plötzlich zu Ende, „Santer war uns abermals entgangen, ob nur für heut, oder für immer?“ Hawkens hat Rollins befreit, ohne zu wissen, was er tat, und wird von Winnetou beschimpft.

„Sam Hawkens wird alt“ ... Old Shatterhand soll sich um Old Firehand kümmern, so ist die Trennung von Winnetou motiviert, der Autor weiß ja, daß sein alter ego im dritten Band zunächst einmal ohne den Freund ist. Sie verabschieden sich, „indem er sich auf seinem Pferde zu mir herüberbeugte und den Arm um mich Schlang“, „die Liebe wird mich wieder mit dir vereinigen. Howgh!“

„Ein Kuß für mich, ein lauter, gellender Zuruf an sein Pferd, und er jagte davon, daß sein langes, herrliches Haar wie eine Mähne hinter ihm herwehte. Ich blickte ihm nach, bis er verschwand.

Wirst du den Feind erjagen? Wann sehe ich dich wieder, du lieber, lieber Winnetou? –“

 

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(zu den Kapiteln 5 + 6 siehe auch die Anmerkungen unter "Old Firehand" und "Im fernen Westen". Zur früheren Fassung des ersten Teils (Kapitel 1 - 4) siehe unter "Der Scout".)