DER SCOUT

„Der Scout“, die Geschichte (unter anderem) um Old Death und William Ohlert, beide wieder Spiegelungen ihres Autors bzw. Verkörperungen von Anteilen von ihm, erschien im „Deutschen Hausschatz“ und bildete später, von Karl May selber überarbeitet, den ersten Teil des Bandes Winnetou II.

Der wesentlichste Unterschied zwischen dem „Scout“ und der in Winnetou II enthaltenen Fassung ist, dass der Ich-Erzähler im „Scout“ tatsächlich noch ein Greenhorn ist, während er in der späteren Buchausgabe nur vorgibt, eines zu sein.

Ein interessantes Thema. Die Dinge mischen sich. Weder „Gut“ noch „Böse“ gibt es in Reinform, ebenso wenig wie Schwarz oder Weiß, Groß oder Klein, Stark oder Schwach usw. Und so ist auch der Ich-Erzähler weder [ausschließlich] ein Greenhorn noch ist er keines. Eine Mischung; denken wir an einen Flickenteppich ...

Ein Westmann mit Greenhorn-Anteilen ... Ein Greenhorn mit Westmann-Anteilen ... Mal überwiegt das eine, mal das andere. (In Hermann Hesses „Die Morgenlandfahrt“ gibt es am Ende eine Doppelfigur, in der, optisch erkennbar, ein ständiges Fließen geschieht. Bei Hesse, vereinfachend, nur in eine Richtung. Im Leben in mehrere, in alle möglichen.)

So ist das Leben, so ist Karl May. Und solche Dinge sind (unter anderem …) das Interessante an dessen Büchern. (Nicht die Abenteuergeschichten, die sind Beiwerk). Hans Wollschläger schrieb einmal, er nähme in hohem Maße Anteil an Karl Mays Leben und Werk, als wäre es sein eigenes. So kann es einem gehen.

Neben der nachträglichen Beförderung zum Westmann haben wir es im „Scout“ gegenüber der in der späteren Fassung deutlich abgemilderten mit einer recht gesellschaftskritischen Einleitung zu tun, in der Dinge stehen, die heute noch gelten („Es war immer, immer so“ sang Willy Millowitsch), sowie einer weiteren Version der ersten Begegnung zwischen Old Shatterhand und Winnetou. Deren gibt es in Karl Mays Werk insgesamt vier, was die Übersichtlichkeit liebenden Freunde von Etikettierung und Einordnung etwas überfordern mag.

 

1. Kapitel – Ein Gedicht

„Greenhorn – – eine höchst ärgerliche und despectirliche Bezeichnung für Denjenigen, auf welchen sie angewendet wird.“ So zackzackig (es klingt wie der Beginn von Eickes Winnetou IV-Bearbeitung) beginnt Karl May selten eine Erzählung, vgl. z.B. später Winnetou I, dort stellt er ein freundliches „Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet?“ voran.

Die anschließende „Greenhorn“-Erläuterung ist ironisch gebrochen, er zählt abwechselnd empfehlenswerte und weniger empfehlenswerte Verhaltensweisen zum gleichen Begriff auf ...

„Ein Greenhorn notirt sich achthundert Indianerausdrücke, und wenn er dem ersten Rothen begegnet, so bemerkt er, daß er diese Notizen im letzten Couvert nach Hause gesandt, den Brief aber in das Feuer geworfen hat.“ Ähnliches passiert dem Ich-Erzähler noch in „Ardistan und Dschinnistan“.

„Aber man denke ja nicht etwa, daß ich jemals die Ueberzeugung oder wenigstens die Ahnung gehabt hätte, daß diese kränkende Bezeichnung für mich passe! O nein, denn es ist ja die hervorragendste Eigenthümlichkeit eines Greenhorns, jeden Andern, aber nur nicht sich selbst für 'grün' zu halten.

So war es auch mit mir.“

„Gummistege an den Hosenbeinen und drei Sorten von Bartwichse im Reisenécessaire, eine auffallend breite, goldene Uhrkette – – unter vier Augen, sie war nur Talmi und hatte in Bremen einen Thaler zehn Silbergroschen gekostet – –, Chapeau claque und seidener Regenschirm mit dickem, eleganten Elfenbeingriffe – – war leider nur gebleichter Knochen – –, so forderte ich mein Jahrhundert und also auch die Vereinigten Staaten in die Schranken.“

Blick in die berufliche Vergangenheit, „Hohle Köpfe, deren einziges Verdienst in irgend einer alten einflußreichen Tante bestand, gewandte Heuchler, denen ihr Amt nichts als die schnell auszunutzende Milchkuh war, und die sich daher vor dem Spiegel ihre servilen Bücklinge einübten, waren mir vorgezogen worden.“

„Als ich mich höheren Orts discret befragte, gab man mir zwar vollständig Recht, sagte mir aber achselzuckend, daß mich die Verleugnung meiner gewissenhafteren Ansicht schnell vorwärts bringen werde.“

Als „Detective“ in Amerika erhält er das Vertrauen seines Chefs, „durch einige gute Erfolge, welche ich aber mehr dem Zufalle als meinem Scharfsinn zu verdanken hatte“.

Die Krankengeschichte des William Ohlert liest sich ein wenig so, wie sich Klein Fritzchen das vorstellen mag, „Auf irgend eine Weise war er auf die Idee gerathen, eine Tragödie zu schreiben, deren Hauptheld ein wahnsinniger Dichter sein solle. Um dies zu können, hatte er gemeint, den Wahnsinn studiren zu müssen, und sich eine Menge darauf bezüglicher Werke angeschafft. Die schreckliche Folge davon war gewesen, daß er sich nach und nach mit diesem Dichter identificirte und nun glaubte, selbst wahnsinnig zu sein.“

„Das war Alles, was ich erfahren hatte, und nun stack ich mitten in der Brandung der Menschenwogen, welche die Straßen von New-Orleans durchfluthen, und hatte das demüthigende Gefühl, ein Mensch zu sein, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist.“ Das ist noch ein anderer May als wir ihn später wahrnehmen ... (erstaunlicherweise 1888 geschrieben, also relativ spät.)

Bei Gelegenheit der Beschreibung des bunten Stadtlebens von New Orleans: „Ein Dritter kommt dazu, will Frieden stiften und bekommt nun von Beiden die Hiebe, welche ursprünglich nicht für ihn bestimmt waren.“ Das ist nicht nur in New Orleans so ...

Old Death ... „Die schrecklich eingefallenen Wangen, die scharfen Kinnladen, die weit hervortretenden Backenknochen, die zurückgefallene Stumpfnase mit den weiten, ausgerichteten Löchern – wahrhaftig, es war ein Todtenkopf, über den man sich entsetzen konnte, wenn man ihn unerwartet zu Gesicht bekam. Der Anblick dieses Kopfes wirkte wahrhaftig auch auf meine Nase: ich glaubte, die Dünste der Verwesung, den Odeur von Schwefelwasserstoff und Ammoniak zu riechen. Es konnte Einem dabei der Appetit zum Essen und Trinken vollständig abhanden kommen.“

„Vielleicht habt Ihr gehört, daß ich ein Scout bin, der es mit jedem andern Westmanne aufzunehmen vermag, und dennoch bin ich bisher dem Glücke vergeblich nachgelaufen. Hundertmal habe ich geglaubt, nur zugreifen zu brauchen, aber sobald ich die Hand ausstreckte, verschwand es wie ein Castle in the air, welches nur in der Einbildung des Menschen existirt.“ Die Sache mit dem Castle in the air kennen wir, und sie steht so ähnlich, wenn auch mit ganz anderen Worten, auch in „Scepter und Hammer“.

Old Death ist eines der Spiegel- oder auch Selbstbildnisse des Autors, natürlich nicht Eins zu Eins, aber in Anteilen, eine Variante, wie es ihm hätte ergehen können, und das wird hier explizit ausgesprochen, „Master, seid gescheidter als ich! Es ist Euch anzusehen, daß es Euch grad so gehen kann wie mir.“

„Ich habe studirt.“ ... „Ich sagte das mit einem gewissen Stolze. Er aber sah mir mit leichtem Lächeln – das bei seinen Todtenkopfzügen wie ein höhnisches Grinsen erschien – in das Gesicht, schüttelte den Kopf“ ... Denn Old Death weiß, was von dem „gewissen Stolze“ zu halten ist, „Studirt! O wehe! Darauf bildet Ihr Euch jedenfalls viel ein? Und doch sind grad Leute Eurer Sorte am wenigsten befähigt, ihr Glück zu machen. Ich habe das oft genug erfahren.“ ... „Nichts für ungut, Sir! Ich habe nämlich auch – – studirt und denke heut' noch mit großem Vergnügen d'ran, was für ein eingebildeter Dummkopf ich damals gewesen bin. Good b'ye!“

Die Begegnung verfehlt nicht ihre Wirkung, „der Inhalt seiner Worte hatte, ohne daß ich es mir offen eingestand, eine Art von Beschämung, die Ahnung der Mangelhaftigkeit meines Werthes in mir erweckt.“

Und dann bekommt er auch noch Gibsons Zettel zu lesen, „Ich habe Euch für albern gehalten; für so dumm, mich fangen zu wollen, aber doch nicht. [...] Ihr werdet ein Greenhorn bleiben, so lange Ihr lebt!“

„Ich befand mich in einer geradezu katzenjämmerlichen Stimmung, denn ich war blamirt, im höchsten Grade blamirt, und durfte nicht einmal auf der Polizei erwähnen, daß ich Gibson begegnet sei. Man hätte mich eben auch – wenn auch nicht in das Gesicht – ein Greenhorn genannt und sich heimlich über mich lustig gemacht. Ich ging also sehr still davon und befand mich ungefähr in der Stimmung eines Menschen, welcher geprahlt hatte, ein ausgezeichneter Segler zu sein, sich aber vom ersten Luftzuge das Boot hat umwerfen lassen.“

„Ich hatte mich vor Aufregung im Bette hin und her geworfen und in der Absicht, Gibson den Revolver aus der Hand zu schmettern, die Lampe von dem Kammerdiener, einem kleinen, hart am Bette stehenden Tischchen, geschlagen. Sie wurde mir am Morgen mit nur acht Dollars angerechnet.“ Das ist natürlich Ironie; nicht daß etwa einer auf die Idee kommt, den genauen Geldwert sowie Lampenpreise in New Orleans zu jener Zeit zu recherchieren und in einem Artikel der KMG-Mitteilungen oder Sonderheft Karl May der schlampigen Arbeit zu zeihen ... (Das gibt es ...)

„Gedichte lese ich bei der Durchsicht einer Zeitung entweder zuletzt oder lieber gar nicht. Die Ueberschrift glich der Kapitelüberschrift eines Schauerromans. Das stieß mich ab.“ Hört, hört ...

„Die fürchterlichste Nacht“, die auch an anderen Stellen im Werk auftaucht ...

„Mochte man das Gedicht für literarisch werthlos erklären, es enthielt doch“ ... Das ist der Punkt, es geht um den Inhalt, nicht um die Form, auch bei den „Himmelsgedanken“ (deren Inhalt halt offenbar kaum jemand richtig versteht und sich sozusagen hilfloserweise dann über die Form lustig macht ...).

„Sein Benehmen sei ein sehr anständiges gewesen, doch habe er ein wenig verstört drein geschaut und wiederholt erklärt, daß das Gedicht mit seinem Herzblute geschrieben sei – übrigens eine Redensart, deren sich begabte und unbegabte Dichter und Schriftsteller gern zu bedienen pflegen.“ Mays ungehemmt kritisch-ironischer Blick auf sich selber ist immer wieder unverkennbar; eigenartigerweise gibt es dennoch Scharen von May-Lesern, die dafür offenbar kein Empfinden haben.

Einer entsprechend disponierten Frau gegenüber, von der er Auskünfte möchte, äußert der Erzähler „eine unglückliche Liebe ist das größte, herzzerreißendste, überwältigendste Leiden, welches ich kenne“, um im nächsten Satz dem Leser mitzuteilen „Natürlich hatte ich von Liebe noch nicht die blasse Ahnung“.

„Welch ein Rabenvater!“ ...  „rief ich erbittert aus, was mir einen wohlwollenden Blick von der Dame eintrug“.

„Gewiß hatte die sprachselige Lady ihm von ihrer einstigen unglücklichen Liebe erzählt, und er war mit einem Märchen bereit gewesen, durch welches es ihm gelang, ihr Mitgefühl zu erregen“ ... er weiß, wo Barthel den Most holt und wie man mit Menschen umgehen muß, um Eigeninteressen durchzusetzen, nicht Gibson ist jetzt gemeint, sondern der Autor ... „Ich mußte innerlich lachen über die Entrüstung der Dame“ ...

„Hat der Sekretär Ihnen diesen Wütherich beschrieben?“ ... „fragte ich, gespannt auf weitere Mittheilungen über mich selbst.“

„Sie beschrieb nun diesen 'Barbaren' und nannte auch seinen Namen – – es war der meinige, und die Beschreibung stimmte sehr gut, wenn sie auch in einer für mich sehr wenig schmeichelhaften Weise vorgetragen wurde.“

„Ihren treuherzigen Augen sieht man es an, daß Sie in Ihrer Zeitung einen Artikel bringen werden, um den Deutschen niederzuschmettern und die von ihm Gejagten in Schutz zu nehmen.“ (Er hat sich für den Feuilletonredakteur ausgegeben.)

Bemerkenswerte Offenheit: „Ich machte mir nur weiß, moralisch verpflichtet zu sein, der Dame die Augen zu öffnen, denn der eigentliche Grund, mich zu demaskiren, war, daß ich mir das Vergnügen machen wollte, mit einem theatralischen Effecte abzutreten.“

Nach dieser Spielerei hat unser Autor „das sehr wohlthuende Gefühl, einen Geniestreich ausgeführt zu haben“, „Darum klang mein Ton wohl etwas sehr von oben herab, als ich den beiden vor dem Hause wartenden Polizisten sagte, daß die Angelegenheit erledigt sei. Ich drückte ihnen ein Trinkgeld in die Hände und bewegte mich in sehr aufrechter Haltung von dannen. Es geht doch nichts über die wohlthuende Erkenntniß, ein Kerl zu sein, mit dem sich Andere nicht vergleichen dürfen!“

 

2. Kapitel – Auf dem Colorado

Politische Betrachtungen zu Beginn, die Deutschen im damaligen Texas „hatten genug republikanische Luft eingeathmet, um zu glauben, daß der Einfall der Franzosen im Lande Montezuma's ein ungerechter sei und nur den Zweck verfolge, durch Auffrischung der französischen Gloire den Blick der Franzosen von den eigenen unheilbaren Gebrechen abzulenken.“

„Ihr scheint zu den Leuten zu gehören, welche niemals finden, was sie suchen, dafür aber mit allen Leuten zusammenrennen, mit denen sie nichts zu schaffen haben.“ Old Death spricht ein wahrlich wahres Wort gelassen aus.

Old Death scheint über seinen Opiumkonsum hinaus, von dem wir später erfahren werden, auch dem Alkohol reichlich zuzusprechen, „Bin gern bereit, noch eins oder einige zu trinken [...] Euer deutsches Lagerbier hatte es mir angethan. Ich trank und trank“ ...

„Ich durfte ja nicht“ antwortet der Erzähler auf eine Bemerkung Old Deaths „kleinlaut“. Entsprechende Stellen hat May für Winnetou II überarbeitet.

„Der Mann meinte es aufrichtig gut mit mir. Es fiel ihm gar nicht ein, mich kränken zu wollen, und doch fühlte ich mich beschämt.“

„Ist dieser William Ohlert denn vollständig wahnsinnig?“ – „Nein. Ich verstehe mich zwar nicht auf Geisteskrankheiten, möchte hier aber doch nur von einer Monomanie reden, weil er, abgesehen von einem Punkte, vollständig Herr seiner geistigen Thätigkeiten ist.“ Des Erzählers Rede zeugt von einer gewissen Einfühlsamkeit.

„Die Hilfe Old Death's, die ich ein paar Tage vorher verschmäht hatte, nahm ich jetzt mit Dank an.“

„Ihr habt mich ein Greenhorn genannt, und ich wollte Euch deßhalb zürnen; aber ich habe nachgerade eingesehen, daß Ihr nicht Unrecht habt, und so wird mir Eure Hilfe jedenfalls von großem Vortheile sein.“ Das kommt angemessener und auch sympathischer herüber als in früheren und späteren Werken. (1888: eine (zwischenzeitliche) neue 'Strategie' in Sachen "fishing for sympathie" ... ?)

Auftritt ungern gesehener Gäste in einer Kneipe, sie tragen „Niggerpeitsche“ und führen „Bluthunde oder Menschenfänger“ mit sich.

„Ich bin überzeugt, daß in meinem Blicke gar nichts für ihn Beleidigendes lag; aber er hatte einmal keine Lust, sich ansehen zu lassen, vielleicht große Sehnsucht, mit mir anzubinden und schrie“ ... Agression sucht sich ihre Ventile, da geht es nicht um Gründe, „Schuld“ o.ä.  ... „Das Gebräu war wirklich gut; die Gäste befanden sich aber in ächter Rowdylaune und gossen es in die Stube.“

„Sir, ich bitte Euch sehr, das nicht zum zweiten Male zu thun!“ so der bierdurchnäßte Ich-Erzähler, es erinnert beträchtlich an Loriots „Dann ist die Sache für mich erledigt“ ...

Dann läßt er sich doch, auch körperlich, auf die Auseinandersetzung ein, „Denn solche Prahlhänse sind im Grund ihrer Seele Feiglinge“.

Kampfhundangriff, „Blitzschnell hatte ich ihn bei den Hinterläufen, schwang seinen Körper und schleuderte ihn mit dem Kopf voran gegen die Mauer, daß der Schädel zerbrach.“

Old Death läuft zu großer Form auf bzw. zeigt seine Stärke, „Der alte Pfadfinder schien ein ganz anderer Mensch geworden zu sein. Seine sonst gebeugte Gestalt hatte sich hoch aufgerichtet, seine Augen leuchteten und in seinem Gesichte lag ein Ausdruck überlegener Energie, der keinen Widerstand aufkommen ließ.“

Auftritt Winnetou. Eine von mehreren Varianten des ersten Kennenlernens im Gesamtwerk.

„Es gibt Menschen, welche gleich im ersten Augenblicke der Begegnung, noch ehe sie ein Wort gesprochen haben, einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck auf uns machen. Ohne daß eine solche Person sich freundlich oder feindselig verhalten hat, fühlt man deutlich, ob man sie hassen oder lieben werde. Ein solcher Mensch war dieser Indianer.“ Daß er ihn liebt, wird auf diese Weise einigermaßen dezent herübergebracht.

„Die Wirkung seiner Persönlichkeit war so groß, daß sich bei seinem Eintreten eine wahre Kirchenstille einstellte.“

Seltsamerweise ist die erste Aktion, die wir seitens Winnetou miterleben, daß er – Bier bestellt ... „Ich bitte um ein Glas Bier, deutsches Bier!“ ... „Er erhielt das Bier, hob das Glas gegen das Fensterlicht, prüfte es mit einem behaglichen Kennerblicke“ ... und „sagte [...] zum Wirthe, indem er mit der Zunge schnalzte“, nämlich „Euer Bier ist gut. Der große Manitou der weißen Männer hat ihnen viele Künste gelehrt, und das Bierbrauen ist nicht die geringste unter denselben.“

Old Death informiert „Ihr habt das Glück, den berühmtesten Indianerhäuptling Nordamerika's kennen zu lernen, Winnetou, den Häuptling der Apachen.“

Auch zu Klekih-Petra lesen wir hier eine Variante, „Der weiße Gelehrte [...] liebte die Schwester von Winnetou's Vater, welche die 'Taube des Westens' genannt wurde, und nahm sie zum Weib. Er wurde der Lehrer seines Neffen Winnetou [...] hat sich niemals nach den weißen Männern zurückgesehnt. [...] Er ist hinüber gegangen in die ewig grünenden Savannenländer, wo die Seligen sich nicht zerfleischen und vom Angesichte Manitou's wonniges Entzücken trinken. Dort wird Winnetou ihn wiedersehen und allen Haß vergessen, den er hier auf Erden schaut.“

Die zweifelhaften Herren versuchen ihre Niederlage nun an Winnetou auszulassen, „Dabei mochten sie der Ansicht sein, daß es mir und Old Death nicht einfallen werde, uns seiner anzunehmen, denn wenn nicht wir es waren, welche beleidigt wurden, so hatten wir uns nach den herrschenden Regeln ruhig zu verhalten und zuzuschauen, wie ein harmloser Mensch moralisch mißhandelt wurde.“ Auch das gab’s damals schon, nicht erst in der U-Bahn.

„Winnetou hielt keine Waffe in der Hand. Seine Persönlichkeit allein war es, welche Allen imponirte. Keiner der Angegriffenen antwortete. Der Indianer glich einem Thierbändiger, wenn er in den Käfig tritt und die Wildheit der Katzen durch den Blick seines Auges niederhält.“

Dem überzeugenden Auftritt folgt ein entsprechender Abgang, „Winnetou, der Häuptling der Apachen aber geht nicht, weil er sich vor ihnen fürchtet, sondern weil er erkannt hat, daß nur die Haut, nicht aber die Seele dieser Bleichgesichter von heller Farbe ist. Es gefällt ihm nicht bei ihnen.“

Der Erzähler sagt „Ich habe mir die berüchtigten Apachen freilich ganz anders vorgestellt“, und sein erfahrener Freund entgegnet „Glaube es. Doch dürft Ihr nicht vergessen, daß er der Einzige seiner Art ist, eine Ausnahme, welche vergeblich ihres Gleichen sucht.“

„Laufen wir also noch ein wenig in diesem schönen Matagorda umher. Ich wüßte nicht, wie wir die Zeit anders todtschlagen wollten. Oder liebt Ihr es vielleicht, ein Spielchen zu machen?“ – „Nein. Ich bin kein Spieler und habe auch nicht die Absicht, einer zu werden.“ – „Recht so, junger Mann! Hier aber spielt fast Jedermann, und nach Mexico hinein wird es noch viel schlimmer; da spielt Mann und Weib, Katze und Maus, und die Messer sitzen nicht sehr fest. Erfreuen wir uns an einem Spaziergange!“ Das erinnert in seinem unaufdringlichen mit dem - in durchaus gutem Sinne - 'moralischen' Zaunpfahl winken an eine Stelle am Schluß von „Kong Kheou“ („Ich bin ein Thor gewesen“ ...).

Der Erzähler, der übrigens offenbar einen „Cylinderhut“ trägt, hat Sorge um seinen Koffer, und bekommt zu hören „Einen Koffer mit zu nehmen, das ist noch ein Rest längst vergangener vorsündfluthlicher Verhältnisse. Welcher vernünftige Mensch schleppt ein solches Gepäckstück mit sich! Wenn ich Alles, was ich jemals während meiner Reisen und Wanderungen gebrauche, hätte mitnehmen wollen, so wäre ich niemals weit gekommen. Nehmt mit, was für den Augenblick nothwendig ist; alles Uebrige kauft Ihr Euch zu seiner Zeit.“

„Vielleicht war der Blick, mit welchem ich an mir niedersah, ein wenig kläglich, denn er lachte abermals laut auf“ ...

„Ihr könnt doch reiten und schießen?“ ... „Ich bejahte mit vielem Nachdruck.“

Der Erzähler solle sich nicht genieren, wenn er (mit Sattel auf dem Rücken) äußerlich nicht dem entspreche, was nach Meinung anderer richtig sei, „Man hat sich nur dann zu schämen, wenn man ein Unrecht oder eine Albernheit begeht“. Man kann das auf allerhand übertragen: man selber sei sein eigener Maßstab und schiele nicht nach rechts und nicht nach links.

Man geht angemessene Kleidung kaufen, Old Death „zog mich fort nach dem Eingang, gab mir einen Stoß, daß ich in den Laden und an ein offen stehendes Häringsfaß schoß, und schob sich dann schmunzelnd hinterdrein“.

„Die nun folgende Scene war einzig in ihrer Art. Ich glich geradezu einem Schulbuben, welcher mit seinem Vater vor der Jahrmarktsbude steht, seine Wünsche nur unter Zagen äußern darf und vielmehr das nehmen muß, was der erfahrene Vater für ihn aussucht.“ Mut zur realistischen Selbstbeobachtung.

Und „nun begann Old Death, für mich auszusuchen. Ich erhielt:“ ...

Und noch einmal das Thema Unabhängig sein von der Meinung Anderer: „Jeder verständige Mensch wird Euch für einen sehr vernünftigen Gentleman halten, und was die unverständige Welt sagt, das geht Euch den Teufel an.“

Auf dem Schiff trifft man die Raufbolde wieder, „Sein Gesicht zeigte die noch frischen Spuren der Fensterscheiben.“

„Andere der neu Eingestiegenen schlossen sich ihnen an, und bald konnte man sehen, daß das unruhige Element sich jetzt in der Uebermacht befand.“ Schön gesehen. Bei solchen Dingen geht es halt zu wie bei einem chemischen Prozess.

Zunächst ist man allerseits relativ entspannt; als der Schwarze „mit der Peitsche geschlagen worden“ ist und „später am Rauchschlot aufgehangen werden“ soll, heißt es denn doch „Jetzt machte der Kapitän ein bedenklicheres Gesicht“ ...

„Ich bin ein Deutscher und bekümmere mich nicht im mindesten um Eure Politik.“ – „Ein Deutscher? Da sind wir ja Landsleute! Ich habe mein erstes fließendes Wasser im Neckar gesehen.“

„Man stieß uns vom ersten Platze fort, hinaus, bis an die rauchende Esse, an welcher wir aufgeknüpft werden sollten. Dieselbe war oben mit eisernen Oesen versehen, durch welche Taue liefen, also eine wunderbar schöne und praktische Vorrichtung, um Jemanden aufzuhängen. Man brauchte die Taue nur schlaff zu lassen und uns mit der empfindlichen Gegend des Halses an dieselben zu befestigen, um uns dann gemächlich emporzuhissen.“

Vorgetäuschter Schiffsuntergang, die Rowdies springen ins Wasser und fliehen, „Das Schiff war nun gesäubert“ ...

Ein wenig unrealistisch ist es am Ende schon, daß man (seitens der Schiffsbesatzung) so unbesorgt mit der zu erwartenden späteren Rache umgeht. Das ist offenbar sozusagen die Sorglosigkeit des Autors, der die Leute „weggeschrieben“ hat und weiß, daß er sie nun los ist ...

 

3. Kapitel - Die Kukluxes

„Obiges Wort ist noch heut' ein sprachliches Räthsel, das verschiedentliche Lösungen gefunden hat. [...] Mag dem sein, wie ihm wolle; die Mitglieder des Ku-Klux-Klan wußten wohl selber nicht, woher ihr Name stamme und was er zu bedeuten habe; es war ihnen auch gewiß ganz gleichgiltig.“

„Der Klan wurde nachgerade zu einem infernalischen Abgrunde“ ... von dem der Erzähler nach geneigten Lesers Empfinden nicht ohne eine Art Respekt berichtet.

Winnetou hat sich nicht weiter um unsere Helden gekümmert, „nur einmal, nachdem die Sezessionisten vom Schiffe entfernt worden waren, uns einen längern Blick geschenkt [...] Dieser Blick aber war kein sehr sympathischer, sondern im Gegentheile ein ziemlich verächtlicher gewesen, wohl deßhalb, weil wir uns von den sezessionistischen Schuften so in Schach halten ließen. Er wußte vielleicht nicht, daß wir von dem Kapitän darum gebeten worden waren, und ich gestehe aufrichtig, daß dieser geringschätzende Blick mich noch für lange Zeit gewaltig irritirte.“ Auf wessen Urteil man Wert legt, dessen entsprechender Blick ist halt ggf. schmerzlich ...

„Hawks inn“ soll „Gasthof zum Geier“ heißen, das soll er mal nicht Sam Hawkens hören lassen ...

„Die Gäste mußten mit vortrefflichen Lungen ausgerüstet sein, da sie in dieser Atmosphäre nicht nur nicht erstickten, sondern sich augenscheinlich ganz wohl zu befinden schienen. Uebrigens erwies sich der ausgezeichnete Zustand ihrer Lungen bereits aus der ungemein kräftigen Thätigkeit ihrer Sprachwerkzeuge, denn keiner sprach, aber Jeder schrie, sodaß es schien, als ob Niemand auch nur eine Sekunde schweige, um zu hören, was ein Anderer ihm vorbrüllte.“ So läuft Kommunikation des öfteren ab, auch bei minderer Lautstärke, jeder monologisiert, keiner hört zu.

„Uebrigens seid Ihr ja der reine Old Death, und ich glaube nicht, daß Ihr den Vergleich mit ihm zu scheuen brauchtet“ bekommt Old Death gesagt ...

„Also kriegsgefangen? Das war damals freilich schlimm. Man weiß, wie die Südstaaten es mit ihren Gefangenen trieben, denn von hundert derselben starben mindestens achtzig an schlechter Behandlung.“ Auch das gab’s also damals schon.

„Ein Landsmann von Euch, ein Sachse, gar ein studirter, der herüber gekommen ist, um hier sein Glück zu machen.“ – „O wehe! Die guten Leute da drüben denken, die gebratenen Tauben fliegen ihnen nur so in den Mund. Ich sage Euch, Sir, daß man hier hüben viel, viel härter arbeiten und bedeutend mehr Täuschungen erfahren muß, um es zu Etwas zu bringen, als drüben.“

Er will nicht sagen, so Master Lange, „daß die Menschen mir hier nicht gefallen. Sie sind eigentlich nicht schlimmer als überall“. So wird es wohl sein.

„Seine politische Färbung geht mich natürlich nichts an. Ob Einer kaiserlich oder republikanisch regiert sein will, das ist mir ganz gleich, wenn er nur sonst seine Pflicht erfüllt.“ Nachvollziehbar.

Lange spricht über William Ohlert, „Er fragte mich immerfort nach Gentlemen, die ich in meinem Leben noch nicht gesehen hatte, so zum Beispiel nach einem Nigger, Namens Othello, nach einer jungen Miß aus Orleans, Johanna mit Namen, welche erst Schafe weidete und dann mit dem König in den Krieg zog, nach einem gewissen Master Fridolin, welcher einen Gang nach dem Eisenhammer gemacht haben soll, nach einer unglücklichen Lady Maria Stuart, der sie in England den Kopf abgeschlagen haben, nach einer Glocke, die ein Lied von Schiller gesungen haben soll, auch nach einem sehr poetischen Sir, Namens Ludwig Uhland, welcher zwei Sänger verflucht hat, wofür ihm irgend eine Königin die Rose von ihrer Brust herunterwarf. Er freute sich, einen Deutschen in mir zu finden, und brachte eine Menge Namen, Gedichte und Theaterhistorien zum Vorscheine, von denen ich mir nur das gemerkt habe, was ich soeben sagte. Das ging mir Alles wie ein Mühlenrad im Kopfe herum. Dieser Master Ohlert schien ein ganz braver und ungefährlicher Mensch zu sein, aber ich möchte wetten, daß er einen kleinen Klapps hatte. Und endlich zog er ein Blatt mit einer Reimerei hervor, welche er mir vorlas. Es war da die Rede von einer schrecklichen Nacht, welche zweimal hinter einander einen Morgen, aber das drittemal keinen Morgen hatte. Es kamen da vor das Regenwetter, die Sterne, der Nebel, die Ewigkeit, das Blut in den Adern, ein Geist, der nach Erlösung brüllt, ein Teufel im Gehirn und einige Dutzend Schlangen in der Seele, kurz, lauter confuses Zeug, was gar nicht möglich ist und auch gar nicht zusammenpaßt. Ich wußte wirklich nicht, ob ich lachen oder ob ich weinen sollte.“ U.a. treffliche Selbstironie Mays ...

„Das ist ja wirklich Wahnsinn, der reine Wahnsinn! Wenn dieser Mann die Gestalten und Begebenheiten seines Trauerspieles in die Wirklichkeit überträgt, so muß man das unbedingt zu verhindern suchen.“ May hat es umgekehrt gemacht, er hat die Gestalten und Begebenheiten des Trauerspiels der Wirklichkeit in seine Texte übertragen ...

Flucht durchs Fenster, gelegentlich gibt der Klügere nach bzw. handelt pragmatisch.

„Der Alte log ja das Blaue vom Himmel herunter! Aber durfte ich ihn Lügen strafen? Ich fühlte, daß mir das Blut in die Wangen stieg“ ... Im Lügen auch ohne Erröten stand unser Autor selber ganz gut seinen Mann. Cortesio reagiert „ebenfalls lügend wie ein Zeitungsschreiber“. (Hübsch, wenn so kleine Weisheiten nebenbei einfliessen ...)

„Nach Verlauf einer Viertelstunde hatte Old Death die vorher volle Flasche ganz allein ausgetrunken.“

Gefälschte Pässe, auch eine Angelegenheit, in der Karl May sich auskannte.

Es soll „über Baya, Cruces, San Vinzente, Tabal und San Carlos“ gehen, „Alle diese Orte waren mir böhmische Dörfer“. In anderen Reiseerzählungen hätte er aufgrund spezieller Zusatzkenntnisse Alternativen vorgeschlagen ...

„Sie wollen in der Hauptstadt ein Theater bauen“, Fitzcarraldo läßt grüßen.

„Aber, Master, was fiel Euch ein, den Sennor in dieser Weise anzuflunkern! Eure Lügen waren ja häuserhoch!“ – „So! Hm! Das versteht Ihr nicht, Sir! Es war immerhin möglich, daß wir abgewiesen wurden. Darum erweckte ich bei dem Sennor möglichst großen Appetit nach uns.“ – „Und sogar Geld wolltet Ihr nehmen! Das wäre der offenbare Betrug gewesen!“ – „Nun, offenbar grade nicht, denn er wußte nichts davon.“ Interessante Argumentation ...

„Das waren die richtigen Leute. Nicht sprechen und viele Worte machen, aber bereit zur That.“ Man trifft sie eher selten.

Die Opiumproblematik Old Deaths kommt zur Sprache, „Ich begann, den Alten mit andern Augen zu betrachten. Zu der Achtung, welche er mir bisher eingeflößt hatte, trat ein gutes Theil Mitleid. Wie mochte er gegen die beiden Teufel gekämpft haben! Welch einen gesunden Körper, welch einen hochbegabten Geist mußte er besessen haben, da das Gift es bis heute noch nicht fertig gebracht hatte, beide völlig zu zerstören. Was waren alle Abenteuer, welche er erlebt hatte, alle Anstrengungen und Entbehrungen des Lebens in der Wildniß gegen die Scenen, welche sich in seinem Innern abgespielt haben mußten.“

„Habt Ihr schon einmal irgend ein Menschenkind heimlich angeschlichen, Sir?“ – „Nein“ [...] – „So habt Ihr jetzt eine vortreffliche Gelegenheit, zu sehen, wie man das macht.“ Charly lernt noch. Old Death ist zuversichtlich, „Ich kenne diesen jungen Master allerdings erst seit kurzer Zeit; aber ich weiß, daß er darauf brennt, die Eigenschaften eines guten Westmannes zu erwerben. Er wird sich die Mühe geben, jeden Fehler zu vermeiden.“

„Untersucht den Boden mit den Händen, damit Ihr nicht ein Aestchen knickt, und knöpft Euern Jagdrock ganz zu, damit nicht etwa ein Zipfel auf der Erde hinstreift! Nun vorwärts!“ kommandiert Old Death, „Ja, er hatte gut befehlen; er war geübt, ich aber nicht!“ Der Erzähler macht seine Sache „vor Aufregung zitternd“, wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, daß er schon den Orientzyklus hinter sich hat ...

„Was soll ich denn thun?“ ... „antwortete ich ungehalten über Old Death's beständige Zweifel“.

„Mit diesen acht Fingerspitzen drückt Ihr ihm den Kehlkopf so fest, wie Ihr könnt, einwärts!“ – „Da muß er doch ersticken!“ – „Unsinn! Das Ersticken geht nicht so schnell. Schufte, Schurken und ähnliches Gelichter gehören in eine Raubthierklasse, welche ein ungeheuer zähes Leben besitzt.“

„Da Ihr an solche Kunstgriffe nicht gewöhnt seid, so ist es möglich, daß es ihm doch gelingt, einen Laut auszustoßen. Das wird aber höchstens ein kurzes, verzweifeltes 'Bäh' sein.“ Ob die Komik einiger Stellen immer so beabsichtigt ist ...

„Werdet Ihr das fertig bringen?“ – „Gewiß. Ich habe früher viel gerauft.“ Worauf Old Death „höhnt“.

„Zum ersten Male in meinem Leben sollte ich einen Menschen wirklich feindlich überfallen, sollte ihn 'bei der Gurgel' nehmen, was sehr leicht seinen Tod zur Folge haben kann. [...] Ich befand mich ungefähr in der Stimmung eines Schulknaben, welcher eine Gedächtnißaufgabe hersagen soll und nicht genau weiß, ob er stolpern werde oder nicht.“

„Laßt los, Sir, sonst erstickt er wirklich! Ihr habt es für den Anfang gar nicht übel gemacht. Anlagen scheint Ihr zu besitzen, und ich calculire, daß einmal ein famoser Bösewicht oder aber ein tüchtiger Westmann aus Euch wird.“ Eine sehr interessante Stelle ...

„Old Death ist ein pfiffiger Kerl, und dieser junge Master ist auch nicht ganz so dumm, wie er aussieht.“ ... „Dieses höchst zweideutige Lob beleidigte mich nicht, denn ich fühlte eine ungeheure Genugthuung über das, was ich geleistet hatte. Wenn ich als Knabe den alten Vater Homer übersetzen mußte, so hatte ich es wohl manchmal beklagt, nicht in jener Zeit gelebt, nicht Troja mit belagert und es mit Hilfe des bekannten hohlen Schimmels oder Rappens erobert zu haben. Wie herrlich mußte es gewesen sein, in stolzer Rede den feindlichen Helden heraus zu fordern, um ihm den Speer durch den leuchtenden Panzer zu rennen! Jetzt hatte ich zwar blos einen gewöhnlichen Kuklux beim Halse genommen, aber ich 'calculirte', daß doch eine kleine Spur einer gewissen Art altgriechischen Heldenthumes dabei vorhanden sei, und das ließ mir das Herz höher schlagen. Daß es sehr traurig ist, über seinen Nebenmenschen herfallen zu müssen, daran dachte ich nicht.“

Wechselbäder; „In diesem Augenblicke war mir ungefähr zu Muthe, wie einem Menschen, welcher in der Ueberzeugung nach dem Fluße geht, daß man ihn dort in's tiefe Wasser werfen werde, damit er schwimmen lerne.“

„Die Kugeln trafen genau. Die beiden Offiziere schrieen laut auf, und bald schrieen und heulten Alle in einem widerlichen Concert.“

Dann eine Verwechslung, „Auf meinen Widerspruch wurde gar nicht gehört; ich erhielt Püffe und Stöße in Menge, so daß mich die getroffenen Stellen noch nach einigen Tagen schmerzten. Ich sollte augenblicklich vor das Haus geschafft und dort gelyncht werden.“

„Wehe den wirklichen Kukluxern, wenn schon ein imitirter in dieser Weise blau gegerbt wurde!“

Wir erfahren auch, warum der Erzähler verwechselt wurde ... „Pardon, Sir! Ich irrte mich, weil Ihr ein gar so criminales Gesicht habt!“

Ein Arzt kommt, „zur Ausübung seines menschenfreundlichen Berufes“, eine Jury wird gebildet, „Der Gerichtshof war in einer Weise zusammengesetzt, welche mich gruseln machte“ ...

Das Folgende ist absurdes Theater,

„Nach ihm ließ sich der Anwalt hören, welcher zunächst bemerkte, daß der Vorsitzende eine unverzeihliche Unterlassungssünde begangen habe, indem die Angeklagten nicht einmal nach ihren Namen und sonstigen Umständen befragt worden seien, was nachzuholen er hiermit ergebenst anrathe, da man doch wohl wissen müsse, wen man aufknüpfen oder einsperren wolle, schon des Todtenscheines und anderer Schreibereien wegen – – eine geistreiche Bemerkung, die auch meine volle, wenn auch stille Zustimmung hatte.“

„Im Falle des Aufknüpfens schlage er also vor, der Kürze wegen einen einzigen und summarischen Todtenschein auszustellen, welcher ungefähr lauten werde: 'Neunzehn Kukluxer aufgehängt, weil sie selbst daran schuld waren.'“

„Die Jury hat bestimmt, daß der Ertrag der Auction zum Ankaufe von Bier und Brandy verwendet werde“ ...

„Ich saß da, als wenn ein Traum mich befangen hielte. War das alles Wirklichkeit?“ So kann es einem im Leben des öfteren ergehen ...

„Ich wollte mich gern ärgern, brachte es aber nicht fertig und stimmte in Old Death's Gelächter ein, dem dieser Ausgang des Abenteuers außerordentlichen Spaß bereitete.“ Eine Möglichkeit.

„Dann stellten sich die Musikanten ein, ein Clarinettist, ein Violinist, ein Trompeter und Jemand mit einem alten Fagotte. Diese wunderbare Kapelle postirte sich in eine Ecke und begann, ihre vorsündfluthlichen Instrumente zu stimmen, was mir einen nicht eben angenehmen Vorgeschmack der eigentlichen Leistungen gab.“

„Da ich ihm zwei Zähne ausgeschlagen habe und er mir einige Male in die Rippen gerathen sei, müßten wir uns selbstverständlich als wahlverwandt betrachten, und so würde ich seine Seele auf das tiefste kränken, falls ich ihm seine dringende Bitte, hier zu bleiben, nicht erfülle.“

Gesellschaft und Tanz ... „Die Damen waren kostbar. Die amtliche Stellung ihres Gatten und Vaters erforderte, daß sie sich mit möglichster Würde gaben. Die Mama war über fünfzig, strickte an einer wollenen Leibjacke und sprach einmal vom Codex Napoleon; dann aber schloß sich ihr Mund für immer. Das Töchterlein über dreißig alt, hatte einen Band Gedichte mitgebracht, in welchem sie trotz des uns umtobenden Höllenspektakels unausgesetzt zu lesen schien, beehrte Old Death mit einer geistreich sein sollenden Bemerkung über Pierre Jean de Beranger, und als der alte Scout ihr aufrichtig versicherte, daß er mit diesem Sir noch niemals gesprochen habe, versank sie in ein ewiges Stillschweigen.“

„Wie wir Beide tanzten, welches Unheil mein alter Freund anrichtete, indem er mit seiner Tänzerin zu Boden stürzte, wie die Gentlemen zu trinken begannen – davon schweige ich.“

„In den beiden Parterrestuben, im Garten und vor dem Hause saßen oder lagen die Angeheiterten, theilweise wohl mit schweren Köpfen. Sobald aber die Kunde erschallte, daß der Zug nach dem Landungsplatz geordnet werde, waren Alle auf den Beinen. Der Zug war folgender maßen geordnet: Voran die Musikanten, dann die Mitglieder des Gerichtshofes, die Kukluxer in ihrer seltsamen Bekleidung, ferner wir Zeugen und hinter uns die Masters, Sirs und Gentlemen nach Gefallen und Belieben.“ Die Welt ein Narrenhaus.

„Als alle in Reih und Glied standen, gab der Sheriff das Zeichen; der Zug setzte sich in Bewegung, und die voranschreitenden Virtuosen begannen das Yankee-doodle zu maltraitiren. Am Schlusse desselben fiel die Katzenmusik ein. Was alles dazu gepfiffen, gebrüllt, gesungen wurde, das ist nicht zu sagen. Es war, als ob ich mich unter lauter Verrückten befände.“

Wegen des angeschlagenen Old Death verzögert sich die Weiterreise, „Allein konnte ich doch nicht fort. Ich begann, immer mehr einzusehen, daß ich wirklich ein Greenhorn sei, und mich ganz auf Old Death verlassen müsse.“

 

4. Kapitel - Über die Grenze

Ein Farbiger kommt mit nach Mexico, "Natürlich waren wir über diese Forderung sehr erstaunt gewesen, ohne es uns anmerken zu lassen. Es ist nicht Jedermanns Sache, wochenlang mit einem Schwarzen zu reiten, der einen ganz und gar nichts angeht." Dieser "war zwar ein Schwarzer, stand aber an Begabung viel höher als gewöhnliche Leute seiner Farbe" und "war flink und sehr gefällig, hielt sich immer respectvoll hinter uns". 

Bei Karl May ist selbst das Alter von Pferden relativ, "Das Futter des freien Feldes, die stets frische Luft, die schnelle Bewegung bekam ihnen ausgezeichnet; sie wurden von Tag zu Tag muthiger, lebendiger und jünger".

Old Death lobt Sam, "Ich höre da zu meiner Befriedigung, daß Dein Verstand heller ist als Deine Hautfarbe." Worauf sein Gegenüber "alle seine Zähne zeigte. Von Old Death gelobt zu werden, war eine außerordentliche Auszeichnung für ihn."

Man trifft auf Soldaten und bindet gleich mit ihnen an.

"So haltet Ihr es mit den Sezessionisten, mit den Südstaaten?" - "Ja, Ihr doch hoffentlich auch?" - "Ich halte es mit jedem braven Manne gegen jeden Schurken."

Die Wirkung des Namens Old Death ist beträchtlich, ähnlich wie es in späteren Werken mit der 'Zauberformel' Old Shatterhand sein wird.

Spion oder nicht, das bleibt sich gleich, man ist da sehr unterschiedlicher Ansicht. Wir erleben Verlegenheit, Zurückrudern und eine 'Friedenszigarre'.

Die Comanchen "kamen in hellen Schaaren, aber natürlich heimlich, wie das so ihre Art und Weise ist, über die Grenze in's Mexico, um den Anhängern des Juarez den Garaus zu machen." - "Hm! Um zu rauben, zu morden, zu sengen und zu brennen, wollt Ihr sagen!" Old Death kennt sich aus in der Welt ...

Im Fort gab es Tote; "Sie hatten das Völkerrecht verletzt" ... Diese Floskel gab's damals schon, Schall und Rauch bis heute und darüber hinaus. "Ich kenne das!"

Zwischendurch noch einmal eine Bemerkung in Richtung Rassenverständigung, "Ihr seht, Mesch' schurs, daß es Fälle gibt, in welchen ein Weißer noch genug von einem Schwarzen lernen kann."

"Strengt Ihr einmal Euer Gehirn an!" fordert Old Death den Erzähler auf. "Will es versuchen, [...] Aber Ihr dürft mich nicht auslachen, wenn ich nicht das Richtige treffe!" - "Fällt mir gar nicht ein! Ich betrachte Euch als meinen Schüler, und von einem Lehrlinge kann man doch kein ausgewachsenes Urtheil verlangen."

"Habt wohl früher manche schöne Indianergeschichte von Cooper und anderen gelesen? Haben Euch wohl sehr gefallen, diese hübschen Sachen?" - "Ziemlich." - "Hm, ja! Das liest sich so gut; das geht Alles so glatt und reinlich. Man brennt sich die Pfeife oder die Cigarre an, setzt sich auf das Sopha, legt die Beine hoch und vertieft sich in das schöne Buch, welches der Leihbibliothekar geschickt hat. Aber lauft nur einmal selbst hinaus in den Urwald, in den fernen Westen! Da geht es wohl ein wenig anders zu, als es in solchen Büchern zu lesen ist. Cooper ist ein ganz tüchtiger Romanschreiber gewesen, und auch ich habe seine Lederstrumpferzählungen genossen; aber im Westen war er nicht. Er hat es ausgezeichnet verstanden, die Poesie mit der Wirklichkeit zu verbinden; aber im Westen hat man es eben nur mit der letzteren zu thun, und von der Poesie habe wenigstens ich noch keine Spur entdecken können." Sehr hübsch.

Die Sache im Fort war von Anfang an abgekartet: "Oder haltet Ihr die Comanchen für so dumm, die Abgesandten der Apachen zu tödten, ohne zum sofortigen Aufbruche gerüstet zu sein? Ich sage Euch, der Verrath gegen diese Abgesandten war keineswegs eine Folge augenblicklichen Zornes; er war vorher überlegt und beschlossen." So pflegt es bis heute und darüberhinaus zuzugehen...

"So haltet Ihr es mit den Apachen?" - "Im Stillen, ja. [...] Aber die Klugheit verbietet uns, Partei zu er greifen. Wollen uns gratuliren, wenn wir mit heiler Haut unser Ziel erreichen, und es uns ja nicht einfallen lassen, entweder mit der einen oder der andern Seite zu liebäugeln." Ein beträchtliches Thema dieser Erzählung und auch noch in Winnetou II.

Old Death kennt einen Comanchenhäuptling von früher her, "Diese Freundschaft ist jetzt für uns von großer Wichtigkeit."

"Wir steckten uns Cigarren an und erfreuten uns einer anregenden Unterhaltung, welche dadurch sehr interessant wurde, daß Old Death uns verschiedene seiner Erlebnisse erzählte. Ich bemerkte, daß er dieselben so auswählte, daß wir beim Zuhören lernen konnten." Ganz so hat Karl May geschrieben.

"Lange warf mir eine laute Frage hin, welche ich ebenso laut beantwortete. Daraus entspann sich ein Wortwechsel, welchem eine lustige Färbung zu geben ich mich bemühte, damit wir Grund zum Lachen bekamen. Lautes Lachen war wohl am geeignetsten, den Lauscher von unserer Sorglosigkeit zu überzeugen", alles ist ggf. nach Belieben herstellbar. 

"Ich sollte zum ersten Male in meinem Leben ein indianisches Lager betreten, und zwar ein Kriegslager. Ich fühlte Neugierde und zugleich eine gewisse Bangigkeit." Bedenken will der erfahrene Begleiter nicht hören, "Als ich ihm indessen darüber eine Bemerkung machte, fertigte er mich sehr kurz ab."

Old Death stellt sich und die Seinen den Comanchen als "Häuptling der Scouts", "Häuptling der Schmiede, welche Waffen verfertigen" und "Häuptling der Weisheit und Kenntniß aller Dinge" vor, letzterer ist natürlich der Erzähler.

Aber, wie das halt so ist, "die Söhne der Comanchen bedürfen seiner Weisheit nicht, denn sie sind selbst klug genug, um zu wissen, was zu ihrem Glücke erforderlich ist."

Friedenspfeife, der Häuptling "hielt eine kurze Rede, welche ich vergessen habe, in welcher aber die Ausdrücke Friede, Freundschaft, weiße Brüder sehr häufig vorkamen" ... Man spürt, wie ernst er das alles nimmt ... (nämlich eben überhaupt nicht.)

Der Häuptling erhält eine Zigarre geschenkt, "Sein Gesicht zog sich ganz entzückt in die Breite, und als er sie ansteckte, stieß er bei den ersten Zügen ein Grunzen aus, wie ich es ähnlich dann gehört hatte, wenn sich eines jener bekannten lieblichen Thiere, von denen die Prager und westfälischen Schinken stammen, einmal recht urbehaglich an der Ecke des Stalles reibt."

"Er wünschte gute Nacht! Ich fand sie aber nicht, denn von Schlaf war bei mir keine Rede. Wer sich einmal die Schenkel bis an das Knie aufgeritten hat, so daß die Lederhose am wunden Fleische anklebt und noch dazu die schöne Aussicht hat, am nächsten Tage einen Ritt von fünfzig Meilen durch glühendes, wüstes Land machen zu müssen, der dürfte wohl nicht geträumt haben, daß er bei einem Glase Sect und mit einer Nummer des 'Deutschen Hausschatzes' in der Hand im Schaukelstuhle sich wiege."

"Ich weckte die Gefährten, wobei meinerseits wohl ein wenig Bosheit mit im Spiele war. Hatte ich nicht schlafen können, sollten auch sie wach werden." So etwas liest man später auch nicht mehr ... 1888 scheint er wirklich eine Art Krise mit sich herumgeschleppt zu haben ...

"Jetzt am Tage waren die Rothhäute besser zu betrachten als am Abend beim Scheine des spärlichen Feuers. Es überkam mich eine Art von Gruseln, als ich die abscheulich bemalten Gesichter und die abenteuerlich gekleideten Gestalten erblickte. Nur wenige von ihnen hatten ihre Blöße vollständig bedeckt. Viele von ihnen waren mit armseligen Lumpen behangen, welche von Ungeziefer zu strotzen schienen, aber Alle waren starke, kräftige Gestalten, wie ja grad der Stamm der Comanchen als derjenige bekannt ist, welcher die schönsten Männer hat." Das sollte man mal einem Psychologen vorlegen ...

Man reitet weiter, der Erzähler hat Bedenken in Sachen Orientierung, ob man nicht die Richtung verlieren könne, "fragte ich als ächtes Greenhorn". Old Death "ließ ein mitleidiges Lachen hören" und antwortet "Das ist schon wieder eine Eurer berühmten Fragen, Sir" ...

Der Erzähler, so Old Death, sitzt auf dem Pferd "wie eine Wäscheklammer auf der Leine". "Meine Haltung war nichts weniger als elegant oder malerisch zu nennen. Ich hielt die Beine weit vom Pferde ab und fühlte eine Art krampfhafter Ergebung, in welcher mir schließlich Alles gleichgültig war. Es war mir jetzt klar bewußt, wie recht gestern Old Death gehabt hatte, als er behauptete, daß im Westen von Poesie keine Rede sei."

Ein seitens der Comanchen gefangener Winnetou hätte schlechte Aussichten, "Man würde seinen Körper mit wahrhaft wissenschaftlicher Vorsicht nach und nach zerfleischen, so daß viele Tage vergehen könnten, ehe der Tod ihn erlöste."

Man erreicht das Haus in der Einöde und wird willkommen geheißen, "der Caballero reichte Jedem von uns, sogar dem Neger die Hand" ...

"Ich aber glänzte über sie alle hinaus. Bereits beim Absteigen vom Pferde war es mir schwer geworden, auf den Erdboden zu kommen. Meine Beine waren steif und schwerfällig, so daß mir schon das Treppensteigen sehr schwer geworden war. Jede Bewegung, durch welche die Lederhose in Mitwirkung gezogen wurde, verursachte mir Schmerzen, und nun sollte ich zwei in rauschende Seide gekleidete Damen begrüßen! Ich nahm mir vor, wie ein echter Vollblutindianer allen Schmerz zu verbeißen, trat auf die Sennora zu, nahm ihre Hand auf die Spitzen meiner Finger, bückte mich, wie ich meinte, mit überwältigender Eleganz auf dieselbe nieder und zog sie an die Lippen. Die Dame ahnte nicht, daß ich bei dieser Verbeugung die Zähne zusammenbeißen mußte. Sie nahm meine Höflichkeit so wohlwollend auf, daß sie mir ihre Wange darreichte, um auf derselben den Beso de cortesia, den Ehrenkuß, zu empfangen, was eine große Auszeichnung für mich war."

"Als wir die Thüre wieder hinter uns und die Treppe vor uns hatten, stieß ich unwillkürlich einen lauten Seufzer aus. [...] Ich fühlte, daß ich erröthete." Old Death klärt lachend auf "Mein junger Freund hat Angst vor dieser Treppe. Er ist das Reiten nicht gewöhnt, und wir haben nun in einer Tour über vierhundert Meilen zurückgelegt. Da ist es kein Wunder, wenn das Treppensteigen Qualen verursacht."

Bedenken, "Zwar wird es uns gelingen, die Fünfzig abzuwehren; aber sie werden um das Zehnfache verstärkt zurückkehren, und dann seid Ihr verloren"; Solidarität ohne Wenn und Aber: "Das steht in Gottes Hand. Mein Winnetou gegebenes Wort werde ich auf alle Fälle halten." ... "Da streckte Old Death dem Sennor die Hand entgegen"; "Ihr seid ein Ehrenmann, und Ihr sollt auf unsere Hilfe rechnen dürfen."

Die Comanchen kommen, "in heimtückischer Stille, welche mir bedrohlich erschien."

Der Ranchero will bei der Wahrheit bleiben, Old Death greift ein, "Meint Ihr, daß ich leugnen soll?" - "Selbstverständlich. Die Lüge ist eine Sünde; das gebe ich ja zu; aber die Wahrheit wäre hier der reine Selbstmord, und ich frage Euch, was sündhafter ist, eine Unwahrheit zu sagen oder sich selbst umzubringen?"

Die Sache mit dem Schwimmen im Fluss und der Lebenseiche erinnert an den Zweikampf mit Intschu-Tschuna in Winnetou I.

Beim Abschied ist der Mexikaner zweien von fünf Gästen gegenüber großzügig, "Dieser Sennor Lange und sein Sohn gehen mich nichts an, ebenso wenig der Neger. Ihr aber seid ein alter Freund von mir, und da Ihr diesen jungen Herrn so in Euer Herz geschlossen habt, so habe ich ihm auch das meinige geöffnet. Ihr Beide sollt bessere Pferde haben."

Die Reise geht weiter, mit Comanchen im Rücken, "Ich hatte dabei ein Gefühl der Unsicherheit, denn es war mir immer, als müsse mir ein Pfeil oder eine Lanze in den Rücken fahren." Dieses Gefühl latenter Unsicherheit, einer dünnen Kruste, die jederzeit wegbrechen kann über dem Abgrund, kannte unser Autor zeitlebens sehr gut. An Stellen wie dieser wird deutlich, daß es nicht wirklich um Indianergeschichten geht ...

"Für uns kam es vor allen Dingen darauf an, Gibson noch bei den Comanchen zu finden. Hatte ich diesen Mann und William Ohlert fest, so konnte ich umkehren und brauchte mich um die Feindseligkeiten der Indianer nicht weiter zu bekümmern." Das ist natürlich später in Winnetou II anders, hier aber sind Winnetou und der Erzähler noch keine Blutsbrüder, kennen sich kaum ... Er hat den Satz dort einfach weggelassen, trotzdem ist die Angelegenheit, richtig betrachtet, ja eigentlich ein Unding ...

"Wir wollten halten. Da blies mein Pferd die Nüstern auf, wieherte laut und rannte mit mir fort. Ich war ein zu wenig guter Reiter, um es wieder in meine Gewalt zu bekommen. Kein Zügel half, kein Zuruf und kein Schenkeldruck. Es ging ganz regelrecht mit mir durch." Noch einmal, man bedenke: nach dem Orientzyklus ...

"[...] blamirt war ich im höchsten Grade. Ein Pferd durchgehen lassen und dann noch gar abgeworfen zu werden, das ist bei den Rothen eine ungeheure Schande. [...] Wir Weißen setzten uns zu einander, wobei ich aus Schamgefühl mich sehr ruhig verhielt."

"Ist es nicht unsere Pflicht, die Comanchen zu warnen?" - "Versucht es doch einmal, Sir! Sagt einem Dummen zehnmal, daß er dumm sei, er glaubt es dennoch nicht." Wohl wahr ... Auch das mag ein Grund sein, sich herauszuhalten ... Die Welt will betrogen sein. Außerdem: "die Comanchen nehmen keinen Cursus in Anstandslehre und Conversation" ...

"Ueber die Grenze sind wir herüber; ob und wie wir wieder hinüber kommen, das steht in einem Buche gedruckt, welches ich noch nicht gelesen habe. – – –" Auch für dieses Stelle gilt wieder: es geht nicht um Indianergeschichten ... (Stichwort Zauberlehrling.)

 

5. Kapitel – Durch die Mapimi

"Juarez ist eine abgefallene Rothhaut, welche in Häusern wohnt und das Leben der Bleichgesichter führt. Ich verachte ihn" sagt der 'Weiße Biber'. "Die Krieger der Comanchen haben ihre Tapferkeit dem großen Napoleon geliehen, welcher ihnen dafür Waffen, Pferde und Decken schenkt und ihnen die Apachen in die Hände gibt."

Old Death täuscht den Häuptling, gibt vor, der Apache auf der Ranch sei ein Franzose gewesen, "Man bestrich sein Gesicht mit dunkler Farbe, um ihm das Aussehen eines Indianers zu geben". Sicherheit ist nirgends, denken wir z.B. an den Herrn Kurras oder auch andere historische Angelegenheiten, erst hieß es so, dann so und in fünfzig oder hundert Jahren vielleicht doch wieder anders ...

Auf das Differenzierungsvermögen seiner indianischen Gesprächspartner gibt Old Death nicht allzuviel, "Sie sind unsere Feinde, und wir haben unsere Pferde viele Tage lang auf ihrer Spur gehabt" sagt er auf die Frage warum er hinter Gibson und Begleiter her ist: "Das war die beste Antwort. Hätte Old Death eine lange Erzählung über Gibson und William Ohlert gemacht, so hätte er das nicht erreicht, was er mit den kurzen Worten 'Sie sind unsere Feinde' erreichen konnte." So ist das.

Spiel mit den falschen Pässen, sie erweisen sich auf ganz besondere Art als nützlich.

Prüfung Ohlerts, "Man hörte, daß er abgerichtet war. Es war gewiß, daß, seit Ohlert sich in den Händen dieses raffinirten Mannes befand, sich sein Geist mehr und mehr umnachtet hatte."

Das angemessen gestaltete Vortragen von Lyrik [Karl Mays] vermag durchaus bemerkenswerte Reaktionen hervorzurufen, "Kennst du die Nacht" ... "Da schrie er auf, zu mir hinspringend und nach dem Blatte greifend" ...

Old Death prüft einen getarnten Apachen, "Es war, als ob ihre Blicke sich umkrallen wollten, um mit einander zu ringen."

"Die beiden Apachen hatten es gewagt, sich als Führer an die Spitze ihrer Todfeinde zu stellen, eine Kühnheit, welche bewundernswerth war. Wenn ihre Absicht gelang, so waren die Comanchen dem sichern Verderben geweiht." Das V-Mann-Prinzip ...

"Hm! Ihr berührt da einen verteufelt heiklen Punkt. Die Comanchen sind Verräther und halten es mit Napoleon. Sie haben die unschuldigen Apachen mitten im Frieden überfallen und elendiglich hingemordet. Das muß nach göttlichem und menschlichem Rechte bestraft werden. Aber wir haben die Friedenspfeife mit ihnen geraucht und dürfen nicht an ihnen zu Veräthern werden." - "Da habt Ihr freilich sehr Recht. Aber meine ganze Sympathie gehört diesem Winnetou." - "Die meinige auch. Ich wünsche ihm und den Apachen alles Gute. Wir dürfen seine zwei Leute nicht verrathen; aber dann sind die Comanchen verloren, auf deren Seite wir auch stehen müssen. Was ist da zu thun? Wir befinden uns in einer schlimmen Lage." Die Angelegenheit auf den Punkt gebracht.

"Es ist wohl möglich, daß wir morgen Abend grad um diese Stunde in den ewigen Jagdgründen sowohl mit Apachen wie mit Comanchen einige Dutzend Biber fangen" ...

"Aber wer zwischen zwei Mühlsteine kommt, selbst wenn er von dem einzelnen Steine nichts zu befürchten hat, der wird eben zermahlen." - "So gehen wir entweder nicht dazwischen, oder wir sorgen dafür, daß sie nicht anfangen, zu mahlen."

"Von dem Ausgange des Thales her erscholl ein lauter, schriller, erschütternder Schrei, ein Todesschrei. Und gleich darauf erzitterte die stille Luft des Thales von dem vielstimmigen Kriegsgeheul der Apachen. Wer dasselbe auch nur ein einziges Mal vernommen hat, der kann es nie, nie wieder vergessen."

"Dazu das Geheul der beiden gegnerischen Schaaren und der Anblick des Chaos dunkler, mit einander ringender Gestalten, welche das Aussehen wüthender Teufel hatten!"

Zweikampf mit Verwundung des Erzählers; "ich hatte – – Winnetou besiegt!"

"Winnetou [...] wird den beiden Bleichgesichtern dankbar sein, so lange er lebt. Sie mögen sich von den Comanchen trennen, denn diese Verräther sind dem Tode geweiht."

Kämpfe; "Jetzt sahen wir, daß alle die Todten scalpirt waren, ein schrecklicher Anblick für mich, der ich so etwas zum ersten Male sah."

"Wir gingen hinzu und sahen einen Weißen, welcher nicht todt, sondern wieder zu sich gekommen war. Er hatte einen Lanzenstich durch den Unterleib erhalten, von hinten her, also von einem Comanchen, als die Weißen auf uns eindrangen, war von den Apachen dann für todt gehalten und scalpirt worden."

"Dem alten Westmanne waren solche Ereignisse etwas ziemlich Gewöhnliches. Sein Gesicht war so ruhig, als ob er im Theater den Verlauf eines Stückes verfolge, dessen Aufbau und Schluß ihm schon bekannt war. Ich aber fühlte ein gelindes Entsetzen über die Art und Weise, Menschenleben zu vernichten."

Ein Trick wird durchschaut, "Der Rothe wurde verlegen. Seine Absicht, uns zu opfern, um sich zu retten, war sehr unverfroren."

"Ich habe es gesagt, und mein Wort gilt." - "Und soeben noch sprachst Du davon, daß Du Deine Worte anders meinst, als sie klingen. Man kann sich also auf Deine Rede und Dein Versprechen nicht verlassen." Keinerlei Sicherheit. Nirgends.

"Schaut, er hat dem todten 'weißen Biber' den Häuptlingsschmuck abgenommen und sich selbst angelegt. Jetzt wird er mit größter Grandezza herbeisteigen." Old Death kennt seine Leute ...

Es läuft auf eine Massenerschießung hinaus ... "Es ist grauenhaft! Doch fühle ich keinen Beruf, meinen Rath abermals vor Ohren hören zu lassen, welche desselben gar nicht zu bedürfen vermeinen."

Interessante Betrachtung über Winnetou, "Wäre dieser Mann ein Weißer, ein Soldat, er könnte es bis zum Feldherrn bringen. Und wehe den Weißen, wenn es ihm in den Sinn käme, die Rothen um sich zu versammeln, um ihre angestammten Rechte zu verfechten. Er aber liebt den Frieden und weiß, daß die Rothen trotz allen Sträubens dem Untergange gewidmet sind, und verschließt die fürchterliche Last dieser Ueberzeugung still in seiner Brust."

Mit 'fliegenden Fahnen' zu den Apachen, "Zehn oder fünfzehn Comanchen wurden umgeritten, dazu einer der draußen dem voranstürmenden Old Death im Wege stehenden Posten; dann flogen wir über die ebene Grasfläche hin, verfolgt von einem unbeschreiblichen Wuthgeheul unserer bisherigen so unzuverläßigen Freunde." Es erinnert nicht unbeträchtlich an den "Sprung über die Vergangenheit" im 'Silberlöwen'.

Belehrung über Feinheit der Wahrnehmung, „So unglaublich es klingen mag, der Westmann merkt aus der Dichtheit oder Dünne dieses Geruches, ob er stehende oder laufende Pferde vor sich hat.“ So ist das. Eben wie immer auch im übertragenen Sinne.

„Winnetou hielt auf Disciplin und Subordination.“ Interessant.

„Pferde nimmt man zurück, aber Frauen nicht.“ So komisch wie das vermutlich eingeordnet zu werden pflegt ist das gar nicht. Man muß halt nachvollziehen wollen wie es in etwa gemeint sein wird.

Längerer interessanter Vortrag, „Wenn bei Euch einer einen Grenzstein weitersetzt oder ein Thier des Waldes tödtet, so steckt man ihn in das finstere Gebäude, welches Ihr Zuchthaus nennt. Was aber thut Ihr selbst? Wo sind unsere Prärien und Savannen? Wo sind die Heerden der Pferde, Büffel und anderer Thiere, welche uns gehörten? Ihr seid in großen Schaaren zu uns gekommen, und jeder Knabe brachte ein Gewehr mit, um uns das Fleisch zu rauben, dessen wir zum Leben bedurften. Ein Land nach dem andern entriß man uns ohne alles Recht. Und wenn der rothe Mann sein Eigenthum vertheidigte, so wurde er ein Mörder genannt, und man erschoß ihn und die Seinigen. Du willst, ich soll meinen Feinden verzeihen, denen wir nichts zu Leid gethan haben. Warum verzeiht denn Ihr es uns nicht, Ihr, die Ihr uns Alles zu Leide thut, ohne daß wir Euch Veranlassung dazu gegeben haben? Wenn wir uns wehren, so thun wir unsere Pflicht; dafür aber bestraft Ihr uns mit dem Untergange. Was würdet Ihr sagen, wenn wir zu Euch kämen, um Euch unsere Art und Weise aufzuzwingen? Wollten wir es erzwingen, so wie Ihr es bei uns erzwungen habt, so würdet Ihr uns bis auf den letzten Mann tödten oder uns gar in Eure Irrenhäuser stecken. Warum aber sollen wir nicht ebenso handeln dürfen? Aber dann heißt es in aller Welt, der rothe Mann sei ein Wilder, mit dem man weder Gnade noch Barmherzigkeit haben dürfe; er werde nie Bildung annehmen und müsse deßhalb verschwinden. Habt Ihr durch Euer Verhalten bewiesen, daß Ihr Bildung besitzet? Ihr zwingt uns, Eure Religion anzunehmen“ ...

„Ferner haben sie uns so viele junge Mädchen auszuliefern, wie sie uns Frauen und Töchter geraubt. Frauen der Comanchen mögen wir nicht.“

Der Held ist hier noch kein solcher, „Einige der wachthaltenden Apachen mußten unsere Sättel den geschenkten Pferden aufschnallen, und dann forderte mich Winnetou auf, das meinige zu besteigen. Kaum hatte ich es gethan, so schlug es hinten empor, dann vorn – einen Bockssprung zur Seite, und ich lag unten – eine wahre Affenschande! Aber der Häuptling lächelte mild“ ...

„Also er hatte gewußt, daß ich abgeworfen werden würde, und mich doch in den Sattel genöthigt! Ich hätte den Hals brechen können! Ein ächter Indianerstreich.“ Man ist nicht zimperlich ... „ Freilich jagen bei den Rothen die zweijährigen Buben und Mädchen bereits wie die Teufel durch die Prärie, und zwar auf halbwilden Pferden.“

„Weit über vierhundert Schüsse krachten – – –“. Eine Massentötung.

Durch die Mapimi geht es erst gegen Ende des Kapitels.

Das Lebensgefühl könnte besser sein, „Und in dieser Tiefe gibt es keinen Tropfen Wasser, nur Steingeröll und nichts als nacktes, trockenes, scharfes Steingeröll. Droben schweben die Geier, welche den Reisenden von früh bis zum Abende begleiten und sich, wenn er sich zur Ruhe legt, in geringer Entfernung von ihm niederlassen, um ihn vom Morgen an wieder zu begleiten und ihm mit ihren schrillen, heiseren Schreien zu sagen, daß sie nur darauf warten, bis er vor Ermattung zusammenbreche oder in Folge eines Fehltrittes seines Pferdes in die Tiefe des Cannons stürze. Höchstens sieht man einmal um irgend eine Felsenecke einen skelettmagern Schakal wie einen Schatten verschwinden, welcher dann hinter dem Reiter wieder auftaucht, um ihm heißhungrig nachzutrotteln, auf dieselbe Mahlzeit wartend wie die Geier.“

Am Ende findet man einen Eingegrabenen, just wie in „Durch die Wüste“, dort sind es derer drei.

 

6. Kapitel – In der Bonanza

„Millionen Menschen werden das nicht, wozu sie Geschick hätten“, sieh‘ an, „sondern das, wozu sie am allerwenigsten taugen.“ Auch das.

Der Erzähler nimmt Anteil am „Herzeleid“ des Scouts.

Auf die Frage, ob er einmal ein Verbrechen begangen habe, antwortet unser Erzähler „Auf so etwas kann ich mich freilich nicht besinnen“ ...

„Eigentlich schlecht bin ich nie gewesen, aber leichtsinnig, bodenlos leichtsinnig“ äußert Old Death in differenziertem, bemerkenswertem Vortrag.

Opium ißt er, gespielt hat er, „alle Hunde bellten mich an“, wie seinerzeit schon Richard III.

„Ich bin auch Vielen in moralischer Beziehung ein Scout geworden.“

Verurteilen kann der Erzähler den Mann nicht, aber er tut ihm „herzlich leid“.

„Als geweckt wurde, saß er bereits auf seinem Pferde, als ob er große Eile habe, seine Todesahnung in Erfüllung gehen zu lassen.“

Old Death kommt zu Tode, gleichzeitig gibt es aufgrund einer Wiederbegegnung „eine wirre, überlaute Freudenscene“. So geht es zu in der Welt.

Gibson wird getötet, Ohlert geheilt.  Was der eine eigentlich mit dem anderen vorgehabt hatte, „das war nun nicht zu erfahren“. Vgl. „Deutsche Herzen, deutsche Helden“ ... Vom Dichter sein hat Ohlert genug.