OLD FIREHAND

Eine der frühesten Erzählungen Mays. Und eine der interessantesten.

„Swallow, mein wackerer Mustang“ ...  So heißt [bekanntlich] der May-Roman Erich Loests.

„Noch hatte mich kein Mund geküßt, und mein Frühling konnte also wohl beginnen“, darum geht es (u.a ...) in dieser Geschichte, einer Liebesgeschichte der besonderen Art.

Mit einer Frohnatur haben wir es nicht zu tun, „das Leben war mir bisher Nichts gewesen als ein Kampf mit Hindernissen und Schwierigkeiten; ich war einsam und allein meinen Weg gegangen, unbeachtet, unverstanden und ungeliebt, und bei dieser inneren Abgeschiedenheit hatte sich eine Art Weltschmerz in mir entwickelt“.

„An dem ganzen Manne ist das Pferd das Beste“ ist schon für den Anfang kein Kompliment seitens der Herzensdame in spe ...

„Die ganze Begegnung kam mir wie ein Traum vor, und hätte ich früher vielleicht etwas Aehnliches in irgend einem Romane gelesen, so wäre der Verfasser ganz gewiß in den Verdacht gekommen, Unmögliches als möglich darzustellen.“

„Bräunlich und schön“, ausgerechnet ein Vergleich mit einem männlichen Wesen wird bemüht für die [spätere] Geliebte ... „wie die Bibel von David erzählt“.

„Ich gestand mir offen, noch nie ein Mädchen von solcher Schönheit gesehen zu haben und wunderte mich über mich selbst, daß ich trotz meiner gewöhnlichen Zaghaftigkeit im Umgange mit dem andern Geschlechte bei der heutigen Begegnung so – so unverfroren hatte sein können. [...] Oft schon hatte ich von der Wirkung gehört, welche der Klang einer Frauenstimme selbst auf den sonst verschlossenen Mann auszuüben vermöge, an mir selbst jedoch noch keinerlei Erfahrung darüber gemacht. Jetzt aber fühlte ich mit Einemmale diese Wirkung, und es war mir, als sei mir Etwas in's einsame Herz gedrungen, was die Oede und Leere desselben auszufüllen und mich mit all' dem Vergangenen zu versöhnen vermöge.“

Und in Sachen Wahrnehmungsfähigkeit kann die gute Frau auch recht gut mithalten, „Euer Verhalten ist ächt deutsch. Erst laut, munter und gemüthlich und jetzt still, nachdenklich und grübelnd.“

Es hat unseren Erzähler schnell beträchtlich 'erwischt', „mein Interesse an dem wundervollen Wesen wuchs von Minute zu Minute“.

Unser Freund läßt sich beleidigen, „Meine Meinung über das Duell, über Beleidigung und Genugthuung waren eben nicht die landläufigen, und wer daheim ein Paar arme, alte Eltern hat, welche ihre ganze Hoffnung allein nur auf ihn gesetzt haben, der setzt sein Leben nur dann ein, wenn es sich um Würdigeres als die Fausthöflichkeit eines Hinterwäldlers handelt. Freilich mußte mich diese Selbstbeherrschung in den Verdacht eines Feiglings bringen“ ...

Das hat Folgen, „nun war es wirklich die ausgesprochenste Verachtung, mit welcher sich das Mädchen zur Seite wandte und ihren Verwandten zum Aufbruche mahnte.“ Es überkommt ihn „eine Bitterkeit, wie ich sie in meinem ganzen Leben noch nicht empfunden hatte. [...] warum war ich doch nur so besonnen und überlegsam! Ein Wenig Jähzorn, ein Wenig Leichtsinn ist oft nicht so ganz am unrechten Platze.“

Zur 'Krönung' der unerquicklichen Situation ein wenig schmeichelhaftes Angebot, „Ich brauche einen Boardkeeper, der nicht gleich d'reinspringt, wenn er einen Tritt bekommt oder zwei. In unserem Geschäfte ist die Ambition oft ein recht überflüssiges und schädliches Ding“.

„Noch nie in meinen Leben hatte ich den Lauscher gemacht; aber heute trieb mich ein unbestimmtes und bisher ungekanntes Etwas zum unerlaubten Beobachten“ ...

Ölbrand; Rettung Ellens gegen ihren Willen. „Die Atmosphäre war zum Ersticken heiß; ich hatte das Gefühl, als koche ich in einem Topfe siedenden Wassers, und doch wuchsen Hitze und Trockenheit mit solcher Rapidität, daß ich innerlich zu brennen vermeinte. Faßt wollten mir die Sinne schwinden; aber es galt nicht blos mein Leben, sondern noch viel mehr dasjenige meiner kostbaren Bürde.“

„Es war mir in diesen entsetzlichen Augenblicken zu Muthe, als habe ich das herrlichste Gut der ganzen, weiten Schöpfung, den größten Schatz des Himmels und der Erde dem flammenden Orkus entführt und müsse nun meinen herrlichen Raub schützen und bergen vor den nachsprühenden Blitzen und Gluthen der Unterwelt. Trotzdem ich kaum noch eines Gedankens mächtig war durchzuckte mich doch die Erkenntniß der ersten, allgewaltigen Liebe“ ...

„Ich schwamm wie noch nie, nie in meinem ganzen Leben – mit einer Angst, so furchtbar – so furchtbar, nicht für mich, sondern für sie – sie – sie – – –.“

„Das leichte Gewand war durchnäßt und legte sich eng an die wunderbar schöne Gestalt; auf dem bewegungslosen Angesichte spielten die düstern Reflexe der über den Rand der Ebene emporsprühenden Feuerstrahlen; der Mund, welcher am Tage so herzlich gelacht, war geschlossen; das Auge, dessen großer, voller Blick mir so tief in die Seele gedrungen, lag verborgen unter den gesunkenen Lidern; die reine, klangvolle Stimme – doch nein und abermals nein, sie konnte, sie durfte nicht gestorben sein! Ich nahm sie in die Arme, strich ihr das lange, reiche, aufgelöste Haar aus der Stirn, rieb ihr die zarten Schläfe, legte, um der regungslosen Brust Athem zu geben, meinen Mund auf ihre Lippen, rief sie bei den zärtlichsten Namen, die ich jemals gehört, und – da ging ein Zittern über ihren Körper, erst leise, dann immer bemerkbarer; ich fühlte das Klopfen ihres Herzens, trank den Hauch ihres Athems, sah die langen, seidenen Wimpern sich öffnen – sie lebte, sie erwachte, sie war dem Tode entgangen!“

„Ich drückte sie an das Herz und küßte vor seliger, unendlicher Freude die sich mehr und mehr erwärmenden Lippen.“ Was bei ihr gar nicht gut ankommt ... „Herr, ich verachte Euch!“

Es ist nicht das erste und nicht das letzte Mal, daß der Ich-Erzähler [May, der hier sicherlich Eigenes verarbeitet] vom Leben [scheinbar ...] unfreundlich behandelt wird, „die, an der ich fast über menschliches Vermögen gethan habe, sie nennt mich feig und ehrlos, droht mir mit der Waffe und flieht mich wie einen schmutzigen Yambarico!“ So kann’s gehen.

Auftritt Winnetou, hier noch ganz unspektakulär „mein Begleiter“ oder  „der brave Indianer“. Der erzählt von mit dem Erzähler erlebter kriegerisch- blutrünstiger  Vergangenheit, „er ist an meiner Seite gestanden gegen die Uebermacht des Ar rapahu's und hat die Mandans im Blute zu meinen Füßen gesehen; er zählte die Scalps an den Wänden meines Wigwams und sieht die Locken meiner Feinde an meinem Gürtel hangen.“

Winnetou hat hier noch Angst vor der Eisenbahn, in späteren Fassungen nicht mehr.

Der Ingenieur sieht den Indianerüberfall auf seine Weise pragmatisch, „Zwar bringt das eine Störung im Betriebe hervor; aber das hat Nichts zu sagen gegen die prächtige Gelegenheit, den rothen Hallunken einmal Eins auf's Fell zu brennen.“

Auftritt Old Firehand, der hier noch sozusagen unangefochten die Nummer Eins ist, „Sofort gruppirte sich Alles, als wäre er selbstverständlich Derjenige, dessen Ansicht die beste sei, um ihn, und ich mußte meinen Bericht eingehender wiederholen.“

Firehand ist kein rechter Menschenfreund, die Freundschaft Winnetous hilft dem Erzähler, „Ich mag so leicht nicht von Jemandem 'was wissen; aber wem Der seine Achtung schenkt, der kann auch auf mich rechnen.“

„In kurzer Zeit lag tiefe Stille über der Gegend, und nicht das leiseste Geräusch verrieth, daß der auf der weiten Ebene ruhende scheinbare Frieden die Vorbereitung einer blutigen Katastrophe in sich berge.“

„Ich hatte einen Henrystutzen“ ... In Winnetou I erfahren wir, woher.

„Die ursprüngliche Verwirrung des Handgemenges lößte allmälig sich in einen besser zu übersehenden Einzelkampf auf, welcher einem nicht betheiligten Zuschauer Gelegenheit gegeben hätte, Thaten zu beobachten, für welche der civilisirte Boden kaum einen Platz haben dürfte.“

„Winnetou kannte ich genugsam und ließ ihn also unbeachtet; mit Gewalt dagegen drängte es mich in die Nähe von Old Firehand, dessen Anblick mich an jene alten Recken mahnte, von denen ich als Knabe so oft und mit Begeisterung gelesen. Mit auseinander gespreizten Beinen stand er grad und aufrecht da und ließ sich von den Andern die Indianer in das Schlachtbeil treiben, welches, von seiner riesenstarken Faust geführt, bei jedem Schlage zerschmetternd auf die Köpfe der Feinde sank. Die langen, weißen, mähnenartigen Haare wehten ihm um's entblößte Haupt und in seinem vom Monde hell beschienenen Angesichte sprach sich ein Gefühl der Wonne aus, welche den Zügen einen gradezu befremdenden Ausdruck gab.“

Unser Erzähler jagt Parranoh und hört über sich  „Er hat die Füße des Sturmes, und Niemand vermag, ihm zu entkommen.“

Vermeintliche Tötung. „Es war nicht der erste Feind, welchen ich niedergestreckt, und mein Körper zeigte manches Andenken an nicht immer glücklich bestandene Rencontres mit den kampfgewandten Bewohnern der amerikanischen Steppen; aber hier lag ein Weißer vor mir, der von meiner Waffe gestorben, und ich konnte mich eines beengenden Gefühles nicht erwehren. Doch hatte er den Tod jedenfalls verdient und war des Bedauerns also nicht werth.“

Den Skalp darf sich Winnetou nehmen,“ Mit drei Schnitten war die Kopfhaut des Gefallenen vom Schädel gelößt. Ich hatte mich, um von dieser Prozedur nicht berührt zu werden, abgewandt“. Das liest sich später anders.

Winnetou „traut nicht der Nacht; denn sie ist ein Weib.“ Old Firehand klärt auf „Es gab einmal Eine, um deren Besitz er mit Mensch und Teufel gekämpft hätte, und seit jener Zeit ist ihm das Wort 'Sqaw' (Frau) entfallen.“

Der Erzähler und Firehand machen sozusagen eine Phantasiereise zu Geschehenem, „Auch ich hatte mich in dem Wiederfühlen jener furchtbaren Aufregung erhoben und fuhr in meiner Schilderung fort. Er trat mir näher und immer näher; seine Lippen öffneten sich, als wolle er jedes einzelne meiner Worte trinken; sein Auge hing, weit aufgerissen, an meinem Munde, und sein Körper bog sich in eine Stellung, als säße er selbst auf dem dahinbraußenden Swallow, stürze sich selbst mit in die hochaufschäumenden Fluthen des Flusses und strebe selbst in fürchterlicher Angst um das holde Wesen die steile, zackige Felswand empor. Längst schon hatte er meinen Arm erfaßt, den er unbewußt drückte, daß ich hätte die Zähne zusammenpressen mögen, und laut und ächzend drängte sich der Athem aus seiner von fürchterlicher Besorgniß zusammengepreßten Brust. “ Gut nachempfinden und ebenso vortragen ... Mays Erfolgsrezept.

Der Erzähler hat mittlerweile bei seinen Gefährten 'gepunktet', „Eigenthümlich war die Veränderung, welche ich heut in dem Verhalten meiner Gefährten zu mir bemerkte. Bisher hatten sich Beide zu mir gestellt wie alte, erfahrene Gönner zu einem wenn auch gelehrigen, aber doch noch unkundigen Schützlinge; jetzt aber lag eine deutlich erkennbare Rücksicht, ich möchte sagen Achtung in ihrem ganzen Benehmen, und es war mir ganz so, als ob in dem Blicke, den der Eine oder Andere zuweilen über mich gleiten ließ, etwas einer zurückgehaltenen Zärtlichkeit Aehnliches liege. –“

„Die Zunge des Mannes [...] ist wie das Messer in der Scheide. Es ist scharf und spitz und taugt nicht zum Spiele.“ [...]

Auftritt Sam Hawkens, zu dem es nach der Beschreibung des Äußeren zunächst noch heißt „konnte ich mir keine größere Carricetur eines Prairiejägers denken, als ihn“, aber wir werden sehen, das täuscht.

Daß „Liddy Hochzeitsgedanken hat“, läßt im Kontext aufmerken ...

Wiederbegegnung mit Ellen á la Strindberg, „Pshaw!“ ... „Ich hatte in der Ueberraschung die reinsten und heiligsten Gefühle meines Herzens blosgegeben und eine Demüthigung erlitten, die mich tiefer traf, als es der Pfeil eines Indianers thun konnte“.

„Ein besserer Menschenkenner, als ich damals war, würde die Motive ihres Verhaltens ohne Zweifel an einem ganz andern Orte gesucht haben; doch ich war mit den Unwägbarkeiten eines Frauenherzens zu wenig bekannt, als daß ich das Richtige hätte treffen können. –“

Und wieder Geschlechterkampf, „Der Mann kann einer Dame gegenüber wohl Nachsicht, nie aber das Gefühl des Beleidigtseins empfinden.“

Die Macht einer Stimme, „Wie scharf und abweisend hatte sie da droben beim Felsenhäuschen geklungen, und mit welchem fesselnden Wohllaute legte sie sich jetzt so lind und beruhigend auf die Bitterkeit, welche sie mir vorher im Herzen erweckt hatte!“

Biber- und Indianerjagd, auch letzteres sehr auffälligerweise seitens des Erzählers sozusagen ohne mit der Wimper zu zucken. „Hätt's nicht gedacht“,  kommentiert Sam Hawkens, „saht mir so – so – so unverheirathet aus“. Sein Gefährte lasse sich „den Humor durch den Geruch eines Tropfens Indianersaft nicht verderben“, meint Hawkens, und bezeichnet das Haar des Getöteten  als „Rattenfell“.

Hawkens „war trotz seiner unansehnlichen Gestalt eine jener eisernen, im Kampfe mit den Elementen und in tausenderlei Gefahren gestählten Naturen, wie sie der Westen so zahlreich bietet. Und als er unter derb scherzenden Worten aber mit von Haß und Grimm verzerrten Zügen und wuthblitzenden Augen sich über die Leiche beugte und raschzuckenden Schnittes mit dem Messer um Stirn und Schläfe derselben fuhr, machte er auf mich den Eindruck der wildesten Unversöhnlichkeit.“

„Ich wandte mich ab, von jenem vor mir selbst grauenden und der Reue ähnlichen Gefühle erfüllt, welches in den Herzen aller Derer wohnen sollte, welche die stolzen Nationen der amerikanischen Savannen heimathslos und vogelfrei erklärt“ ...

„Vor mir stand Ellen. Ihr Auge ruhte mit einem Blicke auf den beiden entseelten Körpern, der mich durchfröstelte und von ihr abstieß“.

Der Erzähler ist einerseits beeindruckt, „Aber trotz alledem wirkte die vorhin gezeigte Nervenstärke fast erkältend auf mich, und die Glorie, mit welcher meine Erinnerung ihr Bild umgeben hatte, ward von der rauhen, rücksichtslosen Wirklichkeit verdunkelt.“

Anschleichen an Hawkens, „als ich deßhalb so geräuschlos wie möglich an ihn herankroch, machte mir der Schreck, welchen er über den unvermutheten Ueberfall haben mußte, schon im Voraus Vergnügen.“ Schwer nachvollziehbar geschmacklos anläßlich der lebensbedrohlichen Situation in der man sich befindet.

Später „bot sich mir eine Scene, wie sie die Feder nie zu beschreiben vermag. Keiner der Kämpfenden hatte, aus Sorge dem Feinde Hülfe herbei zu rufen, eine Schußwaffe gebraucht, sondern nur das Messer und der Tomahawk waren thätig gewesen. Keiner von ihnen stand aufrecht, sondern Alle lagen am Boden und wälzten sich in ihrem oder dem Blute ihres Gegners“.

Old Firehand ist beeindruckt, „Mann, [...] wie Euch, so hab' ich noch Keinen getroffen, so weit ich auch herumgekommen bin, und Ihr wollt nach dem Westen gekommen sein, nur um Steine und Pflanzen kennen zu lernen?“ Der so gelobte Erzähler ist aber so fertig „daß ich wie ein Frierender am ganzen Körper zitterte und kaum im Stande war, die Hand an der Stelle festzuhalten“, was nicht nur körperliche Erschöpfung ausdrücken dürfte.

Schon in dieser frühen Erzählung beherrscht unser Erzähler die Kunst der aparten Formulierung, „Ich sah sie an, antwortete aber nicht, und es mußte in meinem Blicke etwas der Bewunderung Unähnliches gelegen haben“ ... (Ellen erzählte martialisch von Indianerjagd.)

Lange Erzählung in Sachen Ribanna. Wir erfahren warum  Ellen zur Hasserin geworden ist , „da lag sie, die Mutter, mitten durch die Brust geschossen, die Arme krampfhaft um das kleine Schwesterchen geschlungen, dessen Köpfchen von einem tiefen Messerhiebe klaffte“.

„Aber habt Ihr noch nie die Sage vom ‚flats-ghost‘ vernommen, welcher in wilden Stürmen über die Ebene braußt und Alles vernichtet, was ihm zu wiederstehen wagt? Es liegt ein tiefer Sinn in ihr, welcher uns sagen will, daß der ungezügelte Wille sich wie ein brandendes Meer über die Ebene ergießen müsse, bevor die Ordnung civilisirter Staaten hier festen Fuß fassen kann.“ ... Beachten wir daß vom "flats-ghost" auch am Anfang und am Ende der Erzählung die Rede ist, ergo diese Stelle eine gewisse Wertigkeit haben dürfte.

„Mit beredtem Munde gab sie eine Schilderung des Eindruckes, welchen jene Schreckensnacht auf ihr Gemüth hervorgebracht hatte, eine Beschreibung ihres spätern Lebens, welches sie zwischen den Extremen der Wildniß und Gesittung hin- und hergeworfen hatte, und ich lag vor ihr, dem Klange ihrer tiefen, sonoren Stimme lauschend und jedes ihrer Worte trinkend, welche, ohne mich zu überzeugen, doch offenen Eingang in mein Inneres fanden.“

„Die Liebe? Geht Sir! Ihr habt Romane gelesen; man hört es.“ Noch ist sie nicht soweit ... Aber 'Liebe ist möglich', natürlich auch für jemand ihres Kalibers ...

„Wie alle Frauen, so gehorchte auch sie fast stets nur den Drange ihres Gefühles, und wie ihrer lückenhaften Schilderung des Vergangenen der Zusammenhang mangelte und man sich grad das Bedeutungsvolle, die Entwickelung ihres inneren, zwiespaltigen Wesens hinzudenken mußte, so war auch dieses Wesen in seiner gegenwärtigen Erscheinung ein unklares und der Vollendung mangelndes.“

Noch einmal hat die eine Seite ihres Wesens arg die Oberhand, „Das mehr als Unweibliche, das wahrhaft Dämonische, welches aus ihren Worten, aus jeder ihrer Mienen sprach, stieß mich heftig von ihr ab und brachte ein Schmerzgefühl in meinem Innern hervor, als bohre sich ein kalter, spitzer Stahl mir in das Herz.“

Diverse Kampfhandlungen; Hawkens und Kumpane reißen Witze über erbeutete Skalpe.

Winnetou vermag mehr zu sehen als seine weißen Freunde, „Der Häuptling der Apachen sieht den Tod durch die Pforte dringen und das Verderben von den Bergen steigen. Es flammt das Thal von der Gluth des Feuers, und das Wasser ist roth vom Blute der Erschlagenen. Winnetou spricht mit dem großen Geiste. Das Auge der Bleichgesichter ist blind geworden“ ...

Und entsprechend lesen wir bald „Es war ein wilder, grauenhafter Kampf, wie kaum die Phantasie ihn sich auszumalen vermag. Das halberloschene Feuer warf seinen flackernden, dunkelglühenden Schein über den Vordergrund des Thales, auf welchem sich die einzelnen kämpfenden Gruppen wie der Hölle entstiegene und einander zerfleischende Dämone abzeichneten.“ Es „hegte ein Jeder die vollständige Ueberzeugung, daß er in kurzer Zeit aufgehört haben werde, zu den Lebenden zu gehören“.

Old Firehand macht kurz vor seinem Ende noch einmal Eindruck, „Ueber und über mit Blut bespritzt, lehnte er an der Felsenmauer. Die langen, grauen Haare hingen in zusammengeklebten Strähnen von seinem Kopfe; die ausgespreizten Beine schienen in der Erde zu wurzeln, und in der einen Faust das schwere Beil, in der andern das scharfe, leichtgekrümmte Messer, hielt er die mächtig an ihn Drängenden von sich ab.“

Gefangennahme und Befreiung;“ ich aber riß, da ich vollständig waffenlos war, dem Andern zuerst das Messer aus dem Gürtel und zog es ihm dann mit solchem Drucke durch die Kehle, daß der Schrei, welchen er auszustoßen im Begriffe gestanden hatte, als ein pfeifendes Gurgeln sich durch die Schnittwunde drängte und er ebenfalls niedersank.“

Flucht mit Ellen auf Swallow, „in demselben rasenden Laufe wie damals nach der Explosion in New-Venango“. Ellen ist verwundet, „Das lebenswarme Blut rann aus der Wunde über die Hand, mit welcher ich sie um den Leib gefaßt hielt“.

„Nein, [...] sterben sollst Du nicht und sterben darfst Du nicht. Ich habe Dich unter zehnfacher Todesgefahr errungen und mag ohne Dich nicht sein und leben!“ Eine Grenzerfahrung. Die Sache mit dem „langen, langen Kusse, während dessen die wilde Jagd immer vorwärts tobte“ erscheint zwar etwas unrealistisch, worum es geht aber ist: Liebe unter extremsten inneren und äußeren Bedingungen ... Welche geistige Grenzgängerin Ellen ist, zeigte sich vorher, nun sind auch die äußeren Bedingungen extrem. Und dennoch ist Liebe möglich ... und behält hier am Ende die Oberhand ...

„Die Ahnung des Todes ging durch ihr Herz und machte den künstlich hineingepflanzten Muth erzittern. [...] Sie hielt es für ein Glück, zu sühnen, was sie an ihrer Weiblichkeit verbrochen hatte, und diese Sühne mußte mir den Himmel geben, nach welchem ich mit meinen heißesten Wünschen strebte. Sollte er mir mit dem dahinfließenden Leben verloren gehen? Nein, tausendmal nein; das durfte nicht geschehen!“

Um diese Erfahrung geht es, das Weitere [an äußerer Handlung] ist im Grunde unwesentlich ... Es erscheint „eine zahlreiche Truppe Reiter“ ...

Firehand ist tot und skalpiert, „Ellen konnte den Anblick nicht ertragen und warf sich laut schluchzend über den geliebten Todten.“ Kein 'Happy End' also, bzw. kein ausschließlich solches. „Es war einer der trübsten Augenblicke meines Lebens.“ Abschiedsschmerz und Liebesglück. So ist das Leben. Die Extreme berühren sich.