WINNETOU IV

 

Noch einmal Winnetou, diesmal ganz anders.

Old Shatterhand ist alt geworden, Winnetou ist tot.

Im beschaulichen Radebeul erhält der Schriftsteller Karl May Post aus dem fernen, nicht mehr ganz so wilden Westen. Erinnerungen werden heraufbeschworen, und er soll noch einmal hinüber, oder auch, wenn man es so nimmt, ein erstes und letztes Mal.

Seltsam, daß May, der in "Ardistan & Dschinnistan" den Schauplatz dieser Welt bereits verlassen hatte, noch einmal ganz real dorthin zurückkehrt, und auch, wenn auch ganz anders als zuvor, die Old Shatterhand-Legende noch einmal aufleben lässt.

In der Szene um den Besuch von Hariman Enters, der zunächst mit Schlachtvieh zu tun hatte, dann Verlagsbuchhändler wurde, ist möglicherweise auf Verleger Adalbert Fischer angespielt worden.

Dann geht es zu den Niagarafällen. Man spürt den Mayschen Stolz, von einer Weltreise als Gutbetuchter, in gehobenem Ambiente, zu berichten, auch wenn er mitteilt, das sei nicht so.

Die Rede, die er den beiden Häuptlingen da am Grabmal hält, ist für den einen oder anderen sicher, sagen wir, befremdlich.

Die Trauer des Max Pappermanns vermittelt sich so intensiv, dass man Autor May selber dahinter 'durchschmeckt'. Die Begegnung mit Aschta lässt nicht unberührt.

Auf der Teufelskanzel gibt es eher eheliche Heiterkeit und Unbeschwertheit statt Abenteuer, man hat das Gefühl, das ganze spiele sich etwa im Harz ab, und nicht in „finsteren und blutigen Gründen“.

Eine beeindruckende Szene, als die Enters zu „Winnetous“ werden. Karl May hatte durchaus auch ein Gefühl für Effekte. Und ein Wissen um das Geführt-werden, wie es hier deutlich in Erscheinung tritt.

Wir erleben eine beeindruckende Rede von Tatellah-Satah, in der Winnetou wirklich zum Greifen spürbar ist, hier rechtfertigt der Band ganz und gar seinen ursprünglichen Titel.

Die atmosphärisch dichte Beschreibung von Winnetous Wohnung und die mehrmalige Ankündigung, dessen Testament veröffentlichen zu wollen, lassen bedauern, dass es seitens Karl May nicht mehr dazu kam. Versuche anderer sind gut gemeint, aber mehr eben auch nicht.

Die Sander-Brüder kommen ganz plötzlich und unerwartet zu Tode, dann stürzt das Denkmal erwartungsgemäß ein, und am Ende werden Sascha-Schneider-Bilder auf den Wasserfall projiziert.

Manchmal großartige Bilder, Abgesang. Das Ernste, Schwerblütige wird immer wieder aufgelockert durch private Bemerkungen, über Herzles bzw. Klaras Kochkünste, Charaktereigenschaften u.a., das ist hübsch. - Das Buch hat irgendwie nicht mehr die Kraft früherer Werke, „zittrig“ formulierte Arno Schmidt, nun, ein wenig altersschwach vielleicht schon. Und statt gewaltiger Jägerei früherer Tage assoziiert ein geneigter Leser hier eher "Des Jägers Klage".

 

Im Einzelnen:

Erstes Kapitel - Vorzeichen

Der Schriftsteller Karl May erhält in Radebeul mehrere Briefe, unter anderem von To-kei-chun und Tangua.

Der Band Winnetou IV sei „zu gleicher Zeit auch der vierte Band von Old Surehand und Satan und Ischariot“, lesen wir.

Über die Söhne Old Surehands heißt es „Auch ihr künstlerisches Wollen und Können war hervorragend und schien noch wachsen zu können. Leider aber war es in echt amerikanischer Weise auf den Abweg des Busineß hinübergeleitet worden, und so geschah es, daß sie von mir anstatt eines Lobes eine sehr ernste Warnung zu hören bekamen“. Dieser „Abweg des Busineß“ sollte sich indes gar bald des ganzen Mayschen Werkes bemächtigen ...

Wir notieren, daß Karl May Klara gegenüber seitens Kolma Putschi in deren Schreiben als „Der Gebieter Deines Hauses und Deiner Gedanken“ bezeichnet wird.

Tatellah-Satah schreibt „Eile herbei, wo Du auch seist, und rette Deinen Winnetou! Man will ihn falsch verstehen, und man will auch mich nicht begreifen“, dem Manne kann, wie hundert Jahre posthume May-Rezeption zeigen, leider nicht geholfen werden.

Kleine Rückblende, in der Santer nun eigenartigerweise Sander heißt. Diese Schreibweise wird im ganzen Band beibehalten.

Exkurs in Sachen Medizin. Und ein Gruß in Richtung 'Karl-May-Fest' u.ä.: „Ein wirklicher Medizinmann, der es ernst mit seinem Amt und seiner Würde nimmt, gibt sich nie zu Schaustellungen her. Die sogenannten Medizinmänner der von Zeit zu Zeit hier bei uns herumvagabundierenden Völkerwiesenindianer sind alles andere, aber nur keine wirklichen Medizinmänner, und an ihren Verrenkungen, Sprüngen und sonstigen Possen würde ein solch letzterer gewiß ebensowenig teilnehmen, wie zum Beispiel bei uns ein ernstgesinnter Gottes- oder Weltgelehrter auf den Gedanken kommen könnte, auf einem Jahrmarkt oder Vogelschießen für Geld und öffentlich einen Schuhplattler oder einen Purzelbäumler zu tanzen.“

„wenn er ja einmal lächelte, so machte das mehr den Eindruck der Qual als der Heiterkeit“ heißt es über den vermeintlichen Hariman F. Enters, Karl May wird diese Befindlichkeit gekannt haben.

Von seinem „scheinbarem Zögern“ spricht der Erzähler, der Hang zur Verstellung begleitet ihn bis in sein letztes Werk.

Es geht hinüber nach Amerika, „wohlauf zur glücklichen Fahrt!"

 

Zweites Kapitel – Nach der Teufelskanzel

„Und nun waren wir bei den Niagarafällen.“

„Und dieser Eine war ein Paar“, ein typischer Karl May –Satz ...

Großzügige Trinkgelder, wie in Gartow, „Das taten wir natürlich nicht, um mit unserem Geld zu prahlen, und noch viel weniger erzähle ich es hier aus diesem oder einem ähnlichen Grund. Ich habe ja bereits gesagt, daß ich keineswegs reich bin, sondern nur so grad mein Auskommen habe“ ...

Auftritt zweier Indianer, bei denen May eine „Elegie des Auges“ feststellt.

Erfrischend Privates, „Das war so recht nach dem Gusto meiner Frau, die ich ja fast zwingen muß, sich einen neuen Hut oder ein neues Kleid zu kaufen!“

Auf dem Friedhof. "Er ist nicht tot. Er ist nicht gestorben. Wir hörten seine Stimme sehr oft, und wessen Ohren offen sind, der kann sie heute noch ebenso deutlich hören wie damals“ ... Schön.

„Daß kein Mensch, kein Volk und keine Rasse Kind und Knabe bleiben darf. Daß jede Savanne, jeder Berg und jedes Tal, jedes Land und jeder Erdteil von Gott geschaffen wurde, um zivilisierte Menschen zu tragen, nicht aber solche, denen es unmöglich ist, über das Alter, in dem man sich nur immer schlägt und prügelt, hinauszukommen. Daß der allmächtige und allgütige Lenker der Welt einen jeden Einzelnen und einer jeden Nation sowohl Zeit als auch Gelegenheit gibt, aus diesem Burschen- und Bubenalter herauszukommen. Und daß endlich ein Jeder, der dennoch stehenbleibt und nicht vorwärts will, das Recht, noch weiter zu existieren, verliert. Der große Manitou ist gütig, aber er ist auch gerecht. Er wollte, daß auch der Indianer gütig sei, besonders gegen seine eigenen roten Brüder. Als aber die Indsmen nicht aufhören wollten, sich untereinander zu zerfleischen, sandte er ihnen das Bleichgesicht - - -" Eine, sagen wir, ungewöhnliche Sichtweise ...

Wieder im Hotel. „Die beiden Fälle lagen wie ein Märchenwunder vor unsern Augen, und ihr Brausen drang wie die Stimme eines ewigen Gesetzes zu uns herüber, dem ein jeder verfallen ist, der es nicht beachtet.“

„Nicht nur die Weißen, sondern auch die Roten wissen jetzt, daß alles, was die gegenwärtige Welt uns bietet, weiter nichts als nur ein Gleichnis ist. Eines der größten und gewaltigsten Gleichnisse, die Manitou uns predigt, liegt hier vor unsern Augen.“

„Wir haben fast immer einen und denselben Gedanken miteinander“ heißt es über das „Herzle“. Spätestens wenn man „Mit Karl May durch Amerika“ gelesen hat, kann man das nicht mehr glauben ... hier war seitens May der Wunsch der Vater des Gedankens ...

„Wir sehen hier die stürzende, die zerschellende und zerstäubende Flut. Aber den See, den großen See, aus dem sie kommt, den sehen wir nicht. Und auch der See, in den sie sich ergießt, ist uns unsichtbar. Beide sind unserm Auge verborgen." Ein Gleichnis zum 'Theodizee-Problem' ...

Alt Shatterhand belauscht die Sander-Brüder, faßt einen Plan und wechselt das Hotel.

Max Pappermann war „zwar kein Auge verloren gegangen, aber die von dem Pulver getroffene Hälfte des Gesichtes hatte sich für immer blau gefärbt.“ In der Fassung der Augsburger Postzeitung war Pappermann interessanterweise tatsächlich noch einäugig.

Shatterhand ist zwar alt geworden, aber dennoch sind die Sanderbrüder keine ernstzunehmenden Gegner für ihn, „Sie standen nebeneinander vor mir wie zwei Knaben, die beim Apfelstehlen erwischt worden sind“.

„Alt geworden, alt und grau!“, ist Pappermann, und entsprechend die Atmosphäre im Garten seines Hotels; ein Lebensgefühl ...

„Seit wann hört man denn Ehepaare heulen?!" - "Sehr oft!“ Kleine Reminiszenz nebenbei ...

Die Wiederbegegnung mit Pappermann fällt aus, als handele sich um Hadschi Halef Omar, „Er breitete die Arme aus, als ob er mich umfassen und küssen wolle, besann sich aber, daß dies wohl nicht angängig sei, und faßte nur meine Hände. Die aber drückte er in Einem fort, zog sie an sein Herz, an seine Lippen, erging sich in allen möglichen Ausrufungen der wahrsten, herzlichsten Freude, betrachtete mich dazwischen mit tränenden Augen wieder und immer wieder; kurz, es war, als ob er sich vor Entzücken nicht lassen könne. Man sagt, daß man einen Menschen nicht mit einem Tier vergleichen solle; hier aber war es wirklich wie die Liebe und unsägliche Freude eines treuen Hundes, der seinen Herrn wiedersieht, ihn jauchzend umspringt und gar nicht weiß, was er vor lauter Wonne tun und angeben soll. Dem Herzle traten vor Rührung die Tränen in die Augen, und auch ich mußte mich zusammennehmen, um scheinbar ruhig zu bleiben.“

Dann entspinnt sich eine jener Szenen, „an denen der Westmann immer eine große Freude hat, nämlich die Zurechtweisung von Menschen, die ihn für albern oder sonstwie minderwertig halten."

„Ganz wie Nscho-tschi, die stets Erbarmen war!“ äußert der „Junge Adler" über das Herzle; wenn man „Mit Karl May durch Amerika“ gelesen hat, hat man den Eindruck eigentlich nicht mehr ...

Der Erzähler manipuliert seine Kontrahenten nach Belieben, diesmal in besonders großem Stil.

In indianischer Verkleidung ...

Auch Körperkraft ist noch vorhanden, einer der Gegner bekommt „die Faust in die Seite, daß er mitten unter seine Kameraden hineinflog und dann zur Erde stürzte.“

 

Drittes Kapitel – Am Ohr des Manitou

„Gegen drei Stunden“ habe es gedauert, als Pappermann einen diktierten Brief von ein paar Zeilen Länge aufs Papier brachte, der Hang zu völlig absurder Übertreibung hat sich bis ins Alterswerk erhalten.

„Es ist mir für das, was ich zu erzählen habe, leider nur der Raum eines einzigen Bandes gestattet, während ich mit diesen Ereignissen doch recht gut vier oder auch fünf Bände füllen könnte, ohne meine Leser zu ermüden. Darum muß ich so kurz wie möglich sein und so manches auslassen, was ich nur sehr ungern übergehe.“

„Es war ein großes, ein herrliches Gebirgspanorama, dem wir entgegenritten. Wir kamen ihm von Stunde zu Stunde näher, bis wir es erreicht hatten und uns dann immerfort inmitten von landschaftlichen Schönheiten befanden, die kein Ende nehmen wollten, sondern sich im Gegenteil stetig vermehrten und vergrößerten.“

In Pappermanns Erzählung aus seiner Vergangenheit fällt der Satz „Ich habe mir sagen lassen, daß alle diese Gebräuche einen tiefer liegenden Grund und ihre eigene Bedeutung haben“, und das läßt sich freilich auf so manches übertragen.

Der Medizinmann, so erfahren wir, habe sich in die Einsamkeit zurückgezogen und „lebe dort nur für alte Totems und Wampums, die er sammle und für die Bücher, die er sich von den Bleichgesichtern schicken lasse.“ Keine schlechte Wahl ...

„Ich bin ein einsamer Mensch geblieben und werde wohl, wenn meine Stunde kommt, auch ebenso einsam sterben - - -.“ So Pappermann.

„War es wirklich nur die Folge der Erzählung Pappermanns, daß wir nicht hatten schlafen können? Oder gab es irgendeine Bestimmung, die uns veranlaßt hatte, um so viel früher aufzubrechen, als erst in unserer Absicht gelegen hatte? Sonderbar!“

Pappermann hat eine Art ebenso beeindruckendes wie nachvollziehbares 'Deja-vu'. Es fließen Tränen.

"Du bist ein Winnetou?" – [...] "Und ich bin eine Winnetah.“ Man erkennt sich am Stern.

„Man sagt, er sei sehr alt und grau geworden“, hört May-Shatterhand über sich selber, „Im Alter kommt die Kraft dem Körper und die Energie der Seele abhanden.“ Vom „Hochbetagten“ ist die Rede ...

„Wenn es Winter und Dezember wäre, so würde ich sagen: Heut ist Weihnacht für mich, und der Herrgott hat beschert“ sagt Pappermann. Es muß nicht Dezember sein für Weih-Nacht ...

Exkurs über Völker und Clans. Dem Clan Winnetou gehören mit Aschta und dem Jungen Adler „ein Apatsche und eine Siou Ogallallah“ an, „also zwei Nationen angehörig, die sich unbedingt als Todfeinde zu betrachten hatten!“

Aufbruch, „Auch dieser Kanubisee war schön, sehr schön, aber seine Wasser hatten für uns keinen frohen, sondern einen mehr als elegischen Schimmer, und so blieb er in unserer Erinnerung nur als der Ort einer kurzen Rast, auf welche neue Wanderung zu folgen hatte.“ Siehe (z.B.) Hermann Hesse, Stufen.

„Wir ritten in das Tal des Purgatorio hinab und folgten dort einem schmalen, kristallklaren Wasser, welches uns nach unserm Ziel zu führen hatte.“

Ohr des Teufels und Ohr Gottes. „An der einen Kanzel, nämlich an dieser hier, hört Gott, was der Teufel spricht, und verurteilt ihn zur Verdammnis. Und an der anderen Kanzel, welche den Weißen noch unbekannt ist, hört der Teufel, was Gott spricht, und wird dadurch von der Verdammnis erlöst."

Der Henrystutzen ist wieder dabei. „Ja, man hat mich ausgelacht, wenn ich von fünfundzwanzig Schüssen sprach.“

Kaspereien mit dem 'Herzle'. Unter anderem "Einen Liebesbrief!" - "Oho! An wen?" - "An mich natürlich. Es ist ja keine Andere da.“

„Die Vergangenheit der Indianer ist eben eine ganz andere, als man denkt!“ Wieder so ein auf dieses und jenes übertragbarer Satz ...

Aufritt der Utahs und Sioux. Es wirkt anders als früher ...

„Wenn ich diese zwölf Reden hier wiedergeben wollte, müßte ich fast einen ganzen Tag lang schreiben, um mit ihnen fertigzuwerden.“

„Sein Kopf ist schwach geworden! Er ist ein Greis, ein schwach gewordener Greis! Wer seine Squaw mit sich über das Wasser und nach dem Wilden Westen schleppt, der ist verrückt, der kann keinem Menschen mehr etwas schaden. Er mag immerhin kommen. Wir fürchten ihn nicht. Er kommt an den Marterpfahl, und sein Weib mache ich zu meiner Squaw!" hört May-Shatterhand mit an.

Und auch diese Einschätzung: „Er ist vielmehr am Kanubisee auf unsere Squaws getroffen, die ja so wahnsinnig sind, für ihn und Winnetou zu schwärmen, und da hat es dem alten Mann wohlgetan, von den Weibern sich preisen und anbeten zu lassen.“

 

Viertes Kapitel – Am Nugget-tsil

„Sie wollten allein sein, um ungestört sprechen zu können. Sogleich kam mir der Gedanke, sie dabei zu belauschen; aber ich verzichtete darauf, ihn auszufahren. Was ich wissen wollte, konnte ich auf direktere und leichtere Weise erfahren, als durch das unbequeme Anschleichen und immerwährende Horchen und Lauschen nach allen Seiten, welches anstrengender ist, als man glaubt.“ Old Shatterhand hat sich verändert ...

„Dieser Mann hatte, wie man sich vulgär auszudrücken pflegt, ‚große Rosinen im Kopf‘. Und bei aller seiner Einbildung stand ihm der Gedanke fern, daß er nur ein Werkzeug war, welches später, wenn man es nicht mehr brauchte, weggeworfen werden sollte.“ Das hat man häufiger, auch in der [Welt-] Politik.

„Während dieses Vormittages war meine Frau sehr nachdenklich. Wir nahten uns einem Ort, der für sie von einem nicht nur großen, sondern auch heiligen Interesse war. Sie hält das Andenken an die schöne Schwester Winnetous hoch, sehr hoch. Sie hatte wohl oft schon gesagt, daß sie herzlich wünsche, wenigstens das Grab der schönen, lieben Indianerin einmal zu sehen. Dabei war sie aber stets überzeugt gewesen, daß sie niemals nach Amerika kommen werde. Und nun war sie doch drüben, und die Erfüllung ihres Wunsches stand bevor.“ Und dann ist es eben gelegentlich etwas anderes als zuvor ...

"Sag, wie ist es dir nur zumute? Ich möchte weinen. Du nicht auch?" fragt das Herzle angesichts des Berges der tragischen Erinnerungen, und der Erzähler vermerkt „Ich antwortete nicht.“

„Es überkam mich ein Gefühl, als ob ich erst gestern zum letzten Mal hier gewesen sei. Die Bäume waren höher geworden und das Unterholz etwas dichter. Sonst aber schien es, als ob die tiefe, ergreifende Ruhe dieses Ortes Jahrzehnte lang von keinem Windeshauch gestört worden sei.“

Zugeständnis, „Ich bin nämlich gewohnt, die Gedanken und Gefühle meiner Frau in allen Stücken mit in Erwägung zu ziehen. Ihr angeborener Scharfsinn kommt mir oft zu Hilfe, während mein mühsam erworbener Scharfblick mich in die Irre führt. Ich gebe gern zu, daß die Frau dem Mann in Beziehung auf die feineren Instinkte überlegen ist.“

„Winnetou war abgeklärter und größer als damals du, lieber Mann.“

Der Erzähler realisiert, Winnetou nicht richtig verstanden zu haben, „Bedenke, daß über dreißig Jahre unnütz vergangen sind!“

Einfühlsamkeit gegenüber den Sanders, „Ich hatte die Absicht gehabt, ihnen erst später, wenn wir von hier fort waren, zu sagen, daß wir dagewesen seien, denn ich fürchtete den Einfluß dieses Ortes und seiner Erinnerungen auf ihren Seelenzustand. Oder mit andern Worten, ich hatte psychiatrische Bedenken.“ Dann muß er doch anders handeln, „Da setzte Hariman sich, als ob er zu Boden falle, nieder, schlug die Hände vor das Gesicht und begann laut und bitterlich zu weinen.“ Sein Bruder bewahrt Fassung, aber „Es war, als ob er auf einem hohen Turmseil gehe und sich heimlich bemühe, die Balance nicht zu verlieren“.

Immer wieder präzise Rückschau, „Das ist in Winnetou Band I Seite 483 zu lesen.“ Der Griff zum Fehsenfeld-Reprint bestätigt solche Angaben.

Wer Augen richtig wahrzunehmen vermag, den kann man schlecht täuschen, „Er zeigte eine Ruhe, die selbst ein guter Menschenkenner vielleicht für echt gehalten hätte. Aber seine Augen - seine Augen! Die hatte er nicht in der Gewalt! Die verrieten Alles, Alles!“

Hariman ist weiter als sein Bruder, „Verflucht sei all das Gold und deine Sucht, es Anderen zu entreißen! Du wirst an ihr zugrunde gehen“ ...

„Wer ist die Memme? Du oder ich? Ich habe den Mut, zu kämpfen; du aber hast ihn nicht! Ich will frei sein, frei von diesem Teufel, der uns besessen hat und auch heute noch besitzt. Er ist ohne Gnade und ohne Erbarmen. Er gebietet uns, ihm zu gehorchen oder zugrunde zu gehen. Er fordert von uns das Verbrechen oder den Sühnetod für den Väter. Dir fehlt der Mut, gegen ihn zu kämpfen; darum wählst du das Verbrechen; ich aber wähle ... den Tod. Ich wiederhole also die Frage: Wer ist die Memme? Du oder ich?"

Sebulon gerät beim Graben zunehmend außer sich, „Er glich einem Dämon, einem bösen Geist, dessen Betrachtung für sterbliche Augen unerträglich ist.“ [...] "Vater, Vater, du bist hier! Du hilfst mir! Ich weiß es; ich fühle es! Ich danke dir; ich danke dir!"

Bücher Winnetous werden gefunden; das 'Herzle' weist Sebulon in die Schranken, „Zu Liebe, ihr zu Liebe!" Er kann ihre Augen nicht ertragen ... „Diese Augen, diese niederträchtigen, unausstehlichen blauen Augen! Sie tun mir weh! Sie plagen und quälen mich! Schaut weg von mir, Mrs. Burton, schaut weg! Sonst tue ich Alles, Alles, was Ihr wollt!"

„Das Inhaltsverzeichnis werde ich später veröffentlichen.“ Dazu ist es nicht mehr gekommen.

„Du hast mich gelehrt, daß der Tod die größte aller Erdenlügen sei. [...] Wir sind nicht Zwei, sondern Einer. [...] Auch das Grab gähnt nicht zwischen uns. Ich werde seine Tiefe überspringen, indem ich in meinem Vermächtnis zu Dir komme und für immer bei Dir bleibe. [...] Du weißt, ich bin bei Dir, wenn Deine Augen diese Zeilen lesen, doch nicht als Geist, als irre Spiritistenseele, sondern als mein treuer, warmer Puls, der fortan mit dem Deinigen vereint in Deinem Herzen schlägt.“

Und auch für so etwas ist immer wieder und immer noch Platz, und das ist auch gut so: „Für Leser, welche gern Alles wissen, auch so nebensächliche Dinge, erkläre ich hierdurch mit größter Feierlichkeit, daß die Zensur, die ich den Bärentatzen gab, auf II a lautete. Das Herzle ist zwar meine Frau, und ich wäre also wohl verpflichtet gewesen, ihr eine "I mit Stern" zu verleihen; aber das wäre geschmeichelt und also unwahr gewesen, und hierzu gebe ich mich sogar in Küchenangelegenheiten nicht her. Hätte Klärchen die Tatzen trotz der lebhaften Mithilfe Pappermanns verdorben gehabt, so wäre es mir überhaupt nicht eingefallen, ihr eine Zensur zu erteilen, denn nach Paragraph 51 der "Strafprozeßordnung für das Deutsche Reich vom 1. Februar 1877" habe ich in allen derartig heiklen Fällen als Ehemann das Recht, meine Aussage zu verweigern. Aber die Leistung war keine schlechte. Sie stand vielmehr, besonders was die beigefügten Wacholderbeeren, die Pilze und den Beifuß betrifft, so hoch über dem Niveau der Gewöhnlichkeit, daß ich unbedingt zu einer I oder gar einer Ia gegriffen hätte, wenn die Tatzen noch zwei bis drei Tage älter gewesen wären. Der Grund lag also nicht am Herzle, sondern die Tatzen selbst waren schuld. Wenn ich hierdurch zu einer IIa gezwungen wurde, so fühle ich mich stark verpflichtet, der Wahrheit gemäß hinzuzufügen, daß sich die II nur auf den Bär, das a aber nur auf meine Frau bezieht.“

Differenzierter Exkurs in Sachen Rauchen.

„Es gibt in weiter, weiter Ferne von hier ein Land mit dem Namen Dschinnistan. Nur uns, den roten Männern, ist es bekannt, den Weißen aber nicht." So der Junge Adler. „Man kann sich meine Überraschung denken, als ich diesen Namen und diese Worte aus diesem Mund hörte.“ Marah Durimeh herrschte dort, so erfahren wir, schon vor Tausenden von Jahren.

"Die Ahnen - die Ahnen - die Väter!" Wie bei Völkern, so bei Einzelnen ...

„Der Himmel verließ die Erde. Das Paradies verschwand. Die Liebe starb. Der Haß, der Neid, die Selbstsucht, der Hochmut begannen wieder, zu regieren.“

"Der große Gedanke, der aus der Tiefe des Niagara sich erheben soll, ist gerettet." - "So ist er also schon da? Ist schon gefunden?" - "Er brauchte nicht gefunden zu werden. Er ist schon längst, schon seit Jahrtausenden da. Er wurde mit in das Verderben, in den Sturz, in den Strudel des Niagara gerissen. Aber er wurde nicht zerschmettert und nicht zermahlen und nicht zermalmt wie wir, sondern grad als ihn die Wasser für immer verschlungen zu haben schienen, tauchte er rein, klar und wie ein Wunder glänzend aus ihren Wirbeln auf“ ...

Lange Rede Old Shatterhands gegen das geplante Denkmal, und dann irritierende Sätze, „Habt ihr begriffen, daß es keinem Volk erlaubt ist, Kind zu bleiben? - Daß ihr einst Kinder waret und nur darum dem Untergange zugetrieben wurdet, weil ihr nicht aufhören wolltet, Kinder zu sein? Habt ihr begriffen, daß ihr als Kinder eingeschlafen seid, um nun nach schweren Niagaraträumen als Männer zu erwachen? [...] Daß es ein millionenfacher Selbstmord war, an dem ihr zugrunde gegangen seid? Daß der Blut- und Länderdurst der Bleichgesichter nur eine Zuchtrute in der Hand des großen, weisen Manitou war, deren Schläge euch aus dem Schlaf zu wecken hatten? “ Es können einen schaudern, schrieb jemand, „Aber es stand in Winnetous Brief, daß in meinem Herzen von heute an sein Puls mit dem meinigen schlagen werde, und so kamen mir Gedanken und Worte über die Lippen, die ich sonst vielleicht zurückgehalten hätte.“

Hariman: „Es kommt, ohne daß man es will. Und wenn es da ist, hat man zu gehorchen. Also, ich gründe jetzt einen Clan Winnetou für Weiße. Ob ich das erste und einzige Mitglied dieses Clans bin und bleibe, darauf kommt in diesem Augenblick nichts an. Und ob ich mich damit lächerlich mache, ist mir gleichgültig.“ Auch Sebulon schließt sich an ... „Ich hatte das Gefühl, als ob dabei ein innerer Zwang vorhanden sei, dem weder der Eine noch der Anderere widerstehen konnte.“

Sinn für Effekte, „In diesem Augenblick warf Pappermann ein großes, harziges Holzstück in das Feuer. Die Flamme loderte auf. Sie züngelte nach allen Richtungen. Da schien sich der Wald mit geistergleichen Wesen zu beleben. Die nächtlichen Schatten der Bäume und Sträucher bewegten sich. Sie huschten hin und her. Sie sprangen empor und sanken zu Boden.“

 

Fünftes Kapitel – Am Deklil-to

Auftritt Antonius Paper sowie anschließend beider Aschtas. Pappermann wird auf die Stirn geküßt, „Da konnte er sich nicht länger halten. Er brach in ein lautes Schluchzen aus, drehte sich um und entfernte sich mit eiligen Schritten, in den Wald hinein.“

May-Shatterhand weiß weiterhin, was manchmal am angezeigtesten ist im Umgang mit Menschen, „Er hatte noch nicht ganz ausgesprochen, so bekam er eine derartige Ohrfeige von mir, daß er sich halb um sich drehte und dann niederstürzte.“ Bitte nicht immer nur den sanften Friedensfreund wahrnehmen ... „Die Ladies wollen verzeihen, daß es hier genauso aus dem Wald schallt, wie hineingesprochen wird; wir sind ja eben im Wald!"

Und dann gibt es da noch die Herren Evening, Bell und Summer, „der auch Professor ist, nämlich Professor der Klassikal-Philologie.“

„So unendlich höflich, wie er das sagte, so unendlich rücksichtslos war es auch“ heißt es über einen der Herren ... So sind sie noch heut‘ [, die Leut‘] ... Lieber umgekehrt, ruppig aber integer ...

Der Name Old Shatterhand macht auf die beiden indianischen Frauen Eindruck, „Sie schlug die Hände zusammen und schaute wie hilflos zu mir empor. Ihre Tochter aber trat zu mir heran und küßte, ehe ich es verhindern konnte, meinen Steigbügelriemen. Ebenso schnell zog sie auch den Rocksaum meines Herzle an die Lippen.“

„Das Andenken Winnetous gehört in die Herzen unserer Männer und Frauen, in die Seelen unserer Völker, nicht aber auf die kahlen, windigen Höhen prahlerischer Oeffentlichkeit.“ So ist es. Es kann einem die alberne Änderung der Satzung einer literarischen Gesellschaft dazu einfallen.

„Die Gegend, durch welche wir zuletzt ritten, war öd und wasserlos. Kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm erfreute das Auge. Es gab nur Stein und Felsen, weiter nichts. Das Gelände war bisher ziemlich eben gewesen, begann aber nun, langsam zu steigen.“

Begegnung; „Der Kiowa sah uns in der Reihenfolge, in der wir nacheinander aufgezählt wurden, mit scharfem, forschendem Auge an. Nur bei mir ließ er den Blick sinken. Bei meiner Frau war es, als ob er sie durchbohren wolle.“ Denn dieser Kiowa ist eine Frau, die vor Jahren Old Shatterhand geliebt hat ...

„Sie ist ledig geblieben. Nie hat ein Mann sie berühren dürfen, und sie ist es, die alle die vielen Jahre, welche zwischen damals und jetzt liegen, dazu verwendet hat, dein und Winnetous Andenken auch bei den Kiowas zu heiligen und Eure Ideale der Edelmenschlichkeit, der Friedfertigkeit und der Nächstenliebe in ihnen wachsen und groß werden zu lassen.“

Heiter-doppelbödige Szene mit Pappermann. „Etwas intim, weiter nichts", das hätte er vielleicht auch gesagt, wenn es sich nicht um ein Mißverständnis gehandelt hätte, die Sachlage eine andere gewesen wäre ...

„Ich habe dein gedacht, bis ich dich wiedersah. Willst du uns Schwester sein? Uns beiden?" Die seinerzeit unglücklich liebende ist „in tiefer Bewegung“.

Im „Haus des Todes“. Mumien und Skelette werden nur am Rande erwähnt, „Ich liebe es nicht, als Schriftsteller zu gelten, der seine Erfolge im Sensationellen, Blutigen oder Schaudererweckenden sucht.“

Indianer „ritten zweihundert Schritte entfernt am Ufer des Sees an uns vorüber, langsam, müd und still, im Gänsemarsch, immer einer hinter dem andern.“ Auch der 'Wilde Westen' Mays ist ein anderer geworden. „Es tat mir innerlich wehe, diese kurzsichtigen, haßerfüllten Leute so daherschleichen zu sehen.“

„Mein Bärentöter hängt daheim. Mein Henrystutzen und meine Revolver stecken im Koffer. Sie haben sich überlebt.“

„Indem ich sie hier an uns vorbeireiten sehe, ist es mir, als ob sie nicht Körper seien, sondern verschmachtete Seelen, die nach dem Jenseits ziehen, um dort in ihren leeren, ewigen Jagdgründen vollends zu verhungern!“ („Mir Unglücklichem aber ermattet vom welkenden Lande die Seele“ ... Sophokles/Hölderlin, Oedipus)

Winnetous Testament; „Ueber diesen Inhalt habe ich an anderer Stelle zu sprechen; für jetzt will ich nur sagen, daß wir noch nie etwas ähnliches gelesen hatten, und daß der Schatz, der sich uns hier auf tat, unendlich größer war, als wenn er Geld und Edelsteine im Gewicht von vielen Zentnern enthalten hätte.“

Nächtliches Spektakel; „Beim Flackern der Flammen schien sich nicht nur unten, sondern auch hier oben alles zu bewegen, die Nischen, die Mumien, die Gerippe, die verworrenen Teile der Knochen.“

„Mir kamen die Gestalten da unten vor, nicht als ob sie Abkömmlinge vergangener Jahrtausende, sondern die zu erlösenden Seelen jener uralten Zeiten seien, die sich hier versammelt hatten zur letzten, bösen Tat, in deren Schoß die Befreiung aus der Finsternis zu suchen und zu erfassen war. “

Von Prophezeiungen auf der „Riesenhaut des längst schon ausgestorbenen Silberlöwen“ ist die Rede.

„Ein Bleichgesicht im Greisenalter.“ Der Dichter über sich selbst.

„Er sprach vom Fliegen. Er versicherte, es zu können, und zwar mit einer Stimme und in einem Ton, der jeden Zweifel ausschloß! Er meinte körperliches Fliegen. Ich aber dachte ebenso sehr auch an den seelischen, an den geistigen Flug, den er, der Typus seiner verjüngten Nation, zu nehmen hatte, wenn er ihr die im Verlauf der Jahrtausende verlorengegangenen ‚Medizinen‘ zurückbringen wollte.“

 

Sechstes Kapitel – Am Mount Winnetou

Geplänkel mit Posten der Komantschen. Das altbekannte Henrystutzenkunststück wird noch einmal bemüht.

Szene mit Paper und Evening, die vorgeführt werden. „Da griff Herr Okih-tschin-tscha schnell nach seinem durchlöcherten Hut, stülpte ihn auf und rannte nach seinem Pferd. Der Agent für alles packte alles, was er aus der Satteltasche genommen hatte, auch die Brandyflasche, wieder hinein, raffte die beiden Gewehre auf, denn Antonius Paper hatte das seinige vor Angst vergessen, und noch waren die fünf Minuten nicht vorüber, so ritten beide, ohne sich umzusehen, in größter Eile davon.“

Hotelrechnungen werden als Briefe präsentiert, ein alter Witz, der schon im „Girl-Robber“ resp. „Abenteuer auf Ceylon“ vorkam.

Man erreicht den Mount Winnetou. „Sein Hauptturm steigt wie eine von den kühnsten Naturgewalten improvisierte Gotik hoch über die Wolken empor. Seine Zackenspitze besteht aus nacktem Gestein, welches aus weichen, grünschimmernden Mattendächern emporwächst. Zwischen diesen Zacken liegt weißglänzender Schnee, den unaufhörlich die Sonne küßt, bis er sich, in Liebe aufgelöst, aus Wasserstaub in Wasserstrahl verwandelt und dann von Stein zu Stein, von Schlucht zu Schlucht zur Tiefe springt.“

„Hier oben war der rechte Platz für neue, gute und glückliche Menschheitsgedanken!“

Wiederbegegnung mt Athabaska und Algongka vom Niagarafall.

„Professor Summer aber fühlte sich in seiner Würde als stellvertretender Vorsitzender gekränkt. Er als jetziger Theoretiker konnte sich dem Eindruck der kraftvollen Persönlichkeiten dieser beiden durch die schwere, praktische Lebensschule gegangenen Häuptlinge nicht entziehen. Sie imponierten ihm, und das war ihm wohl ärgerlich.“ Und wenn sie nicht gestorben sind ...

„Streicht euren steinernen Winnetou und euch so rot an, wie ihr wollt, Ihr werdet durch alle diese Räte es doch nicht verhüten, daß ihr dann gezwungen seid, über euer törichtes Werk noch tiefer als tief zu erröten!" Wir denken (u.a. ...) ans Karl-May-Jahr 2012 ...

„Und hoch oben über uns allen grollt Tatellah-Satah und läßt sich vor niemand sehen. Seit man hier baut, ist er kein einziges Mal herabgekommen und hat auch keinem einzigen Menschen erlaubt, zu ihm hinaufzukommen. Er verkehrt nur mit den 'Winnetous', durch welche er mit der Menschenwelt in Verbindung steht.“

Tatellah-Satah erscheint und erinnert beträchtlich an Marah Durimeh. „Und als er zu sprechen begann, erschrak ich fast. Es überlief mich kalt. Seine Stimme war unbedingt die Marah Durimehs, so voll, so tief, so wirkungsstark, ein klein wenig männlicher gefärbt, aber doch genau dieselbe!“

„So soll ein jeder Mensch zugleich auch die Menschheit bedeuten“ ...

Am Schleierfall. "Um diese Tageszeit ist der Fall wie von Gold und Edelsteinen gewebt, nicht aber ein Schleierfall. Doch schaut ihn Euch später an! Des Abends oder des Nachts, im Dunkel, im Halbdunkel, im Mondschein, im Sternenschein, im vereinigten Mond- und Sternenschein! Da ist es, als ob man sich auf einem anderen Stern, in einer anderen Welt befinde, nicht aber auf dieser Erde, der nichts mehr heilig gilt!"

Eingedenk fataler Denkmals-Pläne „stieg etwas ganz Eigentümliches, etwas Unbeschreibliches in mir auf.“

„So sage ich dir: Eher werden diese Quadern von selbst in der Erde verschwinden, auf die man sie gegründet hat, als daß man meinen Winnetou mit Lampions und Feuerwerk beschimpft!“ Diversen 'Event'-Betreibern und anderen zahlreichen Gschaftlhublern sozusagen im Voraus ins Stammbuch geschrieben ...

Die Geschichte vom Erst-Flug des Jungen Adler „klang wie ein Märchen oder gar wie eine Münchhauseniade, und doch war es wahr; das verstand sich ganz von selbst“.

Ein Wachtturm „war zur Beherrschung der Tiefe da, nicht aber als Fingerzeig für ein geistiges Aufwärtsstreben.“

„Diese Beobachtung tat mir weh. [...] Fliegen lernen! Fliegen lernen! Wer das nicht will, bleibt unten, sei er Volk oder sei er Person.“

Lange Rede Tatellah-Satahs. „Nie habe ich so deutlich wie jetzt, in diesem Augenblick, gefühlt, daß Winnetou noch lebt.“

„Winnetou, [...] Seele der roten Nation, die von ihren eigenen Söhnen niedergerungen und erstickt werden soll. Sie will empor! Sie will fliegen lernen! Sie will nicht nur essen und trinken und daran verhungern, sondern sie will mehr. [...] Sie will wachsen. Da aber eilt die Torheit der Unverständigen herbei, dem Kind vorzulegen, daß es ein Mann, ein Held, ein Riese sei, und diese Lüge in Erz und Marmor zu verewigen. Das ist ein Mord“ ...

Daneben geht es aber auch weiterhin ganz weltlich zu, gleichzeitig ... Das 'Herzle' raucht Tabak, „Sie tat mutig alle sechs Züge und gab die Pfeife dann zurück. Als sie sich wieder niedersetzte, hatte sie feuchte Augen; aber es war nicht zu unterscheiden, ob es die Rührung oder eine Folge des Tabaks war.“

„Der Diener führte uns durch das ganze Gebäude. Es hätte bequemen Raum für 30-40 Gäste gehabt, und ich müßte mehrere Druckbogen füllen, um die Einrichtung und Ausstattung auch nur einigermaßen zu beschreiben. Darum unterlasse ich das jetzt, zumal ich später, wenn ich ‚Winnetous Testament‘ veröffentliche, auf dieses Haus und seine Räume zurückzukommen habe.“

Der Erzähler sieht verblichene Photographien von sich selber ...

„In der Arbeitsstube stand - - ein Schreibtisch, ja, wirklich ein Schreibtisch, mit Kästen, Federn, Tinte und vielem Papier. Die Tinte war eingetrocknet. Hier hatte er, der Herrliche, sich im Schreiben geübt. Hier war er, der Bändiger der wildesten Pferde, der Meister im Gebrauche einer jeden Waffe, auf die Jagd nach orthographischen Schnitzern gegangen! Mein lieber, lieber, mein einziger Winnetou! Und hier hatte er die bedeutsamsten Kapitel seines 'Testaments' geschrieben, dessen Veröffentlichung mir übertragen worden ist!“

"Charly, mein Charly, wie liebe ich Dich! [...] Charly, ich sterbe für Dich. Ich weiß es, ich weiß es! Dein Winnetou."

 

Siebentes Kapitel – Kämpfe

„Old Surehand und Apanatschka waren nicht mehr die Indianer resp. die Westmänner, als die ich sie vor Zeiten kennengelernt hatte. [...] Sie wollten mit ihrem Projekte ein "Geschäft" machen, und sie wollten ihre Söhne zu einer Berühmtheit emporschrauben, aus welcher neue Reichtümer zu schöpfen waren.“

„Er erklärte ihnen, daß es sich hier weniger um die Ehrung ihres Winnetou, als vielmehr um eine Ehrung Young Surehands und Young Apanatschkas handle und überhaupt um ein ganz gewöhnliches Geschäft.“ Das erinnert alles dermaßen an heutige Funktionärseitelkeiten & Geschäftemacherei ... Es ist wirklich verblüffend.

„Es fiel ihm dabei gar nicht etwa ein, diese streitigen Dinge zu beklagen. Sein Blick war scharf und weitschauend.“

„Ein derartiges Zusammenströmen aller Arten von Indianern wie jetzt war wohl in Jahrhunderten nicht wieder zu erwarten, ganz abgesehen davon, daß diese Rasse überhaupt zu verschwinden hatte, wenn es nicht jetzt gelang, ihr neues, inneres Leben einzuhauchen.“ Erneut kann einem, unter anderem, die Formulierung vom welkenden Lande und der ermattenden Seele einfallen ...

Old Shatterhand will Tatellah-Satah helfen, „Zunächst in Güte und Liebe, dann aber, wenn das nicht wirkt, mit allen möglichen Fäusten!"

„Die Kleidung war mit peinlichster Gewissenhaftigkeit ausgeführt“ heißt es über das fatale Winnetou-Bildnis, das mag heutzutage auf Freilichtbühnen und dergleichen ähnlich sein, indes, was hilft's, wenn das Wesentliche nicht verstanden wurde ... Es geht eben nicht um Äußerlichkeiten. Aber so etwas im Grunde Banales begreift ja schon kaum jemand in der 'Szene' ...

"Schade, jammerschade!"

"Leider, leider!"

Ausführliche Erzählung vom Erst-Flug des Jungen Adlers, von Bändigung und Nutzbarmachung elementarer Kräfte, in der auch thematisiert wird, das so etwas nicht jedermanns Sache ist ... „Gott sei Dank, daß ich es nicht war!" spricht Pappermann. "Mir wäre dieses Wagnis gewiß nicht gelungen. Wen das Schicksal dazu verurteilt hat, Pappermann zu heißen, der muß auf fester Erde bleiben, sonst geht er sicher kaputt!“

„Der Vogel stank nach Wild und Blut. Seine großen, runden Augen glühten vor Haß und Wut. Und doch konnte nur er allein der Retter sein, weiter niemand, weiter nichts! Das sind Rätsel, die nur Einer lösen kann, ein einziger, und dieser einzige ist gut, ist ewig gut!“

„Die Flügelschläge hatten ihn arg mitgenommen; aber er lächelte. Er jubelte sogar.“ Er lernte so eine andere Art von 'Geisterschmiede' kennen ...

„Seitdem wird er der ,junge Adler' genannt, und das Fliegen ist es, wovon er am liebsten spricht. Er ist sogar nach den Städten und Dörfern der Bleichgesichter gegangen, um es dort zu lernen."

Begegnung mit Komantschen. „Ich bin keines Menschen Feind. ja, ich könnte wohl eher der Feind eines Weißen als eines Roten sein!“ äußert May-Shatterhand.

„Ich würde mehrere Druckbogen brauchen, um das Innere dieser wunderbaren Höhle auch nur einigermaßen zu beschreiben, doch kann ich dies einstweilen unterlassen, da sich mir später reichlich Gelegenheit geben wird, sie so zu schildern, wie sie es verdient. Sie kommt in Winnetous Testament des öfteren vor und ist dort der Schauplatz von Begebenheiten, über die ich jetzt noch schweigen muß.“

„Die köstlichen Gedanken, zu Spat, Aragonit und Sinter erstarrt, wuchsen als Stalaktiten von oben herab.“ Der Flug des Adlers, die Höhle, es ist alles auf einer anderen Leseebene eben auch Gleichnis. Hier wird es mit den „Gedanken“ einigermaßen deutlich.

„Von oben dämmerte es, als ob der Tag durch eine starke Milchglasscheibe zu uns herniederschaue.“

„Wir befanden uns genau in derselben Lage, wie die Besucher des Niagarafalles, die sich hinter die herniederschmetternde Wogenwand bringen lassen“, dort am Niagarafall ist die Idee für die Übertragbarkeit der Angelegenheit, zum Mount Winnetou wie ins Gleichnis, entstanden.

„Man hatte also auch da maskiert.“ Ein Weg ist scheinbar nicht weiter gangbar. „Nimmt man die Steine weg, die ihn verhüllen, so sieht man sofort, daß er nicht alle ist, sondern sich hinter den Steinen fortsetzt. Fort mit ihnen!"

„Hier war es gar nicht nötig, alle Steine zu entfernen. Es genügte, über sie hinwegzusteigen. Dann hinderte uns nichts mehr, weiterzugehen.“

Passiflorenraum und Kreuz, von Winnetou angelegt. „Er verstehe es noch nicht, aber er werde es verstehen lernen, je höher es hier wachse.“

„Alles hörst du; alles siehst du; alles findest du! Wir aber, die wir schon ewig hier wohnen, hören nichts, sehen nichts und finden nichts!“ Eine derart objektive Bestandsaufnahme dürfte im Leben eher selten sein ...

Nach dem Niagarafall hat auch die Teufelskanzel am Mount Winnetou ihre Entsprechung.

„Weshalb hat Winnetou gelebt? Weshalb ist er gestorben? Etwa um einen jungen Maler und einen jungen Bildhauer berühmt zu machen?“ Wir denken wieder an die Funktionäre, Popularisierer, Vermarkter ...

Das Sascha-Schneider-Bild kommt zum Einsatz, „Das ist unser Winnetou, [...] nicht der eurige.“

„Aber nicht sein Körper, sondern seine Seele! [...] Sie schwebt zum Himmel! Ueber ihm das Kreuz! [...] Seinem Haar entfällt die Häuptlingsfeder! Das letzte Irdische, was noch an ihm haftete! Nun ist er erlöst! Nun ist er frei!“

„Das Bild soll nur der Schlüssel sein, der mir die Herzen und das Verständnis öffnet.“

Durch Lesen wird der Zugang zu 'Winnetou' ermöglicht, „In diesen Papieren ist sein Geist und ist seine Seele enthalten. Während ich lese, tritt aus ihnen seine klare, reine, edle und wahrhaft große Persönlichkeit hervor. Im Innern des Zuhörers bildet sich die seelische, also die wirkliche, die wahrheitstreue Figur meines und deines Winnetou. Und wer diese in sich fühlt, wer sie geistig gesehen und begriffen hat, der ist für das Komitee und für Mr. Okih-tschin-tscha alias Antonius Paper verloren.“

Heiteres Küchen-Intermezzo mit dem 'Herzle'.

Wiedersehen mit Old Surehand und Apanatschka.

„Unser Winnetou aber soll sich von innen heraus entwickeln, aus dem Herzen heraus. [...] Er soll nicht nur vor euern Augen, sondern in euch selbst entstehen. Ihr sollt ihn nicht nur sehen, sondern auch fühlen und empfinden. “

„Sie sollen die wahre Kunst kennenlernen, welche nicht darin besteht, das Irdische abzukonterfeien, sondern das Himmlische im Irdischen nachzuweisen.“

„Der rote Mann ißt gern und ißt viel. Und grad da, wo alles aufhören wollte, wurden noch ganze Berge von Pfannkuchen gebracht, mit allen möglichen und unmöglichen Dingen gefüllt. Das kam von diesem nichtsnutzigen Wesen, dem Herzle, dem es ganz gleichgültig ist, ob man an zu viel Pfannkuchen stirbt oder nicht, wenn sie einem nur gut bekommen.“ Seitenlang Tiefsinn und dann wieder lausbübige Kindsköpfigkeit ...

Lesung. „Ein voller, inhaltsreicher Lapidarstil war meinem unvergleichlichen roten Bruder eigen gewesen, wie stets im Sprechen, so auch hier im Schreiben.“

 

Achtes Kapitel – Der Sieg

„Die Vorlesung wurde täglich fortgesetzt.“

Old Shatterhand soll von vier Häuptlingen zum Zweikampf gefordert werden, Herzle fragt „Wollen sie etwa alle vier zu gleicher Zeit auf einmal auf meinen armen Mann hineinhauen, hineinstechen oder hineinschießen?" So recht ernst nimmt eine solche martialische Angelegenheit offenbar weder sie noch der Erzähler mehr ...

„Ehe ich mir ihn erschießen lasse, schlage ich diese viertausend alle tot, auch einen so ganz hübsch nach dem andern“ ...

„Nicht nur die Zeiten des Marterpfahles, sondern auch die Zeiten der langen Reden sind vorüber. [...] Ich bin alt und bedachtsam geworden.“

„Old Shatterhand [...] sieht und hört, was andere weder sehend noch hören. Darum weiß er voraus, was andere nicht wissen können.“

„Es ist ein Tag wie jeder andere. Das Duell ist eine Faxe, ein Schwank, wenn auch mit sehr ernstem Hintergrund, weiter nichts."

„Dem Platz meines hoffentlichen Sieges“, Mays Deutsch gerät gelegentlich recht individuell.

May-Shatterhand handelt nach wie vor nicht immer protokollgemäß oder auch salonfähig, „indem ich schnell auf ihn zuschnitt und ihn mit einem Griff und einem Druck auf die Erde niedersetzte, wo er ganz erschrocken eine Weile sitzen blieb.“

Er erklärt „daß jeder Kampf zwischen den Menschenkindern nichts weiter als eine Torheit ist, über die man lachen könnte, wenn ihre Folgen nicht so traurig wären."

Zweikampf besonderer Art, „Es war lächerlich, den alten Häuptling mit der Schnelligkeit eines jungen Burschen davonspringen zu sehen; aber niemand lachte.“

"Old Shatterhand! Schuft! Eindringling! Hund! Coyote! Feind! Rache! Erwürgen! Totschlagen!" hört der Erzähler, „Das verwunderte mich. Das hatte ich nicht für möglich gehalten. Ich ersah keinen Grund zu solchem Haß.“ Ja, so kann es einem gehen ...

"So sei es dir erlaubt!" heißt es seitens des 'Herzle', und wir lesen „Sie sagte das so ernst, daß ich diese ‚Erlaubnis‘ fast selbst auch ernst genommen hätte.“

Die Bezeichnung „Nigger“ für den indianischen Mischling wird auch seitens des Erzählers benutzt. Ohne Anführungszeichen.

Der Sturz des Denkmals kündigt sich an, „Ich hatte eine ununterbrochene Sorge, plötzlich zerschmettert zu werden“.

Es soll zum 'Berg der Königsgräber' geflogen werden, „und niemand wird uns mehr hindern, die Höhen zu gewinnen, die uns von Manitou zur Wohnung angewiesen sind!"

Die Sander-Brüder opfern sich für das 'Herzle' und kommen zu Tode. Das 'Herzle' weint und ist „tief erschüttert“.

Noch einmal May-Deutsch: „Jetzt war es, wo ich meine Kanzel erreichte.“

„Die Bilder verschwanden - dafür aber begannen alle vorhandenen Lichter, große und kleine, zu leuchten, von der kleinsten Laternenbirne bis, hinauf zu den Riesenkugeln auf hoch emporstrebenden Masten. Aber auch das machte keinen Eindruck. Das Licht war kalt, und das Steinbild blieb dasselbe. Man hatte es am Tage gesehen und sah es jetzt nicht anders.“

Das Denkmal stürzt, es gibt ein „unbeschreibliches Getöse, ein Poltern, Prasseln, Knattern, Platzen, Bersten, Schmettern, Brausen und Dröhnen.“

„Tausende von Stimmen vereinten sich zu einem einzigen, großen Schrei des Entsetzens.“

„Dann aber wurden alle die tausend Stimmen wieder laut. Sie vereinigten sich zu einem Lärmen, Brüllen und Zetern, welches klang, als ob diese ganze große Menge plötzlich wahnsinnig geworden sei.“

Reue seitens Old Surehand und Apanatschka. Der Erzähler setzt sich für die Gründung der Stadt 'Winnetou' ein. Der 'Junge Adler' fliegt.

Tangua bangt um seinen Sohn, „Er war der achtbarste unter allen, die wir soeben verurteilt hatten; ja, er begann sogar mir sympathisch zu werden.“

Dann „erschien auf der grandiosen, herabstürzenden Wasserfläche unser zum Himmel emporstrebender Winnetou, mit wehendem Haar und zur Erde zurückkehrender Häuptlingsfeder. Infolge der abwärts gehenden Bewegungen des Wassers hatte es den Anschein, als ob die Gestalt sich in Wirklichkeit nach oben bewege, was einen Eindruck hervorbrachte, der gar nicht zu beschreiben ist.“

"Ja, das ist Winnetou! Das ist seine Seele!"

„Es ist ein wunderbarer Samen, den Old Shatterhand in das Herz seines Bruder Winnetou legte. Dieser Same trug köstliche Früchte. Die Blüten duften weiter und weiter, und die Körner keimen weiter und weiter.“

Versöhnung mit Tangua und darüber hinaus.