DURCHS WILDE KURDISTAN

Nach dem bunten, handlungs- und abwechslungsreichen Auftakt ("Durch die Wüste") geht es hier mit dem Orient-Zyklus teilweise deutlich ruhiger weiter.

 

Erstes Kapitel - Der Opfertod des Heiligen

Wenn man die Überschrift gelesen hat sowie einige eindeutige Hinweise gleich zu Beginn des Kapitels, weiß man, worauf es hinauslaufen wird. Nun könnte man einwenden, das sei unklug seitens May (oder ggf. des kapitelüberschriftvergebenden Lektors), die Spannung herauszunehmen, aber es geht ihm halt nicht primär um solche Dinge.

Ali Bey fordert Kara Ben Nemsi zum Stehen auf, "Dieser Brunnen ist heilig, und nur der Mir, ich und die Priester dürfen auf diesen Steinen sitzen", und der Erzähler ist auch bereit, die Gebräuche zu achten; der Mir Scheik Khan aber sieht das anders, "Nehmt Platz zu meiner Rechten und Linken!" Ja wenn es denn so ist; "Er deutete dem Bey zur Linken, sodaß mir die rechte Seite übrig blieb. Ich setzte mich auf die geheiligten Steine, ohne daß ich bei einem der Anwesenden den geringsten Verdruß darüber bemerkt hätte."

Dem ob der bevorstehenden Kampfhandlungen verängstigten Buluk Emini entgegnet Kara Ben Nemsi "Wenn sie Dich tödten, wer wird dann den Schwanz Deines Esels bedienen?"

Erneut gibt es detaillierte und eindringliche Schilderungen der Feierlichkeiten, und, wie so oft bei May, ein Wechselbad der Stimmungen und Empfindungen, zwischen eher Heiterem und Todernstem hin und her und her und hin. Oder eben auch eine Gleichzeitigkeit von alledem.

"Der Jüs Baschi hatte ein recht biederes Aussehen; er kam mir grade so vor, als sei er eigentlich ein urgemüthlicher, dicker, deutscher Bäckermeister, der auf einem Liebhabertheater den wilden Türken spielen soll und sich dazu für anderthalbe Mark vom Maskenverleiher das Kostüm geliehen hat." Solche und vergleichbare Empfindungen kann man immer wieder einmal haben. Der hier Vortragende sah einmal auf einem Spaziergang ein außen wie innen gleichsam wie abgeleckt wirkendes Firmengebäude mit edlen Möbeln und entsprechend angezogenen Menschen darin, und dachte bei sich spontan so etwas wie "Sie spielen ihr Kasperletheater, und sie nehmen es ernst".

Pir Kamek richtet interessante Worte an Kara Ben Nemsi: "Und wenn sie mich tödteten, was wäre es? Muß nicht der Tropfen emporsteigen zur Sonne? Stirbt nicht El Schems, der Glänzende, täglich, um auch täglich wieder aufzuerstehen? Ist nicht der Tod der Eingang in eine lichtere, in eine reinere Welt? Hast Du jemals gehört, daß ein Dschesidi von einem Andern sagt, daß er gestorben sei? Er sagt nur, daß er verwandelt sei; denn es gibt weder Tod noch Grab, sondern Leben, nichts als Leben. Darum weiß ich auch, daß ich Dich einst wiedersehen werde!"

Es kommt zu Kampfhandlungen mit Toten und Schwerverwundeten. Man vergesse dabei nicht, wie der Erzähler vorher mit dem Pascha Schaumwein getrunken hat.

Die manchmal fatale Überheblichkeit des Erzählers, zu Beginn von 'Durch die Wüste' noch nicht so wahrzunehmen aber bis hierhin kontinuierlich gesteigert, treibt mitunter seltsame Blüten, "Wer will mich halten? Ich werde Dir jede Auskunft ertheilen, aber wisse, daß ich nicht gewohnt bin, mich unter einen Miralai zu stellen."

Dann erleben wir den lange vorausgesehenen Opfertod und fragen uns, wieso da der sonst doch so scharfsichtige Erzähler sozusagen auf der Leitung gesessen hat, ihm nicht ebenfalls klar war, daß es genau so kommen würde.

"Mein Gott, wie werthvoll, wie unendlich kostbar ist ein Menschenleben, und dennoch, - dennoch - dennoch - - -" erinnert an das "Doch - doch -- doch --- doch"  in Old Surehand III, nur ist hier unklarer als dort, was nun genau gemeint ist.

Der Erzähler läßt sich erneut als Hadschi bezeichnen bzw. bezeichnet sich selber so, unter Hinweis auf Mekka und Zem-Zem.

Dann nimmt er Abschied von Nasir Agassi, "Auch ihn habe ich zu einer Zeit wieder gesehen, wo ich am wenigsten an ihn dachte." Und zwar in Band 3.

Es zieht sich; diese ganze lange Episode bei den Dschesidi ist nicht sonderlich reizvoll, trotz einiger Höhepunkte, vielleicht ist es einfach etwas zu lang. Oder es gibt gar zu viele Anleihen bei Layard.

Die Priester erfahren vom Tod des Parlamentärs, Mir Scheik Khan sagt "Er ist verwandelt. El Schems wird ihm hier nicht mehr leuchten, aber er wandelt unter den Strahlen einer höheren Sonne in einem Lande, wo wir ihn wiedersehen werden. Orata ölüm ne mozar ne, adschy ne tasa ne; orata ebedi atschyk ile zewk - dort gibt es weder Tod noch Grab, weder Schmerz noch Kummer; dort ist ewig Licht und Wonne; zira tanry jakin dir - denn er ist bei Gott!" und der Erzähler kommentiert "Diese Art und Weise, die Nachricht von dem Tode eines Freundes hinzunehmen, war ergreifend. Nicht ein böses Wort traf die Mörder. Diese Priester trauerten, aber sie gönnten dem Todten seine Verwandlung."

"Sie senkten die Köpfe tief herab. Beteten sie? Ich weiß es nicht; aber ich sah, daß die Augen Mehrerer sich befeuchteten und daß ihre Rührung wohl eine wahre und herzliche war. Man hat behauptet, daß nur der Deutsche das besitze, was man 'Gemüth' nennt. Wenn dies wahr sein sollte, so waren diese Dschesidi den Deutschen sehr ähnlich. Wie wollte ich es ihnen gönnen, wenn die göttliche Milde und Klarheit des Christenthums die Schatten ihrer Thäler erleuchten und die Spitzen ihrer Berge vergolden dürfte!"

Die Sache mit der Geheimschrift hat uns als Kinder beeindruckt, auch daß es da um Harn geht; heute liest man innerlich achselzuckend darüber hinweg.

Der seinerzeit aktuelle "Kulturkampf" in Deutschland kriegt auch eine Bemerkung ab,

"Das klang so einfach. Hier übergab der weltliche Beherrscher der Dschesidi ihrem geistlichen Regenten seine Gewalt ohne die leiseste Regung einer kleinlichen Eifersucht, ohne alles Mißtrauen und Bedenken. 'Willst Du?' frug der Eine. 'Ich will,' antwortete der Andere. Welchen Klang mag wohl das Wort 'Culturkampf' in einem der Dialekte dieser Teufelsanbeter haben!"

Dann wird Pir Kamek feierlich begraben, "Es überkam mich jenes 'süße Grauen', welches, wohltuend und niederbeugend zu gleicher Zeit, das Menschenherz ergreift, sobald etwas Erhabenes hereingreift in die Grenzen unserer kleinen, inneren Welt."

Der - im grünen Band gestrichene - Schluß verdient auch zitert zu werden,

"Wie glücklich sind Jene zu preisen, deren Wiege bereits an diesem Wege steht, und doch wie schwer wird es ihnen oft, dieses Glück zu erkennen und zu schätzen! Ich schloß die Augen, und es gelang mir endlich, einzuschlafen; aber ich träumte von Fackelzügen und Salven, von Scheiterhaufen und Urnen, aus denen Gerippe stiegen, die mich, den Christen, mit Grinsen umtanzten. Sie wollten mich ergreifen; da aber erschien der Pir Kamek, wehrte sie von mir ab und sagte:

'Er hat ein heiliges Kitab, darinnen geschrieben steht: Oghuldschikler, sizi oranizde sewyn-iz - Kindlein, liebet Euch unter einander!' - - -"

 

Zweites Kapitel - Dojan

"Aber mit dem Falle der Khalifen brach auch ihre Macht zusammen, und zwar mit reißender Schnelligkeit; denn ihre innere, geistliche Constitution entbehrte der göttlichen Reinheit, welche die Kraft eines unbesiegbaren Widerstandes verleiht." Ein interessanter Satz, im Zuge der Betrachtungen zu dem langen Brief eines Tartarenkönigs an den Griechischen Kaiser, der am Anfang des Kapitels zitiert wird.

Die weiteren Kampfhandlungen bzw. Verwicklungen zwischen den Dschesidi und den Türken werden nun nur noch kurz zusammengefasst nacherzählt ("hatte er den Mutessarif einfach einschließen lassen und zum Gefangenen gemacht. Um seine Freiheit wieder zu erhalten, hatte dieser sich nun gezwungen gesehen, alle hinterlistigen Pläne aufzugeben und auf die friedlichen Vorschläge des Bey einzugehen"). Weiter geht's in der Haupthandlung. Bevor es nach Amadijah geht, erleben wir allerdings in diesem Kapitel noch eine Art Intermezzo zum Verschnaufen.

Mohammed Emin hat sich den Fuß vertreten; man hat herausgefunden, daß dies ein Bezug zu einer Angelegenheit Vater Pollmer betreffend sein könnte, wobei eine Gleichsetzung Pollmer = Emin nicht unbedingt überzeugt, aber möglich ist auch das.

Zum bewegenden Abschied überreicht Ali Bey etwas Besonderes, "der Mir Scheik Khan hat Dir seinen Schutz versprochen. Er sendet Dir diesen Melek Ta-us, damit er Dir als Talisman diene. Ich weiß, Du hältst diesen Vogel nicht für ein Götzenbild, sondern für ein Zeichen, an welchem Du als unser Freund erkannt wirst."

"Es war mir, als sei ein Stück meines Herzens mit ihm davongegangen" schreibt der Erzähler über den Abschied von Ali Bey. Das Geschenk weiß er zu würdigen, "Es war ein großes, ein sehr großes Geschenk, welches mir der Mir Scheik Khan durch ihn gemacht hatte. Wie viel ist über das Vorhandensein eines Melek Ta-us gestritten worden! Und hier hatte ich dieses räthselhafte Zeichen in meiner eigenen Hand. Es war ein ganz ungewöhnliches Vertrauen, dessen mich der Khan würdigte, und es verstand sich ganz von selbst, daß ich mich der Figur nur im äußersten Nothfalle bedienen würde.

Sie war aus Kupfer und stellte einen Vogel dar, der seine Schwingen zum Fluge entfaltete, und auf dem unteren Theile zeigte sich das Kurmangdschi-Wort 'Hemdscher', d. i. Freund oder Genosse, eingegraben."

Das könnte alles irgendetwas mit Erlebnissen in Unterwelt-Kreisen in Deutschland zu tun haben; natürlich ist das reine Spekulation. Aber möglich.

Dann folgt eine dieser bei May so gelungenen Bewirtungs-Szenen, in denen er auf ziemlich unnachahmliche Weise unkomplizierte Lebensfreude herüberbringt, und in diesen Szenen geht es nie sonderlich 'fein' zu, sondern immer recht g'schlampert, locker, unorthodox ...

Heute gibt es Fledermaus, und der Erzähler ist nicht zimperlich, es hat ihm gut gemundet.

"Nun ging es an das Erzählen von Jagdgeschichten", man kann es vor sich sehen, wie sie da sitzen und einer "An der Quelle des Löwen" auspackt ... Ein bißchen Phantasie darf schon sein, und Zeit und Raum sind Schall und Rauch.

"Den Schluß des Mahles bildeten getrocknete Sev und Scherabi (Äpfel und Weintrauben), zu denen ein Schluck Racki getrunken wurde. Dann kamen die Tabakspfeifen zu ihrem Rechte." Man kann wirklich das Gefühl haben, dabei zu sein. Phantasiereisen. Im 'Silberlöwen' hat er das an einer Stelle gut beschrieben. ("Deine Seele war jetzt dort" ...)

Dann das erste Wiedersehen mit Lindsay. Es werden noch einige folgen im Gesamtwerk, immer wieder ist es schön. Ein Freund. Und: konfliktfähig, was wesentlich ist, und immer mal wieder durchkommt.

Szenen wie die Schwarzrot-Orgie können Jahrzehnte in Erinnerung bleiben, seit dem ersten Lesen. Nichts Besonderes eigentlich, ohne großen Anspruch, wenn man so will banal, aber eben echt und unnachahmlich May.

Lindsay verspeist nun neben der Fledermaus auch noch etwas anderes, "Später setzte man ihm unter Anderem einen zierlich gearbeiteten Holzteller vor, der ein niedliches Gerichtchen enthielt, welches die Form eines Beefsteak hatte und einen solchen Wohlgeruch verbreitete, daß ich selbst noch Appetit bekam". Es sind - Heuschrecken.

"Auch nicht übel! Ich nahm mir vor, dieses höchst wichtige Rezept meinem guten Master Fowling-bull nicht lange vorzuenthalten."

Wir wissen ja, daß er Lindsay sehr mag, was ihn indes nicht hindert, eine gute Portion (harmlose) Gehässigkeit an den Tag zu legen ...

Ein "Nematz" sei er selber, sagt der Erzähler später. Eine putzige Bezeichnung für einen Deutschen.

"'Az khorbane ta, Hodia - ich bin Dein Eigen (Fußnote: Eigentlich wörtlich: 'Dein Opfer'), o Gebieter,' lispelte sie endlich.

Dies ist ein gebräuchlicher Gruß der kurdischen Frauen und Mädchen, einem vornehmen Manne gegenüber."

Wie wir Karl May kennen, ist nicht auszuschließen, daß er sich auch dabei etwas Weitergehendes gedacht hat ... Wer hat da auf irgendeinem Dorffest in Sachsen oder Thüringen Eindruck geschunden ... (Hier im Roman hat er ein Armband verschenkt; "Bei einem deutschen Tabulettkrämer hatte ich dieses Armband mit fünfzig bis sechzig Pfennigen bezahlt").

Nachgemachter Bernstein (und Zem-Zem-Wasser ...) gegen einen ausgewachsenen Kampfhund; nach Rih ist nun auch Dojan treuer tierischer Begleiter. Lindsay ist beeindruckt. Der hat zwar Geld, aber die wertvollen Dinge bekommt der Erzähler.

"Spucke ihm dreimal in das Maul, und nimm ihn heut unter Deinen Mantel, wenn Du schlafen gehest, so wird er Dich nie wieder verlassen!" Da geht's ja ab zwischen Mensch und Tier ... ("Und die lernte ihm das Speien und die Feste der Natur"; Bertolt Brecht; korrekter wäre "lehrte", aber dann wäre es falsch zitiert).

Mit einer weiteren bewegenden Verabschiedung geht das schöne Intermezzo zu Ende.

 

Drittes Kapitel - In der Festung

Erneut (nach der Senitza-Episode mit dem passenden Verabreichen von Ignatia) zeigt Karl May, daß er mit Kenntnissen der Homöopathie vertraut ist, ("Similia Similibus", hier augenzwinkernd), und schockiert seinen armen Freund Lindsay mit der ganzen Wahrheit über das genossene Mahl. Fleder --- maus, Heu --- schrecken, auch das eine der Stellen, die man nicht vergißt, und beim Lesen [ggf.] immer schon vorher weiß, daß sie jetzt kommt.

Er ist manchmal wirklich gemein, unser Autor, und schafft es nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich, daß nicht nur seinem Gegenüber, sondern auch dem mitfühlenden Leser ein bißchen mulmig wird, "Wir Deutsche nennen diese delicaten Springer sogar zuweilen Heupferde", noch gruseliger wirkend läßt es sich ja kaum formulieren.

Lindsay reagiert entsprechend, "er preßte die Lippen mit solcher Charakterstärke zusammen, daß sie ihre Ausdehnung, anstatt in die Weite, so sehr in die Breite nahmen, daß es ihm bei nur einigem guten Willen möglich gewesen wäre, mit jedem Mundwinkel ein Ohrläppchen abzukneipen. Und die Nase war über das Verschwinden der ihr so sympathischen Öffnung so bestürzt, daß sie ihre Spitze weit herunter bog, um nachzusehen, wie dem Verluste abzuhelfen sei", an mögliche Nebenbedeutungen wollen wir hier gar nicht denken.

Man erreicht Amadijah, wo ein großer Teil des Buches spielen wird, auch wieder mit der rechten Mischung, Ernst und Witz, Leben und Tod, Charme, Heiterkeit, Anstand und Menschlichkeit, Härte wenn nötig.

"Je sicherer man im Oriente auftritt, desto freundlicher wird man behandelt." Nicht nur im Orient. "Wer sich für einen Pfannkuchen ausgibt, wird dafür aufgegessen" pflegte einst jemand durchaus zutreffend zu äußern.

Selim Agha erinnert ein wenig an den Selim aus "Im Lande des Mahdi", bzw., hat mit diesem einige Überschneidungen. Das hat man öfter bei Karl May, daß Personen gleichen Namens gewisse gemeinsame Nenner haben, vgl. z.B. Wanda. (Daß da nun die eine kriminell ist und die andere gleichsam Vorbildfunktion hat, heißt in dem Zusammenhang gar nichts, es geht um die Anteile, in denen sie sich überschneiden, und die haben mit "gut" oder "schlecht" u. dgl. nichts zu tun. Mays Wandas und Wankas sind besondere Persönlichkeiten, selbstbewußte, starke Frauen.)

Auch Mersinah lernen wir kennen, schon die Zweite im Orientzyklus, diese allerdings ist der gleichnamigen aus dem zweiten Kapitel von "Durch die Wüste" eher unähnlich. Gemeinsam mit ihr hat sie, relativ leicht 'handhabbar' (um nicht 'manipulierbar' zu schreiben ...) zu sein.

Die Gäste trinken aus Eierbechern ("hühnerognostischen Pokalen"), Selim Agha aus der Flasche, "und nahm sie nicht eher wieder fort, bis er die beruhigende Überzeugung hatte, daß das scharfe, schwefelsaure Getränk der Bouteille keinen chemischen Schaden mehr thun könne. Dann nahm er uns die Schalen aus der Hand, sog das heraus, was wir noch drin gelassen hatten, und legte sie sehr behutsam auf den Boden nieder."

"Wir nahmen uns vier Zimmer, eins für Jeden von uns und eins für Halef und den Baschi-Bozuk." Daß Halef "nur Diener" ist, darauf legt sein Erfinder denn doch gelegentlich noch Wert.

Mersinah serviert die bestellte Eierspeise, das einzige daß man aus ihrer Hand zum Essen anzunehmen sich traut. "Diese lukullische Empfangsgasterei, zu welcher wir die Höflichkeit hatten, auch Mersinah einzuladen, wurde bald und glücklich überwunden."

Um den Kommandanten besuchen zu können, wird aberwitzigerweise Geld benötigt, weil der sonst nichts anzubieten hätte; als Lindsay mal wieder von "Alles bezahlen; sehr gut bezahlen!" spricht, kommt das dem Erzähler insofern gerade recht,

"Ist dies Euer Ernst, Sir?"

"Warum nicht Ernst?"

"Ich weiß allerdings, daß Ihr sehr wohlhabend seid und das zur richtigen Zeit auch anzuwenden wißt - - -"

Und dann dieser Satz: "Er blickte mich schnell und forschend an und frug dann:"

"Wollt Geld haben?"

"Ja," antwortete ich einfach.

"Well; sollt es bekommen! Für Euch?"

"Nein. Ich hoffe, daß Ihr mich nicht von einer solchen Seite kennen gelernt habt!"

"Ist richtig, Sir!"

Der Leser ist erleichtert, daß diese kleine Irritation überwunden ist. Auch diese Stelle kann einen beeindrucken. (Wenn man dann allerdings an die Maysche Geldschacherei mit Fehsenfeld denkt, wie sie in den Briefbänden ans Tageslicht kommt, sieht man die Stelle wieder mit anderen Augen ...)

Eine weitere beeindruckende Szene gibt es mit dem Berwari-Kurden (vermeintliche Kleinigkeiten können einen ggf. durchaus mehr ansprechen als sonstwas für ein Spektakel); man läßt sich gegenseitig den Vortritt, um den es vorher ein Geplänkel gab, und zwar nicht etwa aus fadem formellen Höflichkeitsgehabe, sondern als Geste der Anerkennung, des Respekts und des guten Willens. Sehr schön.

Im Paß steht nicht Kara Ben Nemsi, sondern (vermutlich) May, worüber der Kommandant auch aussprachetechnisch stolpert. "Er versuchte es, aber es wollte ihm nicht recht gelingen. Und über den Namen des Heimatortes stolperte er vollends gar hinweg."

Auf die Frage des Mutesselim nach dem Stein der Weisen entgegnet der Erzähler "Es gibt einen, aber er liegt nicht in der Erde, sondern im menschlichen Herzen vergraben und kann also auch nicht durch die Scheidekunst bereitet werden."

In Sachen Magie ist er nicht eben zimperlich, "Ich konnte nicht anders, ich mußte lustig antworten", und dann erzählt er seinem Gegenüber, es gäbe neben der schwarzen und der weißen auch "Eine blaue, eine grüne und gelbe, auch eine rothe und graue. Dieser Hadschi Lindsay-Bey war erst ein Anhänger der graukarrirten, jetzt aber hat er die schwarzrothe angenommen."

"Ein Kurde ist kein heuchelnder Grieche und auch kein schmutziger Jude, der sich nicht einmal krümmt, wenn man ihn tritt" geht heute nach allgemeinem Empfinden nicht mehr und ist im grünen Band entsprechend abgeändert ("kein Heuchler").

Die kleine militärische Demonstration der Soldaten vermag nicht recht zu beeindrucken, "Der Agha rollte die Augen; die Träger der confusen Schießinstrumente rollten auch die Augen und bearbeiteten die Schlösser ihrer Vorderlader, aber erst nachdem wir bereits um die nächste Ecke gebogen waren, erklang hier und da ein leises Gekläff, welches uns vermuthen ließ, daß wieder einmal ein Pfropfen aus dem Laufe geschlingert worden sei."

"Als wir zu Hause anlangten, saß der Kurde in meinem Zimmer auf meinem Teppich und rauchte aus meiner Pfeife meinen Tabak. Das freute mich, denn es bewies mir, daß unsere Ansichten über Gastlichkeit ganz dieselben seien." Er mag es unkompliziert.

"Ich hatte die Kühnheit, mich als einflußreiche Persönlichkeit zu fühlen; ich handelte abenteuerlich, das ist wahr; aber der Zufall hatte mich nun einmal, so zu sagen, an eine Kletterstange gestellt und mich bis über die Hälfte derselben emporgeschoben; sollte ich wieder herabrutschen und den Preis aufgeben, da es doch nur einer Motion bedurfte, um vollends empor zu kommen?" Als hätte er die Entwicklung zu Zeiten der Old-Shatterhand-Legende vorausgesehen ... Wer sich selbst kennt, der kann so klar urteilen.

"O, Sihdi, Du bist ein großer Gelehrter und kannst einen Kranken auch ohne die Körner gesund machen, die Du damals gabst."

"Aber ich bin doch eigentlich kein Arzt!"

"Du kannst Alles!"

Darauf: kein Widerspruch ...

Dann begegnen wir Schakara, deren Name in diesem Buch noch nicht genannt wird, erst später im 'Silberlöwen' erfahren wir, daß jene Schakara, die dort eine große Rolle spielen wird, seinerzeit in Kurdistan von Kara Ben Nemsi geheilt wurde ... "Es war ein sehr schönes Mädchen."

Wir begegnen erstmals Marah Durimeh, "deren Alter so hoch war, daß es, wie ich später erfuhr, gar nicht mehr bestimmt werden konnte" wie es in der zweiten Buchausgaben-Fassung putzigerweise heißt.

Die erste Begegnung mit Schakara ist nicht gerade in allen Einzelheiten allzu romantisch, "Ich steckte in Ermangelung von etwas Anderm den Finger in den Mund der Kranken, um sie zum Erbrechen zu reizen, wobei ich den Finger durch den Griff meines Messers vor ihren Zähnen schützte. Nach einiger Mühe gelang das Experiment, wenn auch unter der schmerzlichsten Anstrengung des Mädchens. Ich wiederholte es, doch war die Entleerung nicht hinlänglich", wobei es eben gerade gut ist, auch solche Seiten des Lebens zu integrieren in Bewußtsein und Darstellung.

"Alles lag hier friedlich bei-, neben-, unter-, über- und durcheinander, und dabei saß ein schmutziges Männlein, welches grad so aussah, als habe es alle diese Mittel und Ingredienzien so eben innerlich und äußerlich an sich selbst probirt. Welches Unheil hatte dieser Attar wohl bereits angerichtet!" heißt es über den Besuch in der Apotheke; Komik und Elend.

Vom Amulett des Hekims läßt er sich so ganz und gar nicht beeindrucken, "'Laß Dich nicht auslachen mit diesem unschuldigen Thierchen!' lachte ich, indem ich die Fliege zu Boden fallen ließ und zertrat." Wir erinnern uns an die grau- oder rotschwarzkarierte Magie.

Wir erleben einen ausgewachsenen Kaffee-Streit zwischen Halef und Mersinah nebst einem salomonischen Urteil des Erzählers, "Sie öffnete den Mund, um mir mitzutheilen, daß sie gesonnen sei, Einspruch oder Nichtigkeitsbeschwerde zu erheben, doch Halef kam ihr zuvor".

"Die beiden frei gewordenen Gefangenen langten mit einem Heißhunger zu, der mich wohl erkennen ließ, wie besorgt die alte Mersinah um das leibliche Wohl ihrer Pfleglinge sei". Nämlich eben gar nicht; es ist manchmal so eine Sache mit den "drollig" geschilderten "Sympathiefiguren", das Herz der alten Schlampe kann nämlich ggf. auch mal aus Stein sein. Auch die Beschaffenheit von Herzen ist bekanntlich nicht durchgehend einheitlich.

Wir erfahren allerhand zur Biographie Marah Durimehs, und daß sie über Hundert ist. In Sachen ihrer äußeren Erscheinung und ihres Alters waren die Angaben innerhalb der verschiedenen Ausgaben des Textes bereits zu Mays Lebzeiten sehr unterschiedlich.

Für die erste Buchausgabe bei Fehsenfeld übernahm Karl May den Text, was Marah Durimeh betrifft, unverändert aus der früheren „Hausschatz“-Fassung. Erst für die spätere Ausgabe nahm er hier einschneidende Textänderungen vor. Man findet diese Änderungen zusammengefasst im Anhang zu Band 2 der Reprint-Ausgabe der Freiburger Edition.

So blickt der Ich-Erzähler auf die äußere Gestalt der guten Frau nun nicht mehr mit Schaudern, sondern mit Bewunderung. Sie ist nicht mehr tief gebeugt, sondern steht gerade und hoch aufgerichtet. Das Gesicht sieht nicht mehr wie ein Totenkopf aus, sondern die Augen haben jugendlichen Glanz.

Und grinst in der Erstausgabe (in einem späteren Kapitel) noch ihr hageres Gesicht wie dasjenige eines Totenkopfes ihm entgegen, so steht an der gleichen Stelle nun etwas von einem hochehrwürdigen, orientalisch schönen Angesicht, und es ist ihm nicht mehr, als habe er den Tod neben sich sitzen, sondern das Schicksal.

 

Viertes Kapitel - Aus der Festung

Man besucht den Kommandanten, bei dem alle Beamten und Offiziere bereits versammelt sind. "Es gab also große Soirée."

Wein werde, so Kara Ben Nemsi auf Anfrage, "Bei gewissen Krankheiten des Blut- und Nervensystems, sowie auch der Verdauung als Stärkungs- oder Erregungsmittel" verabreicht, und unmittelbar daruf äußert der Kommandant, daß er an just diesen Krankheiten leide ...

Der Kommandant weiß, daß und was Halef eingekauft hat. "Ah, der Mutesselim ließ uns also beobachten!" Wenn das damals schon so gut funktionierte, mag man gar nicht darüber nachdenken, wie es heute im Zeitalter von Handys, Kameras usw. wohl aussehen mag in der Richtung ...

"Dann erhob sich der Mutesselim, zum Zeichen, daß diese amüsante Soirée beendet sei. Man sagte sich einige fulminante Höflichkeiten, verbeugte sich gegenseitig und war dann froh, dem Commandanten, dem Emir Hadschi Kara Ben Nemsi, dem Tabak und Kaffee und dem Medah glücklich entronnen zu sein." Ja, auf derlei läßt sich in der Tat gut verzichten ... "Ich hatte das nachträgliche Vergnügen, von Selim Agha unter dem Arm genommen und nach Hause begleitet zu werden."

Und dann gibt es ein regelrechtes Besäufnis, Erzähler wie Selim Agha trinken die gleiche Menge, worauf letzterer sturzbetrunken ist und der Erzähler offenbar noch so gut wie nüchtern, was auf eine gewisse Abhärtung schließen läßt ...

KBN erfährt, daß Selim Agha  dreißig Para (15 Pfennige) täglich für jeden Gefangenen erhält. "Davon blieb sicherlich die Hälfte in den Händen Selim's kleben". Wie zuvor in Sachen Mersinah: eine gewisse Sympathie, ein gleichsam achselzuckendes Grund-Teilwohlwollen schwachen Menschlein gegenüber schließt nicht aus, selbige nüchternen Röntgenblicks auch in ihrer ganzen Erbärmlichkeit zu betrachten und wahrzunehmen ...

"Mühe? Gar keine! Was soll ich mir mit diesen Halunken für Mühe geben? Ich gehe täglich einmal in das Gefängniß, um nachzusehen, ob vielleicht Einer gestorben ist."

Und der gleiche abstoßend kalte Schmierlapp kann kurz darauf wieder so komisch wirken, daß man ihm allerhand verzeihen mag, so ist das bei Karl May wie im Leben. "Nicht wahr, Mohammed war ein gescheidter Kerl, Emir?", das "frug er so laut, daß ein eben Vorübergehender stehen blieb, um uns etwas in Augenschein zu nehmen." Die ganze anschließende Szene auf dem Weg zum Gefängnis ist köstlich.

"Wie oft hatte ich gelesen, daß ein Gefangener durch die Berauschung seiner Wächter befreit worden sei, und mich über diesen verbrauchten Schriftstellercoup geärgert! Und jetzt befand ich mich in voller Wirklichkeit in Folge eines Rausches in dem Besitze aller Gefangenen." Das trägt er so überzeugend vor ...

Wir begegnen Amad el Ghandur, der sehr beeindruckt ist. "Herr, Allah mag Dir das in Deiner Todesstunde gedenken!", und noch einen drauf, "Allah segne diese Hand, so lange sie sich bewegt, und wenn sie sich zum Todesschlaf gefaltet hat, so möge Dein Geist sich im Paradiese freuen der Stunde, in welcher Du mein Engel wurdest!" Der geneigte Leser weiß ja schon, was in Band 3 und später im Anhang von Band 6 passieren wird, und sagt sich Tja, so ist das, auch zunächst sehr schöne Begegnungen können gleichsam den Keim des Scheiterns schon in sich tragen ...

Selim Agha erzählt Mersinah sozusagen aus 'Jux und Dollerei', es gäbe Krieg, und der Erzähler, gefragt, ob das so sei, antwortet "Das ist noch ein wenig ungewiß. Ich glaube, daß der Agha die Sache etwas zu ernst genommen hat".

"Ja, Effendi, ich werde ihnen zunächst eine fürchterliche Rede halten!"

Seine Augen rollten wie das Luftrad einer Stubenventilation. Dann standen sie plötzlich still, und sein Gesicht nahm einen sehr sanftmüthigen Ausdruck an.

"Und dann werde ich sie begnadigen, wie ein Padischah, der das Leben und Eigenthum von Millionen Menschen zu verschenken hat."

Es erscheint ein Bote aus Baadri und wir werden noch einmal darauf hingewiesen, daß Kara Ben Nemsi sozusagen in großer Politik mitgemischt hat.

Und, ähnlich gelagert wie kurz zuvor beim kindhaften Selim, "Der Rose von Amadijah schien sehr viel an dem Gewinne zu liegen, den dieser kleine Handel ihr jedenfalls einbrachte", Durchschauen, Verachtung und eine Portion Sympathie, May-gemäß bunt gemischt.

"Dann brannte ich mir einen Tschibuk an und stieg mit gravitätischen Schritten durch die Gassen"; "grüßte ich kurz und würdevoll"; "frug ich nachlässig", ein oberflächlicher Betrachter könnte derlei wieder für Maysche Anmaßung halten, hier aber dürfte eine gehörige Portion Selbstironie eine Rolle spielen.

KBN erfährt, daß die Gefangenen aufgrund ihrer jeweiligen Herkunft unterschiedlich behandelt werden, und äußert "Das war ja eine ganz allerliebste Einrichtung! Ich hätte den Kerl beohrfeigen mögen." Ob da wohl eigene Erlebnisse eine Rolle gespielt haben werden ?

"Der zweite Kurde war ein alter Mann. Er bat nur, vor den Richter geführt zu werden. Der Sergeant versprach es ihm und lachte dabei." Beredte Verschwiegenheit ...

"Diese halbwilden gewaltthätigen Horden macht man sich am besten geneigt, wenn man sich ihrer Gastfreundschaft mit Vertrauen überläßt. Ein Araber kann noch Hintergedanken haben, wenn er einen Fremden in sein Zelt aufnimmt; ein Kurde aber nie." Unterwelt-Erfahrungen, in exotischem Gewand ?

Mersinah erfährt, daß Kara Ben Nemsi verhaftet werden soll, und Selim Aga erzählt "Sie sitzt in der Küche und weint sich die Augen aus". Auch als egoistisch und hartherzig wahrgenommene alte Schlampen können ihre warmherzigen Anwandlungen haben und solche auch hervorrufen ... (es ist eben, wie so oft, beides da, und schließt sich nicht gegenseitig aus).

In Sachen Selim gilt Ähnliches, "Dieser brave Arnaute war wirklich mein Freund." An dessen menschlichen Defiziten der Erzähler indes von Anfang an keinerlei Zweifel gelassen hat.

"Ich trat unterdessen in die Küche. Dort kauerte Mersinah am Boden und machte ein so trübseliges Gesicht, daß ich mich wirklich gerührt fühlte." Siehe oben. Und dann heißt es auch gleich wieder: "Magst Du mir nicht Dein Geld zurücklassen und auch die andern Sachen, welche Dir theuer sind? Ich werde Dir Alles aufbewahren und kein Wort davon sagen." Das glauben wir wohl.

Wir wissen ja, daß sich der Erzähler immerhin in einer Militärfestung befindet, und akut bedroht ist, "Als ich über den Platz schritt, bemerkte ich hinter den Thüren einiger Häuser die Arnauten stehen, von denen Selim gesprochen hatte. Es war also jedenfalls sehr ernstlich gemeint. Auch vor dem Palaste, im Flur und auf der Treppe desselben, sogar im Vorzimmer standen Soldaten", heißt es, und dann in unnachahmlicher Chuzpe "Ich wäre doch beinahe besorgt geworden."

"Bei den Nemsi ist der Bettler ebenso viel werth vor dem Richter wie der König." Das glaubt er doch vermutlich selber nicht ...

"Euch fünf thut ein Nemtsche in drei Sekunden ab, und Deine fieberkranken Arnauten reißen vor meinem Blick aus; darauf kannst Du Dich verlassen!" Man kann es auch übertreiben ...

Wieder "große Politik", Verhaftung des Makredsch, Kara Ben Nemsi greift ein in die Geschicke des Landes ...

"Dein Bart steht rechts und links wie der Bart eines Panthers, und Deine Arme sind wie die Beine eines Elephanten!" lobt Mersinah, und der Erzähler erläutert "Das war natürlich mehr als bildlich gemeint. O Myrte, welch ein Attentat auf den dunkelblonden Schmuck meines Gesichtes und auf die liebliche Symmetrie meiner unentbehrlichsten Gliedmaßen! Ich mußte ebenso höflich sein:"

"Dein Mund spricht wie der Vers eines Dichters, Mersinah, und Deine Lippen strömen über wie ein Topf voll süßen Honigs; Deine Rede thut wohl, wie das Pflaster auf eine Beule, und Deiner Stimme Klang kann Keiner vergessen, der ihn einmal hörte." Das ist die Kunst, sein Gegenüber so auf den Arm zu nehmen, das zwar nicht dieses selbst, aber Dritte es merken (können) ...

Und gleich noch einen:

"Deine Güte rührt mich, oh Mersinah; ich kann sie nicht vergelten! Aber ich habe weder Hunger noch Durst, wenn ich den Glanz Deiner Augen, die Farbe Deiner Wangen und das liebliche Bild Deiner Hände erblicke."

Und kurz darauf (in Sachen Lindsay) wieder eine ganz ernste und ernstgemeinte Stelle, sympathisch in ihrer Offenheit, "Er reichte mir die Börse hin, ohne daß es ihm einfiel, zu bemerken, wie viel ich ihr entnahm. Er war ein Gentleman und ich ein armer Teufel."

"Mohammed Emin befand sich in einer unbeschreiblichen Aufregung. Ich hatte ihn selbst damals, als es im Thale der Stufen galt, seine Feinde gefangen zu nehmen, nicht so gesehen. Er hatte alle seine Waffen angethan und auch die Flinte neu geladen. Ich konnte nicht darüber lächeln. Ein Vaterherz ist eine heilige Sache; ich hatte ja auch einen Vater daheim, der oft für mich der Sorgen und Entbehrungen genug getragen hatte, und konnte also das begreifen." Ein wenig sozusagen verräterisch mutet hier das "Ich konnte nicht darüber lächeln" an, auf die Idee wäre man ja ohne entsprechenden Hinweis vielleicht gar nicht gekommen ...

"Wer genug davon trinkt, dem ist die Seligkeit gegeben, und wer davon trinkt, ohne jemals aufzuhören, der hat das ewige Leben!" So kann man es auch ausdrücken, daß exzessive Sauferei auf die Dauer zum vorzeitigen Ableben führt ...

"Sie hatten Beide bereits das, was der Spiro-Zoologe einen 'Käfer' zu nennen pflegt, ja, es schien bereits ein bedeutender Hirschkäfer zu sein, der alle Anlagen zeigte, sich nach und nach in einen bekannten Vierhänder zu verwandeln. Es war nur heißer Wein, ohne alles Gewürz, den sie jetzt kosteten, aber er brachte sie dem 'Seid umschlungen, Millionen!' sehr nahe; sie tranken bereits nur noch aus einem Glase, und der Mutesselim wischte sogar seinem Agha einmal den Bart ab, als einige Tropfen der herrlichen Arznei sich in den Wald desselben verlaufen hatten. Die dabei geführte Unterhaltung war diejenige zweier Personen, die im 'edlen Kampfe voller Humpen' noch vollständige Laien sind: närrisch und kauderwälsch. Selbst ich, der ich nur that, als ob ich trinke, wurde in Mitleidenschaft gezogen; denn der Mutesselim umarmte mich ein über das andere Mal, und der Agha hielt traulich seinen Arm um meinen Nacken geschlungen." Einschlägige längerfristige Kneipen-Erfahrung scheint hier grüßen zu lassen ...

Dann eine, wie der Erzähler sagt, "widerwärtige Szene"; dem Makredsch wird in der Haft das letzte Geld abgeknöpft, "Ich muß gestehen, daß ich mit dem Manne Bedauern empfand; aber ich sah vorher, daß er auch den letzten Heller werde geben müssen."

Allein die Aussicht auf Alkohol vermag den ebenfalls geprellten und darob wirklich deprimierten Selim Agha zu trösten; es ist, bei aller Komik, Menschlichkeit usw., auch einiges wirklich recht erbärmlich anzuschauen in diesem Kapitel. Eine echte Maysche Mischung, wie schon geschrieben. So ist das Leben unter den Menschen, so geht es zu.

Der "Geist der Höhle" wird angekündigt. Der May-Leser kennt ihn als "Herrgottsengel" aus einer Dorfgeschichte.

"Bei diesen Worten bildete ihr ganzes Gesicht ein empörtes Ausrufezeichen." Ob hier Emma Pollmer Patin gestanden hat ? (Man sieht sie ggf. sofort vor sich ...)

"Ich ging. Über mich wachten drei Männer, auf welche ich mich verlassen konnte." Vergleichbares sagt der Erzähler wirklich nicht allzuoft ...

"Der Neffe des Schwagers von der Schwester des Enkelsohnes der Mutter von der Stiefschwester", ob da der Autor selber noch durchblickt ?

Nachdem er den Kommandanten gehörig hereingelegt hat und dieser aufgrund der ihm vorgetragenen Trickserei nun (von der Unwahrheit ...) überzeugt ist, heißt es: "Das war zu viel der Beweise" ... Ja, Wahrheit ist (sozusagen) schon mal relativ ...

"Aber sage mir, was ich dem Anatoli Kasi Askeri über den entsprungenen Gefangenen schreiben soll!"

"Schreibe die Wahrheit!"

"Das wird mir großen Schaden machen, Effendi. Denkst Du nicht, daß ich schreiben könnte, er sei gestorben?"

"Das ist Deine Sache!"

"Würdest Du mich verrathen?"

"Ich habe keinen Grund dazu, solange Du mein Freund bist."

"Ich werde es thun!"

"Aber wenn es Dir gelingt, ihn wieder zu ergreifen? Oder wenn er glücklich seine Heimat erreicht?"

"So hat sich der abgesetzte Mutessarif geirrt und mir einen Mann geschickt, den er zwar für Amad el Ghandur hielt, der es aber nicht war. Und wenn ich ihn wieder ergreife - - Effendi, es wird das Beste sein, daß ich gar nicht nach ihm suchen lasse!"

Und dann

"Das war eine echt türkische Weise, sich aus der Noth zu helfen; mir jedoch kam sie sehr willkommen."

Pragmatismus ... auch heute noch üblich, international.

Nun geht es ans Verabschieden, zunächst von Ifra, "Allah behüte Dich und Deinen Esel. Mögest Du nie vergessen, daß ein Stein an seinen Schwanz gehört!"

Selim Agha wird nun auch von Mersinah um seine paar Kröten gebracht. "Jetzt nun, da sie das Geld in den Händen hatte, wurde sie auch rücksichtsvoll gegen mich." Lindsay hält die mehrfach zum Abschied ausgestreckte Hand Selim Aghas für eine Aufforderung, Geld zu geben, und tut das auch. Wieder einmal mischen sich Humor, Menschlichkeit usw. des Erzählens mit - Trauer. Die Menschen verstehen sich nicht.

Dann ist Kara Ben Nemsi dran, von Selim verabschiedet zu werden, "Aber der Agha zog nun seine Hand plötzlich zurück und nahm die Gelegenheit, daß ich eben zu Pferde steigen wollte, wahr, um mir den Steigbügel zu halten. Jetzt zog es über sein Gesicht, wie Sonnenblick und Wolkenschatten über ein wogendes Feld, dann öffnete er den Mund, aber da stürzte ihm plötzlich die so lange zurückgehaltene Fluth aus den Augen. Das Wort, welches er sagen wollte, wurde zu einem unverständlichen Laute. Er reichte mir die Hand; ich nahm und drückte sie, selbst tief gerührt, und dann zog er sich sehr eilig in den Flur zurück." Auch von der Zuneigung eines feigen, luschigen Nichtsnutzes kann man halt tief gerührt sein und diesen, bei aller Erkenntnis, auch mögen, mehr als irgendwelche "edlen Helden". Das ist sehr schön bei Karl May, diese Menschlichkeit TROTZ ALLEM, trotz gnadenlosen, sich und andere nicht schonenden Durchblicks, wird aber gemeinhin kaum so wahrgenommen bzw. unter den Tisch fallen gelassen.

Vom Kommandanten verabschiedet er sich in Begleitung seines Hundes, "Er ist besser als mancher Mensch", und Lindsay "brummte und lachte noch lange vor sich hin" ob dieser Geschichte.

Der zwischenzeitlich im Baum untergebrachte Amad el Ghandur wird aus seiner "Villa Amad" geholt, und mit schönen Landschaftsbeschreibungen endet das lange Kapitel.

Hier noch eine Kostprobe aus der "Hausschatz"-Fassung,

"Bald mußten wir ein kurdisches Dorf erreichen. Meine Erlebnisse bei den Kurden und meine Begegnung mit dem 'Geist der Höhle' werde ich ein ander Mal erzählen. Jetzt aber danke ich dem freundlichen Leser, der mich bis hieher begleitet hat."

"Die freundlichen Leser haben mich und meine vier Gefährten im vorigen Jahrgang des 'Deutschen Hausschatzes' über die türkische Grenzfestung Amadijah hinaus begleitet - bis auf die Höhe, wo wir das thal von Berwari in Kurdistan vor uns liegen sahen; ich lade sie nun ein, mir weiter folgen zu wollen."

 

Fünftes Kapitel – Unter Bluträchern

In Kurdistan wird KBN auch mit geschichtlicher Vergangenheit, mit bewaffneten Konfrontationen und ihren Folgeerscheinungen konfrontiert, „Wir kamen durch verfallene Ortschaften, bei deren Untergang die Feuersbrunst der Hütten das Blut der Bewohner derselben aufgeleckt hatte. Die Trümmer lagen zerstreut; die Thiere des Waldes hatten die Knochen, welche wir hier und da liegen sahen, abgenagt. Mich schauderte.“

Wieder einmal kommen die ebenso bewährten wie altbekannten Schießkunststücke zu Ehren, „Dasselbe Experiment mit demselben Stutzen hatte mich einst bei den Comanchen in Respekt gesetzt, und auch jetzt erwartete ich eine ähnliche Wirkung mit Zuversicht.“

Auch in großer Gefahr bewahren KBN und Lindsay ihren spezifischen Humor, „Seine Nase lag auf der rechten und sein Mund auf der linken Seite des Gesichtes, ein ganz sicheres Zeichen, daß ihm etwas Merkwürdiges passirt sei.“

Gegen beabsichtigten Pferdediebstahl hält der Hund auf dem Dach Wache, „Ein menschlicher Körper lag auf demselben. Ich untersuchte ihn; er war todt; der Hund hatte ihm das Genick zermalmt.“ So etwas wie einen Ausdruck des Bedauerns suchen wir vergeblich, heutzutage würde man wohl mindestens von „Unverhältnismäßigkeit“ sprechen ... Unser Held scheint das in etwa unter 'Wo gehobelt wird, fallen Späne' abzuhaken, „Ich habe keinem Menschen erlaubt, auf mein Dach zu steigen, und wer es dennoch thut, der mag auch zusehen, wie er ohne mich wieder herunter kommt.“

„O, Herr, was hat Dein Hund gethan!“ – „Seine Pflicht. Klage nicht über ihn, sondern lobe ihn. Dieser Mann hat wohl den Besitzer dieses Hauses überfallen wollen und nicht geahnt, daß heute Leute hier wohnen, die sich von keinem Diebe oder Mörder überfallen lassen.“

„Chodeh“, ruft der zweite unter dem Hund gelegene nach seiner Befreiung aus, „Er sprach nur dieses eine Wort aus, aber es klang aus demselben die ganze Fülle der ausgestandenen Todesangst.“

Die Helden entkommen der fatalen Situation mittels eines Mauerdurchbruchs, „Die Noth war zu Ende, noch ehe sie begonnen hatte, und wir verließen eine Herberge, ohne die Rechnung berichtigen zu müssen.“

Am Ende geht’s beim Mahle nicht eben appetitlich zu, „Gegen Ende des Mahles stellte es sich heraus, daß die Speisen nicht für Alle langten, und so erhielten die 'Trollgäste' ein lebendiges Schaf, welches sie sich gleich selbst zubereiteten. Der Eine machte ein Loch in die Erde; Andere holten Steine und Holz zur Feuerung herbei. Derjenige, welchen die Wahl getroffen hatte, ergriff das Schaf, schnitt ihm die Kehle durch und hing es mit den zusammengebundenen Vorderbeinen an einen Balkenpflock auf. Die Eingeweide wurden nicht herausgenommen, sondern der Kurde nahm einen Mund voll Wasser, hielt die Lippen an ...... des Thieres und blies das Wasser hinein. Er fuhr in dieser possierlichen Beschäftigung so lange fort, bis die Eingeweide vollständig aufgebläht und nach oben hinaus ausgespült waren.“

 

Sechstes Kapitel – Bären- und Menschenjagd

Schon wieder fällt Kara Ben Nemsi ungewöhnlicherweise vom Pferd, „Das war in zwei Tagen zum zweiten Male; aber ich fiel jetzt nicht so glücklich, wie gestern.“

Man glaubt ihm nicht, daß er ein Christ sei, „Du bist ein Hadschi; Du hattest den Kuran am Halse hängen; Du trägst die Kleidung eines Moslem; Du willst uns betrügen“. Diese Hinweise auf das Tragen des Korans am Hals, die in bearbeiteten Ausgaben gestrichen wurden, sind ja sehr wesentlich; Karl May deutet, ursprünglich in einer katholischen Zeitschrift, an daß seine Religiosität letzten Endes eher überkonfessionell ist ... Das ist ja immer wieder auch aus anderen Stellen herauszulesen. Aber einige sehen das nicht oder wollen es nicht sehen.

Man gerät in Gefangenschaft, Lindsay zeigt sich einsilbig („Yes!“), „Er brauchte nicht mehr zu sagen, als dieses eine Wort, denn in dem Tone desselben lag eine ganze Welt voll Ausrufezeichen.“

Um zu zeigen, daß er ein Christ sei, soll Kara Ben Nemsi das Vaterunser auf Kurdisch vortragen, „Ich gab mir Mühe, die Aufgabe zu lösen. Er fiel zwar einige Male verbessernd ein, weil ich die Worte 'Versuchung' und 'Ewigkeit' nicht kannte“ ... Auch hier ist mit Sicherheit wieder allerhand mehr gemeint, als direkt ausgesprochen wird.

Kara Ben Nemsi macht sich des öfteren allerhand Gedanken, z.B. auch über den Zustand von Bevölkerungen, „Das Abenteuer hatte seit dem Augenblick unserer Gefangennehmung einen beinahe komischen Verlauf genommen; es bildete einen sehr überzeugenden Beleg dazu, daß die Tyrannei imstande ist, ein Volk zu entnerven. Was wären wir Zwei gegen diese Übermacht gewesen, wenn die Nestorianer noch einiges Mark besessen hätten!“ Einige Seiten vorher hatte es schon an einer Stelle geheißen „Sie gehörten alle einer Bevölkerungsklasse an, der durch die Gewalt ihrer Unterdrücker eine lange Zeit die Waffen aus der Hand gerungen gewesen waren, und verstanden darum den Werth derselben in den Händen eines entschlossenen Mannes kaum zu schätzen.“

Wiederholt geraten die Protagonisten in Gefangenschaft, und man sitzt sozusagen zwischen den Stühlen, mal hat man es mit diesen Parteien zu tun, mal mit jenen.

Und dann folgt die seit Jugendtagen im Gedächtnis haften gebliebene, deckelbildträchtige Szene mit dem Pferd über dem Abgrund,

„Es war wohl besser, Alles auf einen Augenblick zu setzen, als uns noch Stunden lang zu quälen. Ich drängte den Rappen hart an den Felsen hinan, damit er rückwärts die Platte überblicken könne. - Dann - gnädiger Gott, hilf! - gab ich dem Thiere die Schenkel, zog es empor und riß es herum.

Einen Augenblick schwebten seine Vorderhufe über der Tiefe, dann faßten sie festen Fuß; die gefährliche Wendung war geglückt. Aber das Thier zitterte am ganzen Leib, und es dauerte einige Zeit, ehe ich es ohne Besorgniß weitergehen lassen konnte.“

In Sachen Hunde- und Menschenleben hat der Erzähler so seine eigenen Ansichten, „Mein Hund sollte getödtet werden, damit er nicht mehr im Stande sei, uns zu schützen. Er hat für mich einen größeren Werth als das Leben von hundert Chaldani. Wer ihm ein Haar krümmt, oder wer nur einen Zipfel unseres Gewandes beschädigt, der wird von uns behandelt, wie der Vorsichtige einen Kutschiki-har [ Toller Hund] behandelt, den man, um sich zu retten, tödten muß.“

„Dieser Mann war mir nicht mehr gefährlich. Und auch den Mienen der Anderen sah man es an, daß unser Verhalten nicht ohne tiefen Eindruck geblieben sei. Dem Muthigen gehört die Welt, und Kurdistan gehört ja auch zu derselben.“

Dialog mit einer alten Freundin Marah Durimehs, „Kennst Du auch solche Menschen, welche das Licht der Sonne mitzubringen scheinen? Wohin sie nur immer kommen, da wird es warm und hell. Gott hat ihnen die größte Gnade gegeben: ein freundliches Herz und ein fröhliches Angesicht.“ – „Auch Solche kenne ich; aber es gibt ihrer wenig.“ – „Du hast Recht; aber Du selbst gehörst zu ihnen.“

Die alte Dame berichtet eindringlich von Christenverfolgungen; auf ihre Frage „Soll ich Dir noch mehr erzählen, Chodih?“ heißt es „Halte ein!“ und „wehrte ich schaudernd ab.“

Er schlägt den 'Riesen' Nedschir-Bej nieder, worauf der Melek den hübschen Satz „Herr, Du bereitest Deinen Feinden Ärger und Deinen Freunden Sorge“ äußert ...

 

Siebentes Kapitel – Der Geist der Höhle

Mohammed Emin erhält persönliche Ratschläge in Sachen selbstbewußtes Auftreten & Handeln, „Wenn er mich beleidigt, schlage ich ihm in's Gesicht; das ist das ganze Geheimniß der Scheu, welche sie vor mir haben. Und das merke Dir, Mohammed Emin: - nicht die Faust allein thut es, sondern wer einen guten, fruchtbaren Hieb austheilen will, bei dem muß zugleich auch der Blick des Auges und der Ton der Stimme ein Schlag sein, welcher den Gegner niederstreckt.“ Ob der reale Ratgeber diesem Idealbild seiner Ratschläge indes auch entsprach, darf man bezweifeln ...

"Sage noch ein einziges Wort, welches mir nicht gefällt, so kehre ich zum Bey zurück, nehme Dich aber vor mich auf das Pferd und lasse Dir in Lizan die Fußsohlen peitschen!" - "Herr, Du wolltest in Frieden mit mir reden!" - "So halte Du selbst diesen Frieden, Mensch! Zwei Emire wie Mohammed Emin und ich lassen sich von tausend Männern nicht beleidigen. Mit unseren Waffen brauchen wir Dein ganzes Land Chal nicht zu fürchten." Es ist wirklich ein wenig arg mit der Großmannssucht ...

Dann aber auch wieder diplomatische Zurückhaltung, "Es wäre hier die größte Unvorsichtigkeit gewesen, theologische Streitfragen aufzugreifen; darum antwortete ich einfach", nämlich: "Also Ihr habt sie wegen ihres Glaubens getödtet! Ihr gebt zu, daß Ihr sie getödtet habt, Hunderte und Tausende?"

"Ich mußte eine Antwort geben, und ich gestehe offen, daß ich mich schämte, den Namen eines Weibes nennen zu müssen." Jenun ... Da es sich aber um Marah Durimeh handelt, erweisen sich des Erzählers für Feministinnen wenig erfreuliche Bedenken als unnötig.

Erneute Gefangenschaft.

Und dann eine der reizvollsten Passagen des Gesamtwerkes, von da an bis zum Ende des Bandes ist der Erzähler, dessen Strahlkraft zwischendrin in den Kapiteln Fünf und Sechs abfiel, wieder voll auf der Höhe.

Madana, die Petersilie. "Wie die Alte zu diesem würzigen Namen gekommen war, weiß ich nicht; aber als sie jetzt ganz nahe vor mir stand, duftete sie nicht nur nach Petersilie, sondern es entströmte ihr eine Atmosphäre, welche aus den Gerüchen von Knoblauch, faulen Fischen, todten Ratten, Seifenwasser und verbranntem Hering zusammengesetzt zu sein schien. Hätte mich die Fessel nicht an dem Pferde festgehalten, so wäre ich einige Schritte zurückgewichen. Gekleidet war diese schöne Bewohnerin des Zabthales in einen kurzen Rock, den man bei uns wohl kaum als Scheuerlappen hätte benutzen mögen; der Rand desselben reichte nur wenig bis über die Kniee herab und ließ ein Paar gespenstische Gehwerkzeuge sehen, deren Aussehen vermuthen ließ, daß sie bereits seit langen Jahren nicht mehr gewaschen worden seien."

In der Hütte "erblickte ich neben einem gefüllten Wassernapfe einen großen Scherben, der früher wohl einmal zu einem Krug gehört hatte, jetzt aber als Schüssel benutzt wurde und eine Masse enthielt, welche halb aus Tischlerleim und halb aus Regenwürmern oder Blutegeln zu bestehen schien."

"Wo ist das Futter?" - "Hier!" Und dann "Er deutete auf den wackern Scherben, dessen Inhalt mir so verführerisch entgegenlachte." Diese Formulierung kann man seit Jahrzehnten wörtlich 'im Ohr' haben ... Was bei anderen vielleicht zu weinerlicher Klage geraten würde, nimmt Karl May auf die humoristische Schulter. „Ich bin ein stets gern seelenvergnügter, heiterer Gesell“ lasen wir in 'Old Surehand'. Auch bei ihm "Komik und Elend", aber eben unterlegt mit Leichtigkeit, Menschlichkeit und Augenzwinkerei. 

"Sie war ein Weib; warum sollte sie so lange schweigen!"

"Willst Du essen?" frug sie mich. - "Nein." - "Trinken?" - "Nein." und dann "Das Gespräch war zu Ende" ... Wunderbar.

"Das Gespräch war zu Ende, aber die duftende Petersilie kam herbeigekrochen, ließ sich in der unmittelbaren Nähe meiner armen Nase häuslich nieder und nahm dann den von mir verschmähten Scherben auf ihren Schooß. Ich sah, daß sie mit allen fünf Fingern der rechten Hand in das geheimnißvolle Amalgam langte und dann den zahnlosen Mund wie eine schwarzlederne Reisetasche auseinanderklappte - ich schloß die Augen. Eine Zeitlang hörte ich ein mächtiges Geknatsch; sodann vernahm ich jenes sanfte, zärtliche Streichen, welches entsteht, wenn die Zunge als Wischtuch gebraucht wird, und endlich erklang ein langes, zufriedenes Grunzen, welches ganz hörbar aus einer wonnetrunkenen Menschenseele kam. O Petersilie, Du Würze des Lebens, warum duftest Du nicht draußen im Freien!

Nach langer Zeit erst öffnete ich die Augen wieder. Mein Schirm und Schutz saß noch immer vor mir und hielt die Augen forschend auf mich gerichtet. In diesen Augen schimmerte ein wenig Mitleid und viel Neugierde."

"Hast Du ein Weib?" - "Nein." - "Ich bedaure Dich! Dein Leben gleicht einer Schüssel, in der weder Sarmysak (Schnecken) noch Saljanghosch (Knoblauch) ist!"

Die Sache mit dem Höhlengeist und dem Licht kennt der geneigte May-Leser in vergleichbarer Form auch aus "Der Herrgottsengel" von 1878.

In der Höhle befindet sich ein "Bild der heiligen Mutter Gottes"; "Das überraschte mich, da ich wußte, daß die Chaldani lehren, die heilige Maria sei nicht die Mutter Gottes, sondern nur die Mutter des Menschen Jesus. Der geheimnißvolle Ruh 'i kulyan schien sonach ein guter Katholik zu sein." Konzession an den 'Hausschatz' ?

Wieder in der Hütte, Auftritt des Herrn Gemahls der Madana, "Ich war wirklich neugierig, was mir dieser Petersilius zu sagen habe, dessen Kleidern der bereits beschriebene Duft seiner Madana im Superlativ entströmte."

KBN antwortet mehrmals nicht; "Bist Du taub? Ich will Deinen Namen wissen." - "Wieder erfolgte das, was der Musiker tacet nennt."

Wozu auch immer viele Worte machen, "Mit den Händen konnte ich ihn nicht fassen, aber die Beine konnte ich wenigstens so weit bewegen, als nöthig war, ihm meine Ansicht von der Sache ohne alle theoretische Auseinandersetzungen beizubringen; ich zog die zusammengefesselten Kniee empor, stieß sie wieder aus und schnellte mittels dieser Bewegung den Mann vom Erdboden empor, daß er, wie von einer Katapulte geschleudert, an die Mauer flog. Sein Knochengerüst mußte von einer ganz vorzüglichen Dauerhaftigkeit sein; er besah sich zwar zunächst von allen Seiten, meinte aber dann im besten Wohlsein ..." In diesem Kapitel ist unser Erzähler wirklich in Hochform.

Auch Halef findet sich ein; beeindruckt von der Erscheinung Ingdschas, mit der wir eine kurze Romanze des Erzählers erleben, äußert er "Sihdi, wäre ich ein Pascha, so würde ich Madana belohnen und Ingdscha heirathen. Da ich aber kein Pascha bin und schon meine Hanneh habe, so rathe ich Dir: Nimm Du die 'Perle' zur Frau! Sie ist groß und stark - wie Du selbst!"

Kara Ben Nemsi hat einen Holzlöffel geschnitzt, den Ingdscha "erröthend" behalten möchte, "Er ist schöner, als wenn er von Altyn und Gümüsch (Gold und Silber) gemacht worden wäre; denn Du hast ihn gefertigt. Ich bitte Dich, schenke ihn mir, damit ich eine Erinnerung habe, wenn Du uns verlassen hast!"

Noch einmal Halefs Verkuppelungsversuch, "Nimm Du sie, Sihdi! Sie ist schöner als Alle, die ich gesehen habe".

Es "strahlte ihr Angesicht so lieb und gut, daß mich ein aufrichtiges und warmes Bedauern überkam, indem ich an das einförmige, freudenlose Leben dachte, welches ihrer in diesem Lande wartete." - "Hast Du nicht einen Wunsch, den ich Dir erfüllen könnte?" fragt er sie "in Folge dieser freundschaftlichen Aufwallung."

"Emir, ich werde sehr viel an Dich denken. Wirst Du Dich auch zuweilen an uns erinnern?" - "Oft, sehr oft!" - "Scheint der Mond bei Euch auch so wie bei uns?" - "Ganz so." - "Herr, blicke am Abend eines jeden Vollmondes zu ihm empor; dann werden sich da oben unsere Augen treffen!" Begegnet uns das so ähnlich nicht später im Reisetagebuch wieder ?

"Jetzt stockte die Unterhaltung; wir waren in's Elegische gerathen."

Kara Ben Nemsi betätigt sich als Friedensstifter in größerem Stil, "Wenn es heut und morgen nicht gelingt, einen Frieden zu Stande zu bringen, so brechen noch viel schlimmere Zeiten über Euch herein, als zur Zeit von Beder-Khan und Nur-Ullah-Bey. Es ist dann sehr wahrscheinlich, daß die Chaldani mit Weib und Kind vollständig ausgerottet werden."

Und dann geht es mit Ingdscha hinauf zur Höhle,

"Wir gingen eine Strecke weit den Weg zurück, auf welchem ich zur Hütte gebracht worden war; dann stiegen wir rechts aufwärts und verfolgten die Richtung, bis wir die Höhe erklommen hatten. Dieselbe war mit Laubwald bestanden, so daß wir eng neben einander gehen mußten, um uns nicht zu verlieren."

„Indem wir einander gegenseitig stützten, kletterten wir Hand in Hand empor“ ...

„O Ihr Toren, die Ihr den Haß liebt und die Liebe haßt!“ spricht Marah Durimeh.

Verabschiedung von Ingdscha, „Sie hatte meine Hand ergriffen und einen kaum fühlbaren Kuß darauf gehaucht; dann eilte sie wie ein verscheuchtes Reh in das Dunkel der Nacht hinein. Ich stand eine volle Minute lang bewegungslos“ ...

Lindsay ist ob unerwarteten Wiedersehens einigermaßen aus der Fassung, „und die Nase richtete sich auf, wie der Hals eines Gemsbockes, wenn etwas Verdächtiges in den Wind kommt.“

Als Kara Ben Nemsi sich bei Halef für Hilfeleistung bedanken will, bekommt er zu hören „Rede nicht, Sihdi! [...] Was bin ich gegen Dich? Eine schmutzige Ratte, ein häßlicher Igel, ein Hund, der froh ist, wenn ihn Dein Auge mit einem Blick beglückt!“, und für den Melek ist er „ein Liebling Gottes, und auf Deine Stimme müssen wir hören!“

„Es gibt überall gute und böse Leute, unter den Muselmännern und unter den Christen, o Bey; darum soll der Freund nicht mit dem Feinde leiden.“

Dann geht es in größerer Besetzung hoch zum „Geist der Höhle“,

„Es war ein überaus phantastischer Ritt. Unter uns lag das bisher nur von höchstens vier Europäern betretene Thal des Zab im tiefsten, unheimlichen Dunkel. Diesseits, rechts von uns, glänzte die blutrothe Lohe der Fackeln von Lizan zu uns herauf; links, jenseits des Wassers, zeigte ein mattheller Fleck die Stelle an, wo die Kurden lagerten; über uns dunkelte die Bergesmasse, auf deren Höhe der Geist hauste, der selbst mir ein Räthsel war, obgleich er mir erlaubt hatte, ihn zu 'recognosciren'; und was nun uns Sechs selbst betraf, so ritten wir zwischen den gespenstischen Reflexen unserer Kienbrände, bestanden aus einem Araber der Sahara, einem Engländer, einem Kurden, zwei Nasarah und einem Deutschen und hatten einen Gefangenen in der Mitte.

Da bogen wir um eine Felsenkante; das Thal verschwand hinter uns, und vor uns tauchten die weit aus einander stehenden Stämme des Hochwaldes auf, auf dessen weichem Boden wir aufwärts ritten. Das flackernde Licht der beiden Flammen wanderte von Ast zu Ast, von Zweig zu Zweig, von Blatt zu Blatt; neben, vor und hinter uns huschte, schwirrte und flatterte es wie zwischen den Spalten eines Gespensterromanes; der schlafende Wald athmete schwer rauschend, und die Huftritte unserer Pferde in dem tiefen Humusboden klangen wie die fernher tönenden Wirbel eines Trommler-Trauermarsches.“

Als Lindsay hört, er werde die schöne Ingdscha morgen zu Gesicht bekommen, äußert er „Werde beurtheilen, ob sie wirklich interessanter ist, als Fowling-bull. Yes!“ (was an den hübschen Ausspruch ‚Chess is better’ von Exweltmeister Robert Fischer erinnert (nach Verlassen einer Striptease-Bar).)

„Es lag etwas Heiliges, Unberührbares in dieser tiefen Waldesnacht, und von jetzt an gab es keinen andern Laut als nur zuweilen das Schnauben eines unserer Pferde. So kamen wir immer weiter empor“ ...

Und dann sitzt er da oben alleine,

„Meine Gedanken schweiften zurück über Berg und Thal, über Land und Meer zur Heimat. Wie mancher Forscher hätte viel dafür gegeben, hier an meiner Stelle sein zu können! Wie wunderbar hatte mich Gott bis hierher geleitet und beschützt, während ganze, große, wohl ausgerüstete Expeditionen da zu Grunde gegangen und vernichtet worden waren, wo ich die freundlichste Aufnahme gefunden hatte! Woran lag dies? Wie viele Bücher hatte ich über fremde Länder und ihre Völker gelesen und dabei wie viele Vorurtheile in mich aufgenommen! Ich hatte manches Land, manches Volk, manchen Stamm ganz anders - und besser gefunden, als es mir geschildert worden war. Der Gottesfunken ist im Menschen niemals vollständig zu ersticken, und selbst der Wildeste achtet den Fremden, wenn er sich selbst von diesem geachtet sieht. Ausnahmen gibt es überall. Wer Liebe säet, der wird Liebe ernten, bei den Eskimos wie bei den Papuas, bei den Aïnos wie bei den Botokuden.“

„Dürfte ich doch ein Pionnier der Civilisation, des Christenthums sein!“ So recht aus dem tiefsten Herzensgrunde, oder gezielt für den 'Hausschatz' so geschrieben ?

„Wir Honoratioren (ich gebrauche dieses Wort natürlich mit ungeheurem Stolz) saßen im Parterre des Melek vereint“, wie viele werden damals wie heute die unverkennbare Selbstironie dieser Stelle nicht gesehen haben ... über interpretatorische Ansätze kann man ja immer wieder verblüfft sein, und insbesondere in Sachen Subtexte liegt der eine oder andere in Sachen Karl May offenbar wirklich völlig brach. Durchaus auch unter Akademikern in der KMG zu beobachten.

Auftritt Madana in festlicher Gewandung, „Zwischen diesem geheimnißvollen Toilettestück und dem Teppich guckte das Hemd hervor - aber, o süße Petersilie, ist dies Leinen oder Mastrichter Sohlenleder? Gibt es denn im Zab kein Wasser, traute Erretterin eines Emirs aus Germanistan?“

Ingdscha ist auch dabei, „Als sie näher kam und mich erblickte, färbten sich die Wangen ihres bräunlichen Gesichtes dunkler.“

Audienz bei Marah Durimeh, „Sie nahm mich bei der Hand, wie es eine Mutter mit ihrem Kinde thut“.

„Ihre Stimme klang geheimnisvoll (in der ‚Hausschatz’-Fassung: „dumpf und hohl, wie wirklich aus dem Grabe heraus“), aber sie vibrirte doch wie unter der Regung eines lebendigen Herzens, und die Augen, welche auf das Gestirn des Tages gerichtet waren, zeigten einen lichten, feuchten Glanz.“

„Ich habe viel gehört und viel gesehen, [...] Ich sah den Hohen fallen und den Niedern emporsteigen; ich sah den Bösen triumphiren und den Guten zu Schanden werden; ich sah den Glücklichen weinen und den Unglücklichen jubeln. Die Gebeine des Muthigen zitterten vor Angst, und der Zaghafte fühlte den Muth des Löwen in seinen Adern. Ich weinte und lachte mit; ich stieg und sank mit - dann kam die Zeit, in der ich denken lernte.“ Bewußtseinsentwicklung ...

„Da fand ich, daß ein großer Gott das All regiert und daß ein lieber Vater Alle bei der Hand hält, den Reichen und den Armen, den Jubelnden und den Weinenden. Aber Viele sind abgefallen von ihm; sie lachen über ihn. Und noch Andere nennen sich zwar seine Kinder, aber sie sind dennoch die Kinder dessen, der in der Dschehennah wohnt. Darum geht ein großes Leid hin über die Erde und über die Menschen, die sich nicht von Gott strafen lassen wollen. Und doch kann keine zweite Sündfluth kommen, denn Gott würde keinen Noah finden, der der Vater eines besseren Geschlechtes werden kann.“

„Meine Seele zitterte, und mein Herz wollte brechen; das arme Volk erbarmte mich. Ich war reich, sehr reich an irdischen Gütern, und in meinem Herzen lebte der Gott, den sie verworfen hatten. Mein Leben starb, aber dieser Gott starb nicht mit. Er berief mich, seine Dienerin zu sein. Und nun wandere ich von Ort zu Ort, mit dem Stab des Glaubens in der Hand, um zu reden und zu predigen von dem Allmächtigen und Allgütigen, nicht mit Worten, die man verlachen würde, sondern mit Thaten, welche segnend auf Jene fallen, die der Barmherzigkeit des Vaters bedürftig sind.“

Und Kara Ben Nemsi berichtet „Ich konnte nicht anders, ich mußte ihre dürre Knochenhand erfassen und an meine Lippen drücken.“ Er sagt nur „Ich verstehe Dich!“

„Auch Du ringst mit dem Leben, ringst mit den Menschen außer Dir und mit dem Menschen in Dir selbst.“ hat seine Gesprächspartnerin erkannt.

„Du bist ein Emir in Deinem Lande?“ – „Nicht das, was bei Euch ein Emir ist. Bei uns gibt es Emire der Geburt, Emire des Geldes, Emire des Wissens und Emire des Leidens, des Duldens und des Ringens.“ Er selber, so Kara Ben Nemsi, gehöre „Zu den Letzteren“.

„Bist Du reich?“ – „Ich bin arm.“ – „Arm an Gold und Silber, aber nicht arm an andern Gütern; denn Dein Herz teilt Gaben aus, die Andere erfreuen.“

Das Folgende habe er „noch Keinem gesagt“, und in der Heimat sei er „ein unbekannter, einsamer Mann; aber diese Einsamkeit thut meinem Herzen wohl.“

„Mein Sohn, Du bist noch jung. Hat Dir Allah bereits solches Leid bescheert, daß Deine Seele einwärts geht?“ – „Das ist es nicht, sondern es ist das, was Dich noch leben läßt.“

„Wer in der Wüste schmachtet, der lernt den Werth des Tropfens erkennen, der dem Dürstenden das Leben rettet. Und auf wem das Gewicht des Leides und der Sorge lastete, ohne daß eine Hand sich helfend ihm entgegenstreckte, der weiß, wie köstlich die Liebe ist, nach der er sich vergebens sehnte. Und doch ist mein ganzes Herz erfüllt von dem, was ich nicht fand, von jener Liebe, welche den Sohn des Vaters auf die Erde trieb, um ihr die frohe Botschaft zu verkünden, daß alle Menschen Brüder sind und Kinder eines Vaters.“ Auf die Nähe dieser Szene zu Stellen wie „Ich stand innerlich allein, allein, allein, wie stets und allezeit“ („Mein Leben und Streben“) und „so sind in hunderten und aberhunderten von kalten, liebeleeren, qualvollen Nächten alle die Bücher entstanden, in denen ich von nichts als nur von Liebe rede“ (Schriftsatz an das Königliche Landgericht in Berlin) hat schon Claus Roxin hingewiesen.

"Auf diese Weise verkündige ich meinen Glauben" heißt es dann in der 'Hausschatz'-Fassung nach weiteren Ausführungen Kara Ben Nemsis, in der späteren Illustrierten Fehsenfeld-Ausgabe an dieser Stelle "Auf diese Weise verkündige ich meine Religion der echten, wahren Menschlichkeit", was durchaus ein Unterschied ist.

Und nach einer langen Pause hört er die Worte „Herr, ich liebe Dich!“

Am Ende überreicht die alte Frau ein Amulett, das den Erzähler in der Not schützen soll. Daß es - Geld enthält, wird sich erst in Band 3 herausstellen, und ist entweder eine Geschmacklosigkeit, oder enthält tieferen Sinn („willst du unter den Menschen leben, so lerne verehren zuvörderst den Schatten, sodann das Geld“, Adelbert von Chamisso am Ende von „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“, bevor er „Willst du nur dir und deinem besseren Selbst leben, oh, so brauchst du keinen Rat“ folgen lässt).