Der Ehri

 

1. Potomba

Charly schiffbrüchig. (Wenn man so will: Ein Symbol für das Geworfensein in diese unsere Welt, schon in diesem frühen Text …)

Die (hier nur erwähnte) Mutter Grys hieß früher Röse (in einer Dessauer-Geschichte) und wird später (in ‚Old Surehand‘) Thick heißen.

(Fein, daß bei dem „Steifen vor der Nase“ noch ein „Glas“ vorangestellt ist …)

„Die Schiffsdisziplin ist eine außerordentlich exakte, und selbst der ›unbefahrenste‹ Seejunge weiß, daß alle einstimmen müssen, wenn der Kapitän oder der Maat so gnädig ist, zu lachen; nur muß der eine sich leiser und der andere lauter beteiligen, je nach dem Range, den er auf der Schiffsliste einnimmt.“ Das beobachtet man genau so noch heute, auch außerhalb der Schifffahrt.

„Das Menschenleben ist höher anzuschlagen als Geld und Gut.“ Das sahen und sehen einige, u.a. die Mächtigen dieser Welt, zu allen Zeiten anders …

„Charley war stets der Mann, von dem der gute Roberts glaubte, daß er alles verstehen müsse.“ Gesundes Selbstbewußtsein … (indes nur auf dem Papier.)

„Jedenfalls war er nicht aus Berechnung, sondern aus wirklicher Ueberzeugung Christ geworden.“ Im Gegensatz zu vielen anderen.

Und „seit die Europäer zu uns gekommen sind, ist alles anders und böser geworden“.

Der Ehri sieht „an deinem Auge, daß du nichts Böses von mir fordern wirst!“ Immer wieder fällt im Gesamtwerk Karl Mays Affinität zu Augen auf …

„Von ganz anderer Figur als er, war ich einen vollen Kopf höher als er; der Turban mit Schleier, den ich trug, der dichte Vollbart, welcher mir Wangen und Kinn umrahmte, meine Waffen, die aus den Trachten aller Zonen zusammengesetzte abenteuerliche Kleidung, welche sich nach unten in einem Paare riesiger Seemannsstiefeln verlief: das alles mochte wohl den Eindruck machen, als sei ich gewohnt, nur auf meine eigene Kraft zu vertrauen, und sei fremder Hilfe und Unterstützung nicht leicht bedürftig.“ (Wie anders, Karlchen, war Dir’s …)

„Die Germani sind gut; ich habe ihre Schiffe gesehen auf den Inseln von Samoa; was sie verkaufen, ist ehrliche Ware, und was sie sagen, das gilt als ein Schwur. Aber die Yanki sind anders; ihre Zunge ist glatt und untreu, und ihre Waren glänzen und haben den Betrug in sich.“

„Ich habe mit dem gebrechlichen indianischen Rinden-Kanoe den Missouri und Red River, mit dem Haut-Kanoe der Brasilianer den Orinoko und Marannon und mit dem fürchterlichen Katamorin der Ostinder den Indus und Ganges befahren, anderer Fahrzeuge, bei denen das Leben an jedem Ruderschlage hing, gar nicht zu gedenken“ … Auf dem beschaulichenTitisee im Schwarzwald sah das anders aus, wie Paula Fehsenfeld mitteilte …

„Sage diesen Yanki hier, daß ich keinen von ihnen in mein Boot nehmen werde, um ihn nach Papeete zu bringen. Du allein sollst mit Potomba fahren!“ - „Ich habe es ihnen bereits gesagt.“ Der ‚demokratische Entscheidungsfindungsproßess‘ zuvor also verzichtbar …

 

2. Pareyma

Einer Passage aus der früheren, ganz anders gearteten Fassung „Die Rache des Ehri“ hat unser Autor hier die Worte „Man sagt“ vor- und „Das ist ein gewaltiger Vorwurf“ nachgestellt …

„Nicht die Bibel ist schuld, daß der Mensch sterben muß, ebensowenig wie der Koran oder die Wedas der Indier, und ebensowenig vermag es das Christentum, die Auflösung der Nationen zu verhindern.“ Vielleicht ein wenig tröstlich eingedenk aktueller Auflösungserscheinungen …

„Es ist nicht richtig, die heilige Kirche mit denen zu identifizieren, welche sich Christen nennen; die Christenheit zählt ihre größten Feinde in ihrer eigenen Mitte“ …

„Die Zeiten sind anders geworden, und mit ihnen die Menschen; die unendliche, stets wechselnde und doch sich immer gleichbleibende See ist noch dieselbe und schleudert noch heute wie vor Jahrtausenden ihre bald kristallenen, bald dunkel drohenden und mit weißem Gischte gekrönten Wogenmassen gegen die scharfen Dämme.“ Und auch ob die Zeiten und die Menschen wirklich anders geworden sein sollen, darüber ließe sich nachdenken … (Das Karrussel geht immer immer rundherum …)

Turnerstick ist überall, wenn er auch schon mal den Vornamen wechselt …

„Seine Rede bestand in Schmähungen gegen das Christentum, für welche ich ihm am liebsten eine Kugel durch den Kopf gejagt hätte“ … nicht sehr christlich …

„Ein Schauspiel, aber ein grausiges, hatte ich allerdings dabei.  […] wenn der Ehri einen neuen Fisch auswarf, so nahten sich sechs bis acht fürchterliche Rachen dem Stern des Bootes, um sich die Beute streitig zu machen, und es begann ein Kampf, bei dem sich die Haare während des Gedankens sträuben konnten, daß nur eine dünne Schicht Holzes zwischen ihnen und dem Menschen liege.“ So wie eben nur eine dünne Schicht ist zwischen Zivilisation und Barbarei …

Pragmatisches Ende, „Matemba und der Priester stürzten in das Wasser und wurden augenblicklich von den Haien verschlungen.“

„Potomba, du hast den Vater getötet!“, immerhin: „stöhnte sie“, und damit wäre auch das geklärt ...

 

Der Kiang-Lu

Erstes Kapitel - Im »Kuang-ti-miao«

 „China!“ Vgl. den entsprechend stimmungsvollen Beginn von „Die Gum“ in „Orangen und Datteln“ … „werde ich es wagen dürfen, dir zu nahen, und werde ich deinen feindseligen Basiliskenblick mit meinem Barbarenauge ertragen können?“

„Ich bin nicht aus dem Lande der Franka und Ingli, welche mit Schwert und Pulver zu dir kommen, um deinen Kindern das Gift des Opiums aufzuzwingen, deine Städte zu verheeren und deinen Pings zu sagen, daß sie Memmen sind. Ich stamme vielmehr aus dem Lande der Tao-dse [Deutschen], die deine Herrlichkeit bewundern, deine Größe preisen und nichts anderes wünschen, als daß der Glanz deiner Weisheit strahle in Frieden auch über ihrem Haupte! – – –“ Das klang später nach „Pardon wird nicht gegeben“ entsprechend anders …

„Nachdem wir Potomba, den Ehri von Tahiti, seine liebliche Pareyrna, seinen Bruder Potai und den Diener Ombi auf der Samoa-Insel Opolu abgesetzt und den Kapitän Roberts vom ›Poseidon‹ mit seinen Marsgasten da gelandet hatten, waren wir einige Tage da vor Anker geblieben und dann über die Ellice-, Tarawa-, Radack- und Ralick-Gruppe nach den Marianen gegangen, von wo aus wir nach den Bonininsein segelten.“ Stand auch im „Hausschatz“ schon ähnlich.

Breite Exposition über mehrere Seiten. Darin bemerkenswerterweise „Solche Stunden sind unvergeßlich und werfen einen Lichtschein durch das ganze Leben.“

Was es mit den „sehr lüsternen Raben“ auf sich hat, erschließt sich auch im Reprint nicht wirklich …

Der Teifun wird hier mit ie geschrieben und vom Erzähler „halb erschrocken und halb befriedigt“ erwartet. Er läßt sich wie einst Odysseus an den Mast binden …

„Das brüllte und heulte, das rauschte und sprudelte, das gurgelte und schäumte, das gellte und pfiff, das ächzte und stöhnte, das knarrte und prasselte rund um mich her, über mir, unter mir und – in mir“ … Eben. Darum geht’s bei Karl May [und überhaupt …] eigentlich grundsätzlich. Das Außen im Innen.

„Ich hatte mich bisher keinem noch so fürchterlichen Prairiebrande, keinem noch so gefährlichen Thiere der Wildnis, keiner noch so drohenden Naturerscheinung gegenüber hilflos gefühlt; jetzt aber durchbebte mich die ganze Erkenntnis menschlicher Schwäche, die uns zu den Füßen des Allmächtigen in den Staub darniederwirft.“ Man sollte es nie aus dem Bewußtsein verlieren.

Und „es wurde wieder Tag“ …

Turnerstick ist offenbar ganz versessen auf eine „Knüppeljagd“ auf Pinguine oder Seelöwen … Der Erzähler kommentiert das nicht.

Die unfreiwilligen Wortspiele Turnersticks (Purgatus usw.) erschließen sich nur teilweise …

Die „Mock-Turtle“ ist aus dem schönen Bad Zwischenahn bestens bekannt … (und eigentlich nicht wirklich eine „Suppe“.) (Heutzutage übrigens bequem beim Versandhändler bestellbar, auch wenn der Einkauf vor Ort doch irgendwie reizvoller ist …)

„Ich bin Alpenjäger, Sir!“ spricht Charly „stolz“. Wie war das noch mit dem Lappländisch oder auch mit dem den Löwen auch spielen …

Der Henrystutzen kommt auch in Fernost zum Einsatz.

Des Erzählers Name habe „keine Seele“, so sein Gegenüber … und verleiht ihm gleich Titel wie „Großer Glanz, Doktor aus dem Westen“ u.a. …

„Dieser Name war zwar beinahe mehr als hochtrabend, aber was konnte es schaden, wenn ich ihn acceptierte?“

„Der junge Mann hatte nicht jenes nichtssagende und nur schlau blickende Gesicht, welches bei den Chinesen stereotyp zu sein scheint; er besaß vielmehr recht intelligente Züge“ …

„Es giebt drei große Religionen: die unsrige, die eurige und diejenige der Hoeï-hoeï [Moslems]. Sie haben Li-pai-sse [Moscheen] und sagen: »unsere Religion ist die beste«; ihr habt Ting-sin-lo [Kirchen] und sagt: »unser Gott ist der einzige,« und wir haben Pagoden und Tempel und sagen: San-kiao-y-kiao, die drei Religionen sind nur eine.“ Kommt der Sache am nächsten … (Auch wenn der Erzähler [dem Leser gegenüber] anschließend lange bemüht dagegenan palavert.)

„Das war frappant! Fast kam es mir vor, als ob dieser Chinese Komödie mit mir spiele. Ein deutscher ›Weltläufer‹ sollte sich in China um einen akademischen Grad bewerben! Ich ging auf den Spaß sofort ein“.

In Sachen Humor gehen die Ansichten und Empfindungen auseinander. Schreiber dieses vermag auch nach Dutzenden Malen Lesens über Turnersticks Chinesisch zu lachen … Es ist halt die Situationskomik, nicht der platte Witz.

„Ich aber will offen und ehrlich gestehen, daß ich mich bemüht hatte, mir die ungereimtesten Dinge zu ersinnen und sie in ein Gewand zu kleiden, welches gar nicht bombastischer gedacht werden konnte.“ Der Autor über sich selbst …

„Gratuliere, Charley, gratuliere! Von dieser Länge hat ihn nicht einmal ein preußischer Grenadier gehabt.“ Den Zopf nämlich.

„Die Korruption hat in China nichts verschont und auch die Examina, die Examinatoren und – die Kandidaten ergriffen.“ Zeitlos und geographisch nicht zuordbar. China ist überall. „ das Geld ist mächtiger als alle Verbote und Vorkehrungen“ …

„Sogar Abwesende können das Examen, welches in diesem Falle ein schriftliches ist, bestehen, wenn sie gehöriges Geld oder nachhaltige Protektion besitzen; sie schicken eine Dissertation ein, deren Thema sie sogar selbst wählen dürfen.

Vielleicht hatte Kong-ni seine Würde auch in dieser letzteren Weise erlangt, und warum sollte ganz dasselbe nicht auch mir möglich sein?“

„Wir spazierten miteinander durch die Straßen der chinesischen Stadt. Sie waren meist schmutzig, stinkend und kloakenhaft. Wir fanden enge, dunkle Gassen und Gäßchen, in denen sich eine nicht sehr appetitlich aussehende Bevölkerung hin und her drängte“.

„Phu-sa nennen die Chinesen den berühmten buddhistischen Patriarchen Bodhisatwa“ ? (Der „Bodhisatwa“ ist kein Eigenname …)

„Der Bonze war – eben ein Bonze, und damit ist alles gesagt.“ Klischees haben halt die Eigenart, gelegentlich durchaus zuzutreffen …

Der Erzähler musiziert in großem Stil auf ihm vorher fremden Instrumenten, auch ein Fandango ist dabei. Worauf ihn der Bonze anstarrt „wie einer, der vollständig aus dem Sattel geworfen ist“. Turnerstick singt den Yankee-doodle, mit einer Stimme, „welche allerdings die Masten erkrachen machen konnte“.

Man ist beeindruckt, „Von Tao-dse-kue [Deutschland] aber habe ich gehört, daß seine Bewohner friedfertige Menschen sind und alles wissen und verstehen, wonach man sie nur fragen kann.“

Der beschenkte und entsprechend erfreute Bonze „sprang unter die anwesenden Chinesen hinein“ …

„Ich hatte mich mit der afrikanischen ›Gum‹, mit nordamerikanischen Bushheaders und ähnlichen Leuten herumgeschlagen und war jetzt, sozusagen, neugierig, wie ich diese Drachenmänner finden würde.“ Und man darf gespannt sein was sein Freund und Wohltäter mit ihnen zu tun hat.

Eine Frau wurde entführt, „weil diese Barbaren so dumm sind, daß sie glauben, ein Weib habe auch eine Seele. Sie lieben ihre Frauen geradeso wie sich selbst und bezahlen gern ein hohes Lösegeld“.

„Es schien, als ob die Drachenmänner gar in den öffentlichen Tempeln ihre Geschäftsbüros auszuschlagen gewohnt seien, eine Tatsache, die allerdings nur in dem Reiche der Mitte denkbar sein kann.“ Bei dieser Formulierung merkt der vielzitierte geneigte Leser, daß eben gerade das Gegenteil gemeint ist … Sehr Heimatliches, im exotischen Gewand.

„Es schien wahrhaftig mein ›Kismet‹ zu sein, auf allen meinen Reisen mit Personen in Berührung zu kommen, die ihrer Freiheit beraubt worden waren.“ Vielleicht um das Trauma der eigenen Freiheitsberaubtheit so aufzuarbeiten ?

„Sie alle gaben sich übrigens die Mühe, eine wenigstens ebenso abschreckende Miene zustande zu bringen wie der Stallmeister ihres dicken Kriegsgötzen. Ich verspürte aber nicht die mindeste Empfänglichkeit, mich ins Bockshorn jagen zu lassen; die Männer machten vielmehr infolge ihrer antediluvianischen Bewaffnung, ihrer langen Zöpfe, ihrer schiefen Augen, ihrer Stumpfnäschen und ihrer schlafrockähnlichen Bekleidung einen grade entgegengesetzten Eindruck, und es war mir ungefähr zumute, als sei ich auf einer Dilettantenbühne als gefangener Heldenspieler unter Räuberstatisten getreten.“ So vermittelt es sich immer wieder … z.B. gleich am Anfang des Orientzyklus beim Wekil … Wahrlich, allerhand in dieser Welt läßt sich nicht wirklich ernstnehmen.

„Der Chinese […] läßt sich aber durch Energie und Charakter sofort einschüchtern“; nicht nur der Chinese.

„Das war ja mein eigener Jagdhieb, der mir zu dem Beinamen ›Old Shatterhand‹ verholfen hatte!“ Immer mal wieder zweifelt einer an der Identität des Erzählers mit Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Auch wenn man wie hier mit der Nase draufgestoßen wird ...

Charly „hatte auf den ersten Blick gesehen, daß wir es mit einer Niederländerin zu tun hatten. Dieses breite, kräftig gerötete Gesicht, diese mehr als volle Gestalt, das schlichtblonde Haar, die blauen Augen, die großen Hände und Füße“ …

Mit einem „Stinktataren“ wird unzimperlich umgegangen, „Ich faßte ihn bei der Kehle und am Oberschenkel, hob ihn empor und warf ihn gegen die Mauer, daß er sicher nun unschädlich war.“

Die fesche Niederländerin rettet unseren Freund vorm Erstochenwerden.

Der Hinterkopf hat etwas abbekommen, „Das Wasser stand bis an den Rand des Kanales; ich grub mit dem Messer eine kleine Vertiefung, welche sich sofort mit Wasser füllte, und legte, mich auf dem Rücken ausstreckend, den Hinterkopf hinein.“

Worauf Turnerstick „Was der Kerl praktisch ist! Auf diese Weise braucht er weder Umschläge noch einen Krankenwärter“ äußert.

Die Niederländerin „streckte sich aus, und bald bewies ein kräftiges Schnarchen, daß es unserer Gefährtin gar nicht schwerfalle, hier im Freien, wo allerdings eine sehr milde Luft herrschte, ein gemütliches ›Slapje‹ zu halten.“

„Ueber mir aber leuchteten die Sterne des Reiches der Mitte. Ich blickte zu ihnen empor lange, lange Zeit, und ein wunderbarer Frieden senkte sich in mein Inneres bei dem Gedanken, daß ein allgütiger und allmächtiger Vater über uns wacht, auf welchem Punkt der Erde wir uns auch befinden mögen. Mein ganzes Denken und Fühlen floß da in einem stummen Gebet zusammen, bis mir die Augen schwer wurden.“ Eine nachvollziehbare Erfahrung, bzw. eine, die der eine oder andere selber schon gemacht hat.

 

Zweites Kapitel - »Im Lung-keu-siang«

Hier wird nun von „Hoboken bei Mutter Thick“ gesprochen, im „Ehri“ war es noch ein anderer Name (siehe dort).

Dann „kam eine holländische Pinasse herbei, welche stromabwärts segelte. Das traf sehr glücklich“, denn die gerettete Niederländerin wird für die weitere Handlung offenbar nicht mehr benötigt … Schade eigentlich.

Prügelstrafe im Tempel, „Haltet ihn, und schlagt zu zweien, je fünf gute Hiebe auf seinen Rücken!“.

"Dieses kleine Intermezzo war allerdings sehr nach dem Geschmacke der kräftigen Matrosen."

In Sachen Strafverfolgung resigniert der Erzähler aufgrund der Umstände, bzw. gibt sich  pragmatisch, „in keinem Staate ist der Demokratismus in dieser Weise so ausgebildet wie hier. Sozialdemokraten gab es in China schon vor vielen Jahrhunderten, […] Das korrumpierte Beamtentum regiert das Land“.

„Ich stand inmitten dieser Rotte Korah, Dathan und Abiram und ließ die Brandung geduldig über mich ergehen; die Flut mußte sich ja legen, sobald die Leute merkten, daß wir nichts von ihnen wissen wollten.“ Nachahmenswert.

Daß, so eine Fußnote, „überhaupt das Wort China nur Tschina“ ausgesprochen werde, wäre neu …

Pragmatismus, „Was geht uns China an? Warum sollen grad wir beide unser Leben riskieren, um eine Bande von Räubern zu vernichten, welche den guten Chinesen ganz willkommen zu sein scheint? […] Und wenden wir uns an einen Mandarinen, so müssen wir gewärtig sein, daß er auch zu den Lung-yin gehört und uns danach behandelt.“

In Sachen einer Fehlinformation: „Habe aber doch davon gelesen!“ - „Glaube es! Aber schwarz auf weiß ist auch nicht immer wahr.“ In der Tat …

„Ist das Fleisch eines jungen Hundes nicht ebenso appetitlich wie das einer jungen Ziege oder eines Kaninchens? Und wenn die Chinesen Haifischflossen essen, so ist dies nicht so widerwärtig wie zum Beispiel unser Käse, der eigentlich doch nur aus in Fäulnis übergegangener Milch besteht. Denkt an unsere Austern und Weinbergsschnecken, an das beliebte Kalbsgekröse, an die ›sauern Flecke‹, an Froschschenkel und vieles andere, so werdet Ihr sicher zu der Ansicht kommen, daß der Chinese nichts Schlimmeres verspeist als wir.“ Womit er auch wieder Recht hat …

Turnerstick reagiert auf ungewohnte Essgewohnheiten nahcvollziehbar, „Wer kann denn mit diesen zwei Filetnadeln etwas Gescheites zum Munde bringen! Ich fische in der Brühe herum wie ein Storch, der keine Frösche findet“ …

Der Oberkellner „nahm den Speisezettel zur Hand und wandte sich gegen die übrigen Gäste. Nachdem er unsere Namen nochmals genannt hatte, verlas er alles, was wir genossen hatten, gab die Bezahlung an und veröffentlichte auch die Trinkgelder“, für einen Öffentlichkeitsscheuen eine entsetzliche Vorstellung …

Nebenbei erfahren wir „Es sind einige Male von gewissenlosen, spekulativen Amerikanern Chinesen unter der Vorspiegelung, daß sie zu Bahnbauten oder Farmarbeiten benutzt werden sollten, über das Meer gelockt und nach den verrufenen Guanoinseln geschafft worden, wo sie nach wenigen Monaten elend hinsterben mußten“.

Man legt sich mit der Obrigkeit an, diese erweist sich als bestechlich, „Der Tscha-juan ist zwar ein mächtiger Mann, aber er liebt die Gerechtigkeit und das Silber. Ihr seid sehr höfliche Leute und werdet euren Prozeß gewinnen.“

Der Erzähler bezeichnet sich als „sehr arm“.

Strenge Bestrafung der Gegner. Reichhaltiges Mahl.

Der Gastgeber erweist sich als „ein sehr wohlunterrichteter und wißbegieriger Mann […]. Ich mußte ihm von meinen Reisen erzählen; er war in der Länder- und Völkerkunde bewanderter, als man von Chinesen gewöhnlich anzunehmen pflegt“.

Der Mann eröffnet unserem Autor ganz neue Perspektiven, „Dann wirst du mächtig sein und brauchst nicht in dein Land zurückzukehren, wo du Bücher schreiben mußt, wenn du nicht hungern willst.“

„Alles, was man tun kann, ist erlaubt.“ In der Tat „ein höchst eigentümlicher Grundsatz“.

„Ich sollte als Mandarin fünfter und Turnerstick als ein solcher neunter Klasse gelten.“

„Ich war ein Mandarin mit dem Kristallknopfe und wollte standesgemäß empfangen sein.“

„Gleich hinter mir trat Turnerstick ein. Beinahe hätte ich laut aufgelacht. Er hatte den langen Zopf ganz auf der Seite und den Regenschirm unter dem Arme. Den Fächer aber hatte er ausgebreitet und handhabte ihn während der Verbeugung mit einer Kraft, als wollte er mit demselben einen Stier erschlagen.“

Überlange Hymne auf einen Garten.

„Ich öffnete ein Fenster, welches im Dunkeln lag, und stieg hinaus. Ich hatte den Kapitän nicht mitnehmen können, denn er war für dergleichen Affären zu ungeübt.“

Charly soll verkuppelt werden … Sein Wohltäter hat das eingefädelt, „Ich kann ihm nicht ernstlich bös sein, trotzdem er ein klein wenig Verrat mit mir gespielt hat“.

„Wer wilde Mustangs durch den einfachen Schenkeldruck gefügig gemacht hat, der reitet recht gut mit einem Mongolen um die Wette.“ Das Ego scheint noch intakt …

Zureiten. Immer wieder gern.

Dann „wieder einmal gefangen!“

Der Todessturz des Kiang-Lu macht Turnerstick mehr zu schaffen als dem Erzähler.

Auf die Frage der Frau nach ihrem Mann entgegnet der Erzähler interessanterweise „Er ist nicht hier; er ist auch nicht daheim; er ist weit fort, und du wirst ihn sehr lange Zeit nicht wiedersehen“.

Am Ende rettet man sich in für Karl May ganz untypischerweise durch Flucht …

„Aber was nun? Machen wir Anzeige?“ – „Das beste ist, wir erkundigen uns beim Konsul und richten uns ganz nach dem, was er uns rät.“ Sang- und klanglos …

 

Der Brodnik

Erstes Kapitel - Gefährliche Bekanntschaften

Weltanschauliches zu Beginn, über den oder das, „ohne dessen Willen kein Sonnenstäubchen fliegt, kein Blättchen fällt und kein Haar unsers Hauptes verloren geht“.

Es gelangt „eine Gerechtigkeit zur Offenbarung, in deren Tiefen unsere schwache Erkenntnis nicht zu dringen vermag.“ Wobei das Wort „Gerechtigkeit“ eher menschlichen Ursprungs ist … Etwas wie „Sinn“ oder „Zusammenhang“ wäre vielleicht passender.

Im Ruhrgebiet. Selten bei May. Reizvoll.

Flirt. In der sprachlichen Gestatltung der Konversation nicht eben locker … „Dieses Gefühl zu hegen, ist sicherlich jedermann erlaubt, dasselbe aber durch Worte auszudrücken, kann unter Umständen kühn genannt werden.“

„Allerdings nur eine ›Künstlerin‹ konnte sich in so selbständiger, beinahe emanzipierter Weise einem fremden, ihr vollständig unbekannten Herrn beigesellen.“ Hm …

„Bald voll tiefen, warmen Gefühles, bald naiv kokett, bald voll liebenswürdigen Humors, dann gleich ein wenig sentimental, duldete sie während des Gespräches nicht die kleinste Pause, und ich beobachtete an ihr eine wahrhafte Virtuosität in jenem innigen, gemütvollen und eigentümlich verständnisreichen Augenaufschlage, welcher, selbst wo nichts vorhanden ist, einen Schatz echter, reiner Weiblichkeit, ein tiefes Wissen und die Fähigkeit der Anschmiegung, der Accommodation, erraten läßt und wohl manchen ernsten Mann bethört und ihm bittere Täuschung bereitet hat.“

„Wollen wir zur Stadt gehen und ein wenig musizieren?“ Klingt irgendwie apart …

Kümmelblätteln. Vergleichbar zeitgenössischem Hütchenspiel. „Ich aber wußte sofort, woran ich war“.

„Erst später ist mir der Gedanke gekommen, daß der Wirt mit den Entflohenen im Einvernehmen gestanden hat“, Sicherheit ist nirgends, Täuschung weit verbreitet.

Eigenartig kurze knappe Episode in Dresden.

 

Zweites Kapitel - Nach Sibirien

Wiedersehen mit der „Kümmelblatt-Amazone“.

„Brodnik“ heißt „Landstreicher“, wie wir nebenbei per Fußnote erfahren.

Ansonsten nichts Erwähnenswertes im Kapitel. Außer daß es trotz dessen Titels nicht nach Sibirien geht. Es wird nur am Ende erwähnt daß der Brodnik mit seiner gefährtin dorthin verbannt wird.

 

Drittes Kapitel - »Om, mani padme hum!«

Reminiszenz an den „Kiang-Lu“.

"Das war allerdings ein echt mongolischer Schluß. Die Lamas sind gelehrt, weil jeder von ihnen einige Bücher abgeschrieben hat, und ich mußte tapfer sein, weil ich einige Waffen bei mir trug.“ So undifferenziert schließen sie bis heut‘, die Leut‘, durchaus auch außerhalb der Mongolei … (und so hat’s der Autor freilich auch gemeint, seine Erzählungen spielen ja eigentlich alle letzten Endes in der Heimat …)

„Ich hatte bereits in meinen Knabenjahren von dem ›Wunderwerke‹ der chinesischen Mauer Schilderungen gelesen; ich sah mich aber leider enttäuscht, als wir sie am andern Tage erreichten, denn was ich von ihr erblickte, war nur ein wüster Schutthaufen, von welchem aus einzelne Steinbrocken nach hier und dort in die Ferne verliefen. Ich lernte sie gerade an einer Stelle kennen, wo sie aufgehört hat, als Mauer zu existieren.“ Und auch das ist übertragbar … Denken wir z.B. an Kunst und Kultur des Abendlandes …

Praktische Papiermühlen, „Ihr Besitzer braucht nie selbst zu beten und kann sie sogar zu Gunsten eines anderen beten lassen.“

„Ich gelangte zu der Ueberzeugung, daß die heilige Mission bei den einfachen, arglosen Mongolen ein viel fruchtbareres Feld finden würde, als bei den arglistigen impassablen Chinesen.“ Auch später im „Girl-Robber“ werden wir noch die eine oder andere Unfreundlichkeit in Richtung der Chinesen lesen …

Der Erzähler macht Eindruck bzw. öffnet Herzen, „Ich erzählte weiter und weiter; die Sterne stiegen höher und höher; das Feuer verlöschte, es wurde kalt, endlich graute der Morgen. Da erhob sich der Schabi, indem er sagte“, nämlich „Du sprichst die Sprache der Ta-dze nicht gut, aber deinem Munde ist die Rede gegeben, wie dem Bache das Wasser, und deine Religion ist so hoch wie die Sterne da oben und so tief wie die Sterne, wenn sie gesunken sind. Ich habe den Schlaf versäumt, aber ich habe den Herrn des Himmels und der Erde kennen gelernt.“

„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm!“

„Ich wußte, daß ein Funken in sein Herz gefallen sei, welcher zur hellen Flamme werden konnte.“

„Dieses fromme Suchen nach dem rechten Gott auf falschem Wege hatte für mich etwas tief Ergreifendes; ich hätte am liebsten gleich Missionar sein mögen“ … Dabei verkennt er das in der Tat weise und tiefe 'Om mani padme hum' völlig.

„Er hatte Gott gespottet und sich zum Om, mani padme hum bekannt.“ Solche penetrant ärgerlichen Sätze finden sich auch in den Marienkalendererzählungen. Und gleich noch einer, „er ging vom Kreuze zur Padma und von der Padma in den Tod“.

„Es giebt eine Gerechtigkeit, die über alles menschliche Wollen und Können erhaben ist!“ Ja, aber hier im Kontext ist der Satz völlig fehl am Platze.

 

Der Girl-Robber

Erstes Kapitel - Eine Menschenjagd

„Neben mir lehnte Sir John Raffley. Er bemerkte von alledem, was ich sah, nicht das Geringste.“ Das hat man häufiger …

„Er hatte den Spleen in der Weise, daß seine lange, knochige Gestalt nur in seltenen Augenblicken einen kleinen Anflug von Genießbarkeit zeigte, besaß aber doch ein gutes Herz, welches immer bereit war, die großen und kleinen Seltsamkeiten, in denen er sich zu gefallen pflegte, wieder auszugleichen.“ Auch das …

„Meine Leser werden sich erinnern, daß ich noch andere Inglishmen kennen gelernt habe, welche ebenso wie er an dieser Wettsucht litten.“ Als da wären ?

„Wir hatten uns nach und nach auch geistig zusammengefunden“, das nun hat man indes seltener …

Die „Chair-and-umbrella-pipe” ist später in die zweifelhafte Verfilmung eines ganz anderen May-Textes eingegangen …

„Ich glaube, es wird einer in das Wasser geworfen!“ – „Einer? Was für einer? Ein Hund? Ein Pferd? Ein Mensch?“ – „Ein Mensch, Sir John!“-„Well! So laßt ihn ruhig ersaufen, Charley!“

„Ein Chinese nur? Das ist gut!“ …

„Die Liebe ist die ärgste Monomanie, welche ich kenne, und hat schon Millionen um den Verstand gebracht. Aber ich hoffe, daß dich das Bad abgekühlt hat.“

Charly und Raffley sind „Maharadscha vom Sonnenuntergang“, wie angeblich auf der Speisekarte geschrieben steht …

Umgangsformen … „Sir John ließ durch eine ihm bei guter Laune eigentümliche Bewegung der Gesichtsmuskeln den Klemmer auf die Nasenspitze avancieren, erhob den Schirm und zog mit demselben dem ihm zunächst Stehenden einen Hieb über das Gesicht, daß er weit zurücktaumelte.“

„Er hat bloß einen nichtswürdigen Chinesen getötet.“

 

Zweites Kapitel – Eine Elefantenjagd

„Auch ein chinesisches Gesicht findet man hier oder da, doch verschwindet es schnell wieder, nachdem der Besitzer desselben die nicht oft lobenswerte Absicht erreicht hat, welche ihn zu den ›Leuten mit graden Nasen‹ herüberführte.“ (Es klingt nicht nach ‚Welcome‘ …)

„Der Chinese ist nämlich in jenen Strichen nicht sehr beliebt. Er verdient vollständig, der Jude des Ostens genannt zu werden. Den kleinsten Gewinn nicht verschmähend, opfert er einem größeren Vorteile alles, was er zu opfern hat, findet sich zu Lande leicht in jede Lage und scheut auch die Wogen der See nicht, wenn es gilt, einen verhältnismäßigen Nutzen zu ziehen. Dann ist er ebenso schlau wie kühn, ebenso energisch wie gewissenlos, und es gehört ein tüchtiger Gegner dazu, ihm durch List oder Gewalt den Weg zu verlegen.“ Lesen wir so im grünen Band nicht.

„Der Gecko ist für den Neuling eine überraschende und anfangs sogar unheimliche Erscheinung. Diese kleine, niedliche Eidechse kommt in jeder Wohnung zahlreich vor“ … Schreiber dieses sieht von Fernreisen eh ab, und das ist auch gut so.

„Nach echt indischer Sitte stand vor dem Hause ein ganzes Hundert von Kulis, Läufern, Dienern, Köchen und anderen Begleitern, die Läufer zu Fuß, die andern zu Pferd oder zu Wagen, so daß jeder uns Begegnende die Ueberzeugung erhalten mußte, er habe die Ehre, sehr hochgestellten Herrschaften auszuweichen.“ Karlchen auf großem Fuß.

„Es erscheint hier alles neu und wunderbar.“

„Die Sonne spendet nicht nur Helle, sondern sie färbt zugleich jeden Gegenstand und umgiebt ihn mit einem leichten Dufte, welcher, ohne der Durchsichtigkeit der Luft zu schaden, die Töne harmonischer macht, die Wirkungen des grellen, intensiven Strahles mildert und über die ganze Natur eine Ruhe verbreitet, welche auch in unsere Seele einzieht.“

„Kein anderer kann die Scenerie von Ceylon besser würdigen, als der Jäger. Die Verfolgung des wilden Elefanten oder Bären bringt ihn in Situationen, deren unübertrefflich scenische Schönheit nicht leicht einem andern vor das Auge gerückt wird, außer vielleicht einem Soldaten im Kampfe gegen aufständische Eingeborene.“ May zum Friedensapostel hochstilisieren kann nur, wer solche Stellen verdrängt, oder vielleicht nicht kennt …

„und es war mir alles wie ein Traum“ …

„Die Wohnung des obersten Distriktsbeamten nimmt jetzt die Stelle des vormaligen Palastes ein, und der Boden ist mit Bruchstücken von Säulen und Trümmern aller Art, den Ueberresten des königlichen Baues, übersät.“ Klingt wieder nach Symbol …

„Der Reiz des Ortes beruht auf der ungewöhnlichen Schönheit seiner Lage.“

Zur Elefantenjagd ist allenfalls zu bemerken, daß die Beobachtungen, die der Erzähler dabei macht, vielleicht gleichsam stellvertretend für die sind, die er beim Beobachten der entführten Mädchen hätte machen können … Siehe dazu die ersten Notizen zum Folgekapitel.

 

Drittes Kapitel – Eine Piratenjagd

Eigenartigerweise kehrt der Erzähler inhaltlich nochmals zur Elefantenjagd zurück,

„Einige liegen nach ein paar heftigen Anläufen regungslos am Boden, ohne ein anderes Schmerzenszeichen als das der Thränen“.

„Ich hatte mich darauf vorbereitet, alle diese Vorgänge in Augenschein nehmen zu können, und war daher keineswegs gleichgültig bei der plötzlichen Abreise, zu welcher wir uns durch den geheimnisvollen Raub der Mädchen veranlaßt sahen.“

Charly hat laut Raffley „recht gute Anlagen zu einem Marineoffizier“.

Der Kanonier kann den Ausbruch von Kampfhandlungen kaum erwarten, „was nützt der Staat, der Putz und Plunder, wenn die rechte Arbeit fehlt? Wenn nicht bald eine Gelegenheit kommt, eine Kugel auf den Wogen tanzen zu lassen, so verwende ich für keinen Penny Hammerschlag mehr auf die Harriet; sie mag verrosten!“

„Der Steuermann fixierte das Rad und eilte zu seiner Kanone. Es war wirklich eine Lust, die Andacht und Hingebung zu beobachten, mit welcher er sie gleich einer Braut bediente, deren Lächeln beglückt.“

Das Schiff heißt ‚Swallow‘, wie der „wackere Mustang“ aus ‚Old Firehand‘ …

Man macht kurzen Prozeß, „Einen Augenblick, nachdem sie das Deck betreten hatten, lagen fünf Leichen an Bord.“

Die Frauen sind gerettet, „ihr früheres Verzweiflungsgeheul verwandelte sich daher in ein helles Jubelgeschrei.“ Geheul, Geschrei, Aufhebens halt …

Am Ende beherzigenswerter Rat Raffleys an den Erzähler, „Gebt Euch doch Mühe; es kann ja nicht so sehr schwer sein, so zu werden, wie es sich eigentlich für Euch schickt“ …

 

An der Tigerbrücke

Erstes Kapitel – Quimbo

Reminiszenz an Quimbo, „welcher in ähnlicher Weise wie Hadschi Halef Omar durch verschiedene Länder des Orientes mein Begleiter in Südafrika war“. An „verschiedene“ Länder erinnern wir uns indes nicht.

Quimbo trägt bzw. trug Kuhglocken, „Diese Glocken ließen bei jeder seiner Bewegungen ein Gebimmel hören, welches mir nicht nur lästig wurde, sondern uns beiden gefährlich werden konnte, denn wir hatten uns damals vor Feinden in acht zu nehmen, denen das immerwährende Getöse unsere Annäherung schon von weitem verraten mußte; darum drang ich in ihn, wenn auch nicht die Glocken ganz zu entfernen, so doch wenigstens die Klöppel herauszunehmen, und daß er mir diesen Wunsch, allerdings nach langem und schwerem Kampfe mit sich selbst, erfüllte“; unser Autor hat immer mal wieder einen Hang zum Absurden …

„Sein Gesicht glich weit eher demjenigen eines Vierhänders als dem eines Menschen“, machte einer gar heutzutage noch gelegentlich ganz entsprechende Beobachtungen, dürfte er das nicht mitteilen, es wäre ja „politisch unkorrekt“ ….

„Er mußte aber erfahren, daß auch ein schön, gut tapfer Mensch, selbst wenn er ein Kaffer ist, nicht alles haben kann, was er will“ …

„Als ich Abschied von ihm nahm, stand er weinend, oder vielmehr grinsend, vor mir, als ob er vor Liebe und Herzeleid nicht wisse, wo aus oder ein.“

„Indem ich erzählte, daß wir den ›Haiang-dze‹ nach Piont de Galle brachten und mit den Gefangenen dem Mudellier übergaben, daß wir da den Besuch des Gouverneurs von Kolombo erhielten und dann der Hochzeit Kaladis mit Molama beiwohnten, habe ich, allerdings mit Absicht, eine Episode übergangen, welche jetzt Erwähnung finden soll.“ Ganz so machte es Kandolf in Sachen „Allah il Allah“.

„Ihr steckt voller Mucken und Fehler wie ein Sieb voller Löcher, und doch muß man Euch gut sein, man mag wollen oder nicht.“ So Raffley zum Erzähler.

„Der Mensch kann seinen Geist aufgeben; aber sein Gespenst aufgeben, das kann er nicht.“ In Sachen Geister (und auch sonst …) erweist sich unser Autor mal als todernst, mal albern …

„O, Kara Ben Nemsi, o, Old Shatterhand“, eindeutige Gleichsetzung, zu Zeiten von Fehsenfeld Band 11.

„Kennst du mich nicht mehr? Ich bin das gut', lieb' Deutschland, mit dem du damals bei dem Boer van het Roer gewesen bist.“ Diesen Boer sollte das Fehsenfeldleserpublikum indes erst in Band 23 kennenlernen.

Der Erzähler hat offenbar keinerlei Problem mit dem massenhaften Vollzug der Todesstrafe, „am Abende hingen sie alle nebeneinander an der Raae.“

 

Zweites Kapitel – Ta-ki

„Ta-ki rettet überhaupt keinen Flüchtling, als nur unter der Bedingung, daß er unter die Räuber geht.“ Interessant … (‚Integration‘ besonderer Art …)

Die Dialoge erscheinen auffallenderweise kolportagehaft gestreckt.

Ansonsten nichts Erwähnenswertes in diesem uninspirierten Kapitel.

 

Drittes Kapitel – Ling-tao

Der Erzähler wettet. Erstmals. Und hat das am Ende offenbar vergessen … (Der Bearbeiter des Grünen Bandes hat hier beherzt eingegriffen und eine nette Auflösung verfaßt.)

„Ich gab ihm einen Jagdhieb gegen die Schläfe“, Old Shatterhand in Ostasien.

Padang. Hier geschah später im Leben Karl Mays Ungeklärtes.

Alles hat ein Ende, auch diese fade Geschichte, „Hierauf sind so viele Piraten an den Raaen emporgezogen worden, daß man dort selten mehr über die Unsicherheit der Schiffahrt noch zu klagen hat.“

Diese ‚Tigerbrücke‘ steht auf einer Qualitäts- oder Wertigkeitsskala derTexte Mays wirklich weit unten.