Jahrbücher der Karl May - Gesellschaft

 

1970

Dies war das erste der mittlerweile mehreren Dutzend Jahrbücher der Karl May Gesellschaft, und man merkt es ihm schon im Inhaltsverzeichnis im guten Sinne an: wurden die Beiträge in den letzten, neuesten Jahrbüchern teilweise immer, gelinde gesagt, spezifischer, so bietet das erste Jahrbuch noch ausschließlich Beiträge, in denen es wirklich und sozusagen ganz bodenständig um Karl May und sein Werk geht.

Nicht aber etwa anspruchslos. Der große Hans Wollschläger ist gleich zweimal vertreten, mit „Sieg - großer Sieg“ (über den Wiener Vortrag) sowie mit dem „Hohen Haus“ (über den Silbernen Löwen), Wolf-Dieter Bach vergleicht „Muttergedichte“ Karl Mays mit solchen Hermann Hesses, Ekkehard Koch analysiert Winnetou IV. Und natürlich vieles mehr, die genannten sollen nur Beispiele sein für hohen Anspruch und Interessantheit gleichermaßen.

Ein sehr schönes Buch.

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Im Vorwort findet Claus Roxin schöne Worte für Karl May, "Dieser grundsonderbare, liebenswerte, aber doch auch fragwürdige und beinahe unheimliche Mann" ... (usw.).

"Doch kann dies nur ein allererster Anfang sein. Welch immenses biographisches Material noch der Veröffentlichung harrt, soll die Dokumentation von Hainer Plaul und Klaus Hoffmann zeigen; allein der Bestand ihrer beiden Privatarchive könnte eine Vielzahl von Jahrbüchern füllen" vermittelt Aufbruchstimmung. Nun, das war 1969 / 70. Vierzig Jahre später hat sich die Gesellschaft nicht unbedingt zu ihrem Vorteil entwickelt.

Warum Roxin "zitiert wird aus Gründen der Authentizität stets nach den originalen (also unbearbeiteten) Texten Mays" ausdrücklich anzumerken für nötig hält, erscheint ein wenig sonderbar, vielleicht eine Art diplomatisches Entgegenkommen an jene, die das alles aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht so genau nehmen ...

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Rudolf Beissel berichtet über Karl Mays letzten Prozess in Berlin. Dabei fällt zunächst die Formulierung „die Pharisäer der Bildung dankten ihrem Herrgott, daß sie nicht so waren wie dieser Karl May“ angenehm auf. - Im Zuge der detailliert geschilderten Gerichtsverhandlung kam offenbar auch die (von Lebius behauptete) Geschichte mit der Nichte zur Sprache (oder eben auch nicht zur Sprache, zumindest nicht von beiden Seiten ... die Angelegenheit blieb offenbar ungeklärt im Raum stehen). - Es fielen seitens des Richters die berühmten, wohltuenden Worte „Und ich halte Herr May für einen Dichter“, die Beissel als Schlußwort seines Artikels am Ende noch einmal wiederholen wird, und er schreibt „Er sagte das so betont und ernsthaft, daß nachdenkliches Schweigen im ganzen Raum entstand. Nach all den giftig geifernden Verdächtigungen, mit denen man die Person des alten Mannes da abzuwerten versucht hatte, wirkten diese ehrlichen, ganz sachlichen Worte des erfahrenen Richters, der vornehm und unvoreingenommen seines Amtes waltete, wie ein frischer Wind, der Nebelschwaden vertreibt und die Sicht wieder frei macht.“ – Der Auftritt der Frau Achilles muß wirklich unterhaltsam gewesen sein. – Mays „Ich habe nie einen Einbruch begangen, und nie in einem Uhrenladen!“ ist auch nicht ohne ... – Bemerkenswert die Stelle „worauf May noch einmal betonte, er schreibe nur, was er selber erlebt habe. Seine Werke beruhten auf dem Grund eigener Beobachtungen und Erlebnisse.“ So ist es ja im Grunde auch ... - Rückblickend nennt Beissel das Ganze interessanterweise „meine erste Begegnung mit der gemeinen Wirklichkeit der menschlichen Gemeinschaft“.

Eckehard Bartsch berichtet über Karl Mays Wiener Vortrag, einschließlich der Textfragmente, in denen u.a. hübsch von „geistigen Aviatikern“ die Rede ist. „Das Leben des Einzelnen ist das Menschheitsleben im Kleinen“; „Ich aber bin trotz meiner 70 Jahre noch kein Gewordener sondern noch immer ein erst Werdender“. Ausführlich wird die zeitgenössische Presse zitiert, die sich sehr unterschiedlich äußerte, „Er wird jubelnd begrüßt, und da er sich linkisch, unbeholfen, sichtlich überrascht bedankt, wird der Beifall zehnfach stärker.“ Lebhaft kann man sich das vorstellen. „Alle seine Schriften sind nur symbolisch aufzufassen, sind nichts anderes als - Einleitungen. Jetzt erst, da die Anfangsstadien überwunden sind, will er zu arbeiten beginnen. Man bewundert die Jugendkraft dieses Alten, der seiner siebzig Jahre spottet und mit flammendem Auge von seiner Zukunft spricht.“ (Kleine Österreichische Volkszeitung) Das „Neue Wiener Journal“ spricht von „weitläufigen Darlegungen, deren Zickzackgängen man nur schwer folgen kann.“ „Von einer weitaus unsympathischeren Seite noch zeigte sich Karl May gestern. Die Pose des Menschheitsbefreiers bei dem Manne, der ja erwiesenermaßen nicht nur Reiseschilderungen, sondern auch aufgelegte Schundromane geschrieben hat, dieses ewige Zitieren eigener Werke, nicht etwa der amüsanten Reiseszenen, sondern solcher plattester Art, dieses Vorlesen eigener Verse, die den Idealen sentimentaler Köchinnen entsprechen mögen, dieser immer wiederkehrende versteckte Hinweis darauf, daß der Vortragende selbst auf dem einzig richtigen Wege zum Edelmenschen sei, wirkte bald nicht nur peinlich, sondern tödlich langweilig.“ (Fremdenblatt), „Das Merkwürdigste an seinen Ausführungen ist der Ernst“ (Neue Freie Presse), „Ein unansehnliches, mageres Männchen, dessen graue Haare im starken Gegensatze zu der theatralischen Pose stehen, die er einnimmt“; „Der Abend hinterließ nur ein Gefühl der Verwunderung darüber, daß ein Akademischer Verband für Literatur und Musik einen solchen Vortrag veranstalten konnte.“ (Wiener Abendpost) „Auf dem Podium erschien ein alter, müder Herr mit den strengen Gesichtszügen eines von bösen Jungen heimgesuchten Lehrers, und erzählte Dinge, die man von ihm nicht hören wollte, und verschwieg wieder andere, die man von ihm erwartete.“ (Illustriertes Wiener Extrablatt), „Nun, Herr Karl May schauspielerte nicht gerade, aber es würde nicht leicht sein, bei ihm das Echte vom Gemachten zu trennen“; „Leider verlor sich May dann immer wieder in philosophisch-ethische Betrachtungen, die nichts zeigen, als ein gutes Herz, was ja gewiß auch etwas ist.“ (Arbeiter-Zeitung)

Letzte Interviews, „Ich schreibe für das Volk“ – „Der Araberstamm 'Haddedin', den ich vorführe, das sind jene meiner Leser, denen das rein Stoffliche, das Abenteuerhafte in meinen Erzählungen behagt.“ – „Wir befinden uns jedoch über uns selbst in Unwissenheit - das nenne ich die Wüste.“

Aus Wollschlägers Beitrag zur Wiener Rede:

„Was alles die Wiener Rede für May bedeutete, was alles sie, nach dem Plan der Veranstalter, bedeuten s o l l t e - es war nichts geringeres als dies: die volle Wiederherstellung seiner menschlichen Würde, seines gesellschaftlichen Ansehens, u n d zugleich die unzweideutig dekretierte Bestimmung seines literarischen Ranges. Es sollte zuletzt sein: seine endliche Aufnahme in den Kreis der Geistigen, Denkenden, Edlen - vollzogen von einer Institution, deren Name und Gewicht jede minderwertige Auslegung verbot.“

„während Thomas Mann auf die Anfrage an seine Humanität nur jenen windigen Dandy-Ton hervorbrachte, den er dann noch über den ganzen Weltkrieg hinweg durchzuhalten vermochte“

Kluge Sätze bei Robert Müller, „Der halbgebildete May, dem ein ungemünzter Schatz von Erzählungsgütern und belletristisches Rohmaterial in billigen Kolportagemustern zugänglich war, warf sich auf den Erzählerberuf und handhabte ihn mit der ganzen Kunstlosigkeit, die dem Naturgenie eigen ist.“; „Er stahl Uhren und Pferde. Kurz, er erlebte. [...] Dann kam ihm auf ganz naive Weise die Einsicht, daß es ein Leiden in fremden Seelen gab, vor dem er wie der reine Tor dagestanden hatte.“

Er zitiert May „Zu meinen letzten Tiefen [...] ist noch kaum jemand gereist. Ich selbst war an Abgründen und Verräterspalten. Ich war an den Grenzen des Menschlichen - ich war in den Rocky Mountains, wo nur wenige waren: in den geistigen. Ich bin auf Pfaden geklettert. Und - all das ahnen sie nicht.“ und fährt fort „Sein Lächeln war damals milde und - schlaugut. Der Einsame kam sich reich vor in seinen seelischen Klüften und Bergen: er war einig mit seinen Menschlichkeiten, ein Glückstreffer, den nur die Schwergeprüften und die geistig Bereiften machen. Man könnte sagen, er hatte die geistvolle Bosheit der Güte.“

„Denn die Weisheit war mit ihm. Weisheit aber ist nie fade und getragen, sie lächelt, sie lacht und flicht an bunten Sachen lehrreiche Beispiele ein. Die Weisheit ist immer und ewig amüsant, schlau, lustig und ein wenig mit der Bosheit der Güte befreundet - just so wie Karl May es gewesen ist.“

Aus Wolf-Dieter Bachs Ausführungen seien zwei schöne Sätze zitiert, „Indes unterliegen weder May noch Hesse als Autoren einer vergangenen Epoche einzig und allein den heutigen Maßstäben“ (womit er nebenbei auch allerhand zeitgenössisches Geschwätz angemessenerweise mit einer Handbewegung vom Tisch wischt) und „Ohnehin sind literarische Personalhierarchien ebenso prekär und öde wie andere auch“.

Klara Mays Text ist, da ist den nachgeschalteten Anmerkungen Wollschlägers zuzustimmen, in seiner dumpfbackig-biederen Selbstzufriedenheit mit dem eigenen Horizont schwer erträglich, gelegentlich aber aus ganz unterschiedlichen Gründen erheiternd: „Aber er vermochte recht scharf und rücksichtslos zu werden, wenn in den Pausen die entsetzlichen Alltagsgespräche an sein Ohr drangen und er davon belästigt wurde. Einmal verbat er sich's sogar im Symphoniekonzert, nach einem Beethovenschen Werk, als drei Damen, die vor seinem Platz standen, über Toilettenfragen laut verhandelten. Es nützte nichts, das Thema schlug nur um in Küchensachen, und Karl May war der Abend gründlich verdorben“; „Oft beneidete er den König Ludwig von Bayern, der Kunstwerke nur für sich allein hatte genießen können“; „Wie eine Biene flog er von Blume zu Blume auf dem Feld der Literatur“ ...

Wollschläger spricht dann sehr schön von „jene[r] Nachkommen-Gesinnung schlechthin, die den Abstand zwischen dem der Öffentlichkeit gehörenden Werk eines Schriftstellers und ihren privaten Wünschen nicht zu erkennen vermag.“ Was übrigens nicht nur für Angehörige gilt.

An Ulrich von Thünas Kommentar zu Mays "Sur le Rapprochement Franco-Allemand" ist folgende Passage interessant: „Der hier vorgelegte Text ist meiner Kenntnis nach der einzige im Druck erschienene Beitrag Mays zur Friedensbewegung. Bekanntlich hat sich May verschiedentlich und durchaus nicht nur angelegentlich zum Frieden geäußert. Eine Anspielung auf den Pazifismus findet sich in ‚Ardistan und Dschinnistan’ (I, 16 f.) mit dem Tenor: Die bisher bloß passiv handelnde Friedensbewegung wird sich erst dann durchsetzen können, wenn sie ebenso aktiv wie die kriegsfördernden Kreise handelt. Aus dieser Stelle läßt sich unschwer Mays Skepsis gegenüber dem taktischen Vorgehen des damaligen Pazifismus erschließen“.

Die Formulierung „typisch und zugleich in einer hochkapitalistischen Zeit wirklichkeitsfremd“ mißfällt. Es mag dem weiß Gott nicht dummen May ja durchaus bewußt gewesen sein, daß seine Überlegungen „wirklichkeitsfremd“ waren ... will in etwa sagen: was muß einen die „Wirklichkeit“ scheren ...

Nette Plaudereien von Alfred Schneider, erwähnenswert: „Sie müssen bei meinen Geschichten zwischen Fleisch und Knochen unterscheiden. Die Knochen sind die Grundlage, die innere Wahrheit, das Fleisch das äußere Drumherum“ (Karl May zu Carl Felber); „Mein Bruder begriff alles auch nur schwer, doch er faßte sich und sagte, man könne von Karl May denken, was man wolle, er bleibe dabei, daß er ein guter Mensch sei und mit seinen Büchern das Beste gewollt habe“ (dessen Schwester); schließlich und nicht zuletzt in einem Brief die wörtliche Bemerkung Mays, daß seine Bücher „keine Indianer- und Arabergeschichten enthalten, sondern Illustrationen zu dem brennenden Wunsche, daß die Menschen nun doch endlich einmal beginnen möchten, wirklich 'Menschen' zu sein. Was nützt uns alle andere, noch so erfolgreiche Arbeit, wenn wir nicht an uns selbst arbeiten!“

(Anmerkungen zu den Artikeln Wollschläger, Hohes Haus / Kühne, E.v.T. / Koch, WIV zu einem späteren Zeitpunkt)

 

1971

"Das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, die Heimat der Schammar, die Halefs Heimat wurde, gerät inmitten der beiden Ur-Paradiesströme zur paradiesischen Insel - übereinstimmend mit den ältesten Traditionen der Menschheit."

Man entdeckt doch immer wieder Juwelen; dies - und anderes - hat Wolf-Dieter Bach sehr schön geschrieben. - Wohl dem, der seine Heimat findet.

Und wir finden weitere sehr schöne Texte in diesem Band, von Ernst Bloch und Robert Müller, unter anderen.

Wohlwollende, anspruchsvolle Worte von Ernst Bloch.

Stolte muß man nicht immer folgen, z.B. wenn er von „karikierender Übertreibung bis in die stilistische Wendung“ spricht, auch daß sein Schreibstil des öfteren die Neigung hat, an Sonntagsreden zu erinnern, fällt zwischendrin immer mal wieder auf. Kolportage wird erklärt, lobende Worte für May, auch für Forst-Battaglia, je nun ... allerhand naheliegende Beobachtungen zum Roman, die man durchgehend so oder ähnlich ggf. selber schon gemacht hat.

Im Artikel „Bedenker des Wortes“ von Franz Cornaro fällt der Passus „Was konnte dieser Zeitschrift, diesem Kreis von Dienern des Wortes, Karl May bedeuten, der in seiner Selbstbiographie bekennt, auf seinen Stil nicht im geringsten zu achten, alles so niederzuschreiben, wie er es in sich klingen höre, nie zu verändern, nie zu feilen? Es läge die Vermutung nahe, daß ein solcher Verfasser im 'Brenner' weder Beachtung noch gar Achtung gefunden habe. Aber das Gegenteil trifft zu, da anscheinend an Karl Mays so ganz andersartiger Begabung doch Echtheit und Genialität erkannt wurden“ angenehm auf.

Dazu eine wohlwollende Pressestimme (Berthold Viertel) von Wien 1912.

(wird noch ergänzt)

 

1972 / 73

Man kann sie ja fast alle im Internet nachlesen, die Texte der Jahrbücher. Und so kann man sich auch bei diesem Band mehrmals festlesen, hinter Tastatur und Bildschirm, und erneut konstatieren, dass die frühen Jahrbücher noch etwas anderes waren als die heutigen. Es muß Spaß gemacht haben, vor mehreren Jahrzehnten, dem Erscheinen eines neuen Jahrbuchs entgegen zu sehen.

Wollschläger, Hatzig, Bartsch, (u.a.), alles sehr lesenswert. Im Artikel von Bartsch fällt zunächst das Plädoyer für die „Forderung der Karl-May-Gesellschaft […], Mays Werke in korrekten, unbearbeiteten Textfassungen in den Handel zu bringen“ auf. Gelegentlich tritt er ja auch als Befürworter einschneidender Textänderungen in Erscheinung (die Sache mit der Medizin im „Schwarzen Mustang“ z.B.), von wegen des Hinblicks auf jugendliches Lesepublikum.

„an wahren Nebensächlichkeiten hängte sie ihre vernichtende Kritik auf“, heißt es so hübsch wie zutreffend über Marie Sillings Kritik am „Friede“-Roman, die Leute bleiben halt die gleichen, damals wie heute; und dann kriegen wir es ihrerseits auch noch mit dem Suez-Kanal zu tun, dem wir schon früh in „Schacht und Hütte“ begegneten: daß das Lesseps-Denkmal in Suez "nicht in brandenden Wogen, sondern in ziemlich gesicherter Stellung" stehe, monierte die junge Dame derzeit; liebe Leut’, wenn einer auf einem Schiff steht, und brandende Wogen und ein Denkmal sieht, dann ist es doch ganz gleichgültig, ob dieses Denkmal nun im Wasser steht oder an Land, der Eindruck, den es während der Fahrt auf ihn macht, das Bild, das vor seinem Auge ist, darum geht es doch … - Und selbst wenn Karl May es im Text etwas unglücklich ausgedrückt haben mag, wie nach erneuter Lektüre der Stelle in Band 30 einzuräumen ist: bezeichnend, daß Frau Silling DAS (nämlich eine zu vernachlässigende Nebensächlichkeit) merkt, ansonsten merkte sie offenbar nicht allzuviel ...

 

1974

Roxin, Hatzig, Wollschläger; Schwergewichte, äußerst Lesenswertes.

Im Literaturbericht ist verblüffenderweise zu lsen, daß das Buch über Karl May und Emma Pollmer von Fritz Maschke offenbar erst 1973 erschien, ob seiner unsäglichen, stellenweise geradezu dümmlichen Oberflächlichkeit und der unverkennbaren Absicht, allzu Unbequemes unter den Teppich zu kehren, den schönen Schein im Sinne bürgerlicher Lebenslüge wider besseren Wissens zu wahren, hätte man es vermutungsweise eher in den Fünfzigern angesiedelt. Aber es gibt sie heute noch, die gutbürgerlichen Schönredner, auch in der KMG.

 

1975

Das Buch enthält u.a. die sehr beachtenswerte Geschichte „Eine Seehundsjagd“ (vgl. Textbesprechung). Im Anschluß schreibt Ekkehard Bartsch über "Mensch und Tier" und „Gedanken Karl Mays zum Natur- und Landschaftsschutz“. Daß er darin die Szene um die Rettung des Robbenbabys am Ende von Karl Mays Geschichte als „rührend“ bezeichnet (und als sonst nichts), kann einigermaßen verblüffen, indes können Wahrnehmungen halt diametral auseinandergehen … Die Szene erscheint nach allem, was vorher zu lesen war, nicht im mindesten als rührend, eher als zynisch, mephistophelisch kalt, im Kontext mit dem Vorigen als ein geradezu genüßlich bösartig gebrachtes, exzellentes Beispiel für die Verlogenheit und Doppelmoral der lieben Menschen …

Dann geht es im gleichen Artikel um die Jagd bei Karl May, „Gewiß, das sind extreme Beispiele; sie wurden mühsam aus einem 50 000-Seiten-Gesamtwerk herausgefischt und können um so mehr als kleine Entgleisungen abgetan werden“ heißt es da über die bei Karl May immer wieder auftauchende Jagdlust aus reinem Spaß an der Freud’, hm, wiederum eine sehr sozusagen wohlwollende Betrachtungsweise, ganz so mühsam ist es nun wahrlich nicht, solche Stellen herauszusuchen. (vgl. z.B. Eckardt, „An der Quelle des Löwen“)

 

1976

In diesem Jahrbuch geht es in hohem Ausmaß noch direkt um Karl May und sein Werk, Winnetou, Kanada-Bill, Erzgebirgische Dorfgeschichten, Sklavenkarawane, u.a., in den Jahrbüchern spätestens ab ca. 2000 ist es manchmal eine Quälerei, sich hindurchzulesen, das war seinerzeit noch anders.

Und nach der Tendenz zu Spezialisierung und trockener Theorie droht im neuen Jahrtausend  noch etwas anderes, ein fataler Hang zum Sich-anpassen an die „kompakte Majorität“, ein Schielen zur breiteren Öffentlichkeit, so wird zukünftig mehr über die Filme und andere Randerscheinungen zu lesen sein, und die Freilichtbühnen sind auch nicht mehr fern. (Nachtrag: vgl. Jahrbuch 2010, da ließ der amtierende Vorsitzende sozusagen die Katze aus dem Sack, bestätigte entsprechend ankündigend das Jahre vorher vorausgesehene.)

 

1977

Hans Wollschläger schreibt einleitend, „die Wege zum Parnaß der Erkenntnis sind vielfältig und verschlungen, und der, auf dem sich 'die Gesellschaft' tummelt, ist nur einer von ihnen.“ So ist das. Solch ein Satz entschädigt für so allerhand anderes, was man in mehreren Dutzend dieser Bücher im Laufe der Jahrzehnte auch lesen konnte.

Und dann gleich noch so ein Satz, für den geneigter Leser ihn umarmen möchte,

„Wenn die Erzeugnisse der beamteten Literaturforschung zum Beweis, daß sie auf diesem Wege entstanden sind, zudem oft nur ihren staubtrockenen und auch andere Spuren der Mühseligkeit bewahrenden Stil vorweisen können, so befriedigt dies eigentlich nur unter dem Gesichtspunkt einer darin gelungenen Kongruenz von Form und Gehalt. Weniger überzeugend jedenfalls ist die Ausschließlichkeit, mit der dieser Weg empfohlen wird.“

Man könnte zitieren und zitieren ... oder den Text gleich in voller Länge bringen. Beschränken wir uns, er ist ja u.a. im Netz nachzulesen.

„Mit den Lebenserleidnissen Karl Mays für ein vertieftes Weltverständnis zu werben, wäre auch im Sinne Mays selbst, der den Gleichnischarakter seines Daseins erkannte.“

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Der Band enthält hochkarätige Aufsätze u.a. von Stolte, Wollschläger, Bartsch. Die umfangreiche Arbeit von Plaul ist leider im Netz (2010) nicht abrufbar.

In den Briefen Mays an den Verleger Josef Vilimek geht es um Geld, Geld und noch einmal um Geld (vgl. dazu auch die Korrespondenz mit Fehsenfeld in GW 91 ...).

 

1978

Roxins „Karl May, das Strafrecht und die Literatur“ ist ja inzwischen eine Art Klassiker der Sekundärliteratur und verdient eine gesonderte Besprechung an anderer Stelle.

In „Mein Name sei Wadenbach - Zum Identitätsproblem bei Karl May“ legt Heinz Stolte zunächst sozusagen eine Art weltanschauliches Bekenntnis zum Bürgertum ab, man könnte es auch kritischer formulieren. Danach wird es dann noch richtig gut und interessant. Bei aller ebenso ersichtlichen wie betonten andersgearteten Mentalität scheint er unseren Autor doch manchmal recht gut verstanden zu haben.

Zu den Arbeiten von Ueding – Klotz – Lowsky – Schmiedt – Guenther ggf. später einmal mehr.

Kurt Langer versucht in „Der psychische Gesundheitszustand Karl Mays“, den teils vorgegebenen, teils realen Befindlichkeiten unseres Autors mit Fachbegriffen zu Leibe zu rücken. Das Interessanteste darin sind die Wollschläger-Zitate. Der Aufsatz wirkt hölzern bemüht und nicht wirklich einfühlsam.

Franz Cornaro vergleicht Lessing und May. Fest halten wir, daß es sich, wenn man einen Satz nicht versteht, nicht gleich um „Wahnwitz“ handeln muß. Und Gefühl für Ironie und Zwischentöne Mays hat der Mann offenbar auch nicht.

In seinem Literaturbericht werden die oben erwähnten, bürgerlichen (um nicht unfreundlicherweise noch eine Silbe voranzustellen ...) Züge Heinz Stoltes zunächst auf arg unangenehme Weise deutlich ... In Sachen Schreibweisen sollte er auch einem Autor, den er sichtlich herabzusetzen bemüht ist, Freiräume einräumen. Daß er „Karl-May-Phänomen“ für besser hält als „Karl May -Phänomen“ spricht nicht für sein eigenes sprachlich-literarisches Feinempfinden bzw. entsprechende Flexibilität, daß er in dem Zusammenhang auch noch mit dem Duden kommt, für eine gewisse Kleinkariertheit. Ein anfänglich unangenehm geradezu zeternd wirkender Tonfall legt sich erfreulicherweise allmählich, der Text wird in der zweiten Hälfte zunehmend interessanter.

 

1979

Dieser Band enthält an Texten von Karl May einige der mittlerweile in Band 85 GW vorliegenden Presse-Korrespondenz-Schriften sowie mit Wollschlägers „Silberlöwen“-Erläuterungen und Ilmers „Sendador“-Interpretationen Hochkarätiges. Auch der Beitrag „Ein zweites Jahrbuch“ von Helmut Schmiedt ist sehr lesenswert.

 

1980

Der Wollschlägerschen Vorbemerkung zum Jahrbuch können wir [einmal mehr] entnehmen, daß es, wo Menschen sind, zu Hauen und Stechen zu kommen pflegt, mal um dieses, mal um jenes, auch in literarischen Gesellschaften.

Recht theoretisch geht es bei Volker Klotz zu, ich gestehe, ich habe das nur überflogen. Bei Bach geht es mir zunächst kaum anders, am Schluß aber werde ich sehr aufmerksam und schließe mich dem dort gesagten sehr gerne an.

Heinz Stolte gerät zunächst ein wenig ins Plaudern, um sich dann des Themas 'Abschied nehmen' in der Literatur und insbesondere bei Karl May anzunehmen. Und das wird richtig interessant und gut. In Sachen Trauma des Weggeschicktwerdens von der Mutter bin ich mir mit dem Mann einig, und auch des weiteren bin ich von vielem, was er schreibt, sehr angetan.

Schmiedts Aufsatz ist aus seinem seinerzeit bei Suhrkamp erschienenen Buch bekannt.

Martin Lowsky beschäftigt sich weitgehend mit Gesundheit und Krankheit bei Karl May, Christoph F. Lorenz eingehend mit den Marienkalender-Geschichten und weist mit Recht auf deren Verschiedenartigkeit hin.

Hermann Wiedenroth beschäftigt sich mit den Mormonen bei Karl May, wobei denn doch zu Bedenken gegeben sei, daß nicht immer, wenn Karl May über Mormonen schreibt, auch wirklich Mormonen gemeint sein dürften.

Gerhard Klußmeier nimmt sich der Gerichtsakten (Lebius / May) an, weitergehende Vertiefung dazu vielleicht ein andermal (es ist schon interessant, sich Lebius' Darstellung anzusehen). Nicht vorenthalten sei geneigter Leserschaft dies,

"Das Privatklagverfahren May gegen Lebius wird eingestellt, da der Privatkläger May am 30. März 1912 gestorben ist (vgl. § 433 Abs. 1 StPO.). Die Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Beschuldigten erwachsenen notwendigen Auslagen werden gemäß § 503 Abs. 2 StPO dem Privatkläger auferlegt".

Ekkehard Bartsch beschäftigt sich mit der seinerzeit spät entdeckten "Winnetou"-Erzählung und zeigt interessante Unterschiede zur Vorgängerfassung "Inn-nu-Woh" auf.

Sehr interessant sind im 'Literaturbericht' die tiefgehenden Anmerkungen Helmut Schmiedts zum Bildband von Klußmeier und Plaul.

 

1981

Das Buch beschäftigt sich (u.a.) mit dem "Löwen Sachsens", theoretischen Überlegungen in Sachen Karl May und literarische Romantik, den Quellen zu Mahdi-Trilogie und 'Sklavenkarawane', dem "Verlornen Sohn", dem historischen und zeitgeschichtlichen Hintergrund der Südafrika-Erzählungen, Mays Verhältnis bzw. Bezügen zu Herder und Tolkien, Gerichtsakten und der Villa Shatterhand.

Und dann schreibt WOLF-DIETER BACH, einer derer, die man manchmal schmerzlich vermissen kann, unter "Mit Mohammed an May vorbei" endlich einmal das, was sie alle miteinander heute offenbar nicht mehr begreifen,

"Die gestrenge Frage, ob der Herr Puntila samt seinem Knecht typisch finnische Menschen seien, wäre so sinnvoll wie der Versuch, die Stellung des Glücksschweins im zoologischen System zu bestimmen. Und Brecht war Realist!

Auch Karl May sollte nicht an der ethnologischen und kultursoziologischen Stimmigkeit seiner Romane gemessen werden, wie dies die Autoren Hofmann und Vorbichler in ihrer Arbeit tun. Defoes Freitag, Coopers Chingachgook, Melvilles Queequeg sind allesamt keine getreuen Abschilderungen völkerkundlicher Realität. Der Orient, den Voltaire in "Zadig" beschrieb, hat nie existiert er ist genau so wenig authentisch nach wissenschaftlichem Maßstab wie jenes Morgenland, das Orientalen selbst uns schildern: Firdusi etwa, oder die Erzähler von Tausend-und-einer-Nacht. Und selbst ein als Tatsachenbericht sich ausweisendes Orientbuch eines historisch geschulten modernen Europäers wie 'Die sieben Säulen der Weisheit' von T. E. Lawrence besteht eine genaue Realitätsprüfung nicht. Orient verführt zur Phantasie.

Kurzum: es ist eine Kinderei, May den Vorwurf zu machen, sein Bild vom Islam sei falsch und verzerrt. Gar keine Frage, daß es dies ist! Aber derlei selbst ohne Vorwurf festzustellen hieße nicht mehr, als der Literatur zu bescheinigen, daß sie sich nur selten peinlich genau an die Vorlagen dieser Welt hält - eine Binsenweisheit, kein Blatt Papier wert."

Soweit Bach. Applaus !

Karl May schlug sich seinerzeit in "An den Dresdener Anzeiger" (u.a. ...) mit vergleichbarer Borniertheit herum; auch rund achtzig oder auch hundertzehn Jahre später hat sich freilich nichts geändert, wie sollte es auch, die Dummheit, oder formulieren wir freundlicher, Verständnisfreiheit der Menschen währet ewig.

 

1982

Viel Schönes im einleitenden Text von Claus Roxin. Eines sei zitiert: „Wenn nämlich May seine heldische Attitüde durch komische Kontrastfiguren immer zugleich auch in ironischer Brechung erscheinen läßt, dann erweist sich Friedrich Sieburgs Klischeevorstellung von ‚Karl Mays monotonen Prahlereien’ (in: Nur für Leser, 1955) als Produkt einer oberflächlichen Beurteilung aus beschränktem Blickwinkel.“ Das gilt noch heut’, für die zahlreichen zeitgenössischen 'Sieburgs' beiderlei Geschlechts.

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„Dieser Schriftsteller“, schreibt Gert Ueding, „(und das vor allem faszinierte Ernst Bloch), war wie besessen von der Vorstellung, daß nichts, ob Mensch oder Tier, Ding oder Pflanze, mit sich selbst identisch sei, und so hat er seine künstliche Welt mit Masken und Larven bevölkert, die sich in einem illusionistischen Labyrinth verirren oder über trügerischen Interieurs zu Fall kommen.“ Sehr schön. Der ganze Aufsatz ist von erfreulicher Tiefe. Die treffende Formulierung „Selbstbegegnungen auf verschiedenen Stufen“ sei herausgegriffen.

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Mit Stolte kann man des öfteren (auch in anderen seiner Texte) seine leichten Schwierigkeiten haben, er muß einem nicht liegen, eine gewisse bürgerlich abgerundete Attitüde schmeckt sozusagen manchmal allzusehr durch ... an einer Stelle seines teilweise durchaus sehr interessanten Textes läuft er indes zu großer Form auf, er bescheinigt Karl May „eine erstaunliche Lebenskraft, eine Charakterprägung, die auch unter den Stürmen und Widerwärtigkeiten unglücklichen Schicksals nicht zerbricht. Ein 'gebrochenes Leben' -, das wohl, aber kein zerbrochener Charakter war es, der sich da zeigte.“ So ist es. Ein Satz wie „Harlekine sind etwa Halef und der Trapper Geierschnabel“ ist indes Unfug. Die genannten sind weit mehr, haben den 'Harlekin' allenfalls als einen kleinen Anteil [unter vielen anderen] in sich ... Schön wieder die Ausführungen zu Turnerstick und Sam Hawkens.

„Die polarische Spannung, der eigentlich recht unauflösbare Widerspruch, der diesen Menschen, dieses Leben, dieses literarische Werk bestimmt und beherrscht hat, der hier sichtbar geworden sein mag als ein sich gegenseitig bedingender Gegensatz zwischen Leidenserfahrung und Humor, Tragik und Komik, Selbstprüfung und Clownerie als Spott über die eigenen Schwächen - , das alles zeigt uns auch von dieser Seite der Betrachtung her, daß dieser Mann und Schriftsteller May eine höchst schwierige und differenzierte Persönlichkeit gewesen ist. Ein von seiner Grundnatur her als ein so fröhliches, heiterbeschwingtes, aufs Lustige, Spaßhafte gestimmtes Temperament ward konfrontiert mit einem so umdüsterten, leidbeschwerten Leben [...]“ Sehr schön.

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Schmiedt zitiert Widmer, „das ganze Werk Mays (ist) eine einzige Flucht. Es wird ja nur gereist, es gibt, soweit ich mich überhaupt erinnere, kein Buch, in dem  g e b l i e b e n  wird. Immer ist der Held vor seinen Ängsten und hinter seinen Sehnsüchten her.“ So ist es.

Im weiteren, teilweise etwas konstruiert wirkenden, fällt die Formulierung „wo sich inmitten des schrecklichsten Terrains das wunderbarste findet“ angenehm auf und erinnert an Ähnliches in „Weihnacht“.

Was an „zu zweien auf einem Pferd sitzen mußte“ komisch oder falsch sein soll erschließt sich nicht, es ist doch klar was gemeint ist und als unglücklich ausgedrückt muß man es auch nicht empfinden.

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Martin Lowsky beschäftigt sich mit dem 'Scout' (sowie mit Fontane) und äußert richtig „"Der Scout" in der sehr verbreiteten Neufassung des "Winnetou"-Romans ist eine Verflachung gegenüber dem Original, das leider von der Forschung fast völlig übersehen worden ist“.

„Später geht es nur zu Pferd weiter; und wie sehr mit diesem Wechsel ein Gefühl von Freiheit verbunden ist, zeigt sich in einer Passage aus dem Kapitel 'Über die Grenze'. Dieser Titel bezieht sich zunächst auf die mexikanische Grenze, meint jedoch eigentlich, da der Held in diesem Kapitel erstmals die Prärie betritt, den Übergang von der Zivilisation in die Wildnis.“ Und halt noch mehr ...

„Diese Absenz von persönlicher Bindung, diese Weigerung, nicht nur sich unterzuordnen, sondern sich überhaupt auf eine Lebensgemeinschaft festzulegen, ist gewiß eine problematische Form von Freiheit, die stark von einem pubertären Narzißmus geprägt ist.“ Aber nicht doch. Lowsky mag soziales Verhalten in welcher Form auch immer für relevant halten, allgemeingültig ist das nicht. Ein Eremit, so war irgendwo zu lesen, ist einer der zugunsten des Ganzen auf die Bruchstücke verzichten mag ...

„Diesem paradox anmutenden Gedanken von dem guten Sozialverhalten des bindungslosen Menschen schließt sich Karl May in seinen Reiseerzählungen an; zumindest ist die fast grenzenlose Hilfsbereitschaft Old Shatterhands, der andererseits großen Wert auf seine Unabhängigkeit legt, eine Illustration dieser gewiß fragwürdigen These Rousseaus.“ Besagter Gedanke mutet keineswegs paradox an, und Rousseaus These ist nicht fragwürdig.

Der Schlußsatz ist schön: „Hermann Hesse hat einmal erklärt, er könne Karl May nicht zu den großen Dichtern zählen; der Flug seiner Seele sei zu eng. Vielleicht wäre eher zu sagen: Karl May kann man nicht zu den Realisten zählen, dazu ist der Flug seiner Seele zu weit.“

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„In seinem Werk schildert Karl May - obgleich märchenartig, 'fabelhaft', verkleidet buchstäblich die subjektiv reine Wahrheit -, und zwar aus unmittelbarem seelischem Engagement heraus. Die Echtheit dessen, was ihn bewegte, was ihn mitriß beim Schaffen, wird von den Innenbezirken des Lesers, vom Unterbewußtsein, von den Tiefenschichten als echt, als wahr, als bewegend und mitreißend erkannt. Hier spricht unmittelbar Seele zu Seele, werden Ereignisse lebendig, die urtümlich und ganz menschlich sind, die es stets gegeben hat und stets geben wird, jenseits aller politischen, wirtschaftlichen, sozialen, technischen Entwicklungen: Grundsituationen menschlichen Anstands und menschlichen Fehlverhaltens, Hunger nach Anerkennung, inneres Ringen zwischen dem Hellen und dem Dunklen der Seele. Dargeboten, immer wieder neu, in scheinbar gleichen und doch subtil differenzierten Varianten, am lebenden Beispiel eines verirrten Ringenden, eines ringenden Verirrten - des aufstrebenden Proletariers Karl May. Der Mensch Karl May wollte durch den Schriftsteller Karl May frei werden von Schuld und Trübsal.“ Schöne Worte Ilmers.

Insgesamt, wie so oft bei ihm: viel Schönes neben konstruiert wirkendem. Hier einige der schönsten Stellen: „Er spaltet sein Ich auf in viele viele Teil-Ich; er steckt in jedem anständigen Burschen und in jedem Bösewicht und in so manchem Clown“. Und „Er war unerbittlich mit sich selbst“. Beachtlich, daß das mal einer erkennt. Hübsch auch die erkannte weitere Bedeutung von „Im Schatten des Großherrn“. Oder „Karl May ist tot - sein Mörder heißt Karl May“ und „Karl May - ermordet, verloren in der Wüste des Lebens“. ... „Emilie Pouillet [...] Das geht weit über den Zufall hinaus; das ist mit Herzblut geschriebene Verarbeitung tiefsitzender Ängste.“ ... „In jedem Lumpen in seinen Erzählungen lebt ein Stück seiner selbst; und so wie er für sich Verständnis und Verzeihen erhofft, so will er dies auch den Sündern in seinen Geschichten nicht streitig machen. Darum läßt er so oft die Halunken laufen: sie sollen, wie er selber, die Chance zur inneren Umkehr haben.“ Sehr gut gesehen. „Und da gefriert das Bild: Im Wekil von Kbilli lebt, neben vielen anderen, auch die Vision eines Karl May, wie er sein könnte: ohne Initiative, isoliert, auf gelegentliche Kontakte mit unangenehmen Zeitgenossen angewiesen, damit etwas Würze in sein Dasein kommt, aufgeblasen von der Überzeugung der eigenen Wichtigkeit, doch in Wirklichkeit ein ewig Subalterner.“ Da gefriert nicht nur das Bild, dem - geneigten - Leser auch ggf. gleichsam das Blut, angesichts solcher Erkenntnis.

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„Geroks sentimentale und oftmals nur recht oberflächlich an religiöse Themen gebundenen Gedichte leiden für heutiges Empfinden an einem Übermaß nur 'schöner' Verse, während die eigentliche  A u s s a g e  dagegen oft kümmerlich wirkt. Dies wiederum ist bei May ganz anders: man könnte dem Schriftsteller oftmals vorwerfen, seine moralisch-religiösen Absichten nur notdürftig in eine doch oft recht holprige Gedichtform gekleidet zu haben“ schreibt Christoph F. Lorenz sehr richtig. Auch „ich halte die 'Himmelsgedanken' nicht wie Hans Wollschläger für eine 'ziemlich leerlaufende Reim-Maschinerie' und auch nicht für einen religiösen Etikettenschwindel. Bei May ging das religiöse Empfinden wohl doch tiefer als bei manchem oberflächlich-süßlich dahindichtenden religiösen Lyriker seiner Zeit; ein Gedicht wie 'Die Menschheitsseele' beweist, daß Religiöses und 'private' Seelenkämpfe in seinen Gedichten zu einer durchaus sinnvollen Einheit verschmelzen konnten. Wenn man also Mays 'späte' Lyrik mit anderen Iyrischen Ergüssen der damaligen Zeit vergleicht, schneidet sie weitaus besser ab als in den meisten kritischen Beurteilungen von damals bis heute.“ Hier ist Lorenz, eigenartigerweise gegen Wollschläger, ausdrücklich zuzustimmen.

 Sehr schön: „Wenn ein Künstler erst einmal diesen Entschluß gefaßt hat, sich nicht wie Lots Frau umzuschauen, sondern erst einmal weiterzuschreiten, dann mögen uns Einwände gegen die künstlerische Qualität mancher in die 'Himmelsgedanken' aufgenommenen Gedichte und Sprüche belanglos und belächelnswert vorkommen.“

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Günther Scholdt widmet sich [vermeintlichen] Bezügen zwischen Karl May und Ernst Jünger, Rainer Jeglin theoretischen Betrachtungen in Sachen Rinaldo Rinaldini. In Zusammenhang mit May fällt die bemerkenswerte Formulierung „Der  Rückzug auf das eigene Ich“ auf. Wer alles in sich [hat und] sieht / weiß, braucht das Außen nicht mehr.

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Hermann Wiegmann beschäftigt sich mit dem Untergang der Schuldlosen, „Abel, der Iphigenie, der Philemon und Baucis, Rüdigers, Max Piccolominis, Winnetous“. „Es bleibt die Schuld des Seins, die Modalität des Tragischen, die den Unschuldigen in einer schuldhaft verstrickten Wirklichkeit zur Erklärung fordert, der er nicht entgehen kann. Rüdiger ist kein Macbeth und kein Wallenstein, die ihre Schuld zu verantworten haben.“ Schuld oder nicht das bleibt sich gleich, hätte Dick Hammerdull gesagt. „Man hat keine verfluchte Chance nicht“ wird Hemingway zitiert (aus einer anderen Übersetzung als Schreiber dieses  seinerzeit las). Wie war einmal zu lesen, man frage sich nicht was man vom Leben will, sondern was das Leben von einem wolle.

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Bernhard Kosciuszko beschäftigt sich durchaus nicht uninteressant mit dem Yellowstone Park und streift nebenbei die Thematik Alkohol in Leben und Werk Karl Mays.

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Wilhelm Vinzenz widmet sich in einem sehr interessanten Artikel Karl Mays Verhältnis zum 'Deutschen Hauschatz'. Auffallende Stelle: „Auch Keiter ändert also am Manuskript, daran besteht kein Zweifel. Doch damals scheint May das wenig gestört zu haben. Er war ja selber einmal Redakteur gewesen, kannte die Praxis“ ... Sehr bemerkenswert auch „Gewisse Szenen mit Judith Silberstein erinnern stark an die Münchmeyer-Romane. Offenbar erschienen sie der Redaktion für den Hausschatz nicht tragbar. Der Handlungsablauf blieb unangetastet“ ... Unangenehm fällt das [offenbar] Gutheißen willkürlicher redaktioneller Änderungen auf. Ein Karl May ist nicht Irgendwer.

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Erich Heinemann beschäftigt sich mit Wilhelm Fronemann.

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Weitaus interessanter ist der Fall Pöllmann. Der sei „ein literarisch versierter und genauer Kenner der Schriften Mays“, notieren die Autoren Hatzig und Klussmeier, aber von „Bösartigkeit“. Letzteres muß man keineswegs so sehen ...

Die Autoren erkennen richtig, „daß Pöllmann Mays Qualitäten durchaus richtig einzuschätzen wußte“.

„Um so unverständlicher“ ist Pöllmanns „maßloser Angriff“ nicht, das eine schließt das andere halt nicht aus.

Über das, was Pöllmann mit „äußerlicher Veredelung“ gemeint hat, dürfen die Ansichten wahrlich auseinandergehen ... (Bucheinbände m.E. sicher nicht.)

Schöne Sätze Pöllmanns, „May hat kein Volk, nur eine Gemeinde, eine nach 'Brot und Spielen' schreiende Klientel von hungrigen Plebejern, die sich nicht emporheben läßt, sondern - eine axdos 'apourhs [Erdenlast] - den zur Erde niederzieht, der mit ihr paktiert.“ So ist es. Noch heut’.

„May ist ganz Phantasie, ganz Intuition, ganz Anschauung, aber ohne jede Erfahrung im Reiche der Wirklichkeit. Er hat sich eine eigene Welt in seinen vier Wänden zusammengeträumt und ihr, mit Hilfe geographischer Werke, einen Schein von Recht, eine realistische Ähnlichkeit verliehen.“

Den intelligenten Ausführungen muß man durchaus nicht immer zuzustimmen, lesenswert sind sie zweifellos.

Nun, lieber Herr Pöllmann, die Geschmäcker sind verschieden ... geneigten Lesern gefällt’s (bezieht sich auf – nachzulesende – Äußerungen Pöllmanns).

Der zweite größere Text Pöllmanns fällt dann gegenüber dem ersten deutlich ab, ist eindeutiger tendenziös.

Und noch ein weiterer wird zitiert, „Es ist im ganzen eine Gefühlsschwärmerei und Gemisch von Ahnungen, Naturreligion, was durchaus nicht zur Stärkung des Glaubens beitragen kann, sondern eher zum Gegenteil, zum Ausarten des Glaubens in ein 'fassungsloses Ganzes'“. Ja, so ist das halt ...

Wir halten insgesamt fest: Pöllmann war ein intelligenter, interessanter Mann, teilweise sind seine Ausführungen sehr bemerkenswert.

 

1983

Eines der sehr empfehlenswerten älteren Jahrbücher.

Viel May, dazu Wollschläger, Schmid, Sudhoff, Schmiedt, alles sehr lesenswert.

Umfangreiche Korrespondenz Mays mit dem Bayerischen Königshaus, teilweise neue Texte auch für jemand der meint, schon alles zu kennen.

Interessant die Korrespondenz Zieger / Kürschner, die bemerkenswertesten Sätze daraus kannten wir bereits aus der "Chronik".

Sehr schön die detaillierte und tiefschürfende Arbeit Sudhoffs zu "Abdahn Effendi".

 

1984

Nach einleitenden Bemerkungen von Heinz Stolte zum Jahrbuch äußert sich derselbe zur Pollmerstudie und erklärt dort u.a. gelungen den Unterschied zwischen Angst und Furcht. Hübsch ist die Bemerkung „daß diesmal die Begebenheiten und Gestalten nicht in orientalischen Gewändern oder im Kriegsschmuck der Kiowas auftreten. Wer an die Lobeshymnen Karas auf seine Emmeh im ersten Bande des Silberlöwen denken mag und jene Idealfigur nun vergleicht mit der dämonischen Bestie, die er hier gezeichnet hat, sollte keineswegs vermeinen, daß sich da poetische Verklärung einerseits und die krasse und nackte Wirklichkeit anderseits gegenüberstehen. Vielmehr ist das Dämonenweib ebenso eine übersteigernde Fiktion ins Negative, wie die hochgelobte Emmeh eine solche ins Ideale.“ Gut beobachtet auch daß „die Studie gewissermaßen eine auf den Kopf gestellte Karl-May-Erzählung“ ist.

Hartmut Vollmer interpretiert „Bei den Aussätzigen“. Interessanterweise weist er darauf hin, daß die Aussätzigen von Damaskus bereits in „Von Bagdad nach Stambul“ auftauchen. Den folgenden Interpretationsansätzen muß man freilich nicht immer folgen. Schön der Hinweis auf „Weihnachtsqual und Weihnachtsfreude“. (Wobei es einigen der theoretischen Betrachtungen dazu nicht wirklich bedürfe ...)

Schöne Stelle: „Das Bewußtsein, am Tode, am Jenseits zu stehen, hatte für May nichts mehr mit Schrecken und Ängsten zu tun - es barg nichts als die Erlösung. So verkündet der befreiende Ruf des 'Scheiks der Aussätzigen' „Wir sind erlöst!“ nicht nur den Schluß der Novelle, sondern den Schluß des Mayschen Dramas überhaupt, Mays große Hoffnung, die Hoffnung auf den [i]großen Sieg[/i].“

Der Aufsatz von A. Deeken über Syberbergs Film ist leider auf den Internetseiten der KMG nicht nachlesbar.

(wird noch ergänzt)

 

1985

Einleitung

May sei, verglichen mit Anderen, „ein viel Geringerer, doch kein Geringer“ schreibt Claus Roxin auf S. 10, und das soll ein Lob sein ... 

Dann schreibt er sehr schön „Ihm war ’diese Welt stumm’, und all sein Dichten strebte über sie hinaus“, letzten Endes, bzw.: am Ende, ja.

Daß das „Sonnenscheinchen“ „hausbacken“ geraten ist, (S.12), muß man wahrlich nicht so sehen.

Insgesamt fällt aber das hohe Niveau dieser Einleitung erfreulich auf.

Mays Aufsatz „Theater“ sollte man nicht so simpel deuten (S. 14), „aufschlußreich. Denn er zeigt, wie sehr der kranke alte Mann [...] benötigte“, es geht ja eben nicht [nur] um Karl May und Bad Salzbrunn, sondern es stehen allgemeingültige, schön gesehene und ebenso vorgetragene, bestens übertragbare Dinge in diesem Text.

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Die Briefe an Pustet und Denk beinhalten allerhand Seltsamkeiten, von Wollschläger treffend einleitend kommentiert. In Sachen Otto Denk spricht er sehr schön von "persönlicher Geistesenge" (S. 16) und bei May durchaus zutreffend von "Realitätssinn", nämlich "in höherer Bedeutung" (S. 18).

Unglaublich, was sich die Redaktion erdreistet hat und was May sich (zu jener späten Zeit !) hat gefallen lassen („wenn Sie in dieser Weise streichen ...“, S. 30)

May schreibt in Zusammenhang mit redaktionellen Eingriffen sehr richtig, daß solches "den organischen Zusammenhang zwischen Wort und Inhalt stört" (S. 54).

Immer wieder Cardauns und noch mal Cardauns, vgl. GW Band 85 ...

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„Nein, das Entscheidende, das sein ganzes Schicksal bestimmt hat, lag doch in ihm selber“ erkennt Stolte richtig (S. 68)

Überhaupt nicht nachvollziehen kann Schreiber dieses aber „Nichts erscheint mir schwerer, als sich in seine so absonderlich gestaltete Psyche hineinzudenken oder gar hineinzuversetzen. [...] dieses wirklich zu begreifen dürfte auch dem geschultesten Psychologen kaum möglich sein. [...] ein eigentliches 'Begreifen' außer unseren Möglichkeiten liegt.“ Sich in den Menschen Karl May hineinzuversetzen, erscheint [ggf.] als eine der „leichtesten Übungen“ ...

Die „Menschheitsfrage“ (S. 69), oft mißverstandener Begriff ...

Dem schwer verständlichen Schluß des Mayschen Hiob-Gedichtes widmet Stolte nur ein lapidares „Doch auch noch ein Stück 'Prometheus' scheint mitzuschwingen“ (S. 73) ... Na klar, aber wie ist das nun einzuordnen ?!

Gut erkannt, wenn auch etwas verhalten vorgetragen, ist die Überkonfessionalität Mays.

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Lorenz, Geldmännle

Daß man vom „Geldmännle“ als einer „kleinen, scheinbar harmlosen Geschichte“ sprechen kann, erschließt sich nicht so recht ... (selbst wenn das dann noch durchaus relativiert wird.)

„Der Gedanke, daß auch die frühen Erzählungen als Schritte auf dem Weg zur Symbolik gedeutet werden könnten, kehrt in Mays späten Schriften immer wieder, und vermutlich hat er sich selbst auch ein wenig an der Idee berauscht, man werde in seinen Büchern so etwas wie den Gang der Menschheitsseele von der 'Wüste' hinauf nach Dschinnistan entdecken können.“ Freilich kann man so etwas entdecken ...

„May setzt, großzügig und unbescheiden, aber vielleicht gar nicht so falsch seinen 'Leidens'- und Erkenntnisweg dem gleich, den die Menschheit zu gehen hat“, so in etwa ist es, und so hat sein „Das Karl-May-Problem ist das Menschheitsproblem“ in etwa gemeint.

„Der Neubertbauer stellt einen gewissen Aspekt der Persönlichkeit Mays dar, den schuldig gewordenen Menschen.“ Das ist gut gesehen.

„Es ist immerhin möglich, daß der Geschichtenerzähler May mehr Einsicht in eigene Fehler besaß als der May des Alltags.“ Auch dies.

Interessant die Anmerkungen zur Figur des Bernstein, „In vieler Hinsicht hat Karl May in der Geschichte Hermann Bernsteins also so etwas wie die eigene 'Wunschbiographie' geschrieben“.

Auch dieser Gedanke ist interessant: „Hinter dem Brüsseler Spitzenfabrikanten verbirgt sich Mays Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld, der May allerdings im Vergleich zum 'Musterwirt' Münchmeyer wie ein Verlagsbuchhändler 1. Klasse ('Brüsseler Spitzen') vorgekommen sein muß, und Mays Werke denn auch prompt als 'Brüsseler Spitzen' ('Carl May's Gesammelte Reiseromane') verkauft.“

„Interessant ist im 'Geldmännle' wie auch im übrigen Alterswerk die auffallende Bedeutung, die den Augen (als Sitz der Seele) zugeschrieben wird.“ Sehr richtig. Aber nicht erst im Alterswerk; denken wir z.B. an die „Dukatenaugen“ aus einer Dorfgeschichte ...

Lorenz gelingen schöne Sätze, „nicht der äußere Schein ist wichtig, die 'Ausstellung', die du selbst dir auf Erden schaffst, sondern dein 'innerer Schatz', dein wahres Selbst!“

„Es liegt auf der Hand, daß May hier die 'Falschmünzerei' im übertragenen Sinne verstanden wissen will; die Musterwirte bekämpfen den Geist und unterdrücken die Seele mit Lug und Trug (falschem Geld). Ihre Despotie, die sich auf unlauteren Machenschaften aufbaut und das Licht des Tages scheut“ ... Die Welt ist voller Musterwirte, sie sind überall ...

„So wird das Bergle zu einer 'Insel der Seligen'“.

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(Anmerkungen zu den weiteren Beiträgen folgen [ggf.] zu einem späteren Zeitpunkt.)

 

1986

Heinz Stolte findet mit „Der Fiedler auf dem Dach“ ein schönes Bild für Karl May und „Weihnacht!“, es stehen viele schöne Dinge in dem Artikel, u.a. Ausführungen zu Anführungsstrichen und Ausrufezeichen sowie der Satz „Was da gekommen war, mußte kommen, und er selbst, Karl May, hatte es provoziert.“ (über Mamroth und die Folgen).

Helmut Schmiedt beschäftigt sich, manchmal vielleicht allzu theoretisierend, mit Aspekten der Form in der Winnetou-Trilogie.

Gert Ueding befaßt sich tiefgehend mit dem Thema Krankheit bei Karl May und auch darüber hinaus.

Erwin Koppen beschäftigt sich mit Karl May und China, wobei anzumerken ist, daß im 'Blauroten Methusalem' einerseits und 'Friede auf Erden' andererseits mit China ganz unterschiedliche Dinge gemeint sind, aber eben nicht bzw. nur vordergründig China.

Von Karl May ist das Otto-Victor-Fragment enthalten (im Internet nicht), Herbert Meier macht sich anschließend Gedanken dazu.

Dieter Sudhoff beschäftigt sich mit Traumflug, Aviatik und Höhenflug

 

1987

Hartmut Vollmer beschäftigt sich mit Rose und Rosen bei Karl May. Dabei fällt folgender beachtliche Satz auf: „Obgleich Rilke und May vieles unterschied, gemeinsam war ihnen die künstlerische Intention, das Dasein symbolisch zu erklären und zu begründen, das Einzelschicksal in übergeordnete, metaphysische Zusammenhänge einzubinden, die Widersprüche zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Immanenz und Transzendenz aufzulösen und zur Einheit zu führen.“

Und noch eine beachtliche Stelle: „Zwischen Leben und Tod aber steht die Rose, Diesseits und Jenseits verbindend. Wie die 'Silberlöwen'-Bände III und IV zeigen, in denen die Rose als ein zentrales Symbol zu finden ist (man könnte geradezu von einem „Rosenroman“ sprechen), ist sie das Sinnbild der Auferstehung, der Neugeburt, der Liebe, des Lebens - Gottes.“

Der wohl ungewöhnlichste Schlußsatz, der bislang in einem Artikel eines Jahrbuchs der KMG zu lesen war, lautet „May stand bei seinem Tod inmitten der sich zur Sonne öffnenden Rose . . .“

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Beim Text von Ingmar Winter ging die Geduld des Berichterstatters über zunehmend flüchtiges Überfliegen nicht hinaus. Gegen Ende wurde lediglich notiert: Weder Halef noch Holbers oder Hammerdull sind dumm. Punkt.

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Den arg theoretisierend bemühten Ausführungen von Gerhard Neumann vermochte Schreiber dieses über weite Strecken nur ungern und ohne größere Aufmerksamkeit zu folgen.

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Walther Ilmer beschäftigt sich mit Weihnachten im Leben Karl Mays und erkennt 1880 richtig als gutes, wesentliches Jahr.

Den Prayermann in „Weihnacht“ kann man als Spiegelung eines Seminardirektors sehen, indes aber auch als Spiegelung Karl Mays ... Auch einige andere Konstruktionen Ilmers erscheinen diesmal nicht recht überzeugend. „Das Gewehr symbolisiert in seiner Form die Kerzen und den Weihnachtsleuchter und, in seiner Eigenschaft als Waffe, den sich mit beiden dumpf assoziierenden Begriff des Drohenden.“ ...

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Dem ausführlich zitierten Paul Rentschka gelingt unter allerhand theoretisierendem Unfug ein hübscher Satz: „Nach all dem Gesagten mutet die Anbahnung einer Bekehrung des Muhamedaners Sejjid Omar zum Christentum durch May (S. 91) nur wie ein Zugeständnis an einen empfindsamen christlichen Leser an.“ Der Rest ist meist das, was er May vorwirft: hochmütiges Phrasengeklingel.

In Lorenz’ Text über Cardauns kann die Stelle „Wollschlägers Version, wonach Cardauns ihn zum 'abermalsten Male hergesagt' habe, ist falsch: mehr als diese vier Male sind nicht nachweisbar“ [unangenehm] auffallen. Vier mal und zum abermalsten Mal schließen sich ja nicht aus ... Auffallen kann ferner die Anmerkung 30 ... In Sachen reichlich [thematisierter] Ehebruch im „Samiel“-Handlungsstrang hat Cardauns übrigens durchaus Recht, was gibt es da herunterzuspielen ... Dieser Satz: „Mit Hermann Cardauns war Karl May erstmals ein Mann feindlich entgegengetreten, dem er sich in keiner Weise gewachsen fühlen konnte“ erscheint, mit Verlaub, ziemlich absurd ... Am Schluß heißt es „hätten May und Cardauns der Phantast und der Gelehrte, Freunde werden können, wenn sie nicht aus politisch-taktischen Gründen in verschiedenen Lagern gestanden hätten?“ Wohl nicht, dazu fehlt bei Cardauns denn doch eine gewisse 'mentale Größe' ...

Cardauns selber erkennt richtig „seinen Himmelsgedanken fehlt jede confessionelle Färbung“, ferner „fünf Jahre für Münchmeyer und für Pustet, rechts und links!“ sowie „Hr. M. kann so, aber er kann auch anders.“ Das launig überkonfessionelle Zitat aus den „Deutschen Herzen“ hätte in ähnlicher Weise indes durchaus auch z.B. im Orientzyklus stehen können.

(wird noch ergänzt)

 

1988

Interessant und thematisch verwandt sind die Aufsätze von Pohlheim und Schmid.

„Die Jahre 1898/99 müssen als Grenze zum letzten, zum bittersten, für des Dichters Entwicklung aber bedeutendsten Lebenskapitel gesehen werden. Der Untergang einer gespaltenen, nach Erlösung schreienden Existenz, die Faszination einer großen Verwandlung zeichnet sich ab. Der späte, zerbrechende, gerade jetzt sein Bestes schaffende May nimmt Gestalt an.“ So Hermann Wohlgschaft. Wohltuend, so etwas zu lesen, wenn man es ansonsten dieser Tage (2011) vermehrt mit Leuten zu tun hat, die solche Dinge der inneren Entwicklung einfach unter den Teppich kehren, wegwischen, gleichsam mit einer Handbewegung abtun (und z.B. von 1898 blauäugig als „glücklichster Zeit seines Lebens“ schreiben).

Wohlgschaft erkennt die Figuren des Romans als Spiegelbilder Mays, Auseinandersetzung mit inneren Dingen als das eigentliche Thema.

„Münedschis Problem: Er sieht alles, das Vergangene, das Jetzige und das Künftige; jeden Ort kann er sehen, nur 'alles, was mich selbst betrifft, was sich auf meine Person bezieht, das sehe ich nicht'. (S. 173) So kann er auch die Liebe nicht finden, über die er so trefflich philosophiert, ohne sie 'auf sich selbst beziehen' zu können! Das Geschaute bleibt ihm persönlich verschlossen. Es bringt ihm kein Heil, keine Heilung.“

Gut der Hinweis, daß es May nicht um „Angstmacherei“ geht.

Schönes Zitat (H.U.von Balthasar), „Die verklärte, paradiesische Welt ist keine andere als die, in der wir gegenwärtig leben, sie wird nur mit anderen Augen betrachtet.“

Und [Wohlgschaft] über May, kurz und zutreffend: „In seiner Art ist er ein Wissender.“ Wohl wahr. „Wer seine Biographie, seine Herkunft aus tiefsten Niederungen, seine Irrwege und (Selbst-) Täuschungen, seine Kämpfe und Befreiungen studiert hat, wer seine Werke – die Altersromane besonders – genau und verständig gelesen hat, der wird ihm die menschliche und künstlerische, auch die psychologische und theologische Größe nicht absprechen können.“

„Im eigenen Glanz und im eigenen Elend erkannte der Dichter den Glanz und das Elend des Menschen überhaupt“, schreibt Wohlgschaft, und zitiert Mays Satz „Das Karl May-Problem ist das Menschheitsproblem, aus dem großen, alles umfassenden Plural in den Singular, in die einzelne Individualität transponiert.“ Er hat ihn, im Gegensatz zu vielen anderen, offenbar verstanden.

Ilmer setzt seine Ausführungen zu „Weihnacht“ fort.

(wird noch ergänzt)

 

1989

Wollschläger, Roxin, Ilmer, Wohlgschaft. Prägende Schwergewichte. Goldene vergangene Zeiten.

Ein Beitrag wie Schmiedts „Wie im Karl-May-Verlag nicht nur Karl May bearbeitet wird“ würde heutzutage aufgrund, wie in anderem Zusammenhang apart formuliert zu lesen war, „redaktioneller Besonnenheit“ (man könnte es auch anders nennen ...) so vermutlich nicht mehr erscheinen können ...

 

1990

Wollschlägers stellenweise tief beeindruckender Aufsatz über Arno Schmidt und Karl May ist auch in „Die Insel“, einem Band der Wollschläger-Werkausgabe bei Wallstein, nachzulesen.

„In Old Death begegnet sich der Erzähler selbst im Zustande des Verfalls und der Zerstörung“ sei, die Angelegenheit anhand eines Beispiels griffig auf den Punkt bringend, aus dem Beitrag Gerd Uedings zitiert, der sich auf hohem theoretischen Niveau, entsprechende Aufmerksamkeit und Konzentration einfordernd, mit dem Thema der Spiegelungen befaßt.

Heinz Stolte befaßt sich mit existentiellen Grenzsituationen bei May. Hübsch: „die Stelle, an der, mit Goethe zu sprechen, unser Held aufhört, bloß ein trüber Gast auf dunkler Erde, oder, mit Sam Hawkens zu sprechen, aufhört, ein Greenhorn zu sein“. Und daß „Morituri te salutant“ als Motto vor „Winnetou I“ stehen könnte, ist ebenfalls sehr schön beobachtet ... Die Blutsbrüderschaft zwischen Winnetou und Old Shatterhand wird als „Art unio mystica“ bezeichnet.

Weitere Beiträge befassen sich mit Mays Augsburger Vortrag, biographischen Fragen, Theologischem u.a.

(wird noch ergänzt)

 

1991

Breiten Raum nimmt Mays Briefwechsel mit Adele und Willy Einsle ein.

Hervorzuheben Uedings Beitrag über Ernst Blochs Mayverehrung.

Lorenz und Kosciuszko beschäftigen sich mit Kara Ben Nemsi. Zumindest der Stelle „Eine solche Wirkung hat der neue Kara Ben Nemsi nicht mehr. Dem Leser wurde die Lesefreude an einer der gelungensten May-Figuren genommen“ (über die Figur im 'Silberlöwen') sei widersprochen: das kommt ganz auf den jeweiligen Leser an.

 

1992

Erneut geht es ausführlich um den Briefwechsel mit Adele und Willy Einsle.

Weitere Korrespondenz, mit Kürschner und Spemann, wird ausführlich besprochen.

Besonders inhaltlich interessant und erwähnenswert die Beiträge von Sudhoff und Hahn.

(wird noch ergänzt)

 

1993

Ausführlich geht es um „Karl Mays Kinder“ (gemeint sind u.a. Lu Fritsch, Marie Hannes, die Einsles).

Mit Peter Pütz’ „Wüste und Prärie“ kann man ggf. nicht allzuviel anfangen. In den ebenfalls recht theoretisch und konstruiert wirkenden Ausführungen Franz Hofmanns fällt der Satz „Ich zähle mich weder zu den Karl-May-Fans noch zu den Karl-May-Forschern“ auf.

Hermann Wohlgschaft beschäftigt sich mit Theologischem in A & D.

(wird noch ergänzt)

 

1994

Beim Artikel von Ulrich Schmid kann es einem ergehen, daß man lange Zeit nicht recht weiß, was der Mann sozusagen von einem will, und auch zwischenzeitlich immer mal wieder diese Frage sich stellt. Darüberhinaus scheint ihn, wohl am etwas falschen Platz, das Thema DDR / BRD umzutreiben.

„Anfangs klang es, als ob May spinne, nach und nach versteht man das Geschriebene ganz gut.“

Der 'Grosse Traum' aus dem 'Silberlöwen' sei, so Schmid, ein großartiges Stück Weltliteratur. So ist es.

*

Neben allerhand theoretischen Betrachtungen, einer Tendenz, die sich in den Jahrbüchern der folgenden Jahre verstärken sollte, gibt es in diesem Band einen längeren Artikel von Christoph F. Lorenz zu „Auf der See gefangen“.

 

1995

Ab etwa Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre wird beim Blick ins Inhaltsverzeichnis der Jahrbücher die Zahl der Artikel, die zum Lesen reizen, geringer ... in diesem ist es mal zunächst keiner, Wollschläger ausgenommen. Das eine oder andere wird nachzuholen sein.

 

1996

Interessant ist der Beitrag von Günter Scholdt. Sehr schön diese Passage: „Wenn es stimmt, wofür vieles spricht, daß das Streben nach Anerkennung der eigentliche psychische Motor seiner Handlungen war, so konnte es ihm auf Dauer nicht mehr genügen, nur in seiner fiktiven Rolle geliebt zu werden. Wie mancher Reiche oder Mächtige unter dem Verdacht leiden mag, daß ihm entgegengebrachte Ovationen nicht eigentlich seiner Person, sondern vielmehr dem Besitz oder der Stellung gelten, so dürfte sich in May mehr und mehr das Bedürfnis eingestellt haben, von seiner Lesergemeinde nun auch in Kenntnis der tatsächlichen Lebensumstände angenommen zu werden.“

Der grob-unverständigen Bewertung „Das war allerdings ein starker Tobak, waren leicht durchschaubare Taschenspielertricks“ (über eine Stelle im 'Silberlöwen') muß man wirklich nicht folgen. Es ist schon so, wie May an der Stelle schreibt ... Auch mit „pathetisch ummantelte Wehleidigkeit“ macht Scholdt es sich viel zu undifferenziert einfach ... Im Laufe des Artikels besteht so Anlaß zu Mißmut. Es wird immer dann fatal, wenn wesentlich uninteressantere Leute als May sich ihm überlegen dünken ... (In der Stadt um den Wasserturm gibt’s auch so einen.)

(Besprechung weiterer Artikel ggf. später)

 

1997

Der Titel „Meine liebe Frau Gevatterin ..., Die Korrespondenz der Mays mit Babette Hohl-Kopp“ ist kein Scherz ... eine Dame dieses fatalen Namens gab es tatsächlich (wenn sie ihn auch in dieser Form aus gutem Grund wohl offenbar nicht geführt hat ...).

Interessant ist Mays Brief vom 11. März 2005.

Der Satz „Die Strophen VI und VII sowie die ersten vier Verse von VIII werden von 'ihm' – vermutlich 'Gott' – gesprochen (V, 4: Er schaut sich um bei dir), müßten damit eigentlich zur Kennzeichnung der wörtlichen Rede in doppelter Anführung stehen“ im Artikel von Andreas Graf kann einen von weiterer bzw. gründlicherer Lektüre abhalten ... das wollen wir doch dem „lieben Gott“ überlassen, ob er seine „Rede“ in doppelter Anführung stehen haben will ...

Das Thema Karl May und die chinesische Sprache hätte vermutlich Karl May selber nicht interessiert … 

Mit Wohlgschaft, Sauerbeck und Wollschläger sind [besonders] lesenswerte Autoren vertreten.

 

1998

Hans Wollschläger darf in seinem Einleitungstext noch [mit Fug & Recht] von „blödsinnig und gottverlassen“ sprechen bezüglich gewisser literarischer Theoretisierereien, „redaktionelle Umsicht“ (Zitat aus einem Internetforum) ließe das in heutigen geistfernen Zeiten vermutlich nicht mehr zu.

Unabhängig von dieser Beobachtung: der Beitrag von Schmiedt ist sehr interessant ...

Das Inhaltsverzeichnis zeigt eine ganze Reihe interessant und lesenswert klingender Artikel. Näheres später.

 

1999

Sehr ausführlich und anstrengend der Beitrag von Lucius.

Zunächst fällt auf, daß Lucius irgendwie ein Problem mit Homoerotik zu haben scheint ... bzw. die Wortwahl („perfide“; „bis auf den heutigen Tag vereinzelt Epigonen“) läßt gelegentlich darauf schließen.

Der Autor zitiert in einer Fußnote einen Satz von Stolte / Klußmeier, „Es ist falsch, es ist methodisch schlechthin unerlaubt, aus Motiven eines literarischen Werkes spezifische Rückschlüsse auf biographische Fakten zu ziehen“, der persönliche Ansichtssache ist und weiter nichts.

Eine Stelle wie „Begegnet der Ich-Erzähler seiner eigenen Persona mit Ironie? Dies ist entschieden zu verneinen“ läßt in Sachen Einfühlungsvermögen in May Schlimmes befürchten ...

(Die Lektüre des langen Textes wurde abgebrochen.) 

°

Theologisches von Wohlgschaft.

„Mit rauschenden Opernklängen und schmetterndem Dessauermarsch, ganz nach Mays Feingefühl“ schreibt Erich Heinemann. So bitte nicht. Rindsgemütige Herren (Rindsgemüt ist ein Zitat und der Plural gilt etlichen anderen; daß Heinemann hier enthalten ist, hat er sich mit seinem Ausspruch selbst eingebrockt ...) sollen, bitt’schön, nicht Eigenes auf Karl May projizieren ...

(wird noch ergänzt)

 

2000

Reinhold Wolff bemerkt in seinen einleitenden zahlreichen Worten sehr zu Recht, daß mit dem Rückzug Roxins vom Vorsitz eine Ära zu Ende ging ... Schade. Noch heute (2011) sähe man Roxin gern im Amt. (Ergänzung 2016: daran hat sich nichts geändert …)

Hermann Wohlgschaft gelingt eine differenzierte Einschätzung: „Seine Demut, sein Gottvertrauen hindern ihn nicht daran, sich selbst zu bemitleiden und zugleich sich selbst zu bewundern, von sich selbst zutiefst ergriffen zu sein [...]. Die Selbst-Bemitleidung und die Selbst-Überhebung verstärken sich wechselseitig. Ich habe Sorgen, über Sorgen! Und meine Gegner bereiten mir Qual über Qual! So jammert die Demut. Doch die Hybris feiert Triumphe“...

Hübsch lakonisch: „Ich wäre an Schriefers Stelle nicht zufrieden gewesen mit Karl May.“

Schöne Sätze bei Gerd Ueding, „Er lieferte mir in den kleineren und größeren Verwirrungen meiner Kindheit und Jugend weniger ein Brevier als vielmehr einen Gesprächspartner, manchmal Mentor, dessen Autorität seltsamerweise auch nicht durch die ewige Besserwisserei und penetrante Vorbildlichkeit seines Haupthelden ernstlich beschädigt wurde, die manch anderen Leser geradezu abstoßen konnten. Mir war das Eulenspiegelhafte, Kindlich-Übermütige dieses Träumers aus und nach verlorener Kindheit immer mit einem Augenzwinkern begegnet.“

Die Wertung in der Formulierung „Er hat es selber beschrieben und war sogar noch stolz darauf“ (über Mays Arbeitsweise) müßte nicht sein. Überhaupt muß man mit Mays Stil, der im Folgenden dann offenbar regelrecht ‚vorgeführt‘ werden soll, keineswegs Probleme haben …

Hübsch die Formulierung von den „einfältigen Filmverschnitten“ ...

„Die Leutseligkeit und Vertrautheit, um nicht zu sagen: Vertraulichkeit, womit er in der Rolle des Erzählers seinen Lesern begegnet,“ ist angenehm ... größere Gedanken muß man sich darüber nicht machen ... May hat „erzählerisches Charisma“, richtig.

In „Ardistan und Dschinnistan als Werk der Postmoderne“ von Werner Rother klingt schon der Titel sozusagen verdächtig ... („Im literarischen Krämerladen muß dich Ordnung herrschen“ ...) Und in der Tat muß man den theoretischen Betrachtungen bei ihrer flüchtigen Lektüre nicht allzuviel abzugewinnen.

In Reinhold Wolffs langem Text fallen Fehler auf, Old Shatterhand braucht die Brille in Winnetou III und nicht in Winnetou IV, Marah Durimeh entpuppte sich bereits am Ende von Band 2 als „Geist der Höhle“, und nicht „am Ende des Orientzyklus“.

„Da sind Räume der Phantasie, ausgestattet mit Bauten und Landschaften und bevölkert mit Menschen: Räume, in die man eintreten oder auch, sogar Jahre später, wieder zurückkehren kann; die sich mischen, entwickeln, die altern, und dies alles in einem immer wieder spannenden Verhältnis zur wirklichen Welt.“ Schön gesehen.

Johannes Zeilinger bezweifelt Mays frühkindliche Blindheit, immerhin noch mit Fragezeichen in der Überschrift. Mittlerweile gilt es ja fast als Majestätsbeleidigung, wenn man die Frage weiterhin für ziemlich offen hält ...

In „Die Gemeinschaft der Eingeweihten“ von Malgorzata Klentak-Zablocka vermag die Passage „Die Gebrüder Schwarz treten in die fremde Welt, ohne ihre bisherigen Überzeugungen revidieren zu müssen; im Gegenteil, die exotische Umgebung hat sich ihren Eingriffen unterzuordnen. Die eigenen mitgebrachten Kenntnisse und Vorstellungen benötigen keinerlei Überprüfung oder Umorientierung, selbst wenn die Männer auf entgegengesetzte, mit dem eigenen Weltbild schwer zu vereinbarende Einstellungen stoßen“ Aufmerksamkeit zu erwecken.

 

2001

An die dreihundertfünfzig Seiten Frau Wolff über Frau Pollmer, und inhaltlich leider nicht immer überzeugend ... (wenn’s ans Interpretieren geht, gibt’s manchmal fatale Fehlurteile. Da spielte vermutlich unterschwellige Frauensolidarität eine gewisse Rolle.)

(wird ggf. noch ergänzt)

 

2002

Schönes Gedenken an Hansotto Hatzig.

Erbauungsliteratur, Erbauungslyrik, unpassender können Begriffe für Mays  „Himmelsgedanken“ eigentlich nicht sein ... Erst die später folgende Definition stimmt versöhnlicher.

Schwierigkeiten mit dem Weiteren; Mays „Himmelsgedanken“ sprechen für sich, ich brauche dazu keine theoretischen Betrachtungen drum herum ...

„Wieso sollte das Tröpflein Tau ... zum Segen werden?“ Weil es den Halm tränkt und so ihm, dem Halm, zum Segen wird. So steht es im Text.

„Geschichtliche Schärfe“ fehle, ach Gott, Karl May ist zeitlos ...

„In Karl Mays Erbauungslyrik bleibt unbegriffen, daß Skepsis, Zweifel und Verzweiflung grundlegende Modi von Religiosität sind.“ Unfug. Er ist halt in diesen Gedichten darüber hinaus ...

Sehr lesenswert Ilmers Beitrag mit einem tief beeindruckenden Schluß. Den, wie auch überhaupt den Tenor des Textes, warf man ihm vor, war zu hören. Die Leut’ haben’s offenbar nicht verstanden. Es geht weniger um moralische Wertungen als um Auseinandersetzung mit sich selbst, um Bewußtsein. Mit kleinkariertem Gut / Böse – Denken kommt man da nicht weiter ...

Die Angelegenheit mit dem Zweikampf geht über fünfundachtzig Seiten; nach der Lektüre der ersten davon kann man sich das Weitere schenken. Wie zuvor schon die „erzähltheoretische Analyse“ oder den „Motivkomplex Schule - Lernen – Belehren“ ...

Der Ilmer-Text „reißt“ dieses Buch sozusagen „heraus“ ...

(wird ggf. noch ergänzt)

 

2003

Die Titel und Themen werden im Laufe der Jahre zunehmend abstrakter ...

Der Pathograph Otto Rubner erwähnt zunächst im Zusammenhang mit Karl May durchaus passenderweise die Begriffe Autismus und Borderline, um sich alsdann in nicht endenwollenden theoretischen Betrachtungen zu ergehen, die zu überfliegen durchaus genügt. Man muß, mit Verlaub, nicht Fachmann in Sachen Psychologie, Psychiatrie usw. sein, um Karl May zu verstehen, um nachvollziehen zu können, wie er „getickt“ hat, um es bewußt salopp auszudrücken.

Bei Junker Jürgen stört schon die betont hochgestochene „psychologische Rezeptionsästhetik“ im Titel seines Beitrags, den man darob vorerst vernachlässigen kann.

Beim Beitrag von Frau Siebert verlor Schreiber dieses innerhalb des ersten Satzes die Lust am Weiterlesen. „Im Folgenden wird nach den 'Beweggründen' Karl Mays für die Darstellung der Pferde geforscht“ ...

Ebenso bei Jürgens, „Das Thema 'Männlichkeit' ist in den letzten zwei Jahrzehnten zusehends in den Mittelpunkt sozialwissenschaftlichen Interesses gerückt und hat eine Vielzahl oftmals heftiger Kontroversen in den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen entzündet.“

Zum lesenswerten Wohlgschaft sowie Kramer und Zeilinger ein andermal.

 

2004

Vom Umfang her schmaler, weniger Beiträge. Nichts allzu Wesentliches.

(wird noch ergänzt oder auch nicht)

 

2005

Hier geht es um Karl Mays Weihnachtsgeschichte der besonderen Art „Bei den Aussätzigen“, seinen Briefwechsel mit Ludwig Freytag, die Atheisten in seinem Werk, den „Sohn des Bärenjägers“, den fernen Osten Fritz Degenfeldts, Karl Mays allzeitige Kindheit sowie seine Fremdsprachenkenntnisse, die Sillan, eine frühreife Oper zum „Silbersee“ und ein Romankapitel eines anderen Autors, das sich mit Karl May befasst. Außerdem gibt es den üblichen Literatur- und Medienbericht, wobei man auf letzteren, vor allem in dieser allzu wohlwollend-aufgeschlossen sich gebenden Form, im Jahrbuch durchaus verzichten könnte.

Von schier unerträglich abstrakt-trockenen intellektuellen Ausführungen bis zu sehr lesenswerten, gut geschriebenen Essays ist alles dabei, und so wird hier vielleicht jeder mehr oder weniger auf seine Kosten kommen oder auch nicht, je nach Geschmack an verschiedenen Stellen.

 

2006

Besonders beachtenswert die „historische Revue“ Hans Wollschlägers. Der eine oder andere hatte Gelegenheit, seine unvergessene Darbietung in Essen 2005 live zu erleben. - Noch einmal: die KMG ohne Wollschläger ist wie der HSV ohne Uwe Seeler ...

 

2007

Sauerbeck und Wohlgschaft entschädigen für allerhand Unerquicklicheres.

 

2008

Zum Jahrbuch von 1934 schrieb einer seinerzeit Folgendes (und meinte damit [b]gleichzeitig[/b], was trotz des zaunpfahlwinkenden „jüngst erschienenen gelben Buch“ und dem Hinweis auf Feuchtwanger vermutlich niemand gemerkt hat, das Jahrbuch von 2008):

In dem jüngst erschienenen gelben Buch zu lesen, kann zu ganz verschiedenen Reaktionen führen, von Stirnrunzeln über Kopfschütteln oder auch beträchtlicheren Mißfallenskundgebungen bis zu wohlwollender Zustimmung oder respektvoller Anerkennung ist allerhand möglich, die Beiträge sind halt sehr unterschiedlich. Man sollte vorsichtshalber von vornherein die Ansprüche an Relevanz und individuelles Befriedigungsvermögen der Artikel nicht zu hoch ansetzen und vor allem nicht den Fehler begehen, die Angelegenheit durchweg allzu ernst zu nehmen. Einiges ist halt, wie so oft in Sachen Karl May, Blödsinn, dummes Zeug, trockenes, völlig verzichtbares weil im Ansatz falsches Gerede bzw. Geschreibe, am besten mit entspannt-humorig gefärbtem inneren Abstand zu betrachten und aus Gründen der Zeitersparnis eher zu überfliegen, aber dann gibt es in dem einen oder anderen Fall auch immer wieder mal Lichtblicke. Und einiges ist wirklich schön.

Der Reiz an der Sache ist: die Beschäftigung mit Karl May. Das bleibt interessant und läßt zwischendrin immer mal wieder das Herz aufgehen, mag auch noch so viel Spreu unter dem Weizen sein.

(Für eine wertvolle Anregung bedanke ich mich bei Herrn Lion Feuchtwanger.)

 

2009

Angenehmerweise einmal wieder mehr Karl May und weniger Theorie. Überhaupt wirkt der Band insgesamt erfreulicher als einige der letzten Jahre.

Nur dieser 'Medienbericht' …


Ein "Paukenschlag" sei das dappige Musical, schreibt der Krauskopf. Wohl kein Paukenschlag, sondern eher ein laues Fürzchen. Und darauf reagiert man am besten so wie man sonst halt auch am besten auf laue Fürzchen reagiert: ignorieren ...

2 x Karl May, das ist schön; über hundert Seiten zum Thema Spiritismus, naja, das vorweggenommene Endergebnis war klar: war er nun Spiritist ? ein bißchen ... Der Beitrag über letzte Worte, arg theoretisch trocken, man kann es mit der Einordnerei auch übertreiben, ein Sterbender wird nicht darüber nachdenken, in welche Untergruppierung seine Worte nun einzutüten sind ... Und der Artikel über den wildgewordenen Kolonialisten, was soll’s, siehe Spiritismus, ein bißchen Kolonialist war er halt auch, unser May, ein Äderchen halt, na und ...

(Dafür daß man zunehmend froh sein kann wenn man durch ist nehmen die Dinger entschieden zuviel Platz ein im Regal ...)

 

2010

Der Vorsitzende bestätigt in seinen einleitenden Ausführungen aufgrund der Wahrnehmungen der letzten Jahre aufgekommene Befürchtungen, dass zukünftig „Karl-May-Filme wie auch Festspiele und Freilichtaufführungen […] mehr Aufmerksamkeit als bisher üblich“ bekommen werden seitens der KMG. Denn „wir schulden ihnen“ diese, so der Einleiter. Die Freunde am falschen Ende aufgezäumter Öffentlichkeitsarbeit haben sich offenbar schon durchgesetzt, Verwischi, Verwaschi. Vergessen wir nicht ganz daß die KMG seinerzeit antrat u.a. um zu alledem klare Abgrenzungen zu ziehen (siehe auch Wollschlägers „Filmgefummel“-Betrachtungen andernorts ...). Was Goetheinstitute und andere in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut haben, machen Derwalls Buben in kurzer Zeit wieder kaputt, räsonnierte einst Dieter Hildebrandt, so ist das. - Erwähnenswert ist ferner die gelinde gesagt verblüffende These, dass „nur zwei deutsche Schriftsteller des 19. Jahrhunderts [...] auch heute noch jenseits von Schule und Universität regelmäßig gelesen“ würden, nämlich „Karl May und Theodor Fontane“. („Es gibt außerdem […]“ haben sie früher im Fernsehen immer gesagt bei anderer Gelegenheit.) (Wer windbeutelt (Verzeihung), wird [z.B., neben etlichen anderen] Storm ernten.) 

Hans-Dieter Steinmetz und Klaus Eggers steuern Informatives, Interessantes bei, der Aufsatz von Willi Vocke enthält Lesenswertes, gerät aber zu theoretisch und wirkt in seiner Belegführung teilweise konstruiert.

Rudi Schweikert weist zum gefühlten hundertunddreiundzwanzigsten Male nach, dass Karl May mit seinen Quellen, wie es sich gehört, spielerisch-kreativ umgegangen ist (Schweikert nennt es anders) statt erbsenzählerisch knochentrocken nach Art der Totes-Wissen-Verweser. Das fuchst ihn offenbar, und so bekommen Karl May und seinesgleichen spätestens in einer Fußnote (32) eine gehörige Portion Philisterunmut ab, diese Fußnote, es sei nicht verschwiegen, erweckt ein wenig Assoziationen von verkniffenen Gesichtes mit dem Fuß aufstampfen, auch wenn’s vermutlich lässig überlegen herüberkommen soll, da hat er’s ihnen aber gegeben, den über den Tellerrand unwesentlicher Detailkrämerei hinaus weiterschauenden …

Auch Helmut Lieblang kommt uns noch einmal mit allerhand aus der unmaßgeblichen Sicht Schreibers dieses bei der Beschäftigung mit May eher Überflüssigem, weitgehend zu Überblätterndem, immerhin zeigt er am Ende seines Artikels, dass er Mays Haltung offenbar verstehen könnte, wenn er denn wollte bzw. das seiner Mentalität etwas näher wäre als es offenbar ist (die Stelle mit der „unaufgeklärten Geistesströmung, die, wie es scheint, auch heute noch nicht ausgetrocknet ist“ lässt das erkennen). Meinetwegen Rio de Janeiro, genau so ist es, dem ist nichts hinzuzufügen. Unmittelbar darüber steht ja warum.

Wolfgang Sämmer informiert über frühe 'Babel und Bibel'-Rezeption, einer der erfreulicheren Artikel des Bandes. Dabei fallen einige Sätze bei Armand von Ozoroczy angenehm auf.

Bei Jochen Strobel geht es einmal mehr um einen Nebenaspekt, mit dem man sich in Zusammenhang mit Karl May durchaus beschäftigen kann, aber nicht muß.

Barbara Drucker übersieht offenbar, dass a.) es über den reduzierten Blickwinkel sozusagen der Tagespolitik von Achtzehnhundertsoundso hinaus auch noch andere Möglichkeiten gibt, ein Poem von Longfellow zu interpretieren und b.) selbst wenn dieses Poem so zu sehen wäre, wie sie das tut, das noch keineswegs hieße, dass die Tatsache, dass Winnetou es liest, Rückschlüsse zuließe, wie sie sie zu ziehen geruht … [Winnetou sieht intuitiv – visionär den Untergang seines Volkes kommen. Das heißt nicht dass er es gut oder richtig findet dass es so sein wird wie er es voraussieht …Wenn z.B. Brecht schreibt 'Alle reden von einem Ausweg Ich sehe' heißt es das auch nicht …] Da hilft auch die vermutlich intellektuell klingen sollende, aber letztlich missglückte weil im Hinblick auf den Inhalt des Artikels etwas unpräzise geratene Überschrift nicht.

Hagen Schäfer beschäftigt sich u.a. mit Fragen, um die es bei Karl May eher nicht geht (das Wort „demokratisch“ in Zusammenhang mit Old Shatterhands Reisegesellschaft … wo kommen wir denn da hin …). Und was das Übrige betrifft, warum lange theoretische Abhandlungen drumherum schreiben, wenn Karl May die Dinge in wenigen Sätzen auf den Punkt bringt …

Wolfgang Jacobsen gönnt sich einen sprachlich / gedanklich anspruchsvoll zubereiteten räsonnierenden Ausflug in die Sechzigerjahre, warum nicht … aber dann bitt’schön ohne „Winnetou und Old Shatterhand im Tal der Toten“, und in einem Jahrbuch der Karl May Gesellschaft hat dieser Film nun gleich gar nichts verloren, oder müssen wir die [Gesellschaft] zukünftig in Anführungszeichen schreiben ?

Über May-Rezeption in der Schweiz erfährt, wer will, auch noch, bevor Schmiedts Literaturbericht diesmal eher enttäuscht. Früher pflegte er treffend verheerende Urteile höchst gekonnt freundlich in Subtexte zu verpacken, diesmal bleibt er offenbar recht neutral; ist [auch] er angesichts der offenbar unaufhaltsamen Entwicklung schon resignativ müde geworden ? Seitenlang lesen wir von Dingen, die man besser ignoriert hätte, und erfahren in dem Zusammenhang auch noch von petzelnden Lobhudeleien … Gresslich. (sic)

Unter all den Theoretisierereien, über die Schmiedt berichtet, scheint „Mystik im Christentum“ von Werner Thiede das einzig Lesenswerte zu sein. (Nach mittlerweile erfolgter Anschaffung und Lektüre: leider doch nicht ...) Nebenbei fällt auf, dass mit Namen gelegentlich sich gedanklich trefflich spielen ließe, „Luetkehaus“ als milde Charakterisierung eines Hirns oder Bewusstseins könnte man schöner kaum erfinden. Das wäre nun aber, ließe man das so stehen, der Frechheit unangemessenerweise zuviel, immerhin ist der Mann Schopenhauer-Experte. Bei dem sollte er bleiben, mit ihm kennt er sich besser aus.

Damit kommen wir zum Medienbericht. Bzw., kommen wir nicht, denn dort gibt es nichts Erwähnenswertes.

Schließlich noch 40 Jahre Karl-May-Gesellschaft … Warum fällt mir „Das nenne ich einen Abgesang“ ein ?

 

2011

Vorbemerkungen von Claus Roxin, wie in guten alten Zeiten.

Walser angenehm, auch wenn er eine bearbeitete Fassung gelesen hat ...

Lessels Studie lesenswert und sympathisch wohlwollend.

Am interessantesten einmal mehr Wohlgschaft. Zu Recht steht er den 'Geographischen Predigten' einen nicht geringen Stellenwert zu und bringt dem Leser am Ende seiner Ausführungen einige Szenen bei May gut näher.

Hübsch Eggerts Vergleich Winnetous mit Rih (das Ableben beider betreffend). Sehr schön die Formulierung auf S. 188 vor dem Stern. Und nach zunächst dezenter Zurückhaltung auf S. 192 dann doch deutliche Worte: „groteske Fehlinterpretation“, so ist es.

Unsäglich der 'Medienbericht' mit seinen seitenlangen Ausführungen zu Freilichtspielen ... hat so in einem Jahrbuch der KMG nichts verloren. Vergessen wir nicht daß die KMG seinerzeit unter anderem antrat um sich von alledem abzugrenzen ...