DIE JUWELENINSEL

"Die Juweleninsel" ist stellenweise Mays wildester [Sex&Crime-] Roman. Wobei der geneigte Leser sich allenfalls an Hinweisen und Andeutungen delektieren kann. Die Brüder und Schwestern im Kloster haben einander so lieb, dass gelegentlich Kinder dort geboren werden, die dann allerdings umgebracht und verscharrt werden. Auch in Sachen heilige Pönitenz, strenger Strafmaßnahmen zur Abhärtung von gar schwachem Fleisch geht es ausgiebig zur Sache, bzw., es wird davon erzählt. Und ob das hingebungsvolle Treiben der frommen Schwestern in der einen oder anderen ebenso bewusst unklaren wie geistreichen Formulierung sich wirklich auf den lieben Gott bezieht, darf getrost bezweifelt werden.

 

Erstes Kapitel – Im Seebade

Zilla, Freya,Wanka. Alias Brülla, Schreia, Zanka.

Der kleine Kurt, der „Alles machen muß“, erhält Schläge „und dazu weniger zu essen als die Andern“ (worauf das Mädchen Magda „halb verwundert und halb verächtlich“ reagiert), und „Wenn ich nach Hause komme, ist der Vater stets betrunken.“

„Kurt heißt er also?" - "Ja. Kurt - den andern Namen habe ich wieder vergessen." Wir merken schon, allzu sehr interessiert er die kleine Frau nicht ...

Helbig ist ein offenbar vernünftiger und sympathischer Mann, „von beträchtlichem Einflusse bei Hofe. Dennoch erschien er dort nicht allzugern. Sein kerniges, zuweilen sogar etwas mürrisches oder auch wohl rauhes Wesen gab ihm ein gewisses Gefühl des Unbehagens in jenen Kreisen, in denen die Umgangsformen am höchsten zugespitzt erscheinen. Er fühlte sich am wohlsten bei sich selbst und hatte auch dafür gesorgt, daß seine nächste Umgebung aus lauter Leuten bestand, die ihm ähnlich waren.“ Er und sein Diener Kunz bilden eine der zahlreichen „Alter Piesepampel / Diener“ – Varianten bei Karl May.

Die Schwestern Helbigs, so Kunz, „Werden wohl das Hauptquartier verlassen haben, um Junggesellen zu attakiren“ ... „und wenn sie nichts erwischen, so kommen sie nach Hause, ziehen Sturmmarschgesichter und schreien, brüllen und lärmen mit jedermann“.

Streiche mit Schnupftabak, Fröschen und Kröten wie unter Kindern ... in 'bester Gesellschaft'.

„Sie wollte sie entfernen, machte sich aber in ihrer Aufregung einer sehr merkwürdigen Verwechslung schuldig; sie drückte nämlich das Taschentuch an ihren nach Luft ringenden Busen und wischte sich mit Mimi, dem Eichhörnchen, den Schweiß vom Gesichte. Das kleine Thierchen wehrte sich nach Kräften gegen diese Realinjurie, und dies gab seiner Herrin den verlorenen Odem wieder.“ Karl May lesen kann gelegentlich auch gegen schlechte Laune hilfreich sein.

„Sie hoben den Deckel empor, und in demselben Augenblicke erschallte von ihren Lippen ein dreifacher Schrei des Entsetzens. [...] Frösche, Kröten und Molche aus dem nahen Teiche nebst Meerspinnen, Krabben, großen, langbeinigen Käfern und allerhand ungethümlichen Geschöpfen, [...] zappelten und krappelten, wibbelten und kribbelten, krochen und zerrten, hüpften und sprangen, schnellten und schlüpften in dem Zimmer herum, so daß es nicht einen Fußbreit des Bodens gab, wo man sicher hätte auftreten können. Die Blaue warf sich auf das Sopha; die Grüne sprang auf den nächsten Stuhl, und die Purpurrothe retirirte sich hinauf auf den Tisch, auf welchen sie sogar die Beine zu retten suchte.“ Zu Recht spricht unser Autor von einer „nicht ganz ästhetischen Sitzung“ ...

Familienbild, „An der Wand stand oder vielmehr hing Kurt. Seine beiden Hände waren mit einem Riemen zusammengebunden und mittelst einer Schlinge an einen starken Nagel in der Weise befestigt, daß der Knabe den Fußboden kaum mehr mit den Fußspitzen erreichen konnte. Darauf war ihm der Oberkörper entblößt und auf eine so unbarmherzige Art behandelt worden, daß man das rohe blutige Fleisch erblickte und die Diele roth gefärbt worden war. In dieser torturähnlichen Stellung hing er noch jetzt, ohne einen Laut von sich zu geben. Seine Augen waren roth geschwollen, und vor seinen zusammengepreßten Lippen stand großblasiger Schaum. Daneben lagen die Stöcke, mit denen die Züchtigung vorgenommen worden war.

In der hintersten Ecke saß seine Mutter mit verbundenem Kopfe. Sie hatte mehrere Hiebe über denselben erhalten und schien nicht ungefährlich verwundet worden zu sein.“

„Als Magda den Knaben erblickte, welcher ihr so schnell lieb geworden war, stieß sie einen Ruf des Schmerzes aus“, ihre anfängliche Gleichgültigkeit haben wir aber keineswegs vergessen. Auf Zuneigung, die an Bedingungen bzw. Voraussetzungen (Rette mich dann mag ich dich ...) geknüpft ist, kann man verzichten.

"Armer Kurt! Du bist so gut und so muthig, hast mich aus dem Wasser gezogen und mußt Dich dafür so sehr schlagen lassen! Thut es noch recht sehr weh?"

Vorhin hatte sie die Tatsache, daß er geschlagen wird, doch noch recht kalt gelassen ... „Sein jugendliches Gesicht erhellte sich.“ Eigentlich unverständlich ...

„Das kleine Mädchen ahnte nicht, welchen Eindruck ein einziges Wort, ein einziger Blick oder Händedruck hervorbringen kann.“ Dumm bzw. unfeinfühlig ist sie auch noch ... „Sie ließ den Knaben nicht los, bis sie die Wohnung des Generals erreichten.“ Besitzergreifung ... (Sorry, sie hatte gleich zu Beginn „versungen und vertan“. Und Karl May wird sich durchaus etwas dabei gedacht haben, als er das von „halb verwundert und halb verächtlich“ und dem nicht gemerkten Namen schrieb ... er läßt solche Dinge der Wahrnehmung der Welt dezent einfließen in seine Texte, nur merkt es halt nicht jeder Leser ...)

„Weder Magda noch eine der Dienerinnen getrauten sich, eines dieser häßlichen Thiere zu erfassen. Da erschien endlich Kurt unter der Thür. Er hatte sich bisher aus Bescheidenheit zurückgehalten. Die Schwestern sahen ihn und jubelten.“ Dieser Kurt scheint dafür zusrtändig zu sein, selber leiden zu müssen und anderen ihre Probleme zu lösen ... "Da kommt ein Retter! Kurt, lieber Kurt, schaffe dieses Gewürme fort!"

 

Zweites Kapitel – Himmel und Hölle

Himmelstein und Höllenmühle – hier die „Bösen“, dort die „Guten“, eben andersherum als man denken könnte, hübsche Idee Mays, der von Anfang an etwas genauer hingeguckt hat. Schein und Sein. Denken wir z.B. [um ein oder zwei Ecken] an Sam Hawkens oder Halef Omar; nicht Bildungsstand oder materielle Güter machen einen Menschen aus. (Die Dinge sind nicht da wo man sie vielleicht gemeinhin zu finden meint.)

Von den Knappen in der Mühle hat einer eine riesige und der andere gar keine Nase, wir können (bei dem einen) an Lindsay denken, oder (bei beiden) auch an Beckett, aburdes Theater. Die Wahrnehmung des Bizarren in der Welt in Bilder verpackt.

Dialog über Pferde und Menschen, „Nachher war es älter geworden, und der Pferdeverleiher hatte es an den Roßkamm verhandelt, von dem wir es auch wirklich kauften." - "War es denn wirklich noch brauchbar?" - "Ja. Ein Bischen maulfaul war es, denn in wie so denn, es geht den Pferden wie den Menschen; je älter man wird, desto mehr hört das zarte Gefühl im Maule auf, und wenn es einmal den Rappel bekam, so mußte man es gehen lassen, weil es dann nicht zu lenken war."

„Ich stand noch im letzten Lehrjungenjahr und hatte mir, um groß zu thun, dem alten Müller seine Meerschaumpfeife wegstibitzt“ ... War es nicht eine Taschenuhr ?

Diese Meerschaumpfeife, von der der Erzähler der Geschichte auch im Nachhinein offenbar noch regelrecht besessen ist, kommt denn auch noch mehrmals vor im Text, "Du bist doch nicht etwa hinaus auf die Bühne?" - "Wohin denn sonst? Der Schimmel war ja hartmäulig! Mit der Linken mußte ich die Meerschaumpfeife festhalten, und mit der Rechten hatte ich mich an das Viehzeug geklammert, daß es nicht parterre mit mir gehen sollte. Da fängt drin das Chor der Rache nach derselben Melodie von vorhin zu singen an“ ..., nämlich "Noch heute soll der Stolze büßen, ich schwörs, obgleich ihn Ruhm bekränzt! Der feindliche Stahl trifft den Sieger, Wenn auch Hoheit ihn jetzt umglänzt!" So war das; „es wird ein Heidenskandal, Mordspektakel; das ganze Volk von Neapel mit dem ganzen Chor der Rache stürzt auf mich herein und reißt mich vom Pferde; der Vorhang fällt dem geehrten Publikum vor der Nase zu; das ‚Ehrikum’ sitzt draußen und brüllt vor Lachen; ich aber werde von sechzig Fäusten 'durchgepubelt,' daß mir die Schwarte knackt, und als ich wieder zur Besinnung komme, liege ich zerschunden und zerschlagen draußen vor dem Theater, die Kanonenstiefeln krümmen sich vor mir, als ob sie Kolik und Leibschmerzen hätten, die Meerschaumpfeife hatten sie mir in die Zipfelmütze gewickelt, aber der Stiefel, der Kopf und die Spitze waren nicht aufzufinden gewesen, rechts vor mir steht der Schimmel und macht ein Gesicht, als ob er das Chor der Rache verschlungen habe und nicht wieder von sich bringen könne, und links steht ein Polizeidiener, der nur darauf gewartet hat, daß ich wieder zu Athem kommen soll, um mich nachher zu arretiren.“ Nur nie den Humor verlieren dabei.

„Ich habe sie gar nicht wieder gefunden“, die abgehauene Nase.

„Und da wir uns einmal zusammengefunden haben, werde ich Dich auch nie wieder verlassen“, Leid, Tragikomik, Rührung und Menschlichkeit können nah beieinander liegen, „Er reichte ihm die Hand, welche Brendel mit sichtbarer Rührung drückte. Der alte Wachtmeister hatte nun bereits seit langen Jahren treu zu ihm gehalten und stets so an ihm gehandelt, daß es ihm leichter wurde, den Verlust seines Beines und seiner Nase zu ertragen.“

In der Nähe des Klosters liegt ein „kleines Kapellchen. Es enthielt ein Marienbild, welches wegen seiner Wunderthätigkeit weithin berühmt war und jährlich zweimal den Zielpunkt außerordentlicher Wallfahrten bildete. Dann herrschte ein sehr reges Leben auf dem Berge, welcher sich in einen ungeheuren Meß- und Belustigungsplatz verwandelte. Die Herren Patres gaben der heiligen Mutter Gottes ihre Erlaubniß, irgend ein in die Augen fallendes Wunder zu verrichten, verkauften Rosenkränze und Heiligenbilder und vertauschten ihren Segen gegen klingendes Metall, welches reichlich einzufließen pflegte.“

Und dann erleben wir den folgenden Dialog: "Kerl, was thust Du hier?" [...] - "Das sehen Sie ja. Ich schmiere meine Stiefel!" - "Aber womit!" - "Mit Oel." - "Aber dies ist ja die ewige Lampe hier aus der Kapelle!" - "Ja; aber das Oel ist ganz gut für die Stiefel."

„Mein Vater, der sein Bruder war, ist gestorben, und da hat er mich zu sich genommen", sagt der Knabe, „Diese Worte wurden in einem Tone gesprochen, welchem anzuhören war, daß dem Knaben der Tod seines Vaters eine höchst gleichgiltige Sache sei.“

„Von hier aus hatten die alten Ritter dem edlen Handwerke des Wegelagerns obgelegen, und von hier aus setzte der Prinz dieses edle, ächt aristokratische Vergnügen fort, nur auch in einer Weise, welche den gegenwärtigen Zuständen angemessener war.“ Reflexartig kann einem „Hasab Murat [...] nahm sich vor, zwar bei dem einträglichen Geschäft zu bleiben, es aber schlauer zu betreiben als bisher und dabei mehr Menschlichkeit walten zu lassen“ aus der Schlußpassage der „Sklavenkarawane“ einfallen, es ist alles heute noch so.

„Er liebt sie; nicht?" - "Hin, er liebt Alle!" Klare Aussage.

Nüchterne Analysen, „Er hat ihr versprochen sie zu heirathen, will aber nur ihre Schönheit genießen, und das ahnt sie jetzt. Er hat sich durch diesen albernen Befehl, sie zum Anlegen unzüchtiger Kleidungsstücke zu zwingen, verrathen. Gehorcht sie ihm, so ist sie verloren, denn er wird satt und vergißt sie. Sie stirbt dann auf Schloß Himmelstein oder da unten im Nonnenkloster; denn er sorgt ganz sicher dafür, daß sie verschwunden bleibt. Durch das Versagen seiner Wünsche aber facht sie dieselben vielleicht zu einer solchen Höhe an, daß er doch noch am Ende die Unklugheit begeht, sie zu heirathen. Dazu gehört freilich mehr Talent als sie besitzt; dazu gehört eine genaue Berechnung, eine so schlaue Taktik, wie sie nur bei sehr erfahrenen Frauen zu finden ist."

„Auf alle Fälle aber muß ich Ihnen sagen: Sobald Sie sich in dem Verließe befinden, sind Sie das Eigenthum des Knechtes, der Sie füttert. Er wird glücklicher sein als ich."

„Was meinen Sie, wie wäre es bei den Nonnen?" - "Sehr praktisch. Da steckt sie gut und bleibt Ew. Hoheit immer aufgehoben. Ich wette, daß sie in kurzer Zeit so wohl erzogen ist, daß sie Ihren Besuchen mit Sehnsucht entgegensieht." - "Meinen Sie? Sollten die frommen Schwestern so gute Erziehungsmittel haben?" -"Allerdings." -"Strenge?" - "O nein, sondern das Beispiel. Das Beispiel ist in der Liebe ebenso mächtig wie irgend wo anders“ ...

„Es gibt in dem Klosterkirchhofe einen Winkel, in welchem man beim Nachgraben nichts finden würde als die Ueberreste neugeborener Kinder." - "Nicht möglich! Wer wären dann die Väter?" - "Die Mönche. Wer anders?" - "Alle Teufel!" - "Ja. Die frommen Väter und Mütter haben einander sehr lieb“ ... Während des Spaziergangs findet man offenbar ein entsprechendes Knöchelchen ...

Prinz Hugo bekommt im Frauenkloster „sehr guten Wein in einem goldenen Ehrenhumpen“ kredenzt, „vielleicht schlürften auch die frommen Klosterfrauen zuweilen aus seiner goldenen Tiefe das Getränk der Wahrheit, der Liebe und Begeisterung. Sie sahen nicht aus, als ob sich das Gegentheil von selbst verstehe.“

"Hat vielleicht eine der frommen Schwestern das Bedürfniß zur heiligen Ohrenbeichte zu kommen?" [...] - "Wohl mehrere. Hochwürden haben eine längere Zeit nicht vorgesprochen." - "So sind vielleicht einige dabei, welche heut der heiligen Pönitenz bedürfen?" Wir erfahren noch, was das ist, „Die christliche Kirche hat der herrlichen Gaben so sehr viele, daß sie Vergebung und Gnade mit vollen Händen auszustreuen vermag und jeder gläubigen Seele das bietet, was zu ihrem zeitlichen und ewigen Heile erforderlich ist."

„Hoheit, der Weg zur Vollendung ist nicht glatt und eben, sondern mit rauhen schmerzhaften Dornen bewachsen, [...] Der Geist trachtet nach himmlischen Gütern, aber der Körper ist zuweilen schwach. Die Wünsche und Lüste des Fleisches sind nur schwer zu tödten, und wenn man sie gestorben meint, so erheben sie sich doch oft plötzlich wie ein gewappneter Mann, dem kaum zu widerstehen ist. Dann fliehen die frommen Schwestern dorthin, wo sie Rettung finden, in die Arme der Buße, und ich gewähre ihnen dieses Mittel, um sie zu stärken gegen die späteren Anstrengungen, die sie auf ihrem rauhen einsamen Pfade zu überwinden haben. Die sündhaften Gedanken des Fleisches werden besiegt durch die Kraft der heiligen Pönitenz [...] Kasteiung und Tödtung des aufrührerischen Fleisches, in der Gewöhnung an eine höhere Kaltblütigkeit und Gleichgiltigkeit gegenüber der Sünde, welche den Körper empört und den Geist mit verderblichen Wünschen erfüllt. Die heilige Pönitenz findet statt in besonders dazu eingerichteten Zellen des Schwesterhauses. [...] Die Büßerinnen werden in einzelne Zellen eingeschlossen, welche verriegelt werden, nachdem je ein Bruder bei ihnen Zutritt genommen hat. Er ertheilt ihr die Ruthenschläge auf den entblößten Rücken und bewirkt unter frommen liebevollen Worten das Verschwinden der sündhaften Wünsche und Regungen. Erst dann, wenn sie denselben abgestorben ist, ertheilt er ihr seine Absolution und gibt das Zeichen, daß er die Zelle verlassen will."

"Interessant, höchst interessant, diese fromme priesterliche Bemühung um das Heil einer strauchelnden Seele!" - "Ja; diese Bemühung aber dient auch zur Uebung für den Bruder selbst. Auch er ist ein schwacher Mensch, den nur die Gnade stärken kann; auch er hat Augenblicke, in denen sein Geist mit dem Körper ringen muß, und dann bittet er die Schwester, ihm die Kasteiung zu ertheilen. An den Thüren der Pönitentiarzellen sind kleine, mit einem Glasfensterchen versehene Klappen angebracht, durch welche es mir und der Priorin möglich gemacht wird, die Büßung zu überwachen." - "Wie ich vorhin bemerkt habe, kommt es auch vor, daß Sie diese Büßung verweigern?" - "Ja, wenn sie von einer Unwürdigen gefordert wird. Die Reinigung des Körpers und der Seele von den Schlacken der Sünde ist eine hohe Gnadengabe, welche sich die heilige Kirche nicht abzwingen und abtrotzen lassen kann. Es muß in demüthigen Worten um dieselbe gebeten werden.“

„Hat das Schwesterkloster auch so ein kleines Pförtchen, durch welches man unbemerkt Zutritt nehmen kann?" - "Ja." - "Dann ist es zu ermöglichen. Besorgen Sie mir den Schlüssel dazu. Eines aber muß ich bemerken: Ich wünsche nämlich nicht, daß die Büßerin, welche ich Ihnen zuführe, von einem Fremden zur heiligen Pönitenz gezwungen werde." - "Sie betrachten also die Seele der Verirrten als Ihr immerwährendes Eigenthum?" - "Ja; wenigstens so lange, als bis ich sie Ihnen ausdrücklich übergebe." - "Und wenn sie nun verlangt Buße zu thun?" - "So haben Sie mich zu benachrichtigen. Die heilige Kirche ist reich an himmlischen Gütern, aber sie kann ohne irdischen Besitz nicht sein. Wir Fürsten haben die Macht, ihr den Glanz zu verleihen, der ihr gebührt, und das werden wir gern thun, wenn ihre Diener sich freundlich und hilfreich zu uns stellen." - "Ich stehe Ihnen zur Verfügung, Hoheit.“

Toska scheint gerettet zu werden, aber „Man hatte sie aus der Höhle des Fuchses in diejenige der Hyänen geführt. Sie sollte das Opfer von allen Beiden werden.

 

Drittes Kapitel - Im Zuchthaus

Wir kommen nach "Schloß Hochberg, welches seit langer Zeit viele Hunderte derjenigen Unglücklichen in seinen Mauern barg, welche sich gegen die Gesetze vergangen hatten und nun gezwungen waren, dies durch die Entziehung ihrer Freiheit zu büßen."

"Die Straße endete vor einem breiten, finsteren, massiv mit Eisen beschlagenem Thore, an welchem ein mächtiger Klopfer befestigt war. Der Transporteur ergriff denselben und ließ ihn erschallen. Wie mußte dieser Klang jeden nicht gefühllosen Menschen berühren, der hier gezwungen war, mit dem bisher zurückgelegten Theile seines Lebens abzuschließen!"

"Der Gefangene war von diesem Augenblicke an von der Außenwelt abgeschlossen, war keine Person, sondern nur ein Gegenstand, auf den sich die physiologischen Bestrebungen seiner Vorgesetzten richteten, und besaß keine Selbstbestimmung, keinen freien Willen mehr."

"Dies waren die Zu- und Abgangszellen des Zuchthauses von Hochberg, die schlimmsten Zellen der ganzen Anstalt. Es ist nothwendig, dem eingelieferten Verbrecher seine Lage sofort in ihrer häßlichsten Gestalt zu zeigen und denjenigen, welcher seine Strafzeit überstanden hat, noch vor dem Rückfalle abzuschrecken. jeder Züchtling verlebt den ersten und den letzten Tag seiner Detentionszeit in einer dieser fürchterlichen Zellen."

"Wie hast Du geheißen?" Man beachte ... Vergangenheitsform ...

"Wer willig und arbeitsam ist, kann nicht klagen, wer aber widerstrebt, dem geht es nicht gut." Das gilt, wenn man so will, drinnen wie draußen ...

"Die fürchterliche Umgebung verfehlte doch ihren Eindruck nicht auf den Gefangenen. Es war ihm, als hätte ihn jemand vor den Kopf geschlagen. Er ließ sich auf dem alten hölzernen Schemel nieder und legte das Gesicht in die beiden hohlen Hände. Aber sein Auge blieb trocken, und keine Thräne der Erleichterung oder der Reue drang zwischen seinen Fingern hervor. So saß er lange, lange Zeit" ...

Offenbar schon früh war May "Psycholog", "Wer bist Du denn?" fragt einer, darauf der andere zunächst "Das ist Nebensache!", und dann der Autor "Dennoch aber siegte die den meisten Menschen innewohnende und sogar sich in der tiefsten Erniedrigung regende Eitelkeit so, daß er hinzusetzte", nämlich "Ich war nichts Gewöhnliches; der Prinz war mein Freund."

"Und diese Anstaltsbeamten sagen, daß der Gefangene keinen Willen habe, sie wollen ihn als Gegenstand irgend einer Besserungsmethode behandeln!" entfährt es, nach eben dem nicht Entsprechendem, samt Rufzeichen unserem Autor, der offenbar auch aus eigener Anschauung weiß, daß diese Anstaltsbeamten sich da täuschen ...

"Der eine war Direktor und der andere Oberarzt einer Irrenanstalt gewesen", das Personal aus "Scepter und Hammer" stellt sich nach und nach zahlreich ein.

Man überwältigt und knebelt den Aufseher, wobei es nicht eben zimperlich zugeht, der Schreiber "mußte aber mit seinem Messer die Zähne des Aufsehers auseinanderbrechen".

Szenenwechsel, "Der Knabe mochte etwas über vierzehn und das Mädchen ungefähr zehn Jahre zählen", das sind Kurt und Magda.

Zarba, Thomas Schubert, der seine "Parpara" errungen hat, sie sind alle wieder da.

"Da aber stand Kurt mit einer gespannten Pistole in jeder Hand. Er blitzte sie mit seinen schwarzen Augen an" ... Früh übt sich.

"Kurz vor dem Antritte ihrer Flucht hatten beide versichert, daß sie lieber sterben als sich fangen lassen möchten und ihr Leben theuer verkaufen würden. Es kam weder zum Sterben noch zu einer Vertheidigung." Sarkastisch trockener Blick auf Mitmenschen.

"Herrgott, ich wollte, die ganze Menschheit hätte nur einen einzigen Kopf, und ich könnte ihn herunterhauen!" Wer sich eine solche Formulierung ausdenkt, hat vermutlich selber schon ähnlich empfunden ... (Kurt Helmers sagt übrigens im letzten 'Waldröschen'-Band Ähnliches.)

 

Viertes Kapitel – Der Schatz der Begum

Schauplatzwechsel, „im Wunderlande von Indien“, am Ganges, von dem die Inder „sogar den Glauben hegen, daß Derjenige, welcher in den Fluthen des berühmten Stromes den Tod sucht oder sich von den darin befindlichen Krokodilen auffressen läßt, sofort von Brahma in den herrlichsten seiner Himmel aufgenommen wird.“

„Die Franken sind falsch!" - "Die Indier auch, ganz ebenso. Es gibt überall fromme und gottlose, treue und untreue, gute und böse Menschen.“ So ist es. Bzw., noch etwas anders ... sie sind sowohl gut als auch böse usw., gleichzeitig, wenn man es so ausdrücken will, und das sind sie in Franken wie in Indien und anderswo.

Zwei lernen sich kennen, „Bleibe!“, sagt sie, „Der Ton dieser Stimme hatte etwas so Gebieterisches und doch so Liebliches, er drang durch das Ohr des Hörers bis in das tiefste Leben desselben hinab. Maletti gehorchte und drehte sich wieder um.“

Und als der geneigte Leser sehr bald darauf noch denkt, die sind sich aber schnell einig geworden, liest er „In jenen tropischen Ländern tritt jedes Naturereigniß mit größerer Schnelligkeit ein als bei uns, der Sturm kommt unvorhergesehen; das Wetter umzieht ohne alle Vorbereitung den Horizont, die Sonne durchbricht die finstern Wolken ohne sich erst anzumelden; Tag und Nacht scheiden ohne Dämmerung, und auch die Gefühle des Menschen erobern sein Leben, Denken und Handeln ohne erst den kühlen berechnenden Verstand um die Erlaubniß zu befragen.“

Bei den Thugs handelt es sich um welche, „bei denen der Mord zur Religion geworden ist, und welche dieser Religion mit der entsetzlichsten Energie huldigen.“

Der gefangene Maletti konnte „genug sehen, um mit der größten Sorge für sein Leben erfüllt zu werden, denn es wurden während der Fortdauer der Rede die Messer auf ihn gezückt, und eine Menge der scheußlichsten Geberden sagten ihm diejenigen Glieder seines Leibes, welche man der Reihe nach abschneiden werde.“

„Dem Gefangenen schwanden vor Entsetzen beinahe die Sinne.“ Durchaus nachvollziehbar.

"Rabbadah - - - !" Der Name rettet ihn.

Die Thugs „sind nur ihren Feinden furchtbar, furchtbarer noch als die wilden Thiere der Dschungel; ihren Freunden aber sind sie wie die Sonne der Erde und wie der Thau dem Grase. Hier, nimm diesen Zahn, trage ihn auf der Brust und zeige ihn vor, wenn Du wieder einmal in die Hände der Brüder fallen solltest. Du wirst wie ein Freund entlassen werden.“

Hübscher Dialog, "Hat Dein Vaterland auch Sterne?" - Es hat welche." - "Sind sie so schön und hell wie die unsrigen?" - "Nein." - "So kehre nie zurück, und erlabe Dich vielmehr an den Wundernächten dieses Landes. Hat Dein Land auch Frauen?" - "Ja." - "Sind sie so schön wie die unsrigen?" - "Ja." - "Auch so schön wie die Begum?" - "Nein." - "So kehre nicht zurück in die Ferne, sondern bleibe hier, um den Stern, welcher Dir in der letzten Nacht aufgegangen ist, festzuhalten, damit er Dir nie wieder untergeht!"

Nüchtern geschilderter Tier-Kampf, mit allen unerfreulichen Begleiterscheinungen, „ein heißeres entsetzliches Brüllen erscholl, ein tiefes befriedigtes Brummen mischte sich darein: der Bär hatte dem Panther den Leib aufgerissen, so daß der Verwundete die Gedärme nach der Ecke schleppte, in welche er sich schleunigst retirirte“. Schillers 'Handschuh' läßt übrigens kräftig grüßen in der ganzen Szene.

„Es erfolgte nun ein höchst interessantes Schauspiel.“ Nun, das ist wahrlich Ansichtssache. „Laute Zurufe belohnten den Sieger für seine Tapferkeit“, dem geneigten Leser ist ggf. einigermaßen übel.

Das Thema kommt auf ihren Geliebten, da kommt „Leben in die bisher kalten Züge“ der Begum, die ebenfalls zusieht bei der speziellen Vorführung ...

Der Bär schaut sich seinen Gegner genau an, „Bei einem menschlichen Kämpfer hätte man diese Thätigkeit rekognosciren genannt“, selbst wenn es eigentlich nicht so ganz paßt mag unser Autor auf eines seiner Lieblingswörter nicht verzichten ...

Dramatische Zuspitzung, „Die Absicht des Elephanten war erreicht, er hatte den Gegner abgestreift, war aber dabei so verwundet und zerfleischt worden, daß er wie rasend und von Sinnen in der Arena herumstünnte. Der Bär hatte jedenfalls bedeutende Quetschungen erlitten, stand aber wohlgemuth auf allen Vieren und betrachtete sich gemächlich die Trümmer der Tribüne, unter denen die beiden Damen fast begraben lagen.“

Szenenwechsel. Aparte Formulierung: „Alphons lächelte, aber hinter diesem Lächeln lauerte der Sturm.“

„Sie war nur mit einem leichten Gewande bekleidet, welches sich so eng an ihre vollen herrlichen Formen. schmiegte, daß er deutlich das Klopfen an seinen Schläfen hören konnte. Er schloß die Augen.“

„Fluch ihnen! Es war Alles auf den Krieg vorbereitet, noch ehe dieser elende Lord Haftley zu mir kam. Diese Gesandtschaft wurde nur zu dem Zwecke abgesendet, mir einen offiziellen Grund zur Feindseligkeit abzuzwingen. Es ist ihnen gelungen, denn es mußte ihnen gelingen." So geht das halt ... noch heute. Und weiter.

„Es kam das Feuer des Krieges über ihn.“

Der Angriff auf Augh ist ein „längst vorbereitetes und sorgfältig geheim gehaltenes Bubenstück!“ Siehe vorletzte Anmerkung ...

Die Begum steht „gleich einem überirdischen Wesen, von den Flammen der brennenden Stadt und den blutigen Reflexen des Stromes beleuchtet“ und sagt "Fluch, dreifacher Fluch diesen Inglis! Sie schimpfen und höhnen, sie treiben und hetzen, sie lügen und betrügen, sie sengen und brennen, sie plündern und morden; Fluch ihnen, tausendfacher Fluch!" Geschrieben übrigens um 1880.

 

Fünftes Kapitel – Nach der Juweleninsel

Maletti will den Anblick von Massenexekution und Folter bewußt aushalten, "Es ist wohl das erste Mal, daß es einem Europäer vergönnt ist, einem solchen Opfer der Ihugs zuzuschauen, und ich bin es der Civilisation schuldig, daß ich mir die Fähigkeit erwerbe, ein vollgiltiger Zeuge dieser höllischen Schauspiele zu sein." Sein Autor merkt „Und er hielt aus!“ an und fügt hinzu „Es dauerte wohl an zwei Stunden, ehe er zum Sitz zurücktrat, und während dieser Zeit hatte mancher gräßliche Schmerzensschrei und manches entsetzliche Todesröcheln den Weg zu der hohen Loge gefunden. Es gehörte dies nur zu hören die muthige Seele der Begum dazu.“

Man hat Dienerschaft ganz verschiedener Couleur zu persönlicher Verfügung, je nachdem, welch ein Zeichen man gibt, tritt entweder „ein sehr reinlich gekleideter Knabe ein“, oder „ein ungefähr zwölfjähriges Mädchen“, „ein Weib in den mittleren Jahren“ oder „ein Mann von eben demselben Alter [...] Sein Gesicht hatte einen recht freundlich-pfiffigen Ausdruck. Man sah es ihm an, daß er auch schwierige Aufträge gern und mit Gewissenhaftigkeit auszuführen bereit sei.“

Lubah entführt den Sultan, indem er sich dessen Vertrauen erschleicht, „Keine Miene seines Gesichtes verrieth seine große Freude über das Glück, welches ihn bei seinem gefährlichen Vorhaben bisher begleitet hatte. Wie treulos, verbrecherisch und furchtbar dieses Vorhaben war, das ließ ihn gleichgiltig. Er war ein Phansegar, ein Todesfanatiker, dessen Glaube ihm gebietet, durch möglichst viele Mordthaten sich die Seligkeit des Himmels zu erringen, und nach seiner Meinung war das Attentat auf den Sultan nichts weiter als ein großer Fortschritt auf dem schrecklichen Wege zu dieser Seligkeit.“

„Die englischen Streitkräfte setzten sich trotz der Dunkelheit gegen die Hauptstadt des Landes in Bewegung. Die Vorhut bestand aus lauter Sepoys, welche der Feind sehr leicht mit seinen eigenen Leuten verwechseln konnte, und diese Sepoys hatten an ihrer Spitze wieder zahlreiche inländische Spione“ ... So ist das bei Karl May und in der Welt, Sicherheit ist nirgends ... Siehe z.B. auch „Die Schatten des Schah-in-Schah“ oder „Die drei Tage des Condor“ ...

„Es geschieht hier im Lande nichts, wovon ich nicht von meinen Leuten benachrichtigt würde."

"Die Inglis greifen die Leute von Symoore an," [...] - "Was sagst Du? Sind die Engländer nicht Verbündete des Sultans von Symoore?" - "Sie waren es, aber sie kennen keine Treue und keinen Glauben, sobald es ihr Vortheil erheischt. Sie wollen Augh allein besitzen und haben es sich von dem Sultan erobern lassen, um es ihm sogleich wieder abzunehmen."

„Sie haben Gold genug, um Länder zu erkaufen, und auch Menschen genug, um das Leben derselben ihren Eroberungen zu opfern. Was sie heute nicht erhalten, das werden sie sich morgen nehmen.“

„Wie schwitzet Ihr?" Wiebittewas, denkt der Leser noch, dann liest er „Dieser Gruß ist der unter den Indiern allgemein übliche, da in diesem heißen Lande die Transpiration ein Zeichen der Gesundheit ist, während das Ausbleiben des Schweißes auf eine nahende und jedenfalls gefährliche Krankheit deutet.“ Aha. Man fragt sich, stimmt das, oder erzählt er mal wieder einen 'vom Pferd' ...

Und dann wieder einmal „Es treibt die Fanna heimathslos“, zum gefühlten hundertsten Mal im Gesamtwerk.

„So könnte bei Euch ein Paria ein Priester, ein Brahmane werden?" - "Ja, denn Gott schuf Beide zu seinem Bilde. Nicht die Geburt gibt dem Menschen seinen Werth, sondern der Mensch ist gerade so hoch oder so niedrig wie seine Gedanken, welche er denkt, seine Gefühle, welche er empfindet, und seine Thaten, welche er thut."

„Sie saßen eng umschlungen neben einander; die Sterne funkelten wie Diamanten, das Kreuz des Südens leuchtete glänzend auf sie hernieder, doch die Sterne, welche in den Herzen dieser beiden Glücklichen aufgegangen waren, strahlten heller, viel heller noch als alle die Brillanten des tropischen Firmamentes.“

„Es liegt ein Fluch auf diesem Lande, welches in die Hände der Franken gelegt wurde, um seinen letzten Lebenstropfen zu verbluten.“ Zeitlos aktuell.

„Diese Beiden sind außerordentlich friedfertige und sanfte Männer" heißt es über Mitreisende, "Abgerechnet," schränkt Maletti ein, "daß mir ihre Augen nicht gefallen." Auf ihn hätte man hören sollen ... "An den Augen kann man sich irren," sagt sein Gegenüber, "und bei einem Matrosen ist der Blick Nebensache.“ Oh Nein ... Aber die Menschen pflegen in der Hinsicht halt mit Blindheit geschlagen zu sein ...

„Ein Roman, ein völliger wirklicher Roman ist es, den Sie durchlebt haben," [...] - "Noch ist der Schluß desselben nicht im Druck erschienen!" - "Pah! Der Schluß läßt sich aus der ganzen Anlage des Opus leicht vermuthen." Ein Dialog gleichsam zu Karl May ... passend zur 'Juweleninsel' ... es ist irrelevant ob ein Werk teilweise fragmentarisch anmutet, man muß doch nicht alles vorgekaut bekommen ...

Maletti und die Begum überleben das Massaker auf See und geraten auf die ‚Juweleninsel’, von der dann des weiteren nicht mehr viel die Rede sein wird, „Er wurde während der Rede zu Boden geschleudert, und zugleich vernahm man ein knirschendes, bohrendes und sägendes Geräusch, als wenn tausend Hände beschäftigt seien, den Rumpf des Schiffes zu zerstören. [...] bot sich ihm ein trostloser Anblick dar. Gerade vor dem Buge des Schiffes erhob sich eine dunkle drohende Felsenmasse“ ... Ein beeindruckendes Bild für eine existentielle Situation.

„An dem Aste des Baumes hing ein Menschenkopf an einem aufgedrehten Tauende, und der halbverweste Körper lag am Boden. Daneben war ein Messer, ein Südwester und nebst verschiedenen Kleinigkeiten ein Heuerbuch zu bemerken. Maletti öffnete es und las den darin verzeichneten Namen. Er stand vor der Leiche des auf die Insel ausgesetzten Matrosen, der seiner Einsamkeit dadurch ein Ende gemacht hatte, daß er sich an dem Baume erhing. Dort das Schiff mit den Leichen, hier die Ueberreste des Selbstmörders - es schauderte den tapfern Offizier, wenn er an das unvergleichliche Wesen dachte, welches neben ihm diesen Schrecknissen ausgesetzt war. - -“

 

Sechstes Kapitel – Der Seekadett

„Es war am frühen Morgen. Zwar hatte es noch nicht vier Uhr geschlagen, doch machte sich bereits das rege Leben einer Residenzstadt bemerklich. Die letzten Nachtschwärmer taumelten bleichen Angesichtes nach Hause und gaben sich Mühe, sich nicht vor den Milch- und Gemüsefrauen zu schämen, welche bereits vom Lande hereingekommen waren, um ihre täglichen und frühen Käufer und Kunden zu befriedigen. Hier und da öffnete sich eine Hausthür, aus welcher ein bereits munteres oder auch noch ziemlich verschlafen aussehendes Dienstmädchen trat, und hier und da konnte man wohl auch einen Arbeiter bemerken, welcher den Weg nach einer entfernten Fabrik einschlug.“

„Ja, Parpara, als wir uns heiratheten, hapen wir alle Peide in einen großen Glückstopf gegriffen.“ Das ist selten, aber das gibt es.

Kurt ist jetzt 17, „strahlend vor Jugend und Kraft, und die schmucke Uniform, welche er trug, war ganz geeignet, die Formen seines kräftigen Körpers hervorzuheben.“

Sein Freund heißt „Graf Karl von Mylungen“, na, wer mag das wohl wieder eigentlich sein sollen ...

Und „der Heinrich, welcher früher Artillerist gewesen ist, erzählt Schießabenteuer, in denen er das Blaue vom Himmel herunter lügt." - Münchmeyer ?

Bei dem abstrusen Witz mit dem Hasen ist die Reaktion Baldrians das Beste, „Baldrian nickte bedächtig“ und "Das ist am Den!", „meinte er zustimmend.“

„Hier lügen Wir vor Badafia“, auch nicht übel ...

"Wie gefallen dir meine Verwandten?" - "Außerordentlich." - "Das konnte ich nicht vermuthen." - "Weil es so einfache Leute sind? Pah, ich gebe den Teufel auf Aeußerlichkeiten! Diese Leute sind herzensbrav. Der Edelstein hat auch ungeschliffen seinen Werth; durch den Schliff verliert er an Volumen.“ Sehr schön. (Eine konstruierbare Nebenbedeutung in Sachen Diamantenschleiferei und 'Juweleninsel' registrieren wir zusätzlich am Rande.)

„An diese Begebenheiten knüpfen sich noch Dinge und Verwickelungen, welche Stoff zu vielen Romanbänden geben würden." Immer mal wieder kleine sozusagen private Anspielungen ...

Daß der General „sich in der Gesellschaft seiner zwölf Hunde am wohlsten befindet“ erfahren wir so nebenbei ... auch das sind so kleine Einsprengsel ...  Thema Misanthropie ... der gutmütige und kluge Octave Mirbeau soll am Ende seines Lebens übrigens ebenfalls die Gesellschaft der Hunde der der Menschen vorgezogen haben. [Der eine oder andere braucht weder Menschen noch Hunde ...]

"Ich bin hier über einer sehr interessanten Lektüre." - "Was ist es?" - "Brand, die Taktik der drei Waffen." - "Ein ausgezeichnetes Buch, Herr General!" - "Ah, Du kennst es?" - "Nein." - "Aber wie kannst Du dann sagen, daß dieses Buch ein ausgezeichnetes sei?" - "Weil Exzellenz es lesen, was nicht geschehen würde, wenn es nicht gut wäre." - "Schön! Kannst jetzt gehen“ ...

Die Damen Schwestern nehmen so ihre verschiedenen Ersatzhandlungen vor, wenn sie an Männer denken oder von ihnen sprechen ...

Magda indes „schritt [...] zwischen den Beiden auf der Straße dahin wie eine richtige große erwachsene Dame zwischen zwei Rittern, die für sie kämpfen und sterben wollen. So hatte sie zuweilen in einem Buche gelesen, und als noch einige freundliche oder erkundigende Worte gefallen waren, erhielt sie ihre Fassung zurück und wagte es nun, die beiden jungen Herren ganz verstohlen ein wenig mit einander zu vergleichen.“ Sie wird immer noch nicht sympathischer ...

"So würde ich, wenn ich Naturforscher wäre, diese Gattung Cavia Wankalis nennen oder Cavia Cupida, das heißt nämlich Liebesschweinchen." - "Liebesschweinchen, Cavia Cupida! Ja, Cupido war ja der Gott der Liebe. Hörst Du, Zilla, welche Sorte von Schweinchen ich habe. Graf, behalten Sie es immerhin auf Ihrem Schooße. Ich gebe es sonst niemals aus der Hand, Ihnen aber will ich es gern anvertrauen." Sehr hübsch ... (sie hält es für eine Art Kompliment ...)

Hund und Katz’ und drei Schwestern, umstürzende gedeckte Tische ... „ein Anblick, welchen Niemand beschreiben konnte, weil, als sich die Schwestern endlich aus den Geschirrtrümmern aufgerichtet hatten, kein weiterer Mensch mehr im Salon zu sehen war. Kunz und die beiden Kadetten hatten die Unglücksstätte sofort verlassen. –“

Die Geschichte vom Pferd im Theater lesen wir in allen Einzelheiten über mehrere Seiten innerhalb des gleichen Buches ein zweites Mal ... [warum nicht ... so etwas muß man nicht so eng sehen.]

Um richtigen Militärdienst ist der wackere Reiter auf diese Weise herumgekommen, „denn in wie fern denn und in wie so denn, mein Rücken sah stets himmelblau und im Arrestlokale hatte ich mein immerwährendes Standquartier nebst Wasser mit trockenem Kommisbrode." Vergangenheitsbewältigung auf lockere Art.

„In der Bibel steht: Du sollst nicht tödten, und wer Menschenblut vergießt, deß Blut soll wieder durch Menschen vergossen werden. Der Bibel habe ich gehorcht und habe also meine Schuldigkeit gethan. Warum soll ich einen Menschen erschießen, den ich gar nicht kenne, oder einem Andern das Bajonnet durch den Leib rennen, obgleich er mir noch nie etwas zu Leide gethan hat? Als daher die Kanonen zu brummen anfingen und ich auch mit schießen, hauen und stechen sollte, da that ich, als sei ich von einer Kugel getroffen worden, und ließ mich in einen trockenen Graben fallen. Ich dachte, hier wäre ich sicher; aber prosit die Mahlzeit! Die Kavallerie kam herangesaust; es waren Kürassiere, und das Pferd eines Wachtmeisters trat mir auf das Knie, habs der Teufel, nämlich das Pferd und nicht das Knie, obgleich er es auch geholt hat.“

„Nachher aber kam mir der Brand in das Knie, und das Bein wurde mir abgeschnitten. Wäre ich ein Krebs, so wäre es mir sammt der Nase wieder gewachsen. Manch Viehzeug hat es besser als der Mensch!"

Szenenwechsel, es geht nächtens hinauf zum Kloster. „Die frommen Schwestern waren wohl längst schlafen gegangen oder knieten in ihren Zellen, um im Stillen mit Dem zu verkehren, dessen Bräute sie geworden waren.“

„Mein Frühling ging zur Rüste,“ ... Das kennen wir schon aus „Old Firehand“.

„Wenn sich zwei Herzen Scheiden,“ ... Und das aus diversen anderen Werken.

"Hilfe!" ruft Anna, „Es war kein Ruf, denn sie durfte nicht laut sprechen; daher war dieses Wort mehr ein Flüstern in die Ferne, als ein Schrei, aber Kurt verstand es ganz deutlich.“ Sie müßte nicht einmal wirklich gerufen oder geflüstert haben, um das „Flüstern in die Ferne“, das auch ein inneres sein kann, wahrnehmbar werden zu lassen ...

Die Angelegenheit hat etwas von Senitzas Befreiung.

Und dann hört Kurt den Dialog zweier, die offenbar eine Kinderleiche vergraben ... „Das wievielte?" - "Das fünfte in diesem Jahre." - "Fruchtbares Land." - "Hahaha! Wenn es gut bebaut wird.“ ...

Man kann unserem Autor wirklich nicht nachsagen, daß er es hier an Deutlichkeit mangeln läßt, auch als die Herrschaften sich anschließend über die 'Unfügsamkeit' einer jungen Dame unterhalten, „Man hat ihr Bücher gegeben, deren Inhalt und Abbildungen sie fügsam machen sollten, man hat sie in die 'Aussicht' gesteckt, wo sie unsern Zusammenkünften zusehen muß, selbst wenn sie nicht will - es hat nichts geholfen.“

„Schwester Klara sollte noch hier sein." Klara Plöhn wird nicht gemeint gewesen sein zum Zeitpunkt der Niederschrift.

 

Siebtes Kapitel – Der Bowie-Pater

Eine Art Mischung aus Sam Hawkens und Old Firehand, ein früher Old Shatterhand („Feuertod“) mit Henrystutzen und ein „großer“ Apache … früh übt sich.

„Das Sprechen in der Prairie oder im Walde ist eigentlich eine sehr große Dummheit. Man kann sich dadurch ganz gründlich verrathen." Damals schon … und in der Prärie, wo man sich vorm Belauschtwerden doch eher sicher wähnen könnte …

Der „Indsman, der aller Welt den Krieg erklärt, weil alle Welt ihn vernichten will.“ Ursache und Wirkung …

Poetische Beschreibung der Umgebung.

"Zwölf Doppelbüchsen geben vierundzwanzig Todte, wenn man die Kerls überrascht; dann die Messer, Pistolen und Revolver, so werden von den rothen Hallunken nicht viele übrig bleiben." - "Was haben sie Euch gethan, daß Ihr solche Liebe zu ihnen habt?" - "Was hat Euch der Floh gethan, daß Ihr ihn nicht leiden mögt? Ungeziefer!“ Man ist nicht zimperlich.

Massenerschießung in die Falle gelockter Wehrloser, „und nun gab es da unten unter gellendem Heulen und Schreien ein Chaos von Todten, Verwundeten und noch Lebenden, das ganz entsetzlich war.“

„Auch die Andern stiegen jetzt hinab, und nun war es grausig zu sehen, wie der Bowie-Pater jedem, in dem er noch Leben verspürte, sein Messer in das Herz stieß, um ihn vollends zu tödten. Es war über den kleinen Mann eine Art wildes Fieber gekommen. Seine Augen funkelten wie diejenigen eines Panthers, seine Zähne knirschten, und bei jedem Stoße murmelte er eine Zahl, aus welcher seine Gefährten ersahen, daß er sich genau merkte, wie viele Indianer er in die ewigen Jagdgründe geschickt habe.“

Nach einem weiteren Gemetzel kommentiert der „Pater“ lediglich "Das war ein Tag!", und damit hat es sich.

Trotz dieser Ereignisse reiten begleitende Komantschen anschließend „frei und ohne Fesseln. Sie hatten ihr Wort gegeben, und so konnte man sicher sein, daß sie keinen Fluchtversuch unternehmen würden.“ Auf gegebenes Wort ist (dort …) offenbar Verlaß, auch unter extremsten Umständen. (Nicht immer hingegen z.B. auf Flughäfen in Afrika; dies nebenbei.)

Mit zwei Süderländern haben wir es zu tun, Anknüpfung an andere Roman-Teile … Und einen Herrn Sander gibt es. Da hat Autor May in Winnetou IV einen Kreis geschlossen, ob bewußt, ob unbewusst.

„Sie liebte die Person Eures Bruders und die glänzende Stellung des Prinzen zu gleicher Zeit. Sobald Euer Bruder in Folge des Ausganges des Duells zur Flucht gezwungen war und dadurch Alles verlor, was seine Zukunft gesichert hätte, wußte sie, daß sie für ihn verloren sei. Sie besaß nicht die Opferwilligkeit, ihm in die Ferne, in die Armuth zu folgen, sie blieb auf Burg Himmelstein bei dem Prinzen zurück." Der Bowie-Pater alias Miss Ella geht sehr offen und bewusst mit sich sebst ins Gericht.

"Nicht möglich! Sie, die Kunstreiterin, in das Kloster!" - "Ja. Wundert Ihr Euch darüber?" - "Sollte ich nicht?" - "Pah!" Und dann: „Dieses Wort wurde in einem Tone ausgesprochen, welcher wohl verächtlich sein sollte, und doch klang es mehr wie der Schmerzensschrei eines tief gequälten und ungeheilten Herzens. Der Bowie-Pater legte das Gesicht in die beiden Hände und erhob es erst nach einer längeren Weile wieder. Es hatte jetzt ein erdfahles Aussehen und seine Augen funkelten in einer wilden unheimlichen Gluth.“

„Ihr kennt die Klöster nicht! Sie blieb die Courtisane des Prinzen, trotzdem sie eine Nonne geworden war. Und als er nichts mehr von ihr wissen wollte, fand sie reichlichen Ersatz in den Herren Patres, welche heimlich das Frauenkloster besuchten, um die frommen Schwestern auf - den Weg zur Seligkeit zu bringen."

„Die Stadt San Franzisko liegt auf einer Landzunge, hat das große Weltmeer im Westen, die herrliche Bai im Osten und den Eingang zu dieser Bai im Norden. In ihren Straßen erblickt man die blasse schmächtige Amerikanerin, die stolze schwarzäugige Spanierin, die blonde Deutsche, die elegante Amerikanerin, die farbige kraushaarige Dame. Der reiche Kavalier mit Frack, Cylinder und Handschuhen trägt in der einen Hand einen Schinken und in der anderen einen Gemüsekorb, der Ranchero schwingt ein Netz mit Fischen über die Schulter, um damit einen Festtag zu feiern, ein Milizoffizier hält einen gemästeten Kapaun gefangen, ein Quäker hat einige mächtige Hummern in die gleich einer Schürze aufgerafften Schöße seines langen Rockes verpackt - und das Alles bewegt sich neben, vor, hinter und durch einander, ohne sich zu stören.“ Multikulti schon damals, und sich dran zu stören oder eben auch nicht, ist halt individuell verschieden ...

 

Achtes Kapitel

(Die HKA geht von einem verlorengegangenen 8. Kapitel aus und schreibt hier „fehlt“. Der besseren Zuordbarkeit halber wird diese Einteilung hier beibehalten.)

 

Neuntes Kapitel – Ein Bräutigam

„Ihre lange hagere Gestalt neigte sich ebenso wie die des Generals nach vorn, und ihr Haar zeigte jene Farbe, deren Erscheinen keiner Dame Freude zu bereiten pflegt.“ Es sind wieder einige Jahre ins Land gegangen …

Der General ist ehrlich, aber nicht höflich, und das kommt nicht gut an … „Aber Fett - Fett -! Wer kann nur so ein unästhetisches Wort aussprechen! Fett ist ein Schwein, ein Rind, höchstens auch eine Waschfrau oder eine Hökerin, aber dieses Wort zu mir, zur Schwester einer Excellenz! Ich bitte Dich!“

"Vater! Ich bin ja Dein Sohn!" Und dann „Es erfolgte nun eine Scene, welche sich unmöglich beschreiben läßt.“ Ähnlich geartet ist der Fall bei der darauf folgenden Zusammenführung zweier ehemals Liebender, „sie hatte sich zu sehr verändert, aber sie, sie sah ihm in das breite ehrliche Gesicht und in die blauen treuen Augen, welche sie niemals vergessen hatte“.

Im Folgenden allerhand Ereignisse und Verwicklungen, wenig zu notieren.

Dann der letzte Auftritt Zarbas, den man als sehr beeindruckend empfinden kann, "Alles geht - - die Sonne, die Sterne, die Jahre, die Tage, die Blume, der Mensch. Ja, gehe, Tirban; ich gehe auch!"

„Gehst Du mit in den Wald?" - "Ich bin im Walde. Was soll ich im Wald?" - "Kräuter suchen, Zarba." - "Kräuter? Wozu? Um Kranke zu heilen? Was hilft ihnen das? Sie müssen dennoch gehen, früher oder später."

„Zarba wird den Wald nicht verlassen, sondern da liegen und ruhen, wo sie gewandelt hat. Ich habe die Göttin gebeten auf Dich warten zu dürfen; heut bist Du gekommen und heute wird sie mich zu sich rufen. Reiche mir Deine Hand; ich gehe fort!"

Noch einmal ein Aufleben, „Ihre Gestalt stand aufrecht wie in ihren früheren Jahren; ihre Augen bekamen Glanz und Leben; eine plötzliche Energie schien sie um fünfzig Jahre zu verjüngen.“

Aber dann ist ihre Zeit um.

 

Zehntes Kapitel – (Ohne Titel)

„Wieder einmal war für die berühmte Himmelsteiner Wallfahrt die Zeit herbeigekommen. Zwei Männer schritten auf die Schlucht zu, durch welche man zur Höllenmühle gelangte.“

Erfahrungen mit weltlicher Justiz in Sachen Gerechtigkeit sind nicht immer erfreulich, „Vierzehn Tage nach meiner Anzeige kam ein hoher Justizbeamter nach der Höllenmühle, der meine Tochter, meine Frau und mich einem sehr scharfen Verhöre unterwarf. Er behandelte uns, als ob wir Verbrecher seien.“

Wir erleben ein Skatspiel mit tödlichem Ausgang; das Thema Spiel und Spieler kommt des öfteren vor bei Karl May, in der Materie kannte er sich aus.

Diabolische Intrige gegen Kurt, so kann es zugehen, wenn einem etwas angehängt werden soll.

Die Ereignisse in der Mühle werden durch die mehrmaligen Wortwiederholungen des anwesenden Schwestertrios ironisch gebrochen.

"Ich meine, daß eine jede Gesetzgebung, also auch die Strafgesetzgebung, keinen Unterschied der Personen kennt. Vor dem Paragraphen ist jede Parteilichkeit ausgeschlossen?" - "Das versteht sich!" - "Ob der Bettler oder der Reichste, der Vornehmste, ein Dieb, ein Betrüger, ein Mörder sei, das ist gleich; Beide werden gleich bestraft?" - "Ganz gewiß! Aber wozu diese Fragen?" - "Sie werden das sofort hören.“ Denn es zeigt sich, daß dem freilich nicht so ist … bis heute nicht; es war nie anders.

"Aber, mein Herr, das klingt ja wirklich ganz so, als sei Ihre Erzählung aus der Feder von Alexander Dumas, oder Eugen Sue geflossen!" - "Ganz so; Sie haben Recht. Und dennoch rede ich die Wahrheit, ohne allen Schmuck, ohne alle Hinzufügung.“ Denn die Dinge, wie sie bei Dumas etc. vorkommen können, sind halt manchmal wirkllich so ...

„Ah! Ich danke Ihnen für die freundliche Aufklärung, welche Sie mir da über die Rechtsverhältnisse dieses Landes geben! Den armen Teufel, welcher im höchsten Stadium der Noth, im tiefsten Elende, getrieben von der Pein und den Schmerzen des Hungers nach dem Brode greift, welches er nicht bezahlen konnte, den wirft man in das Verließ, ohne Gnade und Barmherzigkeit, ohne Rücksicht auf die "niedrige Stellung" und die "allerniedrigste Verwandtschaft", die der so leicht begreifliche und [zu] bedauernde Grund seines Vergehens ist; dem hohen Herrn aber, der nur im Uebermuthe, in Verachtung und Verlachung jeder bestehenden Ordnung Menschen raubt und Menschen mordet, dem will man seine teuflischen Vergnügungen unbestraft hingehen lassen seiner 'hohen Stellung' und 'allerhöchsten Verwandtschaft' wegen!“

Kurt soll vorbeugend inhaftiert werden, "Schön, Herr Staatsanwalt! Leider aber bin ich einer andern Ansicht. Ich sage Ihnen, daß ich Sie mit dieser meiner Faust zu Boden schlage, wenn Sie es wagen sollten, meinen Freund anzurühren.“ Bewußt anarchisch geht’s zu, „Dieser Bube fragte nicht nach demGesetze, als er Helbigsdorf niederbrannte und meine Tochter raubte, warum soll ich jetzt das Gesetz fragen, ob ich Recht bekommen soll, da unterdessen mein Kind zu Grunde gehen wird. Folgt mir! Ich werde ohne Gesetz und Richter Gerechtigkeit üben. Vorwärts."

Der Bowie–Pater gibt sich als Kunstreiterin Ella zu erkennen.

Geißler wird effektvoll überrascht, „Ich will einige alte Freunde besuchen", lässt der Pater alias Ella verlauten, und „Ich pin der leiphaftige Teufel und komme, um Dich zu holen!" steuert Schubert bei. Eine starke Szene.

Auch der ebenfalls überrumpelte Prinz meint es zunächst nicht mit 'rechten Dingen' zu tun zu haben, immerhin bringt aber die Tatsache, daß der in der Tür erscheinende ihn anspricht, „den Prinzen sofort wieder zu sich. Wer sprechen kann, der ist kein Gespenst.“

Die Brunnenstube kennen wir bereits bzw. werden wir kennenlernen in „Deutsche Herzen“.

Spektakuläres Wiedersehen Ella und Prinz, „Ich bin Dein böser Geist. Blicke mich an!"

„Unter ihr gähnte die schwarze Tiefe, aus welcher weit, weit, wie aus der Hölle herauf, die Lichter der Höllenmühle schimmerten. Wie ein Eichhörnchen kroch das Mann gewordene Weib über die wackelnden Quader“ … Keine Verfilmung könnte das leisten, was Mays Schreibkunst im Kopf des Lesers entstehen lässt …

"Deine Ella ist hier. Setze Dich aufrecht. Wir wollen von Liebe reden, von Liebe, Liebe, Liebe!" - "Laß mich, Ungeheuer!" […] - "Ah, nicht von Liebe? Also von Haß und Rache, von Tod und Hölle? Mir auch recht! Ungeheuer nennst Du mich? O, wäre ich es gegen Dich gewesen, wie Du es gegen mich und Viele warst. Ich könnte jetzt lange mit Dir reden, reden von der Vergangenheit, könnte predigen wie ein Pfaffe, um Deine Seele für den Himmel zu retten. Aber sie gehört in die Hölle und soll zur Hölle fahren. Ich habe keine Zeit für Dich“ …

„Euer Spiel ist aus, und Du kannst nichts weiter thun, als wie ein ächter Cirkusclown mit einem Salto mortale von dem Schauplatze Deiner segensreichen Thätigkeit abtreten. Diesen Salto mortale werde ich Dir erleichtern. Siehst Du die Tiefe da unten? Wie sie lockt, wie sie winkt?“

Sie stürzt ihn hinunter, allgemeines Entsetzen, „Auch des Paters Angesicht war blaß wie der Tod, aber er beherrschte sich.“

Walmy wird aus seinem Verlies befreit, dann Tosca, „Derselbe Duft und dasselbe Stroh“ …

Man möge sie jetzt lassen und beiseite kommen, „bat der Pater mit gebrochener Stimme. Auch er schluchzte wie ein Kind.“

Ella geht in den Wald, „Hätte der Mond geschienen, so hätte Jeder, der in die Nähe gekommen wäre, eine Gestalt knien sehen im tiefen, innigen - Gebete. - -“ Der Indianertöter … Völliger Unfug ist es, wenn Leute schreiben, bei Karl May seien „Gut“ und „Böse“ klar getrennt … sie haben halt nichts verstanden. Getrennt sind "Gut" und "Böse" weder bei Karl May noch im Leben ...

Der Hauptbösewicht ist über Nacht „schneeweiß geworden vor Angst“, aber „kerngesund. Er ist gleich zur Bahn gegangen und auf und davongefahren.“ Weltliche Gerechtigkeit gibt es weder im Leben noch hier bei Karl May.

„Nun machen Sie Anzeige!" - "Ich weiß es, daß man da oben Alles leugnen wird.“

Die titelgebende Juweleninsel wird noch einmal kurz erwähnt, „Der Kapitän hat dort hinter Indien so etwas wie einen außerordentlichen Schatz gehoben“, Ella und Bill Holmers finden zusammen, „Ich bin Dir gut gewesen, als Du ein Mann warst, und nun Du auf einmal eine Miß geworden bist, so ist mir das Dings da unter der Weste ganz außer Rand und Band gerathen.“ … „und nun konnte der frühere Steuermann Schubert seine Geschichte von der Juweleninsel beginnen.“

In der Originalversion schwach, schwer lesbar, unzumutbar ? Unfug. Wie so vieles, was über Karl May geschrieben wird …