AUF HOHER SEE GEFANGEN

Man merkt, daß Karl May hier noch sozusagen übt; doch etwas zu chaotisch wirkt die Geschichte mit ihren ständigen Schauplatzwechseln, ihrer unübersichtlichen Struktur und zahlreichen sehr konstruiert wirkenden Einzelheiten, und seinen Stil, den unverwechselbaren Charme und Witz, hat er noch nicht so recht gefunden.

Der Roman läßt zwar kaum eine Gattung aus und spielt abwechselnd in Deutschland, im Wilden Westen und auf hoher See, auch kommt fast das ganze Maysche Stammpersonal zum Einsatz, von der typischen deutschen knorrigen Durchlaucht und seinem treuen Diener über Westmänner, Winnetou und Wildwest-Komiker bis zu Piraten und Femme fatale, auch eine Wanda taucht wieder auf, aber der Roman vermag lange nicht so zu fesseln wie spätere Werke.

1. Kapitel – Beim „alten Knaster“

„Dorchlaucht“ und Heinz, „Beide hatten die Befreiungskriege mitgemacht und seit jener Zeit nicht wieder von einander lassen können.“

Heinz gesteht „das Denken und Sinnen ist meiner Gesundheit niemals zuträglich gewesen; ich habe nicht die rechte Uebung darin. In meinem ganzen Leben hat es nur eine einzige kurze Zeit gegeben, wo ich zuweilen nicht gewußt habe, wohin mit all' den Gedanken, die ich mir machte; das Draufgehen und Dreinschlagen ist mir sonst immer lieber gewesen.“ Immerhin: „Das lange Zusammenleben mit seinem Herrn hatte eine Accomodationsfähigkeit in ihm entwickelt, welche sich sogar auf die Modulation seiner Redeweise erstreckte.“

Und über Krieg und Frieden hat der Mann so seine eigenen Ansichten, „Gott sei Dank, daß es endlich wieder einmal irgendwo losgeht! Ein Wenig Frieden ist gut; man kann ausruhn und neue Kräfte sammeln; aber wenn er zu lang dauert, so macht er die Menschheit abständig und träge; die Knochen werden weich und die Nerven schwach, und man fühlt sich nicht eher wiederge sund, als bis die Faust von Neuem an dem Säbel liegt.“

Auftritt Wanda, „Sie hing mit kindlicher Liebe und Dankbarkeit an dem bärbeißigen aber tief gemüthlichen Haudegen, und er vergalt ihr diese Liebe mit einer Zuneigung, welche sich selbst die kleinen Tyranneien des liebenswürdigen Wesens geduldig gefallen ließ“.

„Ihre Erziehung war unter der Aufsicht des Obersten eine solche gewesen, daß sie schon als Kind gelernt hatte, das ganze Haus zu dominiren. Aber ihre Herrschaft war eine recht erträgliche und brachte frisches und zuweilen sogar munteres Leben in den stillen Kreis der wenigen und dabei eigenthümlichen Personen, welche auf Schloß Wildauen hausten.“

Intermezzo am Bahnhof, Auftritt Polizeileutnant von Treskow.

Auftritt Peter Polter, Bruder von Heinz. „Du hast mit Deinem Fortgehen den Eltern viel Kummer und Sorge gemacht; aber das ist nun vorüber, und ich freue mich königlich, Dich hier im Leben noch einmal zu sehen.“

Wir hören vom „Schwarzen Kapitän“, von Latour und Letrier.

„Meine Sachen liegen bei 'Mutter Thick' in Hobokken“, sagt Polter, „und was den 'bösen Jean' betrifft, so soll er uns schon einmal an das Fallreep kommen, wenn es in Eurem Wunsche liegt. Was mich betrifft, so wär mir's ganz willkommen; er hat mir meine Uhr mitgehen heißen, und ich möchte ihm für diesen Streich doch gar zu gern ein blaues Zifferblatt auf das Leder schreiben!“

Treskow will die Unschuld des Sohnes Otto Victors beweisen (und so auch Wanda 'erringen'), „Jetzt endlich ist es mir nach so langer Zeit gelungen, die Spur des Thäters zu entdecken. Ich werde ihr folgen und ihn der Gerechtigkeit überliefern und sollte ich dabei alle Erdtheile durchstöbern und alle Meere durchschiffen.“

 

2. Kapitel – Eine finstre Tat

Rückblende. „Er war ein schöner, ein sehr schöner Mann, dieser Vicomte de Latour“.

Wir hören von Adele und Max. Auf erstere hat Latour ein Auge geworfen, „Das Mädchen ist allerliebst, wirklich allerliebst; sie hat etwas Unwiderstehliches an sich, dem man Rechnung zu tragen gezwungen ist, trotzdem man Erfahrung genug besitzt, um dergleichen Abenteuer nur noch von der unterhaltenden Seite zu nehmen.“

„Das Herz ist das albernste Gefäß im menschlichen Körper.“ Latour läßt uns an seiner Haßliebe zu Clairon teilhaben, „Ich war wahnsinnig in diese Clairon verliebt, und jetzt – jetzt hasse ich sie, hasse sie mit aller Kraft und aller Gluth und würde viel, sehr viel darum geben, wenn ich von ihr loskommen könnte. Sie ist mein Engel gewesen und mein Teufel geworden. Die Hölle möge ihr mit einem guten Messerstiche danken; aber tief muß er gehen und die richtige Stelle muß er treffen, denn diese fürchterliche Katze hat das Leben von tausend Panthern. Wie oft habe ich die Klinge schon hinter ihr gezückt und sie doch wie der in die Scheide gestoßen, weil mich ein einziger Ton ihrer berückenden Stimme wieder in die alten Banden schlug. Sie ist mir gefolgt von Land zu Land, von Meer zu Meer.“

„Das gegebene Stück war nicht für das große Publikum berechnet; es wurde vor einem nur spärlich besuchten Hause gegeben, und darum war an disponiblen Plätzen kein Mangel.“ Auch das gab’s damals schon ...

Beeindruckender Auftritt Clairons ... „Er konnte nicht weiter sprechen; ein gewaltiger Faustschlag, von hinten auf seinen Kopf streckte ihn zu Boden.“ [...] „Dem Blicke, welcher aus dem dunklen Auge blitzte, war nicht zu widerstehen.“

Sie ist in allerlei Hinsicht nicht zimperlich, „Glaubst Du, daß ich Dich meiner Eifersucht für werth halte und die Unsrigen verlassen möchte, um Dich im Abenteuer mit einer blassen Deutschen zu stören? Peh'!“

„Die Erinnerung an die erlittene Niederlage verzerrte sein Gesicht zu einer häßlichen, abschreckenden Fratze und ließ unter der untadelhaften Weiße seiner Stirnhaut dicke, blaue Adern aufschwellen.“ Es steht zwar [des öfteren] „sein“, „ihn“ usw. da, aber es ist von der verkleideten Clairon die Rede.

Und differenziert aufrichtig ist sie auch, „Du bist ein guter Seemann, aber ein untreuer Liebhaber und ein schlechter Diplomat. Die Intrigue ist ein Feld, auf welchem Du Dich nur blamirst.“

Um das verlorengegangene Schiff zurückzubekommen, wird ein Raubmord geplant ...

„Sie ist ein Engel und Teufel zugleich, und ich möchte beinahe behaupten, daß sogar die Schönheit Adelens einen Vergleich mit der ihrigen zu scheuen hat, und in Beziehung auf – auf das Handwerk giebt es keine Zweite, welche ihren Platz einnehmen könnte!“ Das ist deutlich und einigermaßen dezent zugleich ...

Der Plan gelingt, Max wird verhaftet.

 

3. Kapitel – Der Schwur des Trackers

Holbers und Hammerdull werden eingeführt. Über Letzteren heißt es „Bei näherer Betrachtung konnte man bemerken, daß ihm nicht nur mehrere Finger, sondern auch beide Ohren fehlten“, das ist später in anderen Werken nicht mehr so.

Sein Gewehr heißt Mary, nach einer „Mary Kroners, ein Mädchen wie – wie, na wie es keine Andre geben konnte. Die wurde von den Indsmen ausgelöscht“; Namen und Motive werden bei May schon mal bunt gemischt und neu kombiniert, quer durchs Gesamtwerk (denken wir an Tim Kroners / Betty / Liddy usw.) ... „und seit diesem Tage ist Dik Hammerdull hinter ihnen her und kennt keine größere Freude, als eine Rothhaut auszublasen.“

Auftritt Winnetou, der, unerkannt, von Hammerdull nicht eben freundlich begrüßt wird, „Ich kann Dein rothes Fell nicht leiden!“

„Er war der einzige Häuptling der noch ununterjochten Stämme, welcher den Weißen nicht übel wollte.“

Die Old-Firehand-Variante Sam Fire-gun ist von eigener Art, „Niemand kannte den Ort, der ihm und den Seinen als Sammelplatz und Ausgangspunkt ihrer Streifereien diente, und eben so wenig vermochte man den Zweck zu bestimmen, der ihn im wilden Westen hielt. War er einmal in irgend einer Ansiedelung erschienen, so hatte er ganz gewiß nicht mehr Felle mitgebracht, als zum Eintausche von Proviant und Munition unumgänglich nothwendig war, und war dann stets sofort wieder spurlos verschwunden. Er gehörte also jedenfalls nicht zu den Jägern, welche sich durch die Jagd die Mittel zu einem späteren, gemüthlichen Leben zu erwerben trachten; er mußte vielmehr ganz andre Absichten verfolgen, über welche aber Nichts verlautete, weil er nie Umgang pflog und jedem Versuche der Annäherung behutsam aus dem Wege ging.“

In Begleitung der Herren Heinrich Sander und Peter Wolf geht es in die Prärie, wo wir zunächst den aus „Old Firehand“ bekannten Eisenbahnüberfall noch einmal erleben. Auch der Auftritt Fire-guns ist ganz so wie in der „Old Firehand“-Erzählung.

Der Kampf „hätte einem nicht betheiligten Zuschauer Gelegenheit gegeben, Thaten zu beobachten, für welche der civilisirte Boden kaum einen Platz haben dürfte.“

Im Gesicht Fire-guns „sprach sich ein Gefühl von jener Kampfeswonne aus, welche das verfeinerte Urtheil leugnet, nichts desto weniger aber doch eine oft bewiesene Wahrheit bleibt.“ Diese Formulierung können wir uns merken, es gibt so einiges, was das verfeinerte Urtheil leugnet, nichts desto weniger aber doch eine oft bewiesene Wahrheit bleibt.

Wolf und Sander „hatten die Tomahawks gefallener Indianer aufgerafft und handhabten sie mit einer Leichtigkeit und Sicherheit, als hätten sie sich auf diese Art des Fechtens auf irgend einem Kriegsschiffe mit dem weit schwereren Enterbeile eingeübt.“ Ein Hinweis ...

Winnetou besiegt den Siouxhäuptling, der hier Riccarroh heißt, „senkte ihm das Messer in die Brust, faßte mit der Linken das reiche, dunkle Haar zusammen – drei Schnitte, kunstgerecht geführt – ein kräftiger Ruck – und der Scalp war gelöst. Er schwang ihn hoch um den Kopf und stieß jenen fürchterlichen Siegesruf aus, welcher Mark und Bein erschütternd auf den Gegner zu wirken pflegt.“

Wir erfahren nun, daß wir es bei den vermeintlichen Sander und Wolf mit Latour und Letrier zu tun haben.

Und während sich Fire-gun mit seinem vermeintlichen Verwandten über den Kriminalfall in Deutschland unterhält, sitz Miß Admiral Clairon hinter ihnen im Eisenbahnwagon und hört zu ... Das ist reichlich unrealistisch kolportagehaft.

Erwähnenswert ist die Einschätzung Clairons durch Holbers, bzw., die Formulierung: „Wird eine jener Lady's sein, die sich auf Emancipission legen, oder wie das Ding heißt, und nicht eher klug werden, als bis es zu spät ist.“

Clairon verrät Latour und Letrier ... (per Zettel.)

„Den Mörder meines Bruders bringe ich hinüber an den Platz, wo er die That beging, und wenn meinem Neffen ein Unheil widerfahren ist, so werde ich an dem Thäter noch ein Extraurtheil vollstrecken, wie es in den Gesetzbüchern des alten Landes wohl nicht zu suchen ist“, kündigt Fire-gun an ...

„Die Vorsehung hatte eine jener tausendfältigen Episoden gestattet, welche der Ungläubige Zufall nennt, in denen aber der schärfere Beobachter das Walten einer Alles lenkenden Vorsehung erkennt.“

 

4. Kapitel – Auf der Fährte

„Eine zweite Mutter Thick ist nicht zu finden, so weit die Winde gehen und die Wogen rauschen“, heißt es über Mutter Thick in Hobok[k]en, aber später [im Gesamtwerk] kriegen wir noch eine in Jefferson City, und außerdem gibt es da diese Mutter Röse in Dessau ...

An einem der Tische geht’s rassistisch zu, „Sie führten ihr Wort so laut, daß ihre Stimmen jedes andere Gespräch überschallten, und trugen eine politische Ansicht zur Schau, welche für New-York und zumal für die brave Mutter Thick etwas sehr gewagt erscheinen mochte.“

„Die Nigger sind keine richtigen Menschen; sie sind halb Mensch und halb Thier und passen nur zur Peitsche. Der Teufel hole den Norden, der aus ihnen Gentlemen machen will!“

Auftritt Wallerstein, Polter und Treskow.

Latour ist der „Schwarze Kapitän“, erfahren wir ... Und Max von Schönberg ist als Lieutenant Parker unterwegs.

Peter Polter, der Probleme mit dem Reiten hat, ist offenbar kein allzu großer Tierfreund, „Ein Hieb mit der gewaltigen Faust zwischen die Ohren belehrte das Pferd, daß es außer dem seinen noch einen höhern Willen gebe, den es zu respectiren habe.“

Wirt und Polter ergehen sich in Erinnerungen an beträchtlichen Alkoholismus, „Wer so trinken kann wie Du, den vergißt man nicht so leicht!“ – [...] „Weißt noch, als ich mit Dik Hammerdull, Pitt Holbers und noch Einigen hier Abschied trank und doch zwei Tage länger warten mußte, weil die Andern gar nicht wieder aufwachen wollten?“ – „Yes, yes, das war ein ‚Drink’, wie ich noch keinen erlebt hatte“ ...

Bill Potter gibt eine beeindruckende Lektion in Sachen Spurenlesen ...

„Ein Weißer mit Rothen gegen Weiße, verdammt soll Eure Seele sein für diese Schlechtigkeit in alle Ewigkeit!“ sagt der überfallene Fire-gun, jenun, das kommt später bei Old Shatterhand noch des öfteren vor ...

„Weiter, Ihr Männer, schlagt, haut, stecht, schießt, prügelt sie, werft sie über Bord, daß sie ersaufen, quetscht sie todt, hurrah – hurrah!“ gröhlt Polter, und „Während der wackere Seemann in dieser Weise seinem Herzen Luft machte, thaten auch Wallerstein und Treskow ihre Schuldigkeit. Es war der erste Kampf, an dem sie theilnahmen, und zwar zugleich ein furchtbarer, der ihnen das Leben im wilden Westen von der dunkelsten Seite zeigte.“

 

5. Kapitel – Miß Admiral

San Francisco, „Wer jetzt am Hafenquai dieser Stadt steht und das Völkergewühl, welches hier in fast unlösbarer Bewegung durcheinander wirrt, beobachtet, wer die breiten, langgestreckten Straßen, die umfangreichen Plätze, die prächtigen Paläste und Gebäude sieht, hinter deren Spiegelscheiben Alles aufgestapelt ist, was vom Golde stammt, mit ihm in Beziehung steht und für dasselbe zu haben und zu kaufen ist, der vermag nur schwer an die geringen, ja armseligen Anfänge zu denken, aus denen sich die Metropole des schimmernden Metalles entwickelt hat.“ Geschrieben um 1880.

„Und wie die Wogen da draußen im Hafen und auf der See steigen und fallen, wie die bunt zusammengewürfelte Menschheit in den Straßen, Plätzen und öffentlichen Localen sich ohne Rast und Ruhe schiebt und stößt, drückt und drängt, so steigt und fällt auch das wankelmüthige Glück, so schiebt auch das untreue Verhängniß den Spielball, Mensch genannt, zum scheinbar sichern Halt empor und stößt ihn im nächsten Augenblicke wieder hinab“ ... so ist das, ggf. gar „auf den Grund, den das 'Ungeziefer der Gesellschaft’ bewimmelt. Wer gestern noch als Millionenmann gepriesen und beneidet wurde, bricht vielleicht schon heut mit Hacke, Spaten und Büchse nach den Diggins auf, um den verlorenen Reichthum wieder zu gewinnen. Die Existenzen sind vorwiegend problematisch, und manche glänzende Salonerscheinung entpuppt sich, wenn das Spiel zu Ende ist, als ein haltloses, abenteuerliches Dasein, dessen Bestehen nur von dem Falle des Würfels abhängig war.“

„Im Uebrigen aber dürft Ihr Euch wahren; die Wittwe ist eine Frau, der eine einmal beabsichtigte Eroberung nicht schwer zu fallen scheint!“ bekommt Kapitän Jenner vor dem Besuch bei der vermeintlichen Frau de Voulettre gesagt ...

Gelegentlich hat man den Eindruck, als schmecke Mays [späterer] privater Geschmack durch, wenn er z.B. vom „wohlgeordneten Stadthaushalt“ spricht, „wo die mächtige Hand einer kräftigen Sicherheits- und Wohlfahrtspolizei jeden schädlichen oder auch nur verdächtigen Stoff auszuscheiden oder wenigstens unter scharfer Bewachung zu halten verpflichtet ist.“

Man spricht von Miß Admiral, „Der Kerl soll gar nicht einmal ein Mann, sondern ein Weib gewesen sein, ein wahrer Satan. Will's auch gern glauben, denn wenn sich der Teufel ein Extraplaisir machen will, so fährt er in ein Frauenzimmer.“

Clairon becirct Jenner ...

 

6. Kapitel – Entkommen

„Bewegung und Ruhe ist der Inhalt des ganzen, des besonderen wie allgemeinen Lebens, auch des menschlichen.“ Bhagavad-Gita und Karl May sind sich hier einig.

Sam Fire-gun ist nicht nur „ein großer Jäger; er ist stark wie der Bär des Gebirges“ sondern auch „klug wie die Katze hinter dem Stamme des Sykamore“.

Das Hide-spot ist eine Variante dessen Old Firehands.

Peter Polter weiß, was er kann, und was er nicht kann, „Der Teufel soll mich holen, wenn ich jemals wieder in diese unselige Prairie komme und mich auf den Rücken einer solchen Bestie verteie, die mit mir in die Lappen geht, so daß ich den richtigen Kurs verliere und in alle Ewigkeit nicht wiederfinden kann. Hätte das Viehzeug nicht ganz von selbst den Hide-spot gewittert, so flöge ich noch in zehn Jahren draußen im Grase herum!“ Aber eben auch „Wenn ich an Bord eines guten Schiffes stehe, so weiß ich auf die Linie, wo ich mich befinde, aber hier in der Savanne und noch dazu auf dem Rücken eines solchen Pestilenzviehzeuges ist es einem ja so fürchterlich schlimm zu Muthe, daß man sich vor Herzeleid nicht einmal auf den eigenen Verstand besinnen kann. Willst Du Deine Redmen haben, die Hallunken, so suche sie Dir selber!“ Das läßt sich übertragen.

Latour erkennt Fire-guns Schauspielerei ... „hast Du den Blick gesehen? [...] Er hat Alles entdeckt.“ – „Nicht möglich! Er ging ja vollständig beruhigt fort.“ – „Nichts als schlaue Verstellung! Er sah die Fußspuren des Jägers und Indianers; ich habe es ihm trotz des halben Lichtes augenblicklich angemerkt. Es zuckte ganz verdächtig über sein Gesicht. Dann warf er einen kurzen aber dolchscharfen Blick auf unsre Fesseln, und der Klang, den sein ‚Alles sicher’ hatte, vervollständigte mir nur den Beweis, daß er Alles durchschaut hat.“

Die Tötung von jungen Indianern wird seitens der „Guten“ amüsiert („Hihihihi, lachte der Letztere“) zur Kenntnis genommen und lakonisch kommentiert, „sind zu früh flügge geworden, die kleinen Jungens; haben noch nicht gelernt, die Augen und Ohren aufzuthun.“

Angesichts „einer ganzen Menge herumliegender menschlicher Körper“ erfahren wir dann immerhin „Letrier schüttelte sich“. (Das ist nun einer der „Bösen“.) „Brrr, Capitain, die armen Burschen sind Einer nach dem Andern ruhig abgefangen und ausgelöscht worden, sobald sie in der Höhle ankamen.“

 

7. Kapitel

Latour und Letrier in San Francisco, um Clairon aufzuspüren.

Fire-gun und [insbesondere] Winnetou werden sich in ungewohnte Gefilde begeben, „Mein rother Bruder ist mir auf der Fährte der Räuber gefolgt über die weiten Länder der Savanne. Wird er bei mir bleiben, wenn ich gezwungen bin, ein Schiff zu besteigen?“ – „Winnetou, der Häuptling der Apachen, geht mit Sam Fire-gun über die ganze Erde und auch auf das große Wasser. Hugh!“

Wir erfahren, daß auch der Mann mit dem Feuermahl Clairon ist ...

Clairon bringt das Schiff in ihre Gewalt, wird aber ihrerseits von Latour überrumpelt ...

„Clairon, hör', was ich Dir ein für alle Mal sage! Einst warst Du mir gewachsen, jetzt aber nicht mehr. Das Wohlleben in San Franzisko hat Dich entkräftet, die Savanne mich aber doppelt stark gemacht. Auch die Liebe zu Dir vermag nichts mehr über mich. Ich werde mit Dir abrechnen und hätte Dich trotzdem bis auf Weiteres in Deiner einstigen Stellung als zweiter Offizier gelassen. Doch Du hast meinen Tod gewollt, und mein Leben stand in Gefahr, so lang ich Dir vertraute. Ich bin Capitain meines Schiffes, und Du – Du wirst unschädlich gemacht!“

 

8. Kapitel – ‚Swallow’ und ‚l'Horrible’

Im Haus von Frau de Voulettre „herrschte eine ganz bedeutende Aufregung. Die Herrin war seit längerer Zeit spurlos verschwunden und fast sämmtliche Gäste lagen betäubt und besinnungslos im Salon, in Folge eines in den Wein gemischten Giftes, wie die schleunigst herbeigeholten Aerzte aussagten.“

„Die Sterne kehren sich nicht an die Wünsche des Menschenherzens; sie gehen ruhig ihren ihnen seit Jahrmillionen vorgeschriebenen Lauf“ ... So ist das.

„Ob juchheisassassassa oder nicht, das bleibt sich gleich“, wenn auch insgesamt wenig über den trotz aller bunten Zutaten eher faden Roman zu berichten ist, eine solche Stelle verdient erwähnt zu werden ... [Die Geschmäcker sind freilich verschieden. Auch die Antennen ...]

Und auch Jenners lakonisches „Der Teufel hole Euern Scherz! Mir ist es nicht wie Spaß. Vergiftet, vom Arzte gequält, von der Polizei gemartert und von der Hafenbehörde coujonirt, ist es Einem nicht wie Fastnachtspielen“ ist nicht übel.

Alles kommt mit an Bord, „der Colonel und sein Neffe, der Steuermann, Treskow, Holbers, Hammerdull, Potter und Winnetou“.

Parker erfährt, daß der „Schwarze Kapitän“ die Mordtat in der Heimat begangen hat, „Die Mittheilung Treskows kam ihm so überraschend, so überwältigend, daß er sich an den Kopf griff, um sich von dem Dasein desselben zu überzeugen.“

„Die Aufregung, welche der Tag mit sich gebracht hatte, legte sich allmählich, und das Leben am Bord kam gar bald wieder in das gewöhnliche, ruhige Gleis. Tag verging um Tag; einer glich so vollständig dem andern, daß die an die unbeschränkte Freiheit der Prairie gewöhnten Jäger nach und nach an der Langeweile zu leiden begannen.“

Gefecht; Clairon kann sich absetzen.

„Ein vielstimmiges Hurrah scholl über das Deck; die 'Swallow' antwortete mit drei Kanonenschüssen; sie hatte ihren Ruf gerechtfertigt und ihren bisherigen Ehren eine neue, größere hinzugefügt.“

 

9. Kapitel – Die Einschiffung

„Wieder war es bei Mutter Thick in Hobokken. Die gute, brave Frau war noch immer die Alte; hatte sie sich verändert, so war es höchstens in der Weise, daß ihre volle, umfangreiche Gestalt noch einige Zoll im Durchmesser zugenommen hatte.“

Es wird erzählt ...

Mutter Thick erwartet die komplette Heldentruppe ...

Während Polter „kauend von den erlebten Abenteuern berichtete, saß Winnetou an seinem Platze und sprach den ihm ungewohnten Speisen der Bleichgesichter mit höchster Mäßigkeit zu. Bier und Wein rührte er gar nicht an. Er wußte, daß das 'Feuerwasser' der schlimmste Feind seines Volkes gewesen war; darum haßte und verschmähte er es. Seine Aufmerksamkeit war auf die lebhafte Unterhaltung gerichtet, welche die Andern in jenem halblauten Tone führten, der stets ein Zeichen von der Wichtigkeit des Gegenstandes ist.“

Man will die Übeltäter nicht in amerikanische Justizhände geben, sondern nach Deutschland bringen, „Nach den Gesetzen müssen wir sie allerdings ausliefern, aber die Gesetze – pah! Wir haben manches Schwierige zu Stande gebracht, sollten wir hier wirklich auf eine Unmöglichkeit stoßen?“

„Hast Du Dein Paßbureau noch?“ Mutter Thick kann helfen.

„In fast allen großen Hafenstädten giebt es heimliche Bureau's, in denen man sich für gutes Geld mit guten, freilich allerdings gefälschten Pässen versehen kann.“

Man hat einen „höchst einfachen“ Plan: „Wir nehmen uns Plätze auf dem 'Alba' und gehen nach Bremen. Kurz vor der Einschiffung liefre ich, meiner Schuldigkeit gemäß, die Gefangenen aus, sorge aber dafür, daß sie entkommen und ebenfalls den 'Alba' benutzen, um ihre Flucht zu bewerkstelligen.“ Man ergreift halt „gern die Gelegenheit, diesen verhaßten Yankee's, welche sich stets als bestes Seevolk brüsten, obgleich ihre bravsten Offiziere Deutsche sind, ein Schnippchen zu schlagen“.

Abschied Peter Polter – Mutter Thick, „Mit thränendem Auge hing sie sich an den Hals des Freundes, der selbst alle seine Beherrschung zusammennehmen mußte, um nicht nasse Augen zu bekommen.“

„Sie aber sah ihnen nach, so lange sie vermochte und schloß sich dann traurig in ihr Stübchen ein, aus welchem sie erst spät wieder zum Vorschein kam.“

 

10. Kapitel – In der Heimath

Es ist genau ein Jahr später als im ersten Kapitel ...

Der „alte Knaster“ muß noch 'weichgeklopft' werden, „zerriß er langsam den verhaßten Namen“ heißt es hübsch, als er „Adele – von – Tres – kow“ sagt, es gilt noch einen Kampf, „welchen der alte Zorn mit der Vaterliebe in seinem Innern zu bestehen hatte“.

Diener Heinz hält einen beeindruckenden 'Speech' und erinnert dabei ein wenig an den 'Heinrich-der-Wagen-bricht'.

Bald „lagen sich Vater und Sohn in den Armen, lange, lange Zeit. Es war ein tief ergreifendes Wiedersehen nach so schweren, traurigen Schicksalen, und als sie endlich von einander ließen, rollten den beiden starken Männer die hellen Zähren über die Wangen.“

„Es war eine wunderbare Gesellschaft, welche der Prinz jetzt bei sich sah, und in dieser Zusammenstellung war sie hier und im ganzen Lande wohl noch nie gesehen worden; aber jeder Einzelne wurde trotz seines unscheinbaren Aeußeren aufgenommen, als sei er eine fürstliche Persönlichkeit.“

Sam Fire-gun wird nicht „im Vaterlande bleiben“, „Wen die Prairie einmal gepackt hat, Durchlaucht, den läßt sie nie wieder los. Ich werde hier bleiben, bis der Prozeß beendet ist, und dann mit den Meinigen wieder zurückkehren. Die Savanne bietet uns den unendlichen Raum zum freien Leben, sie hat auch Platz genug für uns im Tode“.

Und Peter Polter äußert in einem tatsächlich rührenden Moment „Mutter Thick und die 'Swallow’, die möchte ich wiedersehen“.

Heinz „konnte nun die berühmte Geschichte von anno Vierzehn gehörig an den Mann bringen“, deren Ende der Leser leider auch hier nicht erfährt.

Das Schlußwort hat Winnetou, der im Park aufgefunden wird:

„Das große Wigwam meines weißen Bruders ist schöner als die Wohnung Manitou's, aber der Sohn der Prairie liebt die freie Luft und den Glanz der Sterne. Winnetou, der Häuptling der Apachen wird schlafen in den Halmen des Grases und sich bedecken mit den Wolken des Himmels, wie es thun die Kinder seines Volkes von Jugend auf. Howgh!“